Anorexie und Bulimie - eine Übersicht

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Wenn Essen zum Problem wird.
Wege aus Eßstörungen. 

von Ingrid Arenz-Greiving 1999
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Wenn die Seele hungert. 
Essstörungen und was sich dagegen tun

lässt. von Carl Leibl, Gislind Leibl 2000
Preis: EUR 9,10
Taschenbuch - 189 Seiten
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Eßstörungen. Ursachen, Symptome, Therapien.
von Ulrich Cuntz, Andreas Hillert 
Preis: EUR 7,57
Taschenbuch - 135 Seiten
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Eßstörungen-Magersucht+Bullimie 
med.Kurzbeschreibung mit Therapie

Anorexia nervosa 
Bulimie, Bulimia

Anorexia nervosa
Syn.: Asitie   auch Appetitlosigkeit, Magersucht        A. nervosa
Syn.: PubertätsmagersuchtVerlust des Nahrungstriebes; 
Boston 6.12.99 UPI: 
Mit 5
Fragen kann laut einer Studie mit 116 Bulimie/Anorexie
Patienten die Eßstörung 100% identifiziert werden:

1. Beunruhigt sie ein unangenehmes Völlegefühl?
2. Ärgern sie sich darüber, dass sie keine Kontrolle darüber haben, 
    wie viel sie essen?
3.Haben sie während 3 Monaten mehr als 7 kg Körpergewicht verloren?
4.Glauben sie dick zu sein wenn andere sagen sie wären dünn?
5. Würden sie sagen, dass Ernährung ihr Leben beherrscht?
Zwei  oder mehr Ja-Antworten weisen auf eine Eßstörung hin!
Wie lasse ich meine Bulimie verhungern?
von Margret Gröne
Preis: EUR 24,54

Taschenbuch
- 293 Seiten
Erscheinungsdatum: 2000
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Bulimie.
Neue Wege zur Heilung,
ein Selbsthilfeprogramm.

von Gail F. Huon,
Lawrence B. Brown
Preis:EUR 7,95 Taschenbuch - 126 Seiten
Erscheinungsdatum: 1999
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Anorexia, Anorexie :zu den Eßstörungen gehörende, durch einen selbst herbeigeführten Gewichtsverlust von mindestens 15% unterhalb des normalen Gewichts, Körperschemastörungen u. massive Furcht vor Gewichtszunahme geprägte A. Betroffen sind vorwiegend junge Frauen (12.-30. Lj.). Leitsymptom ist die Störung des Eßverhaltens (Nahrungsverweigerung, evtl. unterbrochen durch heimliche Eßattacken mit anschließendem selbstinduzierten Erbrechen; Einnahme von Laxanzien), die rasch zu einer (nicht selten vital bedrohlichen) Gewichtsabnahme führt. Weitere Symptome u.a. primäre bzw. sekundäre Amenorrhö u. weitere endokrinologische u. metabolische Störungen, Elektrolytverschiebungen, Bradykardie, Hypotonie, trophische Hautstörungen. Die Letalitätsrate (somatische Komplikationen der Kachexie, Suizid) wird mit ca. 15% angegeben. Als wesentliche psychische Ursache werden mit beginnender Geschlechtsreife schwere Störungen der Geschlechtsidentifikation u. der Autonomieentwicklung im Rahmen einer pathogenen Familiendynamik angenommen. Therapie: interdisziplinär internistisch-psychosomatischer Behandlungsansatz (ggf. stationäre Aufnahme), regelmäßige Kalorienzufuhr, in Extremfällen mittels Magensonde; evtl. Psychopharmaka; psychoanalytisch bzw. verhaltenstherapeutisch orientierte Psychotherapie, ggf. heilpädagogische Maßnahmen, Familientherapie.
(Roche Med. Lexikon)

Definition: Eßstörung, die durch gezieltes Fasten (bei erhaltenem Appetit) und Untergewicht charakterisiert wird.
Erbrechen und bulimische Attacken können dazugehören. Häufigkeit 1% ernsthafte Erkrankungsfälle unter Mädchen in der
Adoleszenz. Zunehmend häufiger jetzt auch bei Frauen über 25 Jahren. 95% aller Fälle betreffen das weibliche Geschlecht.

Pathogenetisches Modell (modifiziert nach Fichter)
Symptome:
- Untergewicht von mindestens 15 % bezüglich Alter und Größe
- Starke Angst vor Gewichtszunahme
- Störung der Körperwahrnehmung hinsichtlich Gewicht, Größe, Form
   (z.B. wird ein Körperteil als zu dick empfunden trotz Untergewicht)
- Gezieltes Fasten
- Psychomotorische Überaktivität (auch als Strategie der Gewichtsreduktion)
- Amenorrhoe (korreliert meist mit Gewichtsabnahme)
 - Bradykardie, Ödeme und andere (sekundäre) körperliche Symptome
- Sekundäre hormonelle Störungen
- Bei Erbrechen und Laxantienabusus  Hypokaliämie,  Arrhythmie, Nierenschädigung
Verlauf (Katamnesedauer zwischen 4 bis 10 Jahren)
- Vollremission in ca. 40%
- Deutliche Besserung bei ca. 30%
- Ungebessert bleiben ca. 20%
- Tod in ca. 9%
 - Symptomshifts zu schizophrenen und endogen-depressiven Zustandsbildern sowie Süchten kommen vor
Prognose
- Günstig bei frühem Beginn vor dem 16. Lebensjahr
- Ungünstig bei schlechter prämorbider sozialer Anpassung, prämorbider Fettsucht, Vorkommen von Bulimie-Attacken,
   Mißbrauch von Brechmitteln, Laxantien, Diuretika
DD
– Chronisch-konsumierende Erkrankungen (z.B. Tumoren, Tbc)
– Hormonelle Störungen (z.B. Hyperthyreose, Hypophysenvorderlappeninsuffizienz, Diabetes mellitus)
– Psychiatrische Erkrankungen
• Konversionsneurosen: Patienten fasten nicht, um schlank zu werden, sondern weil mit Nahrungsaufnahme
  bzw. Erbrechen symbolische (z.B. sexuelle) Assoziationen aufgrund eines neurotischen Konflikts verbunden sind
• Schizophrene Psychosen: Nahrungsverweigerung z.B. im Rahmen eines (Vergiftungs-)Wahns
• Depression: verringerte Nahrngsaufnahme bei Antriebs- und Appetitstörungen


Magersucht (Anorexia nervosa)  Sport und Diäten: die programmierte Sucht
 BERGH, C, SÖDERSTEN, P: Anorexia nervosa, self-starvation and the reward of stress. Nature Medicine 1996/2/S.21-22
Die Magersucht (Anorexia nervosa) hat keine psychischen sondern neurochemische Ursachen, behaupten Cecilia Bergh und Per Södersten vom
schwedischen Karolinska Institut. Sie halten die übliche psychiatrische Definition für unbrauchbar: Weder das Kriterium "Angst vor der Gewichtszunahme" noch die "gestörte Körperwahrnehmung" würde von allen Anorektikern erfüllt. Auch seien "Gewichtsverlust" und "Ausbleiben der Monatsregel" wenig sinnvolle
Diagnosekriterien, da sie eine Folge der unzureichenden Nahrungszufuhr darstellen. Die Autoren halten sich deshalb lieber an die beiden typischen
Merkmale der Anorexie: Das Hungern und die gesteigerte körperliche Aktivität. Wie gefährlich Diäten in Verbindung mit Sport sein können, haben kürzlich
Tierversuche untermauert: Erhalten weibliche Ratten freien Zugang zu einem Laufrad und Futter, so bleibt ihr Körpergewicht konstant. Ebenso, wenn sie nu
noch eine Stunde am Tag Gelegenheit zum Fressen, aber kein Laufrad haben. Läßt man sie hingegen nur eine Stunde fressen und gibt ihnen die Möglichkeit zu
laufen, rennen sie, ohne ausreichend zu fressen und magern schnell ab. Je mehr sie an Gewicht verlieren, desto stärker steigern sie ihr "Training", so daß die
meisten Ratten nach kurzer Zeit sterben. Bergh und Södersten machen dafür Neurotransmitter verantwortlich. Hungern und körperlicher Streß bewirken eine erhöhte Ausschüttung des Corticotropin-Releasing-Faktors (CRF) im Hypothalamus. In der Folge steigen auch die Cortisol-Spiegel. Während CRF den Hunger unterdrückt, können die Glucocorticoide Euphorien und Abhängigkeit auslösen. Bei Magersüchtigen sind die CRF-Spiegel im Gehirn und die Cortisolwerte im Blut tatsächlich erhöht. Seit 25 Jahren ist zudem bekannt, daß Nahrungsverzicht und Gewichtsverlust bei hungernden Frauen Wohlbefinden auslöst. Mit anderen Worten: Sind Hunger und Sport erst einmal mit angenehmen Empfindungen gekoppelt, kann es zur Sucht kommen, bei der die Betroffenen immer weiter hungern und Sport treiben.Deshalb verwundert es auch nicht, "daß das Risiko, sich selbst auszuhungern bei weiblichen Spitzensportlern deutlich erhöht ist". Demnach ist Anorexie eine Folge von Abnehmdiäten in Verbindung mit Sport.
Magersucht: die Jagd nach der körpereigenen Droge
Huebner, HF: Endorphins, eating disorders and other addictive behaviors. Norton & Company, New York 1993
Hans Huebner, Psychiater an der Medizinischen Hochschule der Cornell Universität, erkannte bereits 1977, daß das Selbst-Aushungern bei Magersucht
nicht alleine mit den gängigen psychologischen Theorien erklärt werden konnte.Bei der Suche nach biochemischen Parametern fielen ihm die erhöhten Werte für die Hormone ACTH und Cortisol auf. Die ACTH-stimulierte Cortisolausschüttung der Nebennierenrinde ist Teil der Streßantwort des
Körpers. ACTH steht in engem Zusammenhang mit den Endorphinen, den körpereigenen Opiaten, die der Schmerzunterdrückung dienen. ACTH und
Endorphine werden aus demselben Vorläuferprotein abgespalten, dem Pro-Opiomelanocortin (POMC). Endorphine dämpfen nicht nur Schmerzen, sie
senken auch die Körpertemperatur, den Puls, den Blutdruck und verlangsamen die Atmung - alles Symptome der Anorexie. Sie beeinflussen die Hormone LH, FSH, GH, Prolactin, TSH und ADH in gleicher Weise wie Morphin. Auch bei Magersüchtigen sind LH und FSH erniedrigt, Cortisol und GH erhöht. Der
Endorphin-Blocker Naloxon, der zur Behandlung von Heroin-Überdose eingesetzt wird, hob die Effekte auf. Damit ist Anorexie eine echte Suchtkrankheit.In Versuchen mit Magersüchtigen fiel auf, daß sie bei einer Behandlung mit Naloxon seltsam traurig, weinerlich und wehrlos wurden, sie verloren sogar etwas
ihre Furcht vor dem Essen. Offenbar fielen sie in einen depressiven Zustand, sobald die Endorphinwirkung durch das Medikament abgeblockt wurde. Jetzt war endlich klar, welchen Nutzen die Sucht für die Betroffenen hat: Das Hungern verschafft ihnen die Endorphinausschüttung, die ihre Depressionen und Ängste bekämpft. Die Endorphine passen darüber hinaus die Hormone und die Körperfunktionen an das spärliche Nahrungsangebot an. Und weil Endorphine
süchtig machen, müssen Anorexie-Patienten immer weiter hungern, selbst wenn der Körper schon völlig ausgemergelt ist. Wer durch Diäten zum ersten Mal in
Kontakt mit der Droge "Hunger" kommt, läuft Gefahr, abhängig zu werden - vor allem in labilen Phasen wie der Pubertät. Die Therapie Magersüchtiger erfordert einen regelrechten Entzug. Die Betroffenen müssen wissen, daß sie körperlich abhängig sind und daß sie (mühsam) lernen müssen, ohne ihre Droge zu leben. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen sowie die psychologische Aufarbeitung individueller und familiärer Probleme sind dabei hilfreich, sie sind jedoch nur ein Teil der Therapie.
Anorexie (Magersucht)
Magersüchtigen fehlt es nicht am Appetit, sie sind vielmehr süchtig nach Hunger.Die Krankheit beginnt in der Regel während der Pubertät, meist mit 16 Jahren,
häufig nach einer strengen Diät. Das amerikanische Diagnostische Statistische Handbuch der psychischen Krankheiten (DSM IV) nennt vier Kriterien für die
Diagnose:
Gewichtsabnahme auf unter 85 % des altersgemäßen Gewichts
große Furcht vor Gewichtszunahme
verzerrte Körperwahrnehmung sowie
Ausbleiben der Regel (Amenorrhoe).
Kritiker geben zu bedenken, daß Gewichtsabnahme und Amenorrhoe infolge des Hungerzustandes auftreten. 
Zudem werden die anderen Kriterien nicht von allen Anorektikerinnen erfüllt. Zur Charakterisierung sollten besser die beiden Verhaltensauffälligkeiten dienen, die Magersüchtige von anderen Kranken unterscheiden: das Sich-Selbst-Aushungern verbunden mit gesteigerter körperlicher Aktivität.
 90 % aller Magersüchtigen sind weiblich. Ob sie überwiegend aus höheren sozioökonomischen Schichten kommen, ist umstritten. Sie haben meist keine
Krankheitseinsicht, so daß es schwierig ist, sie zur Therapie zu motivieren. Körperliche Folgen sind u.a. Unterkühlung, Herzrhythmusstörungen,
Hypertrophie der Speicheldrüsen, Lanugobehaarung, verzögerte Magenentleerung, Ödeme, Verstopfung und Polyurie. Die Laboruntersuchung
ergibt z.B. erhöhtes CRH, GH und Cortisol, erniedrigtes LH und FSH, Anämien, Leukopenien, erhöhte Leberenzym- und niedrige Nüchternblutzuckerwerte.
Durch Herzschäden kann es zum plötzlichen Tod kommen. Weitere Spätfolgen sind chronische Magen- und Verdauungsprobleme sowie Osteoporose. Die
Prognose der Magersucht ist unvorhersehbar: Während rund 50 % vollständig genesen, sterben bis zu 20 % der Erkrankten an Auszehrung oder durch Selbstmord.

