DHEA
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Das Anti- Aging Konzept. Erfolgreiche Strategien
zum Jungbleiben. |
Was ist
dran an diesem neuesten Jungbrunnen?
DHEA ist ein Hormon, daß zusammen mit seinem Sulfat (DHEAS) in
der Nebenniere in großen Mengen gebildet wird. Seine biologische
Funktion beim Menschen ist noch nicht eindeutig geklärt. Allerdings
haben wir in den letzten Jahren viel dazugelernt. DHEAS zeigt einen eigentümlichen
Altersgang beim Menschen. Nachdem unmittelbar nach der Geburt die Blutspiegel
noch hoch sind, sinkt es in den ersten Lebensjahren stark ab und ist kaum
nachweisbar. Erst im späten Kindesalter steigen die Spiegel an und
erreichen dann im jungen Erwachsenenalter ihr Maximum. Im weiteren Verlauf
des Lebens kommt es dann zu einem kontinuierlichen Absinken des DHEAS,
so daß bei Achtzigjährigen nur 20 Prozent der Konzentration
im Blut vorliegt, die bei jungen Erwachsenen gefunden wird. Die Nebenniere
macht mehrere Hormone, hierunter Hormone, die den Blutdruck erhöhen,
und auch das Streßhormon Cortisol. Einen solchen Altersgang wie das
DHEAS zeigen diese Hormone nicht. Sie bleiben während der gesamten
Lebensspanne in ihrer Konzentration weitgehend unverändert. Es ist
daher die Vermutung naheliegend, daß das Absinken des DHEAS und altersspezifische
Veränderungen in einem Zusammenhang stehen.
Für diese Annahme gibt es epidemiologische Hinweise. So konnte
gezeigt werden, daß Männer mit hohem DHEAS-Spiegel im Blut,
seltener an einem Herzinfarkt verstorben (Barrett-Connor et al., 1986;
Lacroix et al., 1992). Eine Untersuchung aus Italien (Ravaglia et al.,
1996) fand, daß bei alten Männern hohe Leistungs-fähigkeit
mit einem hohen DHEAS-Spiegel einhergeht, während Männer, die
in ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt waren, niedrige
DHEAS-Konzentrationen hatten.
Eine neue Arbeit aus Frankreich (Berr et al., 1996) fand, daß
die Serumspiegel von DHEAS mit der Lebenserwartung verknüpft waren.
In dieser prospektiven Studie wurde beobachtet, daß Patienten, die
im Verlauf der Nachbeobachtung verstorben (Nachbeobachtungszeit zwei und
vier Jahre) zum Zeitpunkt des Einschlusses in die Studie signifikant niedrigere
DHEAS-Konzentrationen hatten. Es ist daher von großem Interesse,
ob die Gabe von DHEA günstige biologische Wirkungen hat.
Es gibt eine große Zahl von Tierexperimenten, in denen die Wirkung
von DHEA untersucht wurde. Dabei zeigte sich, daß DHEA vor tödlichen
Virusinfektionen schützen kann, eine Verringerung des Körpergewichtes
bewirkt, gegen bestimmte Tumorformen schützt, direkte Wirkungen auf
das Gehirn entfaltet, zu einer Vermehrung bestimmter Leberstrukturen führt
(Peroxisomen) und auch antidiabetisch wirkt. Alle diese Tierexperimente
lassen sich jedoch aus einer Vielzahl von Gründen im Fall von DHEA
nur eingeschränkt auf den Menschen übertragen. Die Ursache liegt
darin, daß hohe Konzentrationen von DHEAS nur beim Menschen und bei
anderen Primaten gefunden werden. Bei den üblichen Versuchstieren
(z.B. Ratten) liegen die Konzentrationen 10.000-fach niedriger als beim
Menschen. Außerdem sind in vielen Tierversuchen extrem hohe Mengen
von DHEA eingesetzt worden. Wir sind daher bei Untersuchungen zum DHEA
auf Studien beim Menschen selbst angewiesen. Eine weitere Besonderheit
des DHEA besteht darin, daß die Wirkungen offenbar bei Männern
und Frauen unterschiedlich sein können. Der Schutz vor Tod durch Herzinfarkt
wurde nur für Männer, nicht aber für Frauen nachgewiesen.
Auch der Befund, daß niedrige DHEAS-Konzentrationen eine erhöhte
Mortalität vorhersagen, wurde nur für Männer aber nicht
für Frauen gezeigt. DHEA scheint also bei Männern und Frauen
unterschiedlich zu wirken. In einer eigenen Untersuchung haben wir
die Wirkungen von DHEA bei Männern und bei Frauen auf die Hormonkonzentration
im Blut untersucht. DHEA wird im Körper rasch umgebaut in andere hochwirksame
Hormone. Hierzu gehören männliche Hormone wie Testosteron und
Androstendion, aber auch weibliche Hormone wie Östradiol und Östron.
