Anorexie und Bulimie - eine Übersicht
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| Wenn Essen zum Problem wird. Wege aus Eßstörungen. von Ingrid Arenz-Greiving 1999 Preis: EUR 3,07 Jetzt bestellen! |
Wenn die Seele hungert. |
Eßstörungen. Ursachen, Symptome,
Therapien. von Ulrich Cuntz, Andreas Hillert Preis: EUR 7,57 Taschenbuch - 135 Seiten Jetzt bestellen! |
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Eßstörungen-Magersucht+Bullimie med.Kurzbeschreibung mit Therapie Anorexia nervosa Bulimie, Bulimia Anorexia nervosa Syn.: Asitie auch Appetitlosigkeit, Magersucht A. nervosa Syn.: PubertätsmagersuchtVerlust des Nahrungstriebes; |
Boston 6.12.99 UPI: Mit 5 Fragen kann laut einer Studie mit 116 Bulimie/Anorexie Patienten die Eßstörung 100% identifiziert werden: 1. Beunruhigt sie ein unangenehmes Völlegefühl? 2. Ärgern sie sich darüber, dass sie keine Kontrolle darüber haben, wie viel sie essen? 3.Haben sie während 3 Monaten mehr als 7 kg Körpergewicht verloren? 4.Glauben sie dick zu sein wenn andere sagen sie wären dünn? 5. Würden sie sagen, dass Ernährung ihr Leben beherrscht? Zwei oder mehr Ja-Antworten weisen auf eine Eßstörung hin! |
| Wie lasse ich meine
Bulimie verhungern? von Margret Gröne Preis: EUR 24,54 Taschenbuch - 293 Seiten Erscheinungsdatum: 2000 Jetzt bestellen! |
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Anorexia, Anorexie :zu den Eßstörungen gehörende, durch einen selbst herbeigeführten
Gewichtsverlust von mindestens 15% unterhalb des normalen Gewichts, Körperschemastörungen
u. massive Furcht vor Gewichtszunahme geprägte A. Betroffen sind vorwiegend
junge Frauen (12.-30. Lj.). Leitsymptom ist die Störung des Eßverhaltens
(Nahrungsverweigerung, evtl. unterbrochen durch heimliche Eßattacken
mit anschließendem selbstinduzierten Erbrechen; Einnahme von Laxanzien),
die rasch zu einer (nicht selten vital bedrohlichen) Gewichtsabnahme führt.
Weitere Symptome u.a. primäre bzw. sekundäre Amenorrhö u.
weitere endokrinologische u. metabolische Störungen, Elektrolytverschiebungen,
Bradykardie, Hypotonie, trophische Hautstörungen. Die Letalitätsrate
(somatische Komplikationen der Kachexie, Suizid) wird mit ca. 15% angegeben.
Als wesentliche psychische Ursache werden mit beginnender Geschlechtsreife
schwere Störungen der Geschlechtsidentifikation u. der Autonomieentwicklung
im Rahmen einer pathogenen Familiendynamik angenommen. Therapie: interdisziplinär
internistisch-psychosomatischer Behandlungsansatz (ggf. stationäre
Aufnahme), regelmäßige Kalorienzufuhr, in Extremfällen
mittels Magensonde; evtl. Psychopharmaka; psychoanalytisch bzw. verhaltenstherapeutisch
orientierte Psychotherapie, ggf. heilpädagogische Maßnahmen,
Familientherapie.
Definition: Eßstörung, die durch gezieltes Fasten (bei erhaltenem
Appetit) und Untergewicht charakterisiert wird.
Pathogenetisches Modell (modifiziert nach Fichter)
Magersucht (Anorexia nervosa) Sport und Diäten: die
programmierte Sucht
Vorkommen: - Als isolierte Störung ohne besonderen Gewichtsverlust - In Verbindung mit einer anorektischen Symptomatik - Als Symptom einer anderen seelischen oder körperlichen Erkrankung Bulimie (Eß-Brechsucht)
Bulimie (Eß-Brechsucht)
Pathogenetisches Modell des bulimischen Kreises (Fichter) Literatur FICHTER, M. M.: Magersucht und Bulimie. Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York-Tokyo, 1985. – GARFINKEL, P. E., D. M. GARNER, G. RODIN: Anorexia nervosa, Bulimie in: K. P. KISKER et al. (Hrsg.): Psychiatrie der Gegenwart, Bd. 1, Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York-Tokyo (1986) 103-124. Therapie
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Essstörungen: „Unnatürlich dünne“ Frauen im Fernsehen und auf dem Laufsteg sind einer der Hauptgründe für Essstörungen junger Frauen. Das ist das Ergebnis eines Berichts der Britischen Medizinischen Gesellschaft. Der Ärzteverband forderte die Medien auf, mehr Frauen mit „realistischeren Körpermaßen“ zu zeigen. Die meisten Schauspielerinnen seien dünner als die durchschnittliche Britin. Sie hätten einen Fettanteil von etwa zehn bis fünfzehn Prozent, während es bei der gesunden britischen Durchschnittsfrau im Schnitt 22 bis 26 Prozent seien. (Süddeutsche Zeitung, dpa, S. 16, 31.05.2000)
Kliniken zur Behandlung: http://www.bulimie-online.de/kliniken.htm Esstörungen durch erhöhten Zytokinspiegel im Blut Magersucht und Übergewicht: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat eine neue Aufklärungskampagne
gegen Ess-Störungen wie Übergewicht, Magersucht oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie) gestartet. "Wir wollen
Fehlentwicklungen bekannt machen und zeigen, wie den Betroffenen geholfen werden kann", sagte Elisabeth Pott,
Direktorin der Bundeszentrale, am Montag in Köln zu der Kampagne "Essen hält Leib und Seele
zusammen". Ziel sei es, gegen die von der Mode oder Medienwelt vorgegebenen
überschlanken Schönheitsideale von Models oder Schauspielerinnen anzukämpfen. Durch Diäten werde die Schönheitsideal quält vor allem Frauen Essen spaltet Leib und Seele -- Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung -- Ärzteblatt vom 10.11.2000
Zusammenfassung Mögliche Ursache für Bulimie entdeckt Stimmungsabhängig: Frauen haben mehr psychische Krankheiten als Männer
Anorexie nervosa - Bulimia nervosa
- Binge eating... Was ist das?