Studie zum chronischen Verlauf
Viele magersüchtige Frauen leiden jahrzehntelang unter Ihrer Erkrankung Demnach können die gängigen Therapien einen chronischen Verlauf nicht verhindern.
Das hat jetzt Stephan Zipfel in einer Studie der Med. Klinik Uni Heidelberg bestätigt (Lancet, Bd355, S. 721).
Untersucht wurde das Schicksal von 84 Frauen ; die vor 21 Jahren wegen Magersucht behandelt wurden.
Ein Viertel der Frauen war entweder immer noch  magersüchtig oder bereits an den Folgen der Erkrankung gestorben. Jede fünfte Frau litt nach wie vor  an 
einer Störung des Essverhaltens, konnte aber nicht mehr als magersüchtig bezeichnet werden. Diese Ergebnisse zeigen, dass neue Strategien zur Bekämpfung dieser Leiden benötigt werden. Um sie zu entwickeln muß man aber die Faktoren kennen, die einen chronischen Verlauf begünstigen. Wichtig scheint es aber die Art der Magersucht genauer zu charakterisieren. Frauen die ihr Gewicht durch rigorose Einschränkung und Sport niedrig halten haben bessere Aussichten geheilt zu werden, als Frauen die durch Erbrechen oder den Griff zu Tabletten abmagern. Wichtig ist auch die Dauer der Erkrankung. Wird eine Eßstörung ohnr ärztliche Hilfe über Jahre kultiviert, ist das Risiko groß , daß sie auf Dauer besteht . Ungünstig ist ferner , wenn das Gewicht nur sehr langsam ansteigt.
Magersucht sollte wie Zipfel schreibt, von verschiedenen Spezialisten behandelt werden. Im Vordergrund muß dabei die Lösung des der Störung zugrunde liegenden Konfliktes stehen. Schlankheitswahn, Rollenkonflikte und Wahrnehmungsstörungen sind nur einige Ursachen der Magersucht.


Bulimie, Bulimia
die sog. Freßsucht; übermäßiges Eßbedürfnis, bei dem das Hungergefühl fehlen kann.
B. nervosa:
zu den Eßstörungen gehörende, häufig auftretende Phasen exzessiver hochkalorischer Nahrungsaufnahme (»Freßattacken«) mit anschließendem - selbst herbeigeführtem - Erbrechen oder Laxanzienabusus bei häufig geringen Schwankungen des Körpergewichts. Kann isoliert oder als Anorexia nervosa mit bulimischen Störungen auftreten. Häufig begleitet von Menstruationsstörungen, Hypokaliämie [Abführmittel!], akuter Magendilatation sowie depressiven Verstimmungen nach Nahrungsaufnahme; Behandlung durch Psychotherapie, Verhaltensmodifikation, Familientherapie.(Roche Med. Lexikon)
Definition: Heißhungerattacken mit wahllosem Verschlingen von Nahrung. Den konsekutiven seelischen (Angst vor Gewichtszunahme, Schuldgefühle) und körperlichen Beschwerden (Bauchbeschwerden) versuchen die Patientinnen durch Ablenkung, Schlaf, selbstinduziertes Erbrechen, Laxantien- und Diuretikamißbrauch entgegenzusteuern. Häufigkeit bei etwa 2-4% der Frauen zwischen 18 und 35 Jahren
Vorkommen:
- Als isolierte Störung ohne besonderen Gewichtsverlust
- In Verbindung mit einer anorektischen Symptomatik
- Als Symptom einer anderen seelischen oder körperlichen Erkrankung

Bulimie (Eß-Brechsucht)
Desserts und Snacks lösen den Anfall aus
Hadigan, CM et al: Patterns of food selection during meals in women with bulimia. American Journal of Clinical Nutrition 1989/50/S.759-766
Desserts und Snacks lösen bulimische Freßanfälle aus. Das ergab ein Vergleich mit einem Buffet im Eßlabor, bei dem Bulimie-Patienten und Gesunde je einmal normal essen und sich einmal überessen sollten. Werden Bulimiker aufgefordert, sich zu überessen, beginnen sie mit Süßigkeiten wie Joghurt-Shakes, Eiscreme, Kuchen, Keksen oder mit Kartoffel-Chips. "Normalesser" beginnen ein oppulentes Mahl eher mit Fleischgerichten. Auch während der Freßattacke essen Bulimiekranke deutlich mehr Eis, Kuchen, Kekse und Chips als die Kontrollpersonen. Die Laborergebnisse spiegeln offenbar gut die Anfälle in privater Umgebung wieder, denn "Patienten berichten häufig, daß sie unfähig sind, einen Eßanfall zu verhindern, sobald sie einmal angefangen haben, Desserts oder Snacks zu essen". Auch unabhängig von ihren Freßattacken zeigen Bulimiker ein gestörtes Eßverhalten. Sie sind ausgeprägte "restraint eaters", d.h. sie kontrollieren ihre Kalorien- und Nahrungsaufnahme ständig. Dabei vermeiden sie nicht nur, sich zu überessen, sondern ganz gezielt den Verzehr von Snacks und Desserts.Anmerkung: Bulimiker wissen offenbar genau, welches Essen ihnen schadet. Die massive Verwendung von Eiscreme und Joghurt-Shakes könnte damit
zusammenhängen, daß es sich damit besser erbrechen läßt. Dann bleiben alsAuslöser der Anfälle Snacks und Chips. Diese Produkte unterliegen einer umfangreichen psychophysikalischen Testung vor ihrer Markteinführung. Mit anderen Worten: Sie sind dazu konzipiert, einen erhöhten Speichelfluß zu erzeugen. So wird es dem Säugetier Mensch schwer gemacht, mit dem Essen aufzuhören.
Wege aus der   Bulimie. 
Karen Wise 

  Preis:   EUR 12,27 

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Bulimie (Eß-Brechsucht)
Seit Ende der 70er Jahre gilt die Bulimie als eigenständiges, von der Anorexie abgegrenztes Krankheitsbild. Bulimiker bekommen oft mehrmals täglich Eßanfälle, wobei große Nahrungsmengen verschlungen werden, meist um sie später wieder zu erbrechen. Die Sucht beginnt in der Regel im Teenageralter oder in den Zwanzigern, Ausgangspunkt ist häufig eine Diät.
Als Diagnosekriterien gelten (DSM IV): Gefühl des Kontrollverlustes Erbrechen, Abführ- oder Entwässerungsmittel, strenge Diäten, Sport um Gewichtszunahmen zu vermeiden mindestens 2 Eßanfälle wöchentlich für mehr als 3 Monate starke Beschäftigung mit der Figur.
Bulimiker, zu 90 % weiblich, sind in der Regel normalgewichtig, krankheitseinsichtig und kommen aus allen sozialen Schichten. Meist
verheimlichen sie ihr Leiden. Man nimmt an, daß etwa 5 % der Frauen zwischen 15 und 35 Jahren an Bulimie erkrankt sind. Genaue Zahlen fehlen, denn die Grauzone ist groß: Zwischen normalem Eßverhalten und manifester Bulimie liegen zahlreiche Formen gestörten Eßverhaltens. Auch sind Bulimie und Anorexie nicht immer streng zu trennen, z.B. erleben Magersüchtige bulimische Phasen und Bulimikerinnen rutschen in die Magersucht.Körperliche Symptome der Bulimie sind z.B. Hypertrophie der Speicheldrüsen, Zahnschäden, Menstruationsstörungen bis hin zur Amenorrhoe und Geschwüre auf dem Handrücken. Durch häufiges Erbrechen und den Laxantienmißbrauch kommt der Elektrolythaushalt völlig durcheinander (z.B. Hypokalämie, Hyponaträmie), die Serumamylase ist erhöht. Die Veränderungen im Hormon- und Neurotransmitterhaushalt ähneln denen bei Anorexie, auch bei Patienten mit unauffälligem Gewicht. Als Spätfolgen treten Herzmuskelschäden, Risse in der Speiseröhre und im Magen sowie bleibende Verdauungsbeschwerden auf.
Neurotransmitter und Hormone
wie z.B. Serotonin, Noradrenalin, Neuropeptid Y, Cortisol, Insulin, GABA sowie die Opioide ß-Endorphin, Dynorphin und Enkephalin sind Teil eines diffizilen Netzwerkes zur Regulation des Eßverhaltens und des Körpergewichts von Mensch und Tier. Die Regulatoren reagieren empfindlich auf Veränderungen der im Blut zirkulierenden Nährstoffe, auf Medikamente sowie auf psychologische und emotionale Variablen. Die im Zusammenhang mit gestörtem Eßverhalten beobachteten Veränderungen können sowohl die Verfügbarkeit der Regulatoren als auch die Dichte und Empfindlichkeit der entsprechenden Rezeptoren betreffen. Vielfach ist noch unklar, ob die neurochemischen Veränderungen Ursache oder Folge der Eßstörung sind.
Noradrenalin und Serotonin
Die Injektion des Neurotransmitters Noradrenalin in spezielle Gebiete des Hypothalamus (PVN) läßt Ratten sofort mit dem Fressen beginnen. Dabei werden gezielt Kohlenhydrate bevorzugt, die Tiere fressen mehr und länger. Bei Anorektikerinnen findet man häufig erniedrigte Noradrenalinspiegel. Noradrenalin ist ein direkter Gegenspieler des Serotonins, das die Nahrungsaufnahme vermindert, speziell von Kohlenhydraten. Es verringert Mahlzeitengröße und Freßdauer. Die Aktivität der Rezeptoren für beide Neurotransmitter ist eng mit dem Tag-Nacht-Rhythmus verbunden. So wird bei der ersten Mahlzeit kohlenhydratreiches Futter, später eher Fett und Proteine bevorzugt. Beim Menschen erhöhen Serotonin-Antagonisten die Kalorienaufnahme und das Verlangen nach Kohlenhydraten. Serotonin beeinflußt außer dem Eßverhalten circadiane und saisonale Rhythmen, Stimmung, Üggressionen, Sexualverhalten und das Schmerzempfinden, alles Bereiche, die bei Eßgestörten beeinträchtig sein können. Vor allem bei Bulimikern scheint der Serotoninstoffwechsel gestört
Dopamin
vermindert die Nahrungsaufnahme. Bevorzugter Wirkort ist der laterale Hypothalamus. Dopamin reduziert selektiv die Eiweiß- und Fettaufnahme. Aufputschmittel wie Amphetamine bewirken über eine Freisetzung von Dopamin das gleiche. Dopamin vermittelt auch die Effekte des körpereigenen Belohnungssystems, das von Natur aus dazu da ist, günstige Verhaltensweisen zu belohnen, damit sie wiederholtwerden.Streß führt zu einer Cortisolausschüttung in der Nebennierenrinde. Cortisol wiederum erhöht die Sekretion von Dopamin. Auf diesem Weg können Streßauslöser wie z.B. Diäten und exzessiver Sport zu einer Belohnungsreaktion führen. Durch eine Konditionierung kann körperliche Abhängigkeit entstehen.
CRF, ACTH, Corticosteroide
wirken bei der Regulation des Eßverhaltens synergistisch mit den Neurotransmittern - entweder indirekt über die Änderung des Blutglucosespiegels oder direkt im Hypothalamus. Die Ausschüttung der Corticosteroide wird durch den hypothalamischen Corticotropin Releasing Factor (CRF) und die ACTH-Sekretion der Hypophyse gesteuert. CRF vermindert die Nahrungsaufnahme. Vor allem Anorektikerinnen fallen durch erhöhte CRF- und Cortisolwerte auf. Nahrungsrestriktion und erhöhte körperliche Bewegung aktivieren dieses System. Corticosteroide können Euphorien und Sucht auslösen.