DHEA ist damit eine Ausgangssubstanz, aus der Körperzellen nach Bedarf
hochwirksame männliche und weibliche Hormone bilden. In unserer Untersuchung
fanden wir, daß bei jungen Frauen DHEA zu einer Erhöhung von
männlichen Hormonen wie Testosteron und Androstendion führte,
während die hohen Östradiolspiegel durch DHEA kaum verändert
wurden. Umgekehrt konnten wir zeigen, daß bei älteren Männern
(mit niedrigem DHEAS-Spiegel) die Verabreichung von DHEA (50 Milligramm)
die hohen körpereigenen Testosteronkonzentrationen nicht wesentlich
veränderte. Es kam aber zu einem Anstieg von Östradiol und auch
Östron (wobei die so erzeugten Hormonkonzentrationen zwar deutlich
höher waren als die Ausgangswerte vor DHEA-Gabe, die Konzentrationen
jedoch im oberen Normbereich verblieben). Es könnte daher sein, daß
die Unterschiede in den epidemiologischen Untersuchungen bei Männern
und Frauen darauf beruhen, daß DHEA bei Frauen eine Zunahme von männlichen
Hormonen bewirkt und damit eine Verschiebung zur männlichen Seite
hin, während es bei Männern eher zu einem gewissen Anstieg der
weiblichen Hormone führt und damit eine Verschiebung des Verhältnisses
von männlichen zu weiblichen Hormonen in Richtung auf eine weiblichere
Komponente. Dies bedeutet nicht, daß DHEA nicht auch für Frauen
Vorteile bringen kann. So zeigte sich, daß bei älteren Frauen
mit depressiver Grundstimmung die DHEAS-Spiegel signifikant niedriger lagen.
Die Anzahl der Untersuchungen, in denen DHEA über einen längeren
Zeitraum verabreicht wurde, um zu klären, welche günstigen Wirkungen
erreicht werden,ist noch klein. Als wichtigster Befund zeigte sich, daß
die Gabe von DHEA an ältere Männer mit einer deutlichen Steigerung
des Wohlbefindens verbunden war (Morales et al., 1994). Unklar bleibt freilich,
welche Wirkungen von DHEA für diese Steigerung des Wohl-gefühls
ursächlich sind. Offenbar ist eine direkte Wirkung auf das Gehirn
möglich. Hierfür spricht auch, daß eine pharmakologische
Dosis von DHEA (500 Milligramm) zu einer Veränderung des Schlafmusters
führt mit einer Verlängerung des wichtigen REM-Schlafes
(Fries et al., 1995). Eine weitere Wirkung von DHEA ist die Beeinflussung
des Immunsystems. So wurden unter DHEA Änderungen in der Funktion
bestimmter weißer Blutkörperchen (Killerzellen) nachgewiesen.
Auch Patienten mit einer entzündlichen Autoimmunerkrankung (Lupus
erythematodes) zeigten eine Befundbesserung unter der Gabe von DHEA (van
Vollenhoven et al., 1995). Daneben ist eine Zunahme der Muskulatur und
eine Abnahme der Fettmasse durch DHEA nachgewiesen worden. Hiermit im Zusammenhang
steht auch eine Steigerung eines wichtigen Wachstumsfaktors (IGF-1), der
in seiner Verfügbarkeit unter der Behandlung mit DHEA ansteigt.
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die Studien
in den letzten Jahren gezeigt haben, daß DHEA eine Anzahl von günstigen
Wirkungen entfalten kann. Die Klärung der Bedeutung dieser Wirkungen
im Langzeitverlauf ist nur durch Untersuchungen am Menschen möglich,
da Ergebnisse aus Tierversuchen kaum übertragbar sind. Außerdem
müssen Männer und Frauen getrennt untersucht werden, da DHEA
bei den Geschlechtern unterschiedlich in andere Hormone transformiert wird.
Der Verkauf von DHEA im Supermarkt, wie das in den USA praktiziert
wird, ist aus ärztlicher Sicht völlig inakzeptabel. Durch hohe
Dosierungen von DHEA können massive Konzentrationen von männlichem
und weiblichem Hormon erzeugt werden mit der entsprechenden Nebenwirkungsgefahr
(z.B. Akne, Behaarungs-störungen bei Frauen). Eine Einnahme von DHEA
ohne Kontrolle und Überwachung wird dann nicht zum "Jungbrunnen",
sondern zur gesundheitlichen Gefahr.
Prof. Dr. med. Bruno Allolio
Medizinische Universitätsklinik
Josef-Schneider-Straße 2
97080 Würzburg
Der erste Tag des Workshops wurde durch den Vortrag von B. Allolio
aus Würzburg abgeschlossen. Er berichtete über die neuesten Ergebnisse
einer DHEAS-Dosisfindungsstudie bei Patienten mit einer primären Nebenniereninsuffizienz.
Hier wird ja neben der etablierten Substitution mit Gluko- und Mineralokortikoiden
die zusätzliche, ebenfalls rein substituierende Gabe von DHEAS diskutiert.
Allolio betonte, daß es in seiner Studie zunächst nicht darum
ginge, Veränderungen in der Befindlichkeit der Patienten zu erfassen.
Es sollte zunächst bestimmt werden, welche DHEAS-Dosis nebenniereninsuffiziente
Patienten erhalten müßten, um der Altersnorm entsprechende DHEAS-Spiegel
zu erreichen. In seiner sehr sorgfältig geplanten und durchgeführten
Studie ergab sich hierbei eine Dosis von 50 mg DHEAS/die.
Das
Endokrinum des alternden Mannes - Möglichkeiten einer Hormonsubstitution
Prof. Dr. Bruno Lunenfeld (Tel Aviv)
Im Gegensatz zum Verlauf der reproduktiven Alterung bei Frauen, erleiden
Männer im Alter weder eine rapide Abnahme der Funktion der Leydigschen
Zellen noch einen irreversiblen Verlust ihrer reproduktiven Potenz. Bezüglich
der Leydig-Zell-Funktion gibt es große interindividuelle Unterschiede.