Vergleichende
Untersuchungen zur Problematik von Essstörungen
im Leistungssport mittels Eating
Disorder Inventory (EDI) |
| Iß doch endlich mal
normal. Hilfen für Angehörige von eßgestörten Mädchen und Frauen. von Bärbel Wardetzki Preis: EUR 15,23 Taschenbuch - 244 Seiten Erscheinungsdatum: 1996 Jetzt bestellen! |
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Der Weg zurück ins
Leben. Magersucht und Bulimie verstehen und heilen. von Peggy Claude-Pierre Preis: EUR 10,17 Tachenbuch - 327 Seiten - Erscheinungsdatum: 2001 Jetzt bestellen! |
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| Alice im Hungerland.
Leben mit Bulimie und Magersucht. von Marya Hornbacher Preis: EUR 8,95 Taschenbuch - 491 Seiten - Erscheinungsdatum: 2001 Jetzt bestellen! |
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Raus damit. Bulimie:
ein autobiographischer Ratgeber. von Dolores Schmidinger Preis: EUR 15,24 Gebundene Ausgabe - 160 Seiten Erscheinungsdatum: Oktober 1998 ISBN: Jetzt bestellen! |
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Fatale Entwicklung: Ess-Störungen bei Mädchen immer früher
| Ausbrechen. Bulimie
verstehen und überwinden. von Verena Böning Preis: EUR 20,41 Taschenbuch - 113 Seiten Erscheinungsdatum: 2000 Jetzt bestellen! |
Wenn Essen zum Problem wird. Wege aus Eßstörungen. von Ingrid Arenz-Greiving 1999 Preis: EUR 3,07 Jetzt bestellen! |
Wenn die Seele hungert. Essstörungen und was sich dagegen tun lässt. von Carl Leibl, Gislind Leibl 2000 Preis: EUR 9,10 Taschenbuch - 189 Seiten Jetzt bestellen! |
Eßstörungen. Ursachen, Symptome, Therapien. von Ulrich Cuntz, Andreas Hillert Preis: EUR 7,57 Taschenbuch - 135 Seiten - C.H.Beck 2000 Jetzt bestellen! |
Ess-Störungen nehmen zu: Ursachen oft seelischer Natur
Berlin (dpa) - Mit schockierenden Fotos einer magersüchtigen Frau wollen
Beratungszentren auf die steigende Zahl von Menschen mit Ess-Störungen
aufmerksam machen. Unter dem Motto "Aktion Waagemut" sei für diesen Winter eine
bundesweite Aufklärungskampagne geplant, teilte der Bundesfachverband
Ess-Störungen am Donnerstag in Berlin mit. Zur Finanzierung der Kampagne werden
noch Sponsoren gesucht. Schirmherrin der Aktion ist die TV-Moderatorin Enie van
de Meiklokjes. Jede fünfte bis zehnte Frau in Deutschland leidet nach Angaben
des Bundesverbandes Ess-Störungen unter Magersucht oder unkontrollierten
Essanfällen. Besonders gefährdet sind Mädchen in der Pubertät. Doch auch immer
mehr Männer erkranken an Magersucht. "Einer von zehn Betroffenen ist heute ein
Mann", sagte Cornelia Götz-Kühne, Mitbegründerin des Verbandes. Gründe für die
Fehlernährung seien häufig seelische Faktoren wie Stress, Einsamkeit oder
Frustration. Eine große Rolle spielt laut Götz-Kühne aber auch der
"Schlankheits- und Schönheitswahn" in der Gesellschaft, ausgelöst durch Models
oder Werbung. Die Kampagne "Waagemut" will Betroffenen und Angehörigen Mut
machen, über ihre Probleme zu reden und bei Beratungsstellen professionelle
Hilfe zu suchen. Wenn sich Sponsoren finden, sind nach einer ersten Plakataktion
im Sommer für den Winter Kino- und TV-Spots sowie Anzeigen in Print-Medien
geplant. 30. November 2001 netdoktor.de
Essprobleme: Jede dritte Schülerin gefährdet
Jena (dpa) - Jede dritte Schülerin in Deutschland leidet einer Jenaer Studie
zufolge an einem gestörten Essverhalten. Hauptgrund dafür sei eine ständige
Sorge um Gewicht und Figur, wie eine jetzt vorgelegten Studie des Instituts
für Medizinische Psychologie der Universität Jena ergab. Bei 14 Prozent der
Betroffenen sei das Risiko sehr hoch, eine Essstörung zu entwickeln, teilte
die Universität am Donnerstag mit. In der Studie wurden 736 Menschen im
Alter von 12 bis 32 Jahren aus verschiedenen deutschen Städten zu den
Frühsymptomen einer Essstörung befragt. Dazu zählen Magersucht (Anorexie)
und Essbrechsucht (Bulimie). Im Ergebnis wiesen 29 Prozent der weiblichen
und 13 Prozent der männlichen Befragten solche Anzeichen auf. Bei den
Schülerinnen waren es sogar 35 Prozent. Auch regionale Differenzen wurden
ermittelt. So sind danach 56 Prozent der westdeutschen Schülerinnen
gefährdet, im Osten nur 30 Prozent. Durch Diäten, Fastentage, Erbrechen und
übermäßigen Sport solle das Gewicht gering gehalten werden, hieß es. Auch
Medikamente wie Appetitzügler, Abführ- oder Entwässerungsmittel würden
eingenommen. 43 Prozent der weiblichen und 21 Prozent der männlichen
Befragten entschieden sich in den vergangenen 12 Monaten für eine Diät. 42
Prozent der Schülerinnen schätzten sich selbst als übergewichtig ein, obwohl
es nur bei 8 Prozent zutraf. Andererseits waren 33 Prozent der Probanden
untergewichtig; es schätzten sich aber nur 6 Prozent so ein. 7. Juni 2002
netdoktor.de
Ess-Brech-Sucht: Studie untersucht Auswirkung auf Zähne
(netdoktor.de, 14.06.2002) - Fressorgien mit anschließendem Gang zur
Toilette sind für Bulimie (Ess-Brech-Sucht) typisch. Da häufiges Erbrechen
den Zähnen schadet, untersucht die Medizinische Hochschule Hannover die
Auswirkungen der Ess-Brech-Sucht in einer Studie. Betroffene haben die
Möglichkeit, im Internet einen Fragebogen zu ihren Zahnpflege- und
Ernährungsgewohnheiten auszufüllen. Anhand der Daten möchte Studienleiterin
Rike Assmussen eine Wissenslücke füllen und Aufklärungsarbeit leisten. Der
Fragebogen enthält deshalb auch ein Merkblatt, wie Bulemiker ihre Zähne vor
den Säureschäden schützen können. Bei der Bulimie ist das Essverhalten
suchtartig gestört, es werden anfallsartig große Mengen kalorienreicher
Nahrung verschlungen und anschließend absichtlich wieder ausgeschieden.