Pathogenetisches Modell des bulimischen Kreises (Fichter)
Literatur FICHTER, M. M.: Magersucht und Bulimie. Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York-Tokyo,
1985. – GARFINKEL, P. E., D. M. GARNER, G. RODIN: Anorexia nervosa, Bulimie in: K. P. KISKER et al.
(Hrsg.): Psychiatrie der Gegenwart, Bd. 1, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York-Tokyo (1986) 103-124.

Therapie
Anorexia nervosa
Allgemein - Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung, die Einfühlungsvermögen, ein klares, konsequent
verfolgtes Konzept und das Wissen um das agierende Verhalten der Patienten einbezieht
- Zunächst Vereinbarung eines Zielgewichts (etwa 90% des Durchschnittsgewichts bzgl. Alter und Größe)
- Bei ambulanter Therapie sollte eine wöchentliche Gewichtszunahme von 1-2 kg vereinbart werden,
  die kontrolliert werden muß
- Interventionsgewicht festlegen, bei dessen Unterschreitung stationäre Einweisung erfolgt
- Stationäre Behandlung ist erforderlich bei starker Gewichtsabnahme, ausgeprägter Bulimie, hartnäckiger
  Krankheitsverleugnung, medizinischen Komplikationen. Dann hochkalorische Ernährung, u.U. durch eine Magensonde
Psychologisch - Verhaltenstherapie: Belohnung für Gewichtszunahme, kognitive Umstrukturierung
- Supportive Psychotherapie mit Einbeziehung der Familie: Förderung von Autonomie
  (Abgrenzung gegenüber Familie) und Selbstwert
- Körpertherapien zur Erzielung eines realistischeren Körperbildes
 - Anschluß an Selbsthilfegruppen („Overeaters Anonymus“)
Medikamentös - Medikamente: zur Angstbeherrschung und Sedierung ggf. Tranquilizer und Neuroleptika
(s. Schizophrenie), bei depressiven Episoden in der Vorgeschichte eventuell Antidepressiva (s. Depression)
 Bulimie
Allgemein - Unterbrechen des Circulus vitiosus von Fasten, Heißhunger und Erbrechen durch Verschreibung
eines strukturierten Eßplans (Kalorienbegrenzung, regelmäßige Mahlzeiten, fester Eßplatz)
- Aufbau alternativer Verhaltensweisen (z.B. Freunde anrufen)
- Im übrigen wie bei Anorexie

Weiter zu:
Bulimie-Schrei nach Anerkennung
Bulimie-Hilfe für Angehörige

  • Bulimie und Borderline-Syndrom - Erfahrungsbericht einer Betroffenen. Unter dem Motto Selbsthilfe findet im Treffpunkt ein Austausch Eßgestörter und Borderline-Patienten in Form von Foren und einer Mailingliste statt.
  • Ess-Störungen - Information und Aufklärung zu Ess-Störungen wie Bulimie, Magersucht, Esssucht.
  • Eßstörungen [Drewes, Volker] - Der Diplompsychologe geht auf den Verlauf und mögliche Ursachen von Magersucht und Bulimie ein.
  • Eßtörungen - Informationen rund um Magersucht, Bulimie, zwanghaftes Essen und andere Störungen, mit Adressen von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen.
  • Hungrig-Online - Die Kommunikationsplattform möchte für Menschen mit Eßstörungen (Magersucht, Bulimie) die Möglichkeit zum Austausch bieten.
  • Bulimia Nervosa - informiert über die psychosomatische Krankheit und liefert Adressen von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen.
    http://www.wmd.de/bulimie/
  • Bulimie und Borderline-Syndrom - Erfahrungsbericht einer Betroffenen. Unter dem Motto Selbsthilfe findet im Treffpunkt ein Austausch Eßgestörter und Borderline-Patienten in Form von Foren und einer Mailingliste statt.
  • Hunger - Sehnsucht nach Liebe [Cinema] - Dana Vávrová erzählt in ihrem Regiedebüt die Geschichte einer bulimiekranken Frau; Filmbesprechung.

Essstörungen: „Unnatürlich dünne“ Frauen im Fernsehen und auf dem Laufsteg sind einer der Hauptgründe für Essstörungen junger Frauen. Das ist das Ergebnis eines Berichts der Britischen Medizinischen Gesellschaft. Der Ärzteverband forderte die Medien auf, mehr Frauen mit „realistischeren Körpermaßen“ zu zeigen. Die meisten Schauspielerinnen seien dünner als die durchschnittliche Britin. Sie hätten einen Fettanteil von etwa zehn bis fünfzehn Prozent, während es bei der gesunden britischen Durchschnittsfrau im Schnitt 22 bis 26 Prozent seien. (Süddeutsche Zeitung, dpa, S. 16, 31.05.2000)

       Kliniken zur Behandlung:  http://www.bulimie-online.de/kliniken.htm

Esstörungen durch erhöhten Zytokinspiegel im Blut
11.10.2000 - Zytokine sind Proteine, die zwischen dem Immunsystem und verschiedenen hormonbildenden Gewebsarten vermitteln. Bei Patienten mit Anorexia nervosa (Magersucht) weisen bekanntermassen die Zytokine Interleukin-6 (IL-6) und Tumor-Nekrose-Faktor-beta (TGF-beta) einen erhöhten Blutspiegel auf. Wissenschaftler der Minnesota Medical School in Minneapolis haben daraufhin bei Patienten mit Esstörungen deren Blutspiegel auf das Vorhandensein weiterer Zytokine untersucht. 19 Frauen mit Anorexia nervosa, 16 Frauen mit Bulimia nervosa (übermässiges Essbedürfnis ohne Hungergefühl), 35 Frauen mit Fettsucht und 23 normal gewichtige Kontrollprobanden wurden in der Studie berücksichtigt. Es zeigte sich, dass Frauen mit Anorexia eine Erhöhung des Interferon-gamma (IFN-gamma) und IL-6 aufwiesen. Überraschenderweise zeigten fettleibige Frauen neben einem höheren IL-1-apha Spiegel auch eine Erhöhung des IL-6 Proteins. Die Zytokinspiegel bei Frauen mit Bulimie lagen erwartungsgemäss im Mittelfeld. (Quelle: drkoop, in Englisch)


Magersucht und Übergewicht: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat eine neue Aufklärungskampagne gegen Ess-Störungen wie Übergewicht, Magersucht oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie) gestartet. "Wir wollen Fehlentwicklungen bekannt machen und zeigen, wie den Betroffenen geholfen werden kann", sagte Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale, am Montag in Köln zu der Kampagne "Essen hält Leib und Seele zusammen". Ziel sei es, gegen die von der Mode oder Medienwelt vorgegebenen überschlanken Schönheitsideale von Models oder Schauspielerinnen anzukämpfen. Durch Diäten werde die
Nährstoffversorgung des Körpers gefährdet. Bei den 15 bis 19-jährigen Mädchen sei der Calciumbedarf nur noch zu rund 56 Prozent gedeckt, wodurch spätere Osteoporose (Knochenschwund) begünstigt werde. Häufige Diäten sind nach Angaben der Zentrale oft der Einstieg zu Essstörungen. Mehr als 100 000 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren leiden an Magersucht. Zudem haben nach Auskunft der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 600 000 Frauen Bulimie. Inzwischen seien auch schon 70 000 Männer betroffen. (dpa, 23.10.2000)


Schönheitsideal quält vor allem Frauen
Landau (dpa) - Das von den Medien vermittelte Ideal des schlanken, schönen und großen Menschen macht einer Umfrage zufolge vor allem den Frauen zu schaffen. Fast jede dritte Frau in Deutschland (30,1 Prozent) leide unter dem Diktum, schlank sein zu müssen, berichtete die Forschungsstelle für
Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik an der Universität Landau am Mittwoch. Am meisten fühlten sich 20- bis 29-jährige Frauen unter Druck gesetzt. Hingegen empfänden nur 17,4 Prozent der Männer diese Ideale als Qual. Für die Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Emnid 764 Frauen und 702
Männer im Alter von 14 bis 91 Jahren befragt. Die Wissenschaftler forderten vor allem die Medien auf, dem gängigen Schönheitsideal entgegen zu wirken und mehr durchschnittlich gebaute Menschen ins Rampenlicht zu stellen. «Da ein solches Ideal für die meisten unerreichbar bleibt, baut sich - insbesondere bei Frauen - Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen auf», berichteten der Leiter der Forschungsstelle, Norbert Kluge, und die Psychologin Marion Sonnenmoser. Folge seien mitunter Magersucht oder Essstörungen. (od)


Essen spaltet Leib und Seele --  Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  -- Ärzteblatt vom 10.11.2000   Zusammenfassung