Einfluß hierauf haben sowohl extrinsische als auch intrinsische Faktoren
sowie freie Sauerstoffradikale, die für das Ausmaß der Schädigung
der Leydig-Zellen und der daraus resultierenden Verminderung der steroidogenen
Kapazität einzelner Zellen verantwortlich sind. Im strengen
Sinn kann also nicht von einer "Andropause" gesprochen werden, obwohl Spermatogenese,
Fruchtbarkeit, Leydig-Zell-Funktion und Nebennierenfunktion mit dem Alter
abnehmen. Wir sollten besser von einer kontinuierlichen Abnahme aller biologisch
aktiven gonadalen und adrenalen Androgene sprechen. Der Begriff "Andropause"
sollte deshalb durch "PADAM" (progressives partielles Androgenmangel Syndrom)
ersetzt werden. Die Massachusetts Male Aging Study hat bestätigt,
daß der Testosteronspiegel bei Männern im Alter zwischen 40
und 70 jährlich um ein Prozent sinkt. Obwohl allgemein angenommen
wird, daß sexuelle Impotenz die Folge des abnehmenden Testosteronspiegels
sein müßte, haben neuere Untersuchungen diese Schlußfolgerung
nicht bestätigen können. Sexualität ist nicht nur ein Instinkt,
der biologisch durch Testosteron moduliert wird, sondern Sexualität
ist tief in der Persönlichkeit verankert. Impotenz oder der Verlust
von Sexualität ist nicht direkt mit dem Alterungsprozeß verbunden,
sondern spiegelt die Haltung zu Sexualität wider. Bislang wurden noch
keine Kriterien für einen "normalen" Androgenspiegel für ältere
Männer festgelegt. Solche Kriterien müßten nicht nur den
absoluten Hormonspiegel, sondern auch die Ansprechbarkeit der Zielorgane
in Betracht ziehen. Ein Kriterium für veritablen Testosteronmangel
wäre beispielsweise "niedriger Testosteron-spiegel" in Kombination
mit "chronisch erhöhtem Gonadotropinspiegel". Trotzdem bleibt die
Frage: Wie hoch ist der Testosteronspiegel, der einen älteren Mann
als "hypogonadisch" (Androgenmangel) kennzeichnet? Ist es der Wert,
der gleichzeitig mit einer Abnahme der Knochendichte einhergeht oder mit
der Abnahme der Muskelmasse und -kraft, der Veränderung des viszeralen
Fettes und der Fettverteilung, der Abnahme der Libido, der zunehmenden
Impotenz oder dem abnehmenden Wohlbefinden? Oder ist die Diagnose "Androgenmangel"
nur gesichert, wenn die Gabe von Androgen diese klinischen Symptome beseitigen
oder wenigstens lindern kann? Wir müssen also unterscheiden zwischen
der Festsetzung absoluter Hormonspiegel im Blut und der Bestimmung der
Wechselwirkung von Hormon und Zielorgan. Nicht nur das Testosteron allein,
sondern auch verschiedene andere Hormone haben einen Einfluß auf
die Befindlichkeit des Mannes. Die Abnahme von Dehydroepiandrosteron (DHEA)
und Dehydroepi-androsteronsulfat (DHEA-S), beide aus der Nebenniere, sind
ebenso für die Symptome des alternden Mannes verantwortlich. Auch
eine altersbedingte Abnahme an Wachstumshormon (GH) ist als Ursache männlicher
Gesundheitsprobleme festgestellt worden. Sowohl die Pulsfrequenz an GH
als auch die GH-RH induzierte GH-Sekretion nehmen mit dem Alter ab. In
der Folge kommt es zu erniedrigten GH-Spiegeln, die ähnlich wie oder
gemeinsam mit erniedrigten Androgenspiegeln - zu Antriebslosigkeit, Abnahme
der Muskelmasse und -kraft und einer zunehmenden Tendenz zu Fettleibigkeit
führen (De Boer et al., 1995). Ein weiteres wichtiges Hormon ist das
Melatonin. Es konnte gezeigt werden, daß der Melatonin-Spiegel bei
älteren Männern abnimmt und der zirkadiane Rhythmus unterbrochen
wird. Die Folgen: schlechte Laune, Verschlechterung kognitiver Funktionen,
Schlaflosigkeit, Zunahme der Prävalenz der benignen Prostata-hyperplasie,
Regulation der Thrombozytenproduktion. Die Gabe von Melatonin besserte
die Schlaf-störungen (Garfinkel et al., THE LANCET 1995, 346: 541).
Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine weltweit verbreitete Erkrankung
bei älteren Männern. Jacobsen (1995) berichtete, daß in
den USA 17 Prozent der Männer zwischen 50 und 59 Jahren, 27 Prozent
zwischen 60 und 69 Jahren und 35 Prozent zwischen 70 und 79 Jahren Symptome
der BPH haben. Prostatakarzinome sind häufig und nehmen mit steigendem
Alter zu. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Mann ein Prostatakarzinom
bekommt, beträgt heute 1:11. Das bedeutet, daß 90 Prozent aller
Männer, die das hohe Alter von 85 Jahren erreichen, ein Prostatakarzinom
haben. Im letzten Jahrzehnt ist die Sterblichkeitsrate des Prostatakarzinoms
doppelt so groß gewesen wie die des Brustkrebs.