Ess-Brech-Süchtige erbrechen auf künstliche Weise und nehmen Abführmittel.
Die Krankheit wird durch die krankhafte Furcht, dick zu werden, ausgelöst.
Die Ess-Brech-Sucht tritt vor allem bei jungen Mädchen und Frauen im Alter
zwischen 16 und 25 Jahren auf, in einer zunehmenden Zahl auch bei jungen
Männern. In Deutschland haben etwa drei Prozent der jungen Frauen
Ess-Störungen, wobei die Dunkelziffer auf mindestens das Doppelte geschätzt
wird. Die Bulimie ist eine ernst zu nehmende Suchtkrankheit, vergleichbar
mit Alkoholkrankheit oder Drogenabhängigkeit. Ohne fachkundige Hilfe und
Behandlung ist für die Betroffenen in der Regel keine Heilung möglich. Der
Fragebogen im Internet: www.zkn.de, Menü: Kammer, Rubrik Doktorarbeit. 15.
Juni 2002
Magersucht: Forscher vermuten genetische Ursache
London (netdoktor.de) - An Magersucht erkrankte Personen tragen häufiger eine
bestimmte Genvariante, die sich auf das Stresshormon Noradrenalin auswirkt. Dies
berichtet die Nachrichtenagentur "pte.at". Stress und Angst, also Emotionen, bei
denen besonders viel Noradrenalin ausgeschüttet wird, werden von Magersüchtigen
besonders stark erlebt. Daher halten die Forscher um Ruth Urwin am englischen
Krankenhaus von Westmead die Magersucht für teilweise genetisch bedingt. NET,
ein Enzym, das am Auf- und Abbau von Noradrenalin beteiligt ist, spielt dabei
eine zentrale Rolle: Das Stück im menschlichen Erbgut, das für den Aufbau von
NET verantwortlich ist, existiert in einer kurzen und einer langen Form. Bei
denjenigen Magersüchtigen, die die Aufnahme jeglicher Nahrung verweigern, fanden
die Forscher häufiger die lange Variante dieses Gens. Dadurch sei die Theorie,
dass Magersucht allein durch das familiäre Umfeld und die Umwelt ausgelöst
würde, in Frage gestellt, so Urwin und ihre Kollegen. Etwa ein Prozent aller
Frauen zwischen 15 und 25 Jahren leidet an Magersucht. Diese Essstörung hat die
höchste Todesrate aller psychischen Störungen.6. August 2002 netdoktor
Sportlich und Essgestört
Laut einer Studie mit 5000 Mädchen in den USA weist sportliche Aktivität
in Verbindung mit bestimmten Risikofaktoren ( Depression, sexueller
Missbrauch, in der Anamnese, Nikotin, Alkohol oder Marihuana Konsum) a
uf eine Disposition für Essstörungen hin. Insbesondere bei Sportarten, die
auf Stabilisierung eines bestimmten Gewichts zielen, erhöht sich das Risiko
für Esstörungen bei Gefährdeten um 50 %.
Reuters Health - New York 31.7.2002
Sucht-Referentin: Immer mehr Kinder essgestört
Hannover (dpa) - Von Ess-Störungen auf Grund eines übertriebenen
Schönheitsideals sind aus Sicht der Referentin für Suchtprävention, Ingeborg
Holterhoff-Schulte, immer häufiger schon Kinder betroffen. Mädchen mit
solchen Problemen würden zunehmend jünger, sagte sie in einem dpa-Gespräch.
Oft fingen schon Zehnjährige grundlos mit Diäten an. Deshalb müsse mit der
Prävention bei Kindern begonnen werden, meinte die Referentin. Bei einer
Fachtagung beschäftigen sich rund 120 Experten mit der Prävention.7.
November 2002 netdoktor
Früherkennung bei
Magersucht immer wichtiger
Bereits ein Drittel bis die Hälfte von neunjährigen Mädchen in
England und den USA wollen dünner sein als sie sind, 15 bis 20% von ihnen
haben bereits eine Diät durchgeführt. „Für Deutschland liegen zwar noch
keine genauen Zahlen vor, dennoch wird deutlich, dass immer mehr Kinder
unter 14 Jahren unter Essstörungen wie Magersucht leiden“, betont Prof. Dr.
Beate Herpertz-Dahlmann von der DGKJP. „Da Kinder eine bedeutend geringere
Fettmasse als Erwachsene haben, sind die körperlichen Folgen bei den frühen
Essstörungen meist viel gravierender. Umso wichtiger ist es, dass Eltern auf
die ersten Symptome achten.“
Die zwölfjährige Tochter verschmäht auf einmal Süßigkeiten. Später lässt sie
immer öfter das Mittagessen weg und joggt mehrmals am Tag. Bei solchen
Veränderungen sollten Eltern hellhörig werden: Sie können Symptome einer
Magersucht sein. Da die körperlichen Folgen des Hungerns bei jungen
Patienten meist schwer wiegender sind als bei Erwachsenen, rät die Deutsche
Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) Eltern, sofort
professionelle Hilfe aufzusuchen.