Schätzungsweise 100.000 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren leiden an Magersucht. 15 % hungern sich zu Tode
Schätzungsweise 600.000 Frauen leiden an Bulimie( ESS-Brechsucht) sowie ca. 70.000 Männer.
Oft führen Diäten , dass das Körperselbstbild zerstört wird. Körperkult und überschlankes Schönheitsideal.
Magersucht: verweigern sich mit dem Hungern-sie machen sich dünn. Essstörung als Rebellion gegen die enge Rollenzuweisung von Frauen.
Dadurch hätten die Frauen wenig Einfluss auf ihr Leben .Sie bleiben ein Leben lang hungrig.
Bulimikerinnen identifizieren sich stark mit dem männlichen Ideal. Ihre aggressiven Bedürfnisse (Fressen/Kotzen) leben sie heimlich um nach aussen angepaßt zu erscheinen.
2 Broschüren zur Hilfe "Leitfaden für Eltern, Partner..." sowie "Praxishandbuch für Moderatorinnen" (Selbsthilfegruppen).
von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:
order@bzga.de  oder    Fax: 0221-8992257  oder BZGA  Postfach 51101


Mögliche Ursache für Bulimie entdeckt
Wien - Einem Team von Wissenschaftern am Wiener Allgemeinen Krankenhaus ist es nun erstmals gelungen, eine molekularbiologische Störung von im Gehirn wirksamen Serotonintransporter-Molekülen bei Magersucht nachzuweisen. Das berichtet "Der Standard". Die Ergebnisse dieser Studie wurden vor kurzem in der renommierten US-Zeitschrift Biological Psychiatry veröffentlicht. Dabei kam heraus, das anregende Nerven-Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin eine Schlüsselrolle bei der Steuerung des menschlichen Essverhalten spielen. Die vorliegende Studie beweist nun erstmals direkt, dass es bei Bulimie zu einem Mangel an zentralen Serotonintransportern im Gehirn kommt. Die Fachleute verwendeten bei ihren Studien die Single-Photon-Emission-Computertomographie (SPECT), mit der Stoffwechselvorgänge im Körper bildlich dargestellt werden können. Sie konnten so die Transporterdichte von Bulimiepatientinnen messen und mit der von gesunden Kontrollpersonen, die niemals an einer Essstörung oder einer anderen psychiatrischen Erkrankung litten, vergleichen. Die Patientinnen waren im Durchschnitt fünf Jahre krank gewesen, bevor sie an der Untersuchung teilnahmen. Das Defizit an den Serotonintransporter-Substanzen war umso ausgeprägter, je länger die Krankheit bestand. Interessanterweise waren sowohl Serotonin- als auch Dopamintransporter bei den Bulimiepatientinnen vermindert. Essstörungen werden derzeit mit psychotherapeutischen Verfahren und medikamentös behandelt. Für Letzteres werden vor allem Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verwendet. Diese helfen, einen Mangel im Serotonin-Stoffwechsel zu beheben. Der Mangel an den Substanzen erkläre auch, warum die Antidepressiva bei der Bulimie wirken. (sg)   28. März 2001


Stimmungsabhängig: Frauen haben mehr psychische Krankheiten als Männer
Berlin - Zahlreiche psychische Krankheiten, von Depressionen über Angst- und Essstörungen bis hin zu Alzheimer, treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Wie der "Tagesspiegel" von dem "First World Congress on Women's Mental Health" in Berlin berichtet, liegen Frauen bei allen Störungen vorn, die die Stimmung betreffen. Alkohol- und Drogenabhängigkeit sind zwar immer noch eher ein Männerproblem, alle Anzeichen sprechen aber dafür, dass das weibliche Geschlecht auch dort aufholt. Bei Demenzerkrankungen, die mit geistigem Abbau einher gehen, mag die höhere Lebenserwartung der Frauen eine Rolle spielen. Kongresspräsident Mario Lanczik machte jedoch auch auf die Rolle aufmerksam, die die Hormone in diesem unterschiedlichen Geschehen spielen. In der zweiten Zyklushälfte, wenn das Östrogen rapide absinkt, sind Frauen anfälliger für Stimmungsschwankungen und seelische Störungen. Obwohl wegen solcher Erkrankungen mit Stimmungsschwankungen mehr Medikamente an Frauen verordnet werden, erfolgten in der Vergangenheit fast alle wissenschaftlichen Studien zu Psychopharmaka an Männern. Denn praktischerweise müssen bei diesen Versuchspersonen Schwangerschaften und Monatszyklus nicht berücksichtigt werden. Dies wurde auf dem Kongress kritisiert. (sg) 28. März 2001


Anorexie nervosa - Bulimia nervosa - Binge eating... Was ist das?

In den Medien stolpert man immer wieder über die Schlagworte Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge eating. Was hinter diesen Begriffen steckt und was sie bedeuten, erläutert Birgit Bahnsen vom Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.).

Anoroxia nervosa
Der Volksmund bezeichnet diese Krankheit auch einfach als Magersucht. Es ist eine Form der Magersucht, die sich aus einer psychischen Fehlhaltung ergibt, ein fast
ausschließlich beim weiblichen Geschlecht, vorzugsweise während der Pubertät (Pubertätsmagersucht) und nur in seltenen Fällen nach dem 30. Lebensjahr vorkommendes Leiden. Der Anteil der männlichen Betroffenen liegt bei 5 bis 10 Prozent. Die Diagnosestellung sollte nach den Richtlinien der American Association of Psychiatry  (DSM-III-Richtlinien) erfolgen. Hierbei müssen bei den Krankheitsbildern der Anorexia nervosa, Bulimie und dem Binge eating bestimmte Kriterien erfüllt sein. Bei der Anorexie müssen ein Untergewicht, Furcht vor Gewichtszunahme, verzehrte Körperwahrnehmung und bei Frauen eine Amorrhoe (Ausbleiben der Periode) seit 3 Monaten vorliegen. Ins Auge fällt bei der Anorexie das starke Untergewicht der Betroffenen, wobei hier durch differentialdiagnostische Maßnahmen andere Krankheitsursachen auszuschließen sind, beispielsweise organische Ursachen, organische Störungen des Zentralen Nervensystems, Schizophrenie oder Depressionen. Die Betroffenen belegen sich selbst mit einer strikten konsequenten Einschränkung der Nahrungszufuhr. Ihr ganzes Denken kreist um Figur, Essen und Gewicht. Selbst stark untergewichtige Patienten fühlen sich noch zu dick. Die Krankheitseinsicht ist gering ausgeprägt oder fehlt völlig. Die Zahl der Anorexie-Fälle ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen, wozu auch das stärker werdende Bewusstsein um diese Erkrankung in den Medizinerkreisen und unter der Bevölkerung beigetragen hat.

Bulimia nervosa
Sie wird auch als Fress- und Brechsucht bezeichnet, da ein Zeichen dieser Essstörung das unkontrollierte Verschlingen riesiger Nahrungsmengen in sehr kurzer Zeit und das anschließende Erbrechen ist. Zur Diagnose der Bulimia nervosa müssen nach den DSM-III-Richtlinien die folgenden Kriterien alle erfüllt sein: 
Wiederholte Fressanfälle, bei denen in kürzester Zeit riesige Nahrungsmengen vertilgt werden  Das Gefühl des Kontrollverlustes bei diesen Fressattacken  Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung bzw. zur Verhinderung der Gewichtszunahme, wie selbstinduziertes Erbrechen, den Gerbrauch von Laxanthien, strenges Diätes, Fastenkuren oder übermäßige körperliche Betätigung 
Mindestens 2 Fressattacken pro Woche seit 3 Monaten 
Andauernde übertriebene Beschäftigung mit Figur und Gewicht
Bulimische Betroffene halten sich ebenfalls für zu dick und nehmen ihren Körper als unförmig und übergewichtig wahr. Aber anders als bei der Anorexie besitzen die Betroffene einen hohen Leidensdruck und eine Krankheitseinsicht. Obwohl die Betroffenen eine hohe Krankheitseinsicht besteht ist die Dunkelziffer bei dieser
Erkrankung hoch. Viele schämen sich für ihr Verhalten und suchen deswegen keinen Arzt auf. Auf der anderen Seite war und ist vielen Therapeuten dieses Krankheitsbild noch relativ unvertraut, da diese Erscheinungsform einer Essstörung erst seitdem Ende der 70iger Jahre beschrieben wird. Es wird vermutet das ungefähr 3 Prozent aller jungen Frauen an Bulimie leiden. Anders als bei der Anorexie geht der Bulimie oft eine lange Periode gezügelten Essverhaltens und immer wiederkehrender Diäten voraus. Sobald die Betroffenen sich übergewichtig fühlen, fangen sie mit der strikten, verstandesmäßig kontrollierten Nahrungszufuhr an. Dies hat nichts mit dem Körpergewicht zutun, da sich auch schlanke Bulemiker für zu dick halten. Durch das kontrollierte Essen kommt es zu plötzlichen unkontrollierbaren Fressanfällen, bei denen in sehr kurzer Zeit Unmengen an Nahrungsmitteln verschlungen werden, ohne das sich diese Attacken kontrollieren ließen. Als Gegenmaßnahme wird das Erbrechen der Nahrung herbei geführt oder Laxantien und Diuretika eingenommen. Auch übermäßiges sportliches Engagement und/oder zwischenzeitliches Fasten sind typische Zeichen der Erkrankung.

Binge eating 
Steht erst seit kurzer Zeit zur Diskussion, da immer wieder beobachtet wurde, dass Patienten über immer wiederkehrende unkontrollierbare Fressanfälle klagen, ohne die typischen Zeichen einer Bulimie zu besitzen. Sie entledigen sich nicht der Nahrung durch selbstinduziertes Erbrechen oder Laxantieneinnahme.  Man geht davon aus, dass ungefähr 2 bis 5 Prozent der Bevölkerung vom Binge eating betroffen sind und etwa 30 Prozent der Adipösen.
Essstörungen
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
51101 Köln
kostenlose Broschüre
Im Internet
http://www.bzga.de/adressen/essstoer.htm
 


Vergleichende Untersuchungen zur Problematik von Essstörungen im Leistungssport mittels Eating Disorder Inventory (EDI)
Meyer K, Rücker G, Korsten-Reck U, Berg A Abt. Rehabilitation, Prävention und Sportmedizin, Med. Universitätsklinik, Freiburg
Problemstellung: Essstörungen im Leistungssport werden zunehmend beobachtet und sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden, um Leistungseinbrüche und Gesundheitsnachteile zu verhindern. In der heutigen Gesellschaft tritt das Erscheinungsbild einer Essstörung vermehrt unter den Jugendlichen auf. Dieser Tatsache muss präventiv entgegengewirkt werden.
Arbeitshypothese: Bei bestimmten Sportarten besteht ein erhöhtes Risiko an einer Essstörung zu erkranken.
Methodik: Es wurden mittels EDI nach Garner et al., 1983, Sportgruppen untersucht (Gewichtsklassensportart Judo n = 37, Ausdauersportarten Biathlon ,n = 27, Skilanglauf, n = 26, Ästhetikbereich Rollschuhlauf, n = 20) und einem altersentsprechenden Normalkollektiv (Schüler aller drei Schularten, n = 129) gegenübergestellt. Der EDI ist ein international angewandtes, validiertes und etabliertes Messinstrument.
Ergebnisse: Von den insgesamt 239 Probanden stellten sich 73 als Risikopatienten heraus. [Skilanglauf: männlich(m) n = 1, weiblich(w) n = 7; Biathlon: (m) n = 0, (w) n = 2; Rollschuhlauf: (m) n = 0, (w) n = 5; Judokas: (m) n = 1, (w) n = 7; Schüler: (m) n = 6, (w) n = 44]. Prinzipiell kann man festhalten, dass im Vergleich zum Normalkollektiv kein erhöhtes Risiko für die Leistungssportler besteht, an einer Essstörung zu erkranken. Die Behauptung, dass die Essstörungsproblematik ein primär weibliches Phänomen sei, kann mit dieser Untersuchung unterstützt werden.
Schlussfolgerung: Trainer und Eltern müssen für diese Problematik frühzeitig sensibilisiert werden, um irreversible langwierige Essstörungen vermeiden zu können.
37. Deutscher Kongress für Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda

Iß doch endlich mal normal. Hilfen für Angehörige von eßgestörten Mädchen und Frauen.
von Bärbel Wardetzki
Preis:  EUR 15,23
Taschenbuch
- 244 Seiten
Erscheinungsdatum: 1996

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Der Weg zurück ins Leben. Magersucht und Bulimie verstehen und heilen.
von Peggy Claude-Pierre
Preis: EUR 10,17
Tachenbuch - 327 Seiten -
Erscheinungsdatum: 2001
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Alice im Hungerland. Leben mit Bulimie und Magersucht.
von Marya Hornbacher
Preis: EUR 8,95
Taschenbuch - 491 Seiten -
Erscheinungsdatum: 2001
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Raus damit. Bulimie: ein autobiographischer Ratgeber.
von Dolores Schmidinger
Preis: EUR 15,24

Gebundene Ausgabe - 160 Seiten
Erscheinungsdatum: Oktober 1998
ISBN:
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Fatale Entwicklung: Ess-Störungen bei Mädchen immer früher

Hannover (dpa) - Ess-Störungen bei Mädchen äußern sich nach Ansicht einer Expertin schon in der frühen Pubertät. "Drei viertel der 13- bis 14-jährigen Mädchen haben schon Diäterfahrung", sagte Marike Evers von der AOK Niedersachsen in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Diese Entwicklung sei erschreckend und werde durch das immer strengere Schlankheitsideal der Gesellschaft begünstigt. Fragen wie: "Darf ich essen oder nicht, bin ich dick oder dünn, attraktiv oder nicht" beschäftigen Evers zufolge viele Mädchen in ihrer Pubertät. Ein überschlankes Schönheitsideal und der allgegenwärtige Perfektionsdrang der Moderne ließen das Essverhalten von immer mehr jungen Menschen aus dem Gleichgewicht geraten. "Dabei sind die Einstiegsdrogen die Diäten", erklärte die Expertin. Durch Diäten werde die Nährstoffversorgung des Körpers die in der Wachstumsphase von besonderer Bedeutung ist gefährdet. So werde etwa bei den 15 bis 19-jährigen jungen Frauen der Calciumbedarf heute nur noch zu rund 56 Prozent gedeckt, wodurch die spätere Entstehung einer Osteoporose begünstigt werde. "Rund 15 Prozent der Betroffenen hungern sich regelrecht zu Tode", sagte Evers. Unter Bulimie, der Ess-Brech-Sucht, litten 2,5 Millionen Menschen, mehr als 100 000 an Magersucht und immer mehr - vor allem Übergewichtige - flüchteten sich in die Essucht. Diese setzten sich der Gefahr aus, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder vorzeitigem Verschleiß des Knochen- und Gelenksystems zu erkranken. "In Deutschland ist jede vierte Frau essgestört." Auch die Zahl der betroffenen Jungen und Männer nehme stetig zu. In einem Modellprojekt versuche die AOK Niedersachsen seit einem Jahr, der gefährlichen Entwicklung entgegen zu wirken, erklärte Evers. Dazu werde regelmäßig an verschiedenen Schulen des Landes eine Projektwoche durchgeführt, in denen 13- bis 14-jährige Mädchen über die Gefahren von Ess-Störungen und Unter- sowie Übergewicht informiert werden. "Ziel der Prävention ist es, den eigenen Rhythmus zwischen Hunger und Essen herauszufinden, der für die jeweilige Person wohltuend und angemessen ist." 17. November 2001

Ausbrechen. Bulimie verstehen und überwinden.
von Verena Böning
Preis: EUR 20,41
Taschenbuch - 113 Seiten 
Erscheinungsdatum: 2000
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Wenn Essen zum
Problem wird.
Wege aus Eßstörungen. 

von Ingrid Arenz-Greiving 1999
Preis: EUR  3,07
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Wenn die Seele hungert. 
Essstörungen und was sich dagegen tun
lässt.
von Carl Leibl, Gislind Leibl  2000
Preis:  EUR 9,10
Taschenbuch - 189 Seiten
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Eßstörungen. Ursachen, Symptome, Therapien.
von Ulrich Cuntz, Andreas Hillert 
Preis:  EUR 7,57
Taschenbuch - 135 Seiten - C.H.Beck  2000
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Ess-Störungen nehmen zu: Ursachen oft seelischer Natur

Berlin (dpa) - Mit schockierenden Fotos einer magersüchtigen Frau wollen Beratungszentren auf die steigende Zahl von Menschen mit Ess-Störungen aufmerksam machen. Unter dem Motto "Aktion Waagemut" sei für diesen Winter eine bundesweite Aufklärungskampagne geplant, teilte der Bundesfachverband Ess-Störungen am Donnerstag in Berlin mit. Zur Finanzierung der Kampagne werden noch Sponsoren gesucht. Schirmherrin der Aktion ist die TV-Moderatorin Enie van de Meiklokjes. Jede fünfte bis zehnte Frau in Deutschland leidet nach Angaben des Bundesverbandes Ess-Störungen unter Magersucht oder unkontrollierten Essanfällen. Besonders gefährdet sind Mädchen in der Pubertät. Doch auch immer mehr Männer erkranken an Magersucht. "Einer von zehn Betroffenen ist heute ein Mann", sagte Cornelia Götz-Kühne, Mitbegründerin des Verbandes. Gründe für die Fehlernährung seien häufig seelische Faktoren wie Stress, Einsamkeit oder Frustration. Eine große Rolle spielt laut Götz-Kühne aber auch der "Schlankheits- und Schönheitswahn" in der Gesellschaft, ausgelöst durch Models oder Werbung. Die Kampagne "Waagemut" will Betroffenen und Angehörigen Mut machen, über ihre Probleme zu reden und bei Beratungsstellen professionelle Hilfe zu suchen. Wenn sich Sponsoren finden, sind nach einer ersten Plakataktion im Sommer für den Winter Kino- und TV-Spots sowie Anzeigen in Print-Medien geplant. 30. November 2001 netdoktor.de


Essprobleme: Jede dritte Schülerin gefährdet

Jena (dpa) - Jede dritte Schülerin in Deutschland leidet einer Jenaer Studie zufolge an einem gestörten Essverhalten. Hauptgrund dafür sei eine ständige Sorge um Gewicht und Figur, wie eine jetzt vorgelegten Studie des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität Jena ergab. Bei 14 Prozent der Betroffenen sei das Risiko sehr hoch, eine Essstörung zu entwickeln, teilte die Universität am Donnerstag mit. In der Studie wurden 736 Menschen im Alter von 12 bis 32 Jahren aus verschiedenen deutschen Städten zu den Frühsymptomen einer Essstörung befragt. Dazu zählen Magersucht (Anorexie) und Essbrechsucht (Bulimie). Im Ergebnis wiesen 29 Prozent der weiblichen und 13 Prozent der männlichen Befragten solche Anzeichen auf. Bei den Schülerinnen waren es sogar 35 Prozent. Auch regionale Differenzen wurden ermittelt. So sind danach 56 Prozent der westdeutschen Schülerinnen gefährdet, im Osten nur 30 Prozent. Durch Diäten, Fastentage, Erbrechen und übermäßigen Sport solle das Gewicht gering gehalten werden, hieß es. Auch Medikamente wie Appetitzügler, Abführ- oder Entwässerungsmittel würden eingenommen. 43 Prozent der weiblichen und 21 Prozent der männlichen Befragten entschieden sich in den vergangenen 12 Monaten für eine Diät. 42 Prozent der Schülerinnen schätzten sich selbst als übergewichtig ein, obwohl es nur bei 8 Prozent zutraf. Andererseits waren 33 Prozent der Probanden untergewichtig; es schätzten sich aber nur 6 Prozent so ein. 7. Juni 2002 netdoktor.de


Ess-Brech-Sucht: Studie untersucht Auswirkung auf Zähne

(netdoktor.de, 14.06.2002) - Fressorgien mit anschließendem Gang zur Toilette sind für Bulimie (Ess-Brech-Sucht) typisch. Da häufiges Erbrechen den Zähnen schadet, untersucht die Medizinische Hochschule Hannover die Auswirkungen der Ess-Brech-Sucht in einer Studie. Betroffene haben die Möglichkeit, im Internet einen Fragebogen zu ihren Zahnpflege- und Ernährungsgewohnheiten auszufüllen. Anhand der Daten möchte Studienleiterin Rike Assmussen eine Wissenslücke füllen und Aufklärungsarbeit leisten. Der Fragebogen enthält deshalb auch ein Merkblatt, wie Bulemiker ihre Zähne vor den Säureschäden schützen können. Bei der Bulimie ist das Essverhalten suchtartig gestört, es werden anfallsartig große Mengen kalorienreicher Nahrung verschlungen und anschließend absichtlich wieder ausgeschieden. Ess-Brech-Süchtige erbrechen auf künstliche Weise und nehmen Abführmittel. Die Krankheit wird durch die krankhafte Furcht, dick zu werden, ausgelöst. Die Ess-Brech-Sucht tritt vor allem bei jungen Mädchen und Frauen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren auf, in einer zunehmenden Zahl auch bei jungen Männern. In Deutschland haben etwa drei Prozent der jungen Frauen Ess-Störungen, wobei die Dunkelziffer auf mindestens das Doppelte geschätzt wird. Die Bulimie ist eine ernst zu nehmende Suchtkrankheit, vergleichbar mit Alkoholkrankheit oder Drogenabhängigkeit. Ohne fachkundige Hilfe und Behandlung ist für die Betroffenen in der Regel keine Heilung möglich. Der Fragebogen im Internet: www.zkn.de, Menü: Kammer, Rubrik Doktorarbeit. 15. Juni 2002


Magersucht: Forscher vermuten genetische Ursache

London (netdoktor.de) - An Magersucht erkrankte Personen tragen häufiger eine bestimmte Genvariante, die sich auf das Stresshormon Noradrenalin auswirkt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur "pte.at". Stress und Angst, also Emotionen, bei denen besonders viel Noradrenalin ausgeschüttet wird, werden von Magersüchtigen besonders stark erlebt. Daher halten die Forscher um Ruth Urwin am englischen Krankenhaus von Westmead die Magersucht für teilweise genetisch bedingt. NET, ein Enzym, das am Auf- und Abbau von Noradrenalin beteiligt ist, spielt dabei eine zentrale Rolle: Das Stück im menschlichen Erbgut, das für den Aufbau von NET verantwortlich ist, existiert in einer kurzen und einer langen Form. Bei denjenigen Magersüchtigen, die die Aufnahme jeglicher Nahrung verweigern, fanden die Forscher häufiger die lange Variante dieses Gens. Dadurch sei die Theorie, dass Magersucht allein durch das familiäre Umfeld und die Umwelt ausgelöst würde, in Frage gestellt, so Urwin und ihre Kollegen. Etwa ein Prozent aller Frauen zwischen 15 und 25 Jahren leidet an Magersucht. Diese Essstörung hat die höchste Todesrate aller psychischen Störungen.6. August 2002 netdoktor