Bevor wir nun aber Therapien zur Behandlung der Probleme des alternden
Mannes konzipieren, müssen wir über die notwendigen Forschungsschwerpunkte
reden:
Wann liegt eine Androgenmangel beim alternden Mann. vor?
Was ist die Rolle von DHEA beim alternden Mann?
Welche Bedeutung hat GH beim alternden Mann?
Was ist die Rolle von Melatonin?
Was kann moderate sportliche Betätigung bringen?
Wie könnten effektive Trainingspläne aussehen?
Verschiedene Aspekte müssen bei der Entwicklung einer rationalen
Therapie des Hormontiefs des alternden Mannes berücksichtigt werden.
Hierzu gehören die Einstellung betroffener Männer zu ihrem Gesundheitsproblem
und die Bereitschaft der Ärzte und Gesundheitspolitiker, das Hormontief
des Mannes als behandlungsbedürftige Erkrankung anzusehen. Darüber
hinaus ist eine Betrachtung der Kostenersparnis durch prophylaktische Maßnahmen
zu diskutieren.
Einstellung der Betroffenen
Eine große Zahl von Erkrankungen, die besonders Männer betreffen,
wie beispielsweise Prostatakarzinome, Hodenkrebs, Kolonkrebs, Bluthochdruck,
kardiovaskuläre Erkrankungen,Osteoporose, Veränderungen der Körperverfassung,
Fettverteilung, Muskelschwäche, Einschränkung kognitiver Funktionen,
schlechtes Wohlbefinden und sexuelle Dysfunktionen könnten besser
behandelt werden, wenn Männer diesen Problemen mehr Aufmerksamkeit
schenken würden. Viele Männer gehen nicht zum Arzt, weil sie
Angst haben, nicht informiert sind oder aus psychologischen Gründen.
Wenn Männer lernen, daß präventive Untersuchungen die Lebenserwartung
verlängern, die Lebensqualität steigern und die Rolle als "produktives'
Familienmitglied sichern können, dann wird auch ihre Bereitschaft,
zum Arzt zu gehen, zunehmen.
Einstellung der Ärzte und Gesundheitspolitiker
Frauen besuchen ihren Hausarzt eineinhalb mal so oft wie Männer.
Deshalb werden ihre Gesundheitsprobleme auch schon viel früher erkannt.
Wären die Öffentlichkeit und die gesundheitspolitisch Verantwortlichen
sich einig über die Wichtigkeit einer Früherkennung männlicher
Gesundheitsprobleme, könnten Morbiditäts- und Mortalitätsraten
sowie die Kosten für die Gesundheit reduziert werden. Sinnvoll wären
geeignete, periodisch durchgeführte Labortests (z.B. PSA) in Verbindung
mit klinischen Untersuchungen sowie Selbsttests.Es würden in der Folge
qualifizierte Ärzte benötigt, die mit dem Problemfeld des alternden
Mannes umgehen können.
Kostenfrage am Beispiel der Osteoporose.
Bislang sind die Kosten, die durch Osteoporose verursacht werden (Hüftfrakturen,
Morbidität aufgrund der Osteoporose, Krankenhauskosten und Rehabilitation)
bei Männern noch signifikant niedriger als bei Frauen. Trotzdem sind
in den USA heute fünf bis acht Millionen Männer von Osteoporose
betroffen. Jährlich werden ca. zwei Milliarden US Dollar für
diese Erkrankung ausgegeben. Es wird geschätzt, daß weltweit
30 Prozent aller Hüftfrakturen bei Männern auftreten und daß
die Mortalität durch diese Erkrankung bei Männern eigentlich
höher ist als bei Frauen. Mit zunehmender Lebenserwartung werden die
Osteoporose-bedingten Probleme bei Männern zunehmen und schon im Jahr
2010 ebenso groß sein wie bei Frauen und damit ein großes Gesundheitsproblem
darstellen.Ich habe versucht, mit Ihnen einige Hauptprobleme des alternden
Mannes zu reflektieren und hoffe, Sie davon überzeugt zu haben, daß
die Lebensqualität des alternden Mannes verbessert werden kann. Folgende
Aspekte müssen hierzu berücksichtigt werden:
1.Es muß ein Bewußtsein für das Phänomen "der alternde Mann" geschaffen werden.
2.Die Gesellschaft muß überzeugt werden, daß wir einige Symptome und Folgen des Alterns reduzieren können.
3.Die Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens ist kein weibliches Vorrecht.
4.Die Abnahme der Sexualität ist nur ein Symptom des Älterwerdens,
daß durch abnehmende Muskelmasse und -kraft, Müdigkeit, Übellaunigkeit
und Schlafstörungen begleitet sein
kann.
Bislang wurden nur wenige prospektive Studien zur Hormonersatztherapie
durchgeführt. Die wenigen Studien, die bisher mit älteren Männern
mit gesichertem Testosteronmangel durchgeführt wurden, zeigen deutlich
eine Verbesserung des physischen und psychischen Wohlbefindens (Bagatell
et al., 1994; Teenover, 1994). Allerdings wurden diese Studien nur an wenigen
Probanden und für kurze Zeit durchgeführt. Bis heute wurde noch
keine große Placebo-kontrollierte Testosteronersatztherapie-Studie
beim alternden Mann publiziert. Ich hoffe sehr, daß durch die Schaffung
eines Bewußtseins für die Folgen des Hormontiefs des alternden
Mannes in Zukunft solche Studien in Angriff genommen und sichere Therapien
entwickelt werden.