Die vorwiegend weiblichen Betroffenen sind meist besonders introvertiert,
überdurchschnittlich intelligent und zeigen Ängste und Hemmungen. Zunächst
versuchen sie, ihr Gewicht ausschließlich durch Nahrungseinschränkung zu
reduzieren. In der Regel wird als Erstes auf Süßigkeiten und andere
kalorienreiche Nahrungsmittel verzichtet. Danach werden oft fleischhaltige
Lebensmittel und zuletzt, beginnend mit dem Mittagessen, ganze
Hauptmahlzeiten ausgelassen. Manchmal weigern sich die Mädchen auch,
Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Viele Betroffene entwickeln zusätzlich eine
exzessive körperliche Aktivität, meist in Form von Joggen, Gymnastik oder
Fahrradfahren. „Einige Patientinnen nehmen langsam und kontinuierlich ab,
andere verlieren innerhalb weniger Wochen 25% ihres Gewichts“, so Prof.
Herpertz-Dahlmann.
Gefahr psychischer Störungen
Doch anhaltende Hungerzustände verursachen nicht nur körperliche
Veränderungen wie Abmagerung, akute Austrocknungsgefahr auf Grund von
Wasserverlust und Langzeitschäden durch Osteoporose. Die DGKJP betont, dass
sie sich auch auf die Psyche auswirken: So sind Zwangserkrankungen wie
Ordnungs- und Kontrollzwänge, Angststörungen wie soziale Phobie und
depressive Verstimmungen typische Begleitsymptome. Auch Schlaflosigkeit und
Konzentrationsstörungen können auftreten. „Eine Früherkennung der Symptome
ist nicht nur wegen der körperlichen und seelischen Langzeitschäden
besonders wichtig, sie erhöht zudem die Heilungschancen. Diese sind bei
jungen Patienten wesentlich höher als bei Erwachsenen“, so Prof.
Herpertz-Dahlmann.
Therapien: Einbeziehung der Familie sinnvoll
Erster Schritt in der Behandlung essgestörter Patienten muss die körperliche
Rehabilitation und Ernährungstherapie sein. Dazu zählen die Behandlung der
körperlichen Folgen des Hungerns sowie eine kontinuierliche, nicht zu
schnelle Gewichtszunahme. Hinzu kommt eine Normalisierung des Essverhaltens,
die durch Ernährungsberatung, Kochgruppen und gemeinsame Restaurantbesuche
erzielt wird. Auch das so genannte „Modellessen“ mit Betreuer hat sich als
effizient erwiesen. Da sich jüngere Betroffene oft weigern, ihr Verhalten
und ihre Überzeugungen in Frage zu stellen, sind die herkömmlichen
psychotherapeutischen Behandlungsformen für sie weniger geeignet. Sehr
sinnvoll bei Kindern und Jugendlichen ist dagegen die Einbeziehung der
Familie. „Dabei sollte die Familie nicht als Ursache der Essstörung, sondern
vielmehr als wirksame Ressource für deren Überwindung angesehen werden“, so
Prof. Herpertz-Dahlmann von der DGKJP. Zentrales Ziel der Therapie sollte
die Stärkung des Selbstwertgefühls sein. Dazu bieten sich neben der
individuellen Psychotherapie ergänzend körperorientierte Verfahren wie
Entspannungstraining und Körpererfahrung, Ergo- bzw. Kunsttherapie sowie
Musiktherapie an.
Quelle: DGKJP
05.12.2003 Infos für Ärzte
http://www.journalmed.de
Leptin behebt hypothalamische Amenorrhoe bei
Leistungssportlerinnen
BOSTON. Das “Fettzellenhormon” Leptin informiert das Gehirn nicht nur
ueber die Energievorraete im Fettgewebe. Es ist auch wesentlich an der
Steuerung reproduktiver und neuroendokriner Stoffwechselwege beteiligt. Eine
Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2004: 351:987-997) zeigt,
dass die Substitution mit dem Hormon bei Leistungssportlerinnen die
hypothalamische Amenorrhoe behebt.
Leptin wurde 1994 in Fettzellen entdeckt. Das Hormon wurde weithin bekannt,
da es angeblich als Appetitzuegler eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse
klinischer Studien waren jedoch nicht so eindeutig, wie man gehofft hatte.
Doch es koennte ein anderes Anwendungsgebiet geben, das sich aus der
Funktion des Hormons ableiten laesst. Leptin wird von den Fettzellen
proportional zu den dort gespeicherten Energiereserven freigesetzt. Bei sehr
schlanken Menschen sinkt der Leptinspiegel. Fuer das Gehirn ist dies ein
Alarmsignal, auf welches hin es radikale Massnahmen zur Energieeinsparung
ergreift.
Diese bestehen in der verminderten Freisetzung von Schilddruesen- und
Wachstumshormonen und bei der Frau im Sistieren der Monatsblutungen. Dadurch
wird zwar Energie eingespart, doch fuer die betroffenen Frauen hat dies
schwerwiegende Konsequenzen. Langfristig wird naemlich auch Knochensubstanz
abgebaut, sodass Patientinnen mit einer andauernden hypothalamischen
Amenorrhoe fruehzeitig an einer schweren Osteoporose erkranken.
Betroffen sind vor allem drei Gruppen, wie Christos Mantzoros von der
Harvard Medical School in Boston in der begleitenden Pressemitteilung
erlaeutert. Die groesste Gruppe sind extrem duenne Frauen, die Probleme mit
der Fertilitaet haben. Die zweite Gruppe sind Leistungssportlerinnen und
Taenzerinnen mit einem niedrigen Koerpergewicht. Die dritte Gruppe sind
Frauen mit einer Essstoerung wie der Anorexia nervosa, die ebenfalls
regelmaessig amenorrhoisch sind. Eine vierte Gruppe, die Rexford Ahima von
der Universitaet von Pennsylvania in Philadelphia im Kommentar (NEJM 2004;
959-962) anfuegt, sind Frauen mit einer psychogenen Amenorrhoe, bei denen
beispielsweise traumatische Kindheitserlebnisse die Essgewohnheiten und den
Hormonhaushalt durcheinander gebracht haben.
In einer Pilotstudie hat die Gruppe um Mantzoros untersucht, ob den Personen
durch eine Leptinsubstitution geholfen werden kann. An der Studie
beteiligten sich 14 Leistungssportlerinnen, die aufgrund ihres niedrigen
Bodymass-Index von durchschnittlich 20,5 seit durchschnittlich 5,1 Jahren
amenorrhoisch waren. Acht der 14 Frauen wurden zweimal taeglich mit einem
rekombinanten Leptin (r-metHuLeptin) behandelt, sodass der Hormonspiegel auf
die Werte von gesunden normalgewichtigen Frauen anstieg. Die anderen acht
Frauen wurden nur beobachtet.