Sportlich und Essgestört
Laut einer Studie mit 5000 Mädchen in den USA weist sportliche Aktivität in Verbindung mit bestimmten Risikofaktoren ( Depression, sexueller Missbrauch, in der Anamnese, Nikotin, Alkohol oder Marihuana Konsum) a
uf eine Disposition für Essstörungen hin. Insbesondere bei Sportarten, die auf Stabilisierung eines bestimmten Gewichts zielen, erhöht sich das Risiko für Esstörungen bei Gefährdeten um 50 %.
Reuters Health -  New York 31.7.2002



Ess-Störungen: Immer mehr junge Menschen krank

Köln (dpa) - Immer mehr junge Menschen erkranken nach Einschätzung von Ernährungsexperten an Essstörungen. "Weil die Außenreize durch zu schlanke Prominente weiter zunehmen, wollen junge Menschen zunehmend genauso aussehen", sagte der Sprecher der Aachener Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik, Sven-David Müller. Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass oft Menschen zum Maßstab gemacht würden, die es unter natürlichen Bedingungen so gar nicht gebe. Unterscheiden müsse man zwischen zwei Formen von Essstörungen: der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und der Magersucht (Anorexia nervosa). "Magersüchtige sind in der Regel besser zu erkennen, weil sie sehr dünn sind. Bei Bulimie-Erkrankten liegt das Gewischt zwischen dünn, durchaus normal bis leicht übergewichtig", sagte Müller. An Magersucht litten nach Schätzungen in Deutschland rund 100.000 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, an Ess-Brech-Sucht rund 600.000, sagte Müller. "Das Hauptmanifestationsalter für Magersucht liegt bei 14 Jahren." Fünf Prozent aller Erkrankten seien aber schon jünger als zwölf Jahre. Wie viele Menschen in Deutschland insgesamt betroffen sind ist laut Müller ungewiss. "Es gibt keine exakten Gesamtzahlen." Die Zahl der erkrankten Männer liege etwa bei 10 bis 20 Prozent der insgesamt Betroffenen. "Männer mit Essstörungen werden in der Regel nicht diagnostiziert", sagte der Diätassistent. "Wer kommt schon bei einem schlanken Mann auf die Idee, dass er sich auf ein Schönheitsideal runterhungert und dadurch eine Essstörung bekommt." Essstörungen können nach Angaben von Müller verschiedene Ursachen haben. "Gründe sind nicht nur Außenreize, sondern auch eine falsche Selbstwahrnehmung oder sexuelle Übergriffe von Erwachsenen", sagte der Experte. Besonders wichtig bei Bulimie und Magersucht seien möglichst schnelle Diagnosen. "Bis zu 15 Prozent der Magersüchtigen sterben an den Folgen ihrer Krankheit. Nur 25 Prozent der Essgestörten sind zwanzig Jahre nach Beginn der Krankheit geheilt." Wichtig sei, dass die Familie bei den ersten Anzeichen reagiere und Hilfe suche. "Im Vordergrund einer Behandlung muss die Lösung des zu Grunde liegenden Konflikts im Rahmen einer Psychotherapie stehen", sagte Müller. Bei einer ernährungsmedizinischen Therapie müsse aber auch ein normales Essverhalten wiedererlernt werden.28. Oktober 2002


Sucht-Referentin: Immer mehr Kinder essgestört

Hannover (dpa) - Von Ess-Störungen auf Grund eines übertriebenen Schönheitsideals sind aus Sicht der Referentin für Suchtprävention, Ingeborg Holterhoff-Schulte, immer häufiger schon Kinder betroffen. Mädchen mit solchen Problemen würden zunehmend jünger, sagte sie in einem dpa-Gespräch. Oft fingen schon Zehnjährige grundlos mit Diäten an. Deshalb müsse mit der Prävention bei Kindern begonnen werden, meinte die Referentin. Bei einer Fachtagung beschäftigen sich rund 120 Experten mit der Prävention.7. November 2002 netdoktor


Früherkennung bei Magersucht immer wichtiger
Bereits ein Drittel bis die Hälfte von neunjährigen Mädchen in England und den USA wollen dünner sein als sie sind, 15 bis 20% von ihnen haben bereits eine Diät durchgeführt. „Für Deutschland liegen zwar noch keine genauen Zahlen vor, dennoch wird deutlich, dass immer mehr Kinder unter 14 Jahren unter Essstörungen wie Magersucht leiden“, betont Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann von der DGKJP. „Da Kinder eine bedeutend geringere Fettmasse als Erwachsene haben, sind die körperlichen Folgen bei den frühen Essstörungen meist viel gravierender. Umso wichtiger ist es, dass Eltern auf die ersten Symptome achten.“
Die zwölfjährige Tochter verschmäht auf einmal Süßigkeiten. Später lässt sie immer öfter das Mittagessen weg und joggt mehrmals am Tag. Bei solchen Veränderungen sollten Eltern hellhörig werden: Sie können Symptome einer Magersucht sein. Da die körperlichen Folgen des Hungerns bei jungen Patienten meist schwer wiegender sind als bei Erwachsenen, rät die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) Eltern, sofort professionelle Hilfe aufzusuchen.
Die vorwiegend weiblichen Betroffenen sind meist besonders introvertiert, überdurchschnittlich intelligent und zeigen Ängste und Hemmungen. Zunächst versuchen sie, ihr Gewicht ausschließlich durch Nahrungseinschränkung zu reduzieren. In der Regel wird als Erstes auf Süßigkeiten und andere kalorienreiche Nahrungsmittel verzichtet. Danach werden oft fleischhaltige Lebensmittel und zuletzt, beginnend mit dem Mittagessen, ganze Hauptmahlzeiten ausgelassen. Manchmal weigern sich die Mädchen auch, Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Viele Betroffene entwickeln zusätzlich eine exzessive körperliche Aktivität, meist in Form von Joggen, Gymnastik oder Fahrradfahren. „Einige Patientinnen nehmen langsam und kontinuierlich ab, andere verlieren innerhalb weniger Wochen 25% ihres Gewichts“, so Prof. Herpertz-Dahlmann.

Gefahr psychischer Störungen

Doch anhaltende Hungerzustände verursachen nicht nur körperliche Veränderungen wie Abmagerung, akute Austrocknungsgefahr auf Grund von Wasserverlust und Langzeitschäden durch Osteoporose. Die DGKJP betont, dass sie sich auch auf die Psyche auswirken: So sind Zwangserkrankungen wie Ordnungs- und Kontrollzwänge, Angststörungen wie soziale Phobie und depressive Verstimmungen typische Begleitsymptome. Auch Schlaflosigkeit und Konzentrationsstörungen können auftreten. „Eine Früherkennung der Symptome ist nicht nur wegen der körperlichen und seelischen Langzeitschäden besonders wichtig, sie erhöht zudem die Heilungschancen. Diese sind bei jungen Patienten wesentlich höher als bei Erwachsenen“, so Prof. Herpertz-Dahlmann.

Therapien: Einbeziehung der Familie sinnvoll

Erster Schritt in der Behandlung essgestörter Patienten muss die körperliche Rehabilitation und Ernährungstherapie sein. Dazu zählen die Behandlung der körperlichen Folgen des Hungerns sowie eine kontinuierliche, nicht zu schnelle Gewichtszunahme. Hinzu kommt eine Normalisierung des Essverhaltens, die durch Ernährungsberatung, Kochgruppen und gemeinsame Restaurantbesuche erzielt wird. Auch das so genannte „Modellessen“ mit Betreuer hat sich als effizient erwiesen. Da sich jüngere Betroffene oft weigern, ihr Verhalten und ihre Überzeugungen in Frage zu stellen, sind die herkömmlichen psychotherapeutischen Behandlungsformen für sie weniger geeignet. Sehr sinnvoll bei Kindern und Jugendlichen ist dagegen die Einbeziehung der Familie. „Dabei sollte die Familie nicht als Ursache der Essstörung, sondern vielmehr als wirksame Ressource für deren Überwindung angesehen werden“, so Prof. Herpertz-Dahlmann von der DGKJP. Zentrales Ziel der Therapie sollte die Stärkung des Selbstwertgefühls sein. Dazu bieten sich neben der individuellen Psychotherapie ergänzend körperorientierte Verfahren wie Entspannungstraining und Körpererfahrung, Ergo- bzw. Kunsttherapie sowie Musiktherapie an.

Quelle: DGKJP
05.12.2003 Infos für Ärzte
http://www.journalmed.de

Leptin behebt hypothalamische Amenorrhoe bei Leistungssportlerinnen
BOSTON. Das “Fettzellenhormon” Leptin informiert das Gehirn nicht nur ueber die Energievorraete im Fettgewebe. Es ist auch wesentlich an der Steuerung reproduktiver und neuroendokriner Stoffwechselwege beteiligt. Eine Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2004: 351:987-997) zeigt, dass die Substitution mit dem Hormon bei Leistungssportlerinnen die hypothalamische Amenorrhoe behebt.

Leptin wurde 1994 in Fettzellen entdeckt. Das Hormon wurde weithin bekannt, da es angeblich als Appetitzuegler eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse klinischer Studien waren jedoch nicht so eindeutig, wie man gehofft hatte. Doch es koennte ein anderes Anwendungsgebiet geben, das sich aus der Funktion des Hormons ableiten laesst. Leptin wird von den Fettzellen proportional zu den dort gespeicherten Energiereserven freigesetzt. Bei sehr schlanken Menschen sinkt der Leptinspiegel. Fuer das Gehirn ist dies ein Alarmsignal, auf welches hin es radikale Massnahmen zur Energieeinsparung ergreift.

Diese bestehen in der verminderten Freisetzung von Schilddruesen- und Wachstumshormonen und bei der Frau im Sistieren der Monatsblutungen. Dadurch wird zwar Energie eingespart, doch fuer die betroffenen Frauen hat dies schwerwiegende Konsequenzen. Langfristig wird naemlich auch Knochensubstanz abgebaut, sodass Patientinnen mit einer andauernden hypothalamischen Amenorrhoe fruehzeitig an einer schweren Osteoporose erkranken.

Betroffen sind vor allem drei Gruppen, wie Christos Mantzoros von der Harvard Medical School in Boston in der begleitenden Pressemitteilung erlaeutert. Die groesste Gruppe sind extrem duenne Frauen, die Probleme mit der Fertilitaet haben. Die zweite Gruppe sind Leistungssportlerinnen und Taenzerinnen mit einem niedrigen Koerpergewicht. Die dritte Gruppe sind Frauen mit einer Essstoerung wie der Anorexia nervosa, die ebenfalls regelmaessig amenorrhoisch sind. Eine vierte Gruppe, die Rexford Ahima von der Universitaet von Pennsylvania in Philadelphia im Kommentar (NEJM 2004; 959-962) anfuegt, sind Frauen mit einer psychogenen Amenorrhoe, bei denen beispielsweise traumatische Kindheitserlebnisse die Essgewohnheiten und den Hormonhaushalt durcheinander gebracht haben.

In einer Pilotstudie hat die Gruppe um Mantzoros untersucht, ob den Personen durch eine Leptinsubstitution geholfen werden kann. An der Studie beteiligten sich 14 Leistungssportlerinnen, die aufgrund ihres niedrigen Bodymass-Index von durchschnittlich 20,5 seit durchschnittlich 5,1 Jahren amenorrhoisch waren. Acht der 14 Frauen wurden zweimal taeglich mit einem rekombinanten Leptin (r-metHuLeptin) behandelt, sodass der Hormonspiegel auf die Werte von gesunden normalgewichtigen Frauen anstieg. Die anderen acht Frauen wurden nur beobachtet.