Prof. Dr. med. Bruno Lunenfeld
7 Harav Ashi Street
69395 Tel Aviv
Israel
Aus
Endokrinologie -Informationen -Mittellungen der Deutschen Gesellschaft
für Endokrinologie
21.Jahrgang, Heft 5/97
Schriftleitung:
W. Höppner, Hamburg
Expertenkonferenz: Hormonsubstitution beim alternden Mann vom 29.
Juni - 2. Juli 1997 in Weimar
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
Jenapharm
Zusammenfassung der Pressekonferenz am 2. Juli 1997 in Weimar
Zurück
DHEA-LIBIDO
Boston 29.9.1999
Das in den USA zur Nahrungsergänzung zugelassene DHEA könnte
substitutiv bei Frauen mit Nebennierenschwäche zur Verbesserung des
Wohlbefindens und der Libido eingesetzt werden: Eine deutsche plazebokontrollierte
Studie an 24 Frauen ergab, dass 50 mg/ Tag DHEA die Libido und sexuelle
Zufriedenheitsignifikant steigerten.( New England Journal of Medicine)
Westport
27-3-2000 Reuters: DHEA verbessert
offensichtlich die Reepithelialisierung bei Patienten mit Brandwunden, die
mit autologen Hauttransplantaten
behandelt wurden. In der placebokontrollierten Studie mit 63 Patienten führten
10mg/KG DHEA intravenös zu einer deutlich verbesserten Reepithelialisierung
eine Woche postoperativ.
DHEA - die Mutter aller Steroide
gilt als "Jungbrunnen" schlechthin, der das Altern aufhält und
senilen Herren zur Libido von Zwanzigjährigen zurückverhilft.
Bodybuildern wird DHEA etwa ab dem 35. Lebensjahr empfohlen, weil es "einfach
körperlich, geistig, seelisch und moralisch jünger" machen soll.
Es liegen Tiermodelle vor, wonach das Hormon vor Diabetes, Krebs und Herzinfarkt
schützt, Gewicht und Körperfett senkt und
das Leben verlängert. Ratten und Mäuse bilden jedoch im Gegensatz
zum Menschen selbst keine meßbaren Mengen DHEA, so daß sich
eine Übertragung der Studienergebnisse auf den Menschen verbietet.
Einige Ärzte in USA sind von den Tierversuchen jedoch so begeistert,
daß sie nicht länger warten wollen, ob DHEA als Medikament zugelassen
wird: Sie nehmen es selbst und verordnen es
Tausenden von Patienten - ohne, daß positive Wirkungen beim Menschen
belegt wären (The Sciences 1995/Sept./Oct./S.26-30).
Normale LABORWERTE von DHEAS und DHEA
| Alter | DHEAS | DHEA |
|---|---|---|
| 25-34 | 6.44 ± 2.29 | 15.91 ± 6.05 |
| 35-44 | 6.02 ± 2.18 | 12.65 ± 2.69 |
| 45-54 | 4.75 ± 2.62 | 11.31 ± 5.39 |
| 55-64 | 3.25 ± 1.48 | 10.20 ± 5.21 |
| 65-74 | 2.65 ± 1.68 | 7.71 ± 4.15 |
| 75-84 | 1.15 ± 0.52 | 5.36 ±1.68 |
| 85-100 | 1.23 ± 0.52 | 3.18 ± 0.69 |
DHEA und Gehirn
Durch das DHEA wird das Interferon-Gamma angeregt, das andererseits allerdings
auch in einen Demyelinisierungsprozeß involviert ist. Das Interferon-Gamma scheint
Myelin-spezifische autoreaktive Lymphozyten zu aktivieren, was die Beobachtung erklärt,
daß die Behandlung von Interferon-Gamma bei Patientinnen mit multiplen Sklerose zu einer
Verstärkung der Symptomatik führt. Allerdings scheinen die Zusammenhänge komplexer zu
sein, da die intrazerebrale Injektion von Interferon-Gamma zu keiner Demyelinisierung
führt und auch die Verwendung von Anti-Interferon-Gamma vor einer Demyelinisierung nicht
schützt.
Doping gegen das Altern
heute werden die Deutschen so alt wie noch nie. Lag die Lebenserwartung um
1900 noch bei 46 Jahren, sind heute beim Mann 74 und Frau 80,6 Jahre erreicht.
Die Zahl der Hundertjährigen stieg in Deutschland von 227 im Jahr 1990 auf 828
im Jahr 1999 an. Der Würzburger Humangenetiker Holger Hoehn schätzt die grundsätzlich
mögliche Lebensspanne des Menschen auf Grund seiner genetischen Veranlagung auf
110 bis 115 Jahre. Aber äußere Faktoren wie Lebensstil, ionisierende
Strahlung, Chemikalienbelastung, Bakterien oder Viren lassen so ein hohes Alter
selten zu. Heute sterben Menschen der Industrieländer hauptsächlich an
chronisch, sich über Jahre und Jahrzehnte entwickelnden degenerativen
Alterserkrankungen: Herzkreislauf- und Krebserkrankungen.
Wundermittel Hormonvorläufer DHEA?