Innerhalb von drei Monaten kam es bei den behandelten Frauen zu einer in den
Worten Mantzoros “dramatischen” Besserung. Die Menstruation der Frauen habe
sich normalisiert, und die Ovarfunktion sei wiederhergestellt worden, heisst
es in der Pressemitteilung. Ganz so positiv waren die Ergebnisse aber nicht:
Immerhin kam es aber bei den drei Frauen nach 14 Jahren, 6 Jahren und 9
Monaten zum ersten Mal wieder zu einer normalen Ovulation mit folgender
Menstruation. Bei zwei weiteren Frauen entwickelten sich praeovulatorische
Follikel, die jedoch vor der Ovulation in einer Abbruchblutung endeten. Eine
weitere Frau hatte ebenfalls eine praeovulatorische Follikel, es kam aber zu
keiner Blutung. Bei einer weiteren Frau konnten die Leptinspiegel nicht
genuegend gesteigert werden und die achte Frau brach die Studie ab.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse jedoch, dass Leptin eine breite Wirkung auf
den Hormonhaushalt der Frauen hatte: Signifikante Anstiege gab es in den
Werten von freiem T3-Thyronin, freiem Thyroxin, dem “insulin-like growth
factor 1”, dem “insulin-like growth factor–binding protein 3”, der
alkalischen Knochen-Phosphatase und dem Osteocalcin. Dies laesst hoffen,
dass die Behandlung die Folgen der hypothalamischen Amenorrhoe mildert (fuer
die es natuerlich auch eine einfachere Behandlung gaebe, naemlich die
Aufgabe des Leistungssports und die Normalisierung des Koerpergewichts).
Der Hersteller plant dem Vernehmen nach bereits eine groessere
Interventionsstudie, wobei unklar ist, ob auch Patientinnen mit Anorexia
nervosa beteiligt sein werden, die sich noch weniger als
Leistungssportlerinnen von der Notwendigkeit einer Gewichtszunahme
ueberzeugen lassen.
Laut Mantzoros liefern die Ergebnisse auch wichtige Erkenntnisse ueber die
Reifungsprozesse bei der Pubertaet. Der Hormonforscher stellt die Hypothese
auf, dass die Gewichtszunahme und damit der Leptinanstieg, der bei Maedchen
vor der Menarche zu beobachten ist, ein Signal des Koerpers sei, dass jetzt
genuegend Energiereserven fuer eine Schwangerschaft zur Verfuegung stehen.
Dies sind angesichts einer Studie mit nur 8 Teilnehmerinnen weitgehende
Spekulationen. Zunaechst muss sich in einer groesseren Studie zeigen, dass
die Behandlung auch sicher ist.
DEUTSCHES AERZTEBLATT 03.09.2004
Links zum Thema
Abstract der Studie im NEJM
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/351/10/987
Pressemitteilung Beth Israel Deaconess Medical Center
http://www.eurekalert.org/pub_releases/2004-09/bidm-nsf082704.php
Eine Eßstörung der besonderen Art:
Wenn sich das ganze Leben nur noch um "Bio" und "ohne Zusatzstoffe" dreht
Von Ruth Ney
Obst und Gemüse sind gut - Junk-Food ist schlecht - so lautet vereinfacht
die Grundregel für gesunde Ernährung. Wer jedoch zu streng mit seinen
Schwächen und bei der Auswahl der richtigen Nahrung ist, läuft allerdings
Gefahr, krank zu werden.
Für die Eßstörung bei Patienen, die sich nach selbstauferlegten strengen
Ernährungsregeln krank und untergewichtig essen, kursiert seit kurzem ein
neuer Begriff, die Orthorexia nervosa. Dieser ist allerdings bisher nicht in
die internationale oder deutsche Krankheitsklassifikation (ICD 10 oder DSM)
aufgenommen worden, und es herrscht offensichtlich Uneinigkeit darüber, ob
es sich überhaupt um eine neue Erkrankung handelt.
US-Arzt Steve Bratman prägte den Begriff Orthorexia
Geprägt wurde der Begriff Orthorexia 1997 von dem US-amerikanischen Arzt Dr.
Steven Bratman. Er bezeichnete damit eine übersteigerte Fixierung auf
gesunde Nahrungsmittel. Für die Betroffenen - Bratman gehörte nach seinen
Angaben früher selbst dazu - dreht sich das ganze Leben nur noch ums Essen
mit dem Bedürfnis, stets nur das Richtige zu essen und Ungesundes zu
vermeiden.
Dabei wird die Nahrungsaufnahme genau geplant, oft schon über Tage im Voraus
nach selbstauferlegten Ernährungsvorschriften, und die Einteilung in gesund
und ungesund wird immer rigider.
"Selbst bei einer bereits streng veganen Kost lassen Betroffene dann noch
immer mehr Lebensmittel weg, die potentiell krebsauslösend oder
allergieauslösend oder sonst irgendwie ungesund sind, etwa durch mögliche
Zusatzstoffe. Es kommt dadurch zwangsläufig zu Mangelerscheinungen, die
sogar lebensbedrohlich werden können", erläutert Christoph Usbeck vom
Institut für Allgemeine Psychologie der Universität Düsseldorf im Gespräch
mit der "Ärzte Zeitung".
Zu den körperlichen treten mit der Zeit auch psychische Symptome hinzu. Es
kommt zu Antriebsmangel und sozialem Rückzug. Die Betroffenen fokussieren
sich dadurch immer mehr auf ihre angeblich gesunde Ernährung - ein
Teufelskreis entsteht.
"Das Problem ist, daß Betroffene in ihrem Eßverhalten keinen Krankheitswert
sehen. Sie schweben in ihrer Welt mit ihrer Sicht von Körper und Ernährung
und sind oft sehr sendungsbewußt", so Usbeck. Sie versuchen auch, andere
Menschen in ihrer Umgebung entsprechend zu beeinflussen, und fühlen sich
aufgrund der eisernen Selbstdisziplin, die ihre extreme Ernährungsform
erfordert, jenen, die Bratwurst und Burger essen, oft überlegen.