Innerhalb von drei Monaten kam es bei den behandelten Frauen zu einer in den Worten Mantzoros “dramatischen” Besserung. Die Menstruation der Frauen habe sich normalisiert, und die Ovarfunktion sei wiederhergestellt worden, heisst es in der Pressemitteilung. Ganz so positiv waren die Ergebnisse aber nicht: Immerhin kam es aber bei den drei Frauen nach 14 Jahren, 6 Jahren und 9 Monaten zum ersten Mal wieder zu einer normalen Ovulation mit folgender Menstruation. Bei zwei weiteren Frauen entwickelten sich praeovulatorische Follikel, die jedoch vor der Ovulation in einer Abbruchblutung endeten. Eine weitere Frau hatte ebenfalls eine praeovulatorische Follikel, es kam aber zu keiner Blutung. Bei einer weiteren Frau konnten die Leptinspiegel nicht genuegend gesteigert werden und die achte Frau brach die Studie ab.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse jedoch, dass Leptin eine breite Wirkung auf den Hormonhaushalt der Frauen hatte: Signifikante Anstiege gab es in den Werten von freiem T3-Thyronin, freiem Thyroxin, dem “insulin-like growth factor 1”, dem “insulin-like growth factor–binding protein 3”, der alkalischen Knochen-Phosphatase und dem Osteocalcin. Dies laesst hoffen, dass die Behandlung die Folgen der hypothalamischen Amenorrhoe mildert (fuer die es natuerlich auch eine einfachere Behandlung gaebe, naemlich die Aufgabe des Leistungssports und die Normalisierung des Koerpergewichts).

Der Hersteller plant dem Vernehmen nach bereits eine groessere Interventionsstudie, wobei unklar ist, ob auch Patientinnen mit Anorexia nervosa beteiligt sein werden, die sich noch weniger als Leistungssportlerinnen von der Notwendigkeit einer Gewichtszunahme ueberzeugen lassen.

Laut Mantzoros liefern die Ergebnisse auch wichtige Erkenntnisse ueber die Reifungsprozesse bei der Pubertaet. Der Hormonforscher stellt die Hypothese auf, dass die Gewichtszunahme und damit der Leptinanstieg, der bei Maedchen vor der Menarche zu beobachten ist, ein Signal des Koerpers sei, dass jetzt genuegend Energiereserven fuer eine Schwangerschaft zur Verfuegung stehen.

Dies sind angesichts einer Studie mit nur 8 Teilnehmerinnen weitgehende Spekulationen. Zunaechst muss sich in einer groesseren Studie zeigen, dass die Behandlung auch sicher ist.
DEUTSCHES AERZTEBLATT 03.09.2004
Links zum Thema

Abstract der Studie im NEJM
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/351/10/987 

Pressemitteilung Beth Israel Deaconess Medical Center
http://www.eurekalert.org/pub_releases/2004-09/bidm-nsf082704.php 


Eine Eßstörung der besonderen Art:
Wenn sich das ganze Leben nur noch um "Bio" und "ohne Zusatzstoffe" dreht

Von Ruth Ney

Obst und Gemüse sind gut - Junk-Food ist schlecht - so lautet vereinfacht die Grundregel für gesunde Ernährung. Wer jedoch zu streng mit seinen Schwächen und bei der Auswahl der richtigen Nahrung ist, läuft allerdings Gefahr, krank zu werden.
Für die Eßstörung bei Patienen, die sich nach selbstauferlegten strengen Ernährungsregeln krank und untergewichtig essen, kursiert seit kurzem ein neuer Begriff, die Orthorexia nervosa. Dieser ist allerdings bisher nicht in die internationale oder deutsche Krankheitsklassifikation (ICD 10 oder DSM) aufgenommen worden, und es herrscht offensichtlich Uneinigkeit darüber, ob es sich überhaupt um eine neue Erkrankung handelt.

US-Arzt Steve Bratman prägte den Begriff Orthorexia

Geprägt wurde der Begriff Orthorexia 1997 von dem US-amerikanischen Arzt Dr. Steven Bratman. Er bezeichnete damit eine übersteigerte Fixierung auf gesunde Nahrungsmittel. Für die Betroffenen - Bratman gehörte nach seinen Angaben früher selbst dazu - dreht sich das ganze Leben nur noch ums Essen mit dem Bedürfnis, stets nur das Richtige zu essen und Ungesundes zu vermeiden.
Dabei wird die Nahrungsaufnahme genau geplant, oft schon über Tage im Voraus nach selbstauferlegten Ernährungsvorschriften, und die Einteilung in gesund und ungesund wird immer rigider.
"Selbst bei einer bereits streng veganen Kost lassen Betroffene dann noch immer mehr Lebensmittel weg, die potentiell krebsauslösend oder allergieauslösend oder sonst irgendwie ungesund sind, etwa durch mögliche Zusatzstoffe. Es kommt dadurch zwangsläufig zu Mangelerscheinungen, die sogar lebensbedrohlich werden können", erläutert Christoph Usbeck vom Institut für Allgemeine Psychologie der Universität Düsseldorf im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".
Zu den körperlichen treten mit der Zeit auch psychische Symptome hinzu. Es kommt zu Antriebsmangel und sozialem Rückzug. Die Betroffenen fokussieren sich dadurch immer mehr auf ihre angeblich gesunde Ernährung - ein Teufelskreis entsteht.
"Das Problem ist, daß Betroffene in ihrem Eßverhalten keinen Krankheitswert sehen. Sie schweben in ihrer Welt mit ihrer Sicht von Körper und Ernährung und sind oft sehr sendungsbewußt", so Usbeck. Sie versuchen auch, andere Menschen in ihrer Umgebung entsprechend zu beeinflussen, und fühlen sich aufgrund der eisernen Selbstdisziplin, die ihre extreme Ernährungsform erfordert, jenen, die Bratwurst und Burger essen, oft überlegen.
Energielosigkeit und gestörter Schlaf führen zum Arztbesuch
Gründe für einen Arztbesuch sind nach Angaben des Düsseldorfer Diplom-Psychologen eher Klagen über eine eingeschränkte psychische und körperliche Leistungsfähigkeit mit Konzentrations- oder Schlafstörungen und Energielosigkeit. Bei der Untersuchung fallen dann außer dem geringen Körpergewicht oft ein extrem niedriger Blutdruck oder eine Bradykardie auf. Erst im Gespräch werde dann eine ausgeprägte Fixierung auf gesunde Ernährung deutlich, etwa eine sehr strenge vegane Ernährung verbunden mit einer übersteigerten Risikobewertung vermeintlich ungesunder Kost.

Perfektionismus ist bekannt als Risikofaktor für Eßstörungen.


Für Privatdozent Dr. Ulrich Schweiger von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Lübeck ist diese Beschreibung typisch für die Verbindung einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung mit Perfektionismus und einer Anorexia nervosa. "Und das ist überhaupt nichts Neues, sondern ist in dieser Form in der Fachliteratur gut beschrieben", so Schweiger zur "Ärzte Zeitung".
So weisen nach seinen Angaben etwa 50 bis 60 Prozent der Patienten mit Anorexia nervosa und 40 Prozent der Bulimie-Patienten eine Zwangsstörung als Komorbidität auf. So sei natürlich auch bekannt, daß Patienten ihre Vorstellungen von gesunder Ernährung ins Zwanghafte übersteigern können und daß dieser perfektionistische Stil im Umgang mit Nahrungsmitteln und mit Informationen über Nahrungsmittel ein Risikofaktor für eine Eßstörung ist. "Man muß aber in der psychiatrischen Diagnostik nun nicht für alle Kombinationen, so typisch sie auch sein mögen, immer neue Namen erfinden", betont der Psychiater.
Doch warum neigen manche Menschen eher als andere dazu, den Bogen bei gesunder Ernährung zu überspannen und ins Extreme zu verfallen? "Eine Hypothese geht davon aus, daß diese Form der Ernährung mit ihrer strengen Nahrungsauswahl es den Betroffenen ermöglicht, eine gewisse Kontrolle auszuüben, die ihnen in anderen Lebensbereichen abhanden gekommen ist. Es würde also eine Funktionalität bestehen, wie sie auch bei Anorexia-Patienten bekannt ist", erläutert Usbeck. Die Fixierung auf gesundes Essen könnte daher ein Bewältigungsversuch sein, Ängste und ein geringes Selbstwertgefühl in den Griff zu bekommen.
Die Therapie ist ähnlich wie bei Magersüchtigen. Zusätzlich zu Ernährungsmaßnahmen bei extremem Untergewicht sei eine Psychotherapie wichtig, so Usbeck.

STICHWORT
Orthorexia nervosa
Der Begriff Orthorexie (griech. ortho = richtig und orexis = Appetit) geht auf den US-Mediziner Dr. Steve Bratman zurück. Betroffene sind nach seiner Definition besessen davon, sich gesund zu ernähren. Sie haben so große Angst vor belasteten Nahrungsmitteln, Chemikalien, Fett oder anderen Zusatzstoffen, daß sie sich strenge Ernährungsregeln auferlegen, die dann zwanghaft eingehalten werden müssen. Dabei steht nicht so sehr die Menge des Essens im Vordergrund wie bei Magersüchtigen oder Bulimie-Kranken, sondern eher die vermeintliche Qualität der Nahrungsmittel. Sie neigen daher auch dazu, sich Rationen ganz spezieller Lebensmittel mitzunehmen, wenn sie ausgehen oder eingeladen sind.
Ärzte Zeitung, 18.11.2004


„Bulimie steigt weiter an“

Etwa 200.000 Österreicherinnen leiden zumindest einmal im Laufe ihres Lebens an einer Essstörung. Bezogen auf die österreichische Gesamtbevölkerung sind von den 15- bis 20-jährigen Mädchen mindestens 2.500 magersüchtig. Auch die heimliche und verheimlichte Bulimie betrifft zu 90% junge Frauen. Die Krankheit korreliert mit dem Grad der „Verwestlichung“ einer Gesellschaft, erklärt Dr. Peter Weiss, Vorstand der III. Med. Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Wien.

Die Behandlung von Patienten mit Essstörungen stellt einen wesentlichen Schwerpunkt Ihrer Abteilung dar. Wie hoch ist der Anteil weiblicher Patienten?
P. Weiss: Der Anteil der Patienten mit Essstörungen am Gesamtpatientenkollektiv beträgt 40%. Davon sind 90% Frauen, der Anteil der Männer ist entgegen anders lautenden Aussagen in der Presse auch bei uns konstant niedrig geblieben. Insgesamt steigt die Häufigkeit der Erkrankung vor allem bei Bulimie noch weiter an, bei Anorexie dürfte im vorigen Jahrzehnt der Gipfel erreicht worden sein und seither ist es in etwa konstant geblieben. Hier behandeln wir doppelt so viele Bulimie- wie Anorexiepatientinnen.

Gibt es auch neue Formen von Essstörungen?
P. Weiss: Es gibt die Orthorexia nervosa, über die in den letzten Monaten sehr gerne geschrieben wurde. Der Begriff ist an die Anorexia nervosa angelehnt. Bei dieser Essstörung wird der Konsum gesunder Ernährung zwanghaft. Aber auch hier kann es zu Mangelerscheinungen kommen.

Wie hoch liegt das Durchschnittsalter Ihrer Patienten?
P. Weiss: Das Durchschnittsalter beträgt 27 Jahre, wobei es für die Essstörungen bei Frauen mehrere Häufigkeitsgipfel gibt: Ist die Erstmanifestation meist in der Pubertät, so kommt es häufig zu Rezidiven in Lebensphasen, in denen es um Autonomieentwicklung geht. Also z.B. um die Maturazeit, vor Abschluss einer Ausbildung oder des Studiums etc. Wir behandeln die Patientinnen hier erst ab dem 18. Lebensjahr und nehmen Patientinnen nur auf, wenn es schon zu ernsthaften körperlichen Begleiterscheinungen/Komplikationen gekommen ist bzw. wenn eine hochfrequente Psychotherapie sinnvoll erscheint, wenn sie aus unterschiedlichen Gründen ambulant nicht möglich ist.