Der Ulmer Arzt Alfred Wolf schildert, worauf es an kommt, wenn einer dem Altern vorbeugen will: "Der
Lebensstil ist letztlich das A und O. Wer nicht raucht, in Maßen trinkt und Sport treibt, hat bessere
Chancen, alt zu werden." Er gibt seinen Patienten Tipps zu Lebensstil, Anti-Stress-Training,
speziellen Nahrungsergängzungsmitteln (Mikronährstoffe, z.B. Antioxidantien) und eventuell
Hormonsubstitution mit Testosteron, Östrogen, Progesteron, dem Hormonvorläufer DHEA
(Dehydroepiandrosteron) oder dem Wachstumshormon HGH. "Natürlich machen wir vor einer
Hormongabe eine umfassende Risikoabschätzung, anhand derer die Dosis bestimmt wird", betont
Wolf. Der Run auf die Hormone wird inzwischen von Prominenten unterstützt. So wirbt Iris Berben in ihrem
Buch "Älter werde ich später" für alle möglichen Mittelchen der Anti-Aging-Welt. Neben Sport,
gesunder Ernährung und der obligatorischen Hautpflege mit speziellen Cremes die Vitamine
A,C,E, Detacarotin sowie Enzyme enthalten, berichtet sie unter anderem, sie schlucke seit bereits zehn
Jahren DHEA – das laut Berben Bindegewebe strafft, Muskeln, Knochen und Gelenke stärkt.
Mediziner nehmen an, dass ein DHEA-Mangel zu allgemeinen Befindlichkeitsstörungen,
Schlaflosigkeit, relativer Immunschwäche oder Osteoporose beiträgt.
Weil nun die natürliche Konzentrationen von DHEA im Blut mit dem Alter um bis zu 80 Prozent
zurück geht, sei es zu einer "Hochstilisierung von DHEA zu einer
Anti-Aging-Substanz" gekommen, meint Christoph Bamberger vom Hamburger Uni-Krankenhaus Eppendorf: "Die funktionelle Bedeutung
von DHEA ist unbekannt." Größtenteils fehlten Langzeitstudien zu
Anti-Aging-Hormonen. Die Endokrinologin Wiebke Arlt von der Universitätsklinik Würzburg warnt: "Erste Daten deuten auf ein
teilweise unkalkulierbares Risiko hin."
Männliche Wechseljahre
Immerhin zeigen weitgehend etablierte Therapien mit Hormonen, wie wichtig die richtige Dosierung
und wie potenziell gefährlich die Stoffe sind. So lässt sich nicht von der Hand weisen, dass eine
Hormonersatztherapie bei Frauen in einem Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs stehen
kann. Inzwischen haben Forscher nun auch ein männliches Klimakterium entdeckt und für
behandlungswürdig befunden. Dem linearen Abfall männlicher Sexualhormone im Laufe eines Lebens,
begegnen sie mit Androgenen, Östrogenen, DHEA, Wachstumshormon oder Melatonin. "Wir sind am
Beginn der Hormonsubstitutionstherapie beim Mann und die meisten unserer Überlegungen basieren
auf Hypothesen und Spekulationen", mahnt Markus Metka aus Wien. Mehr klinische Untersuchungen, zu Risiken, Vorteilen und möglichen Nebenwirkungen seien dringend
notwendig. Insofern wundert das Urteil des Stuttgarter Endokrinologen Reiner Hehrmann nicht:
"Manches, was da heute geschieht beim Versuch, Zellstoffwechsel und Alterungsprozess zu
beeinflussen, ist keineswegs legal." Das Zauberwort Anti-Aging erinnere ihn in einigen Bereichen
sogar an Doping im Sport. Und Ulrike Sonner vom Münchener Stop Aging Institut gibt den allgemeinen
gesundheitsfördernden Rat: "Im Prinzip kann jeder Anti-Aging-Programme machen, indem er nicht
raucht, wenig trinkt, normal isst und sich bewegt."
Beatrice Lugger ist freie Wissenschaftsjournalistin in München
Stand: 28. Mai 2001 Ausschnitt aus www.netdoktor.de
Was bringt DHEA?
Kranke junge Menschen, die wegen einer Unterfunktion ihrer Nebennierenrinde an einem
DHEA-Mangel leiden, profitierten laut einigen Studien von einem Ersatz von DHEA durch
Medikamente. Es wirkt günstig auf Wohlbefinden, Stimmung und Sexualität aus.
Im Gegensatz dazu kam der Würzburger Endokrinologe Prof. Bruno Allolio bei einer Studien mit
gesunden Männern zwischen 50 und 70 Jahren, die sehr niedrige DHEA-Spiegel im Blut aufwiesen, zu
keinem solchen Ergebnis. Die Studienteilnehmer erhielten vier Monate lang DHEA. Danach war zwar
der DHEA-Wert angestiegen, aber das hatte keinen Einfluss auf Sexualität, Vitalität und
Wohlbefinden. Der letzte Stand ist daher: Bei einem krankhaft bedingten Mangel an DHEA wirkt sich der Ersatz mit
Medikamenten positiv aus. Doch wenn der Körper im Alter weniger DHEA herstellt, bedeutet das noch
nicht, dass eine künstliche Zufuhr des Prohormons die Leistung des jungen Organismus zurückbringt.