Energielosigkeit und gestörter Schlaf führen zum Arztbesuch
Gründe für einen Arztbesuch sind nach Angaben des Düsseldorfer
Diplom-Psychologen eher Klagen über eine eingeschränkte psychische und
körperliche Leistungsfähigkeit mit Konzentrations- oder Schlafstörungen und
Energielosigkeit. Bei der Untersuchung fallen dann außer dem geringen
Körpergewicht oft ein extrem niedriger Blutdruck oder eine Bradykardie auf.
Erst im Gespräch werde dann eine ausgeprägte Fixierung auf gesunde Ernährung
deutlich, etwa eine sehr strenge vegane Ernährung verbunden mit einer
übersteigerten Risikobewertung vermeintlich ungesunder Kost.
Perfektionismus ist bekannt als Risikofaktor für Eßstörungen.
Für Privatdozent Dr. Ulrich Schweiger von der Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie der Universität Lübeck ist diese Beschreibung typisch für die
Verbindung einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung mit Perfektionismus und
einer Anorexia nervosa. "Und das ist überhaupt nichts Neues, sondern ist in
dieser Form in der Fachliteratur gut beschrieben", so Schweiger zur "Ärzte
Zeitung".
So weisen nach seinen Angaben etwa 50 bis 60 Prozent der Patienten mit
Anorexia nervosa und 40 Prozent der Bulimie-Patienten eine Zwangsstörung als
Komorbidität auf. So sei natürlich auch bekannt, daß Patienten ihre
Vorstellungen von gesunder Ernährung ins Zwanghafte übersteigern können und
daß dieser perfektionistische Stil im Umgang mit Nahrungsmitteln und mit
Informationen über Nahrungsmittel ein Risikofaktor für eine Eßstörung ist.
"Man muß aber in der psychiatrischen Diagnostik nun nicht für alle
Kombinationen, so typisch sie auch sein mögen, immer neue Namen erfinden",
betont der Psychiater.
Doch warum neigen manche Menschen eher als andere dazu, den Bogen bei
gesunder Ernährung zu überspannen und ins Extreme zu verfallen? "Eine
Hypothese geht davon aus, daß diese Form der Ernährung mit ihrer strengen
Nahrungsauswahl es den Betroffenen ermöglicht, eine gewisse Kontrolle
auszuüben, die ihnen in anderen Lebensbereichen abhanden gekommen ist. Es
würde also eine Funktionalität bestehen, wie sie auch bei Anorexia-Patienten
bekannt ist", erläutert Usbeck. Die Fixierung auf gesundes Essen könnte
daher ein Bewältigungsversuch sein, Ängste und ein geringes Selbstwertgefühl
in den Griff zu bekommen.
Die Therapie ist ähnlich wie bei Magersüchtigen. Zusätzlich zu
Ernährungsmaßnahmen bei extremem Untergewicht sei eine Psychotherapie
wichtig, so Usbeck.
STICHWORT
Orthorexia nervosa
Der Begriff Orthorexie (griech. ortho = richtig und orexis = Appetit) geht
auf den US-Mediziner Dr. Steve Bratman zurück. Betroffene sind nach seiner
Definition besessen davon, sich gesund zu ernähren. Sie haben so große Angst
vor belasteten Nahrungsmitteln, Chemikalien, Fett oder anderen
Zusatzstoffen, daß sie sich strenge Ernährungsregeln auferlegen, die dann
zwanghaft eingehalten werden müssen. Dabei steht nicht so sehr die Menge des
Essens im Vordergrund wie bei Magersüchtigen oder Bulimie-Kranken, sondern
eher die vermeintliche Qualität der Nahrungsmittel. Sie neigen daher auch
dazu, sich Rationen ganz spezieller Lebensmittel mitzunehmen, wenn sie
ausgehen oder eingeladen sind.
Ärzte Zeitung, 18.11.2004
„Bulimie steigt weiter an“
Etwa 200.000 Österreicherinnen leiden zumindest einmal im Laufe ihres Lebens
an einer Essstörung. Bezogen auf die österreichische Gesamtbevölkerung sind
von den 15- bis 20-jährigen Mädchen mindestens 2.500 magersüchtig. Auch die
heimliche und verheimlichte Bulimie betrifft zu 90% junge Frauen. Die
Krankheit korreliert mit dem Grad der „Verwestlichung“ einer Gesellschaft,
erklärt Dr. Peter Weiss, Vorstand der III. Med. Abteilung am Krankenhaus der
Barmherzigen Schwestern, Wien.
Die Behandlung von Patienten mit Essstörungen stellt einen wesentlichen
Schwerpunkt Ihrer Abteilung dar. Wie hoch ist der Anteil weiblicher
Patienten?
P. Weiss: Der Anteil der Patienten mit Essstörungen am
Gesamtpatientenkollektiv beträgt 40%. Davon sind 90% Frauen, der Anteil der
Männer ist entgegen anders lautenden Aussagen in der Presse auch bei uns
konstant niedrig geblieben. Insgesamt steigt die Häufigkeit der Erkrankung
vor allem bei Bulimie noch weiter an, bei Anorexie dürfte im vorigen
Jahrzehnt der Gipfel erreicht worden sein und seither ist es in etwa
konstant geblieben. Hier behandeln wir doppelt so viele Bulimie- wie
Anorexiepatientinnen.
Gibt es auch neue Formen von Essstörungen?
P. Weiss: Es gibt die Orthorexia nervosa, über die in den letzten Monaten
sehr gerne geschrieben wurde. Der Begriff ist an die Anorexia nervosa
angelehnt. Bei dieser Essstörung wird der Konsum gesunder Ernährung
zwanghaft. Aber auch hier kann es zu Mangelerscheinungen kommen.
Wie hoch liegt das Durchschnittsalter Ihrer Patienten?