Warum manifestiert sich ein psychisches Problem gerade bei Frauen häufig in einer Essstörung?
P. Weiss: Dazu gibt es viele Theorien. Ich glaube nicht, dass es einen einzigen Grund gibt, vielmehr ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Eine Möglichkeit, warum gerade Frauen häufiger von Magersucht betroffen sind, ist im ersten Anorexie-Gipfel in der Pubertät zu sehen, wenn Frauen weiterhin Mädchen sein wollen. Es ist eine Verweigerung der Rollenübernahme der Frau in unserer Gesellschaft, die Ablehnung der körperlichen sekundären Geschlechtsmerkmale, die man wieder zum Schwinden bringen möchte. Diese Mädchen haben keine Menstruation mehr, entwickeln eine sekundäre Amenorrhoe, es schwinden die Rundungen und damit sind sie scheinbar wieder in einem mädchenhaften Zustand. Das ist ein Punkt, der sicher mit eine Rolle spielt. Ein weiterer Punkt, der immer wieder gerne angeführt wird, ist das veränderte Schönheitsideal, was aber nur bedingt stimmt, da es die Anorexie schon seit dem Mittelalter gibt. Weiters gibt es für die Bulimie eine Korrelation mit dem Grad der „Verwestlichung“ einer Gesellschaft: Je dominanter nach dem Grundprinzip „möglichst viel in möglichst kurzer Zeit konsumieren“ gelebt wird, desto häufiger wird die Bulimie.

Essgestörte Patienten vermeiden es, über ihre Krankheit zu sprechen. Was führt sie zum Arzt?
P. Weiss: Das ist eine wichtige Frage. Wir hier sind keine psychiatrische Abteilung, sondern eine interne Abteilung mit dem Schwerpunkt Psychosomatik und Behandlung von Essstörungen. Daher können wir nur Patienten behandeln, die freiwillig zu uns kommen. Ein BMI unter 13 ist aber potenziell lebensbedrohlich! Unterhalb eines solchen Gewichts werden die Patienten bei uns kontinuierlich über eine nasogastrale Sonde ernährt. 55% der an unserer Abteilung behandelten Patientinnen gehören dieser Hochrisikogruppe an. Mit diesen Patientinnen wird in der Ambulanz ein mündlicher Vertrag vereinbart, der die Sondenernährung bis zum Erreichen eines BMI von 13 beinhaltet. In 95% der Fälle gelingt dies. Das heißt, 95% der Patientinnen, die unter dem Sondengewicht liegen, erreichen während des stationären Aufenthaltes das Sondengewicht und kommen aus dieser Gefahrenzone heraus. Bei 5% stoßen wir an die Grenzen unserer Möglichkeiten, weil wir keine Behandlung gegen den Willen der Patientinnen durchführen können.

Welche Begleiterscheinungen haben diese Patienten?
P. Weiss: Bei der Anorexie ist zwischen körperlichen Komplikationen und Begleiterscheinungen zu unterscheiden. Begleiterscheinungen sind messbare Veränderungen, die Ausdruck eines „Sparprogramms“ sind. Es handelt sich also hierbei um eine gesunde Reaktion des Körpers auf zu geringe Nahrungszufuhr. Diese Begleiterscheinungen dienen der Senkung des Energieverbrauchs: Der Blutdruck wird niedriger, der Puls verlangsamt, die Körpertemperatur gesenkt, die peripheren Gefäße werden eingestellt, der Grundumsatz wird verringert, das Knochenmark bildet weniger weiße Blutkörperchen. Diese Begleiterscheinungen werden nicht behandelt, weil sie das Überleben des Patienten sichern. Besonders bedrohlich ist die Kombination einer Essstörung mit dem Missbrauch von Laxanzien und Diuretika, da es hier häufiger zu Komplikationen wie Elektrolytverschiebungen, renalen Problemen sowie Herzrhythmusstörungen kommt, die intensiv behandelt werden müssen. Auf unserer Abteilung ist bis jetzt keine anorektische Patientin verstorben. Das widerspricht allen Erfahrungen und der publizierten Literatur. Der Grund ist vermutlich der integrierte Ansatz unseres Behandlungskonzeptes. Die kompetente internistische Betreuung erfolgt in enger Kooperation mit einem Team von acht Psychotherapeuten und einem routinierten Pflegeteam.

Muss der Patient mit schwerwiegenden Folgeschäden rechnen?
P. Weiss: Ja, wenn die Essstörung über lange Zeit besteht, sind einige Folgen wie zum Beispiel Osteoporose unvermeidbar. Patienten, die zu uns zur stationären Aufnahme kommen, haben in der Regel schon eine längere Leidensgeschichte. Eine lange Krankheitsdauer ist ein vom Ausmaß des Untergewichts unabhängiger Risikofaktor. Chronisches Untergewicht wird nicht nur von Patientinnen bagatellisiert, auch Ärzte lassen sich manchmal fälschlich beruhigen und sagen: „Die kenne ich eh schon so lange, die hat schon immer so ausgeschaut.“ Aber je länger das Untergewicht besteht, desto höher ist das Komplikationsrisiko. Dies wird auch ganz klar durch Mortalitätsstudien belegt.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls nach erfolgreicher Therapie?
P. Weiss: Ich würde das ungefähr dritteln. Ich spreche jetzt von einer Acht-Wochen-Therapie, die gefolgt ist von einer ambulanten Nachbehandlung und einer fortlaufenden Psychotherapie über einen längeren Zeitraum, also einer Kombination von intensiver stationärer Therapie plus ambulanter Nachbehandlung. So ist etwa ein Drittel heilbar. Ein Drittel „rezidiviert“ in Krisensituationen und ein Drittel nimmt einen chronischen Verlauf mit dem Risiko der erwähnten Komplikationen.

Glauben Sie, dass es zu einer Trendumkehr kommen wird?
P. Weiss: Das kann ich nicht sicher sagen. Was dafür spricht ist die Tatsache, dass in jeder Epoche Krankheiten mit jenen Symptomen besonders häufig sind, die einem besonders tabuisierten Bereich der Gesellschaft entsprechen. Ich denke hier an die Hysterie, die um 1900 so häufig war, als die Sexualität ein stark tabuisierter Bereich war. In unserer heutigen Gesellschaft wird bei jeder Speise überlegt, wie viele Kalorien enthalten sind, wie hoch der Fettanteil ist, „was mein Cholesterin dazu sagen wird“ usw. Auch im Supermarktregal muss man zwischen den verschiedenen Low-Fat-Angeboten wählen. Man wird also ständig mit diesem Thema konfrontiert. Aber in welchem Bereich wird die nächste Störung liegen?

Welche Botschaft möchten Sie Betroffenen mitgeben?
P. Weiss: Mir ist wichtig, dass Patienten und Patientinnen vermittelt wird, dass eine Essstörung zwar eine ernste und auch potenziell gefährliche bis lebensbedrohliche Erkrankung ist, sie aber gut behandelbar ist, und die Behandlungserfolge in Zentren mit viel Erfahrung sehr gut sind. Voraussetzung ist, dass Patientinnen sich in Behandlung begeben, dass dort sowohl die körperlichen Symptome als auch die oft verborgene seelische Not wahrgenommen wird und unter Nutzung der positiven Ressourcen der Patientinnen diese kompetent psychotherapeutisch behandelt werden.

Wir danken für das Gespräch!
Autor:
Das Interview führte Mag. Sandra Standhartinger
Quelle des Artikels „Bulimie steigt weiter an“:
Unser Interviewpartner: Prim. Dr. Peter Weiss, Vorstand der III. Med. Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Stumpergasse 13, 1060 Wien


Zwillingsstudie untersucht Koexistenz von Ess- und Angststörungen
Essstörungen und Angststörungen gehen Hand in Hand
Inwieweit Essstörungen simultan mit Störungen der Stimmung einhergehen, untersuchten Wissenschaftler der University of Iowa in Iowa City an 672 weiblichen Zwillingen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren.
Mit Hilfe strukturierter Interviews stellten sie das Vorliegen einer Essstörung fest und untersuchten Stimmung, Angst und Medikamentenmissbrauch.
In Koexistenz mit Essstörungen traten häufig Major-Depressionen, Angststörungen und Nikotinabhängigkeit auf, berichten die Forscher im „International Journal of Eating Disorders“. Von 14 Zwillingspaaren, bei denen nur einer an einer Essstörung litt, wies auch der nicht Essgestörte ein erhöhtes Risiko für eine Angststörung auf.
Umgekehrt zeigte sich unter 52 Zwillingspaaren, unter denen nur ein Zwilling unter einer Angststörung litt, dass der andere ein erhöhtes Risiko für eine Essstörung aufwies.

2005-09-30
Quelle: www.aerztlichepraxis.de


Esstörungen: Diagnose anhand von Haarproben

Seattle (ddp). Haaranalysen könnten in Zukunft bei der Diagnose von Essstörungen helfen: Forscher aus den USA haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Magersucht und Ess-Brech-Sucht anhand der genauen Zusammensetzung der Kopfhaare mit einer hohen Zuverlässigkeit festgestellt werden können. Da viele Betroffene Essstörungen leugnen oder verheimlichen würden, könnte diese Methode einen objektiven Hinweis für das Vorliegen einer solchen Störung liefern, sagen die Forscher. Über das Analyseverfahren berichten Kent Hatch von der Brigham Young University in Provo und seine Kollegen in der Fachzeitschrift «Rapid Communications in Mass Spectrometry» (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1002/rcm.2740). Haare bestehen hauptsächlich aus Eiweißverbindungen, die ihnen ihre typische Stabilität verleihen. In den so genannten Haarfollikeln, aus denen die Haare herauswachsen, wird dabei ständig von unten neues Eiweiß an das wachsende Haar angelagert. Die Zusammensetzung dieser Proteine spiegelt die Ernährungsgewohnheiten eines Menschen wider, sagen die Forscher. Da Haare fortwährend wachsen, repräsentiere ihr Proteinaufbau eine Art Tagebuch des jeweiligen Ernährungszustands, in dem Essstörungen ihre charakteristischen Spuren hinterlassen würden, schreiben die Wissenschaftler. So baut der Körper beispielsweise mehr Stickstoffatome mit einer ungewöhnlich hohen Masse in die Haarproteine ein, wenn er Gewicht verliert. Genau diese typischen Spuren können Hatch und seine Kollegen nun mit ihrem Analyseverfahren nachweisen. Dabei reichen den Forschern schon fünf Haarproben aus, um bei Betroffenen eine Essstörung mit einer Trefferquote von 80 Prozent zu diagnostizieren. Bislang sind Ärzte hauptsächlich auf die Angaben der Betroffenen bei der Diagnose von Magersucht und Ess-Brech-Sucht, auch Bulimie genannt, angewiesen. Diese Informationen sind meist subjektiv und erfordern Eingeständnisse und Ehrlichkeit von den Patienten. Das Testverfahren könnte nun zukünftig helfen, objektive Daten für die Diagnose von Essstörungen zu liefern. Genaue Zahlen zur Häufigkeit von Essstörungen gibt es nicht, Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass ein bis fünf Prozent aller jungen Frauen betroffen sind. Nach Aussagen der Forscher muss das Testverfahren allerdings noch weiter verfeinert werden, bis es routinemäßig zum Nachweis von Essstörungen eingesetzt werden kann.18. Oktober 2006