Die Beweise, dass DHEA als Wundermittel gegen das Altern wirke, stehen also noch aus. Und damit
auch Daten zur Verabreichungsform: Soll DHEA nur gespritzt werden dürfen oder auch als Tablette
eingenommen werden können? Welche Mengen sind sinnvoll?
Gibt es Gefahren?
Experten warnen vor einer unkontrollierten Einnahme von DHEA. Die Risiken sind noch kaum
untersucht. Über Nebenwirkungen können nur Vermutungen angestellt werden. Da der Körper das
DHEA von außen zugeführt bekommt, stellt er eventuell die eigene Produktion ein. Oder die
zusätzliche Hormonzufuhr könnte schlummernde Krebszellen in der Prostata, den Eierstöcken oder
der Brust wecken. Bei Frauen erhöht DHEA neben dem Östrogenspiegel auch die Zahl der
männlichen Hormone im Blut. Das kann zu Fettstoffwechselstörungen und bei Überdosierung zu
Vermännlichungserscheinungen, wie Akne, Haarverlust und Stimmvertiefung führen.
Mai 2001 ---Ausschnit aus http://www.netdoktor.de/medikamente/fakta/dhea.htm
Anti-Aging-Welle: Wirkung von Hormonen fraglich
Wiesbaden (dpa) - Ob Hormone das Altern aufhalten können, ist nach Ansicht von
Wissenschaftlern noch längst nicht belegt. Nutzen und Risiken einer Hormongabe
bei älteren Menschen müssten in kontrollierten Studien nachgewiesen werden,
sagte der Internist Prof. Bruno Allolio von der Universitätsklinik Würzburg am
Dienstag beim 108. Internistenkongress in Wiesbaden. Gesichert sei die
Erkenntnis, dass bei vielen Menschen im Alter die Produktion bestimmter Hormone
nachlasse. Solche Hormone ließen sich zwar ersetzen, um so wieder eine
jugendliche Hormonkonzentration zu erreichen. Ob damit aber Alterungsprozesse
verzögert werden könnten, sei nicht nachgewiesen. "Das Älterwerden hängt nicht
nur von den Hormonen ab", sagte Allolio. Im Zuge der so genannten
Anti-Aging-Bewegung ist die Einnahme von Hormonen wie DHEA, Melatonin oder dem
Wachstumshormon HGH verstärkt in der Diskussion. DHEA (Dehydroepiandrosteron)
und Melatonin sind in den USA als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich und
auch in Deutschland über das Internet zu beziehen. Experten haben jedoch
wiederholt vor einer unkontrollierten Einnahme gewarnt. 10. April 2002
netdoktor.de
Altersbedingte Testosteron-Verringerung birgt Risiken für das
Herz
- Hormonproblem irreführend auch "männliche Menopause" genannt =
London, 16. Januar (AFP) - Die altersbedingte Testosteron-Verringerung bei
Männern birgt ein erhöhtes Risiko von Herzerkrankungen. Das geht aus einer
Studie hervor, die in der jüngsten Ausgabe der britischen Fachzeitschrift "Heart"
veröffentlicht wird. Die Autoren stellen fest, dass Männer ein drei Mal höheres
Risiko von Herzerkrankungen haben als Frauen. Dies sei nicht durch andere
Faktoren zu erklären. Der Rückgang der Testosteron-Werte bei alternden Männern
ist seit Mitte der 40er Jahre bekannt und wird oftmals irreführend als
"männliche Menopause" bezeichnet. Anders als bei der Frau, die mit der
Menopause die Fähigkeit zur Fortpflanzung verliert, ist dies jedoch beim Mann
nicht der Fall. Es sei unbestreitbar, dass der Alterungsprozess bei Männern zu
einem Absinken der Testosteron-Werte führe, erklären Kevin Channer und Tim
Jones von der Universität in Sheffield. Damit steige das Risiko von
Herzerkrankungen, was bislang "weitgehend ignoriert" worden sei. Die
beiden Mediziner stellten fest, dass Herzerkrankungen auffallend häufig
bei solchen Männern auftraten, die besonders niedrige Testosteron-Werte
hatten. Testosteron bewirkt nach ihren Erkenntnissen eine Erweitung der
Arterien. Durch Testosteron-Spritzen könne dieser Effekt künstlich erzielt
werden. Allerdings besteht dadurch ein erhöhtes Risiko von Prostata-Krebs,
möglicherweise wird auch die Leber zu stark belastet. Deshalb empfahlen die
Experten, die Testosteron-Gaben klinischen Tests zu unterziehen. Bereits vor
zwei Jahren hatte es im "British Medical Journal" eine Debatte über das
Für und Wider einer ärztlichen Regulierung des Testosteron-Spiegels
gegeben. Die Befürworter verwiesen darauf, dass die Testosteron-Werte bei
Männern zwischen dem 25. und dem 75. Lebensjahr auf die Hälfte absinken.
Allerdings ist der Abfall individuell sehr unterschiedlich. Andere
Risikofaktoren wie Hoden-Erkrankungen, Übergewicht, Alkoholkonsum und Diabetes
führen zu einem verstärkten Absinken.
Der Ludwig-Demling-Forschungspreis der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung DCCV e.V. ging in diesem Jahr an Dr. med. Frank Klebl, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I des Klinikums Regensburg. Der 33jährige Wissenschaftler erhielt das mit 25.000 Euro dotierte Stipendium für sein Forschungsprojekt zur Erfassung der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Dehydroepiandrosteron (200 mg) bei Patienten mit einer mäßig aktiven Colitis ulcerosa. Der Preis wurde anlässlich der Jahrestagung der DCCV am 24. Mai 2003 in Stuttgart überreicht.
In der Schleimhaut von Patienten mit chronisch
entzündlichen Darmerkrankungen ist die Ausschüttung entzündungsfördernder Stoffe
erhöht. Das körpereigene Steroidhormon Dehydroepiandrosteron (DHEA), dessen
Serumkonzentration bei diesen Patienten erniedrigt ist, kann dies teilweise
verhindern. Beim Lupus Erythematodes hat sich die Therapie mit 50-200 mg/Tag
DHEA als effektiv erwiesen.
Vor diesem Hintergrund wurden in einer Pilotstudie 12 Patienten mit einem mäßig
aktiven Schub einer Colitis ulcerosa über acht Wochen mit 200 mg DHEA täglich
behandelt. Sieben Patienten sprachen auf die Therapie mit einem Abfall des
Clinical Activity Index (CAI) von mindestens 4 Punkten an. Fünf von ihnen kamen
in Remission (CAI<5). Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. In der
aktuell geplanten placebokontrollierten Multicenterstudie soll nun die Wirkung
von 200 mg/Tag DHEA zur Therapie eines mäßig aktiven Schubs der Colitis ulcerosa
überprüft werden. Sollten sich die Daten aus der Pilotstudie bestätigen, stünde
mit DHEA möglicherweise eine nebenwirkungsarme Therapie für diese Erkrankung zur
Verfügung.
Der von der Falk Foundation e.V. gestiftete Ludwig-Demling-Forschungspreis wird
jährlich für Projekte im Bereich der klinischen Forschung zu Fragen der
Diagnostik, Therapie, Prophylaxe oder Pathophysiologie der chronisch
entzündlichen Darmerkrankungen vergeben. Er ist nach dem international
anerkannten Gastroenterologen Prof. Dr. Ludwig Demling (1921-1995) benannt, der
20 Jahre Inhaber des Lehrstuhls für Innere Medizin und Direktor der
Medizinischen Universitätsklinik Erlangen war.
Für Rückfragen:
DCCV e.V., Paracelsusstr. 15, 51375 Leverkusen
Ansprechpartner: Reinhard Schüren
e-mail: info@dccv.de, Internet:
http://www.dccv.de
Quelle: Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V.
Prohormone
Eine große Gefahr für den Verbraucher stellen Stoffe dar, die eindeutig den
Arzneimitteln mit pharmakologischer Wirkung zuzuordnen sind, aber national und
international nicht als Arzneimittel erfasst werden. Hierzu zählen die
Androgen-Prohormone. Diese Produkte sind in Deutschland weder als Arznei- noch
als Nahrungsergänzungsmittel verkehrsfähig, der Verkauf ist strafbar.
Der Prohormon-Boom wurde durch Dehydroepiandrosteron (DHEA) ausgelöst. Später
wurde die Testosteron-Vorläufersubstanz Androstendion intensiv als Mittel für
Muskelwachstum, Leistungssteigerung und Verbesserung des Sexuallebens sowie des
Wohlbefindens beworben. DHEA wird in den USA inzwischen sogar in Duty Free Shops
auf Flughäfen als Life Style Droge gegen das Altern angeboten. Mittlerweile gibt
es eine ganze Flut von Prohormonen auf dem amerikanischen Markt.
Ausgelöst durch den Fall Dieter Baumann wurden Nahrungsergänzungsmittel im
Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln untersucht. Dabei
wurden die verbotenen Steroidhormone auch in ausdrücklich als dopingmittelfrei
gekennzeichneten Präparaten in geringen Mengen als Verunreinigung gefunden.
Hierbei handelte es sich überwiegend um Kreatin- und
Tribulus-terrestris-Produkte.
Dehydroepiandrosteron gilt als Hauptvertreter der schwach wirksamen Androgene
der Nebennierenrinde und bildet sich als Zwischenstufe bei der Biosynthese von
Testosteron und Estrogen. DHEA wird vom Körper altersabhängig sezerniert. Der
größere Teil des im Blut zirkulierenden Steroids stammt aus der
Nebennierenrinde, nur ein kleiner Teil aus den Hoden. Relativ wenig DHEA wird in
der Körperperipherie, zum Beispiel in der Muskulatur, in Testosteron
umgewandelt. Insgesamt schüttet der männlich Körper weniger DHEA aus als der
weibliche.
Das Prohormon aktiviert die 5a-Steroidreduktase, die Testosteron zu
Dihydrotestosteron (DHT) reduziert. Diese Substanz hat beim erwachsenen Mann
eher nachteilige Wirkungen wie Prostatavergrößerung, Haarausfall und Akne. Da
DHEA leicht in Estrogen umgewandelt wird und damit dessen Spiegel nachhaltig
erhöhen kann, ist es dem Aufbau fett- und wasserfreier Muskelmasse nicht
förderlich. DHEA (INN: Prasteron) zur intramuskulären Injektion ist als
Medikament gegen Wechseljahrsbeschwerden bei Frauen im Klimakterium im Handel (Gynodian®
Depot; verschreibungspflichtig). Die Bioverfügbarkeit nach peroraler Gabe ist
wissenschaftlich nicht belegt.
Alle Veröffentlichungen