P. Weiss: Das Durchschnittsalter beträgt 27 Jahre, wobei es für die
Essstörungen bei Frauen mehrere Häufigkeitsgipfel gibt: Ist die
Erstmanifestation meist in der Pubertät, so kommt es häufig zu Rezidiven in
Lebensphasen, in denen es um Autonomieentwicklung geht. Also z.B. um die
Maturazeit, vor Abschluss einer Ausbildung oder des Studiums etc. Wir
behandeln die Patientinnen hier erst ab dem 18. Lebensjahr und nehmen
Patientinnen nur auf, wenn es schon zu ernsthaften körperlichen
Begleiterscheinungen/Komplikationen gekommen ist bzw. wenn eine
hochfrequente Psychotherapie sinnvoll erscheint, wenn sie aus
unterschiedlichen Gründen ambulant nicht möglich ist.
Warum manifestiert sich ein psychisches Problem gerade bei Frauen häufig in
einer Essstörung?
P. Weiss: Dazu gibt es viele Theorien. Ich glaube nicht, dass es einen
einzigen Grund gibt, vielmehr ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
Eine Möglichkeit, warum gerade Frauen häufiger von Magersucht betroffen
sind, ist im ersten Anorexie-Gipfel in der Pubertät zu sehen, wenn Frauen
weiterhin Mädchen sein wollen. Es ist eine Verweigerung der Rollenübernahme
der Frau in unserer Gesellschaft, die Ablehnung der körperlichen sekundären
Geschlechtsmerkmale, die man wieder zum Schwinden bringen möchte. Diese
Mädchen haben keine Menstruation mehr, entwickeln eine sekundäre Amenorrhoe,
es schwinden die Rundungen und damit sind sie scheinbar wieder in einem
mädchenhaften Zustand. Das ist ein Punkt, der sicher mit eine Rolle spielt.
Ein weiterer Punkt, der immer wieder gerne angeführt wird, ist das
veränderte Schönheitsideal, was aber nur bedingt stimmt, da es die Anorexie
schon seit dem Mittelalter gibt. Weiters gibt es für die Bulimie eine
Korrelation mit dem Grad der „Verwestlichung“ einer Gesellschaft: Je
dominanter nach dem Grundprinzip „möglichst viel in möglichst kurzer Zeit
konsumieren“ gelebt wird, desto häufiger wird die Bulimie.
Essgestörte Patienten vermeiden es, über ihre Krankheit zu sprechen. Was
führt sie zum Arzt?
P. Weiss: Das ist eine wichtige Frage. Wir hier sind keine psychiatrische
Abteilung, sondern eine interne Abteilung mit dem Schwerpunkt Psychosomatik
und Behandlung von Essstörungen. Daher können wir nur Patienten behandeln,
die freiwillig zu uns kommen. Ein BMI unter 13 ist aber potenziell
lebensbedrohlich! Unterhalb eines solchen Gewichts werden die Patienten bei
uns kontinuierlich über eine nasogastrale Sonde ernährt. 55% der an unserer
Abteilung behandelten Patientinnen gehören dieser Hochrisikogruppe an. Mit
diesen Patientinnen wird in der Ambulanz ein mündlicher Vertrag vereinbart,
der die Sondenernährung bis zum Erreichen eines BMI von 13 beinhaltet. In
95% der Fälle gelingt dies. Das heißt, 95% der Patientinnen, die unter dem
Sondengewicht liegen, erreichen während des stationären Aufenthaltes das
Sondengewicht und kommen aus dieser Gefahrenzone heraus. Bei 5% stoßen wir
an die Grenzen unserer Möglichkeiten, weil wir keine Behandlung gegen den
Willen der Patientinnen durchführen können.
Welche Begleiterscheinungen haben diese Patienten?
P. Weiss: Bei der Anorexie ist zwischen körperlichen Komplikationen und
Begleiterscheinungen zu unterscheiden. Begleiterscheinungen sind messbare
Veränderungen, die Ausdruck eines „Sparprogramms“ sind. Es handelt sich also
hierbei um eine gesunde Reaktion des Körpers auf zu geringe Nahrungszufuhr.
Diese Begleiterscheinungen dienen der Senkung des Energieverbrauchs: Der
Blutdruck wird niedriger, der Puls verlangsamt, die Körpertemperatur
gesenkt, die peripheren Gefäße werden eingestellt, der Grundumsatz wird
verringert, das Knochenmark bildet weniger weiße Blutkörperchen. Diese
Begleiterscheinungen werden nicht behandelt, weil sie das Überleben des
Patienten sichern. Besonders bedrohlich ist die Kombination einer Essstörung
mit dem Missbrauch von Laxanzien und Diuretika, da es hier häufiger zu
Komplikationen wie Elektrolytverschiebungen, renalen Problemen sowie
Herzrhythmusstörungen kommt, die intensiv behandelt werden müssen. Auf
unserer Abteilung ist bis jetzt keine anorektische Patientin verstorben. Das
widerspricht allen Erfahrungen und der publizierten Literatur. Der Grund ist
vermutlich der integrierte Ansatz unseres Behandlungskonzeptes. Die
kompetente internistische Betreuung erfolgt in enger Kooperation mit einem
Team von acht Psychotherapeuten und einem routinierten Pflegeteam.
Muss der Patient mit schwerwiegenden Folgeschäden rechnen?
P. Weiss: Ja, wenn die Essstörung über lange Zeit besteht, sind einige
Folgen wie zum Beispiel Osteoporose unvermeidbar. Patienten, die zu uns zur
stationären Aufnahme kommen, haben in der Regel schon eine längere
Leidensgeschichte. Eine lange Krankheitsdauer ist ein vom Ausmaß des
Untergewichts unabhängiger Risikofaktor. Chronisches Untergewicht wird nicht
nur von Patientinnen bagatellisiert, auch Ärzte lassen sich manchmal
fälschlich beruhigen und sagen: „Die kenne ich eh schon so lange, die hat
schon immer so ausgeschaut.“ Aber je länger das Untergewicht besteht, desto
höher ist das Komplikationsrisiko. Dies wird auch ganz klar durch
Mortalitätsstudien belegt.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls nach erfolgreicher
Therapie?
P. Weiss: Ich würde das ungefähr dritteln. Ich spreche jetzt von einer
Acht-Wochen-Therapie, die gefolgt ist von einer ambulanten Nachbehandlung
und einer fortlaufenden Psychotherapie über einen längeren Zeitraum, also
einer Kombination von intensiver stationärer Therapie plus ambulanter
Nachbehandlung. So ist etwa ein Drittel heilbar. Ein Drittel „rezidiviert“
in Krisensituationen und ein Drittel nimmt einen chronischen Verlauf mit dem
Risiko der erwähnten Komplikationen.
Glauben Sie, dass es zu einer Trendumkehr kommen wird?
P. Weiss: Das kann ich nicht sicher sagen. Was dafür spricht ist die
Tatsache, dass in jeder Epoche Krankheiten mit jenen Symptomen besonders
häufig sind, die einem besonders tabuisierten Bereich der Gesellschaft
entsprechen. Ich denke hier an die Hysterie, die um 1900 so häufig war, als
die Sexualität ein stark tabuisierter Bereich war. In unserer heutigen
Gesellschaft wird bei jeder Speise überlegt, wie viele Kalorien enthalten
sind, wie hoch der Fettanteil ist, „was mein Cholesterin dazu sagen wird“
usw. Auch im Supermarktregal muss man zwischen den verschiedenen
Low-Fat-Angeboten wählen. Man wird also ständig mit diesem Thema
konfrontiert. Aber in welchem Bereich wird die nächste Störung liegen?
Welche Botschaft möchten Sie Betroffenen mitgeben?
P. Weiss: Mir ist wichtig, dass Patienten und Patientinnen vermittelt wird,
dass eine Essstörung zwar eine ernste und auch potenziell gefährliche bis
lebensbedrohliche Erkrankung ist, sie aber gut behandelbar ist, und die
Behandlungserfolge in Zentren mit viel Erfahrung sehr gut sind.
Voraussetzung ist, dass Patientinnen sich in Behandlung begeben, dass dort
sowohl die körperlichen Symptome als auch die oft verborgene seelische Not
wahrgenommen wird und unter Nutzung der positiven Ressourcen der
Patientinnen diese kompetent psychotherapeutisch behandelt werden.
Wir danken für das Gespräch!
Autor:
Das Interview führte Mag. Sandra Standhartinger
Quelle des Artikels „Bulimie steigt weiter an“:
Unser Interviewpartner: Prim. Dr. Peter Weiss, Vorstand der III. Med.
Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik, Krankenhaus der Barmherzigen
Schwestern, Stumpergasse 13, 1060 Wien
Zwillingsstudie untersucht Koexistenz von Ess- und
Angststörungen
Essstörungen und Angststörungen gehen Hand in Hand
Inwieweit Essstörungen simultan mit Störungen der Stimmung
einhergehen, untersuchten Wissenschaftler der University of Iowa in Iowa
City an 672 weiblichen Zwillingen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren.
Mit Hilfe strukturierter Interviews stellten sie das Vorliegen einer
Essstörung fest und untersuchten Stimmung, Angst und Medikamentenmissbrauch.
In Koexistenz mit Essstörungen traten häufig Major-Depressionen,
Angststörungen und Nikotinabhängigkeit auf, berichten die Forscher im
„International Journal of Eating Disorders“. Von 14 Zwillingspaaren, bei
denen nur einer an einer Essstörung litt, wies auch der nicht Essgestörte
ein erhöhtes Risiko für eine Angststörung auf.
Umgekehrt zeigte sich unter 52 Zwillingspaaren, unter denen nur ein Zwilling
unter einer Angststörung litt, dass der andere ein erhöhtes Risiko für eine
Essstörung aufwies.
2005-09-30
Quelle: www.aerztlichepraxis.de
Esstörungen: Diagnose anhand von Haarproben
Seattle (ddp). Haaranalysen könnten in Zukunft bei der Diagnose von
Essstörungen helfen: Forscher aus den USA haben ein Verfahren entwickelt,
mit dem Magersucht und Ess-Brech-Sucht anhand der genauen Zusammensetzung
der Kopfhaare mit einer hohen Zuverlässigkeit festgestellt werden können. Da
viele Betroffene Essstörungen leugnen oder verheimlichen würden, könnte
diese Methode einen objektiven Hinweis für das Vorliegen einer solchen
Störung liefern, sagen die Forscher. Über das Analyseverfahren berichten
Kent Hatch von der Brigham Young University in Provo und seine Kollegen in
der Fachzeitschrift «Rapid Communications in Mass Spectrometry»
(Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1002/rcm.2740). Haare bestehen
hauptsächlich aus Eiweißverbindungen, die ihnen ihre typische Stabilität
verleihen. In den so genannten Haarfollikeln, aus denen die Haare
herauswachsen, wird dabei ständig von unten neues Eiweiß an das wachsende
Haar angelagert. Die Zusammensetzung dieser Proteine spiegelt die
Ernährungsgewohnheiten eines Menschen wider, sagen die Forscher. Da Haare
fortwährend wachsen, repräsentiere ihr Proteinaufbau eine Art Tagebuch des
jeweiligen Ernährungszustands, in dem Essstörungen ihre charakteristischen
Spuren hinterlassen würden, schreiben die Wissenschaftler. So baut der
Körper beispielsweise mehr Stickstoffatome mit einer ungewöhnlich hohen
Masse in die Haarproteine ein, wenn er Gewicht verliert. Genau diese
typischen Spuren können Hatch und seine Kollegen nun mit ihrem
Analyseverfahren nachweisen. Dabei reichen den Forschern schon fünf
Haarproben aus, um bei Betroffenen eine Essstörung mit einer Trefferquote
von 80 Prozent zu diagnostizieren. Bislang sind Ärzte hauptsächlich auf die
Angaben der Betroffenen bei der Diagnose von Magersucht und Ess-Brech-Sucht,
auch Bulimie genannt, angewiesen. Diese Informationen sind meist subjektiv
und erfordern Eingeständnisse und Ehrlichkeit von den Patienten. Das
Testverfahren könnte nun zukünftig helfen, objektive Daten für die Diagnose
von Essstörungen zu liefern. Genaue Zahlen zur Häufigkeit von Essstörungen
gibt es nicht, Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass ein bis fünf Prozent
aller jungen Frauen betroffen sind. Nach Aussagen der Forscher muss das
Testverfahren allerdings noch weiter verfeinert werden, bis es routinemäßig
zum Nachweis von Essstörungen eingesetzt werden kann.18. Oktober 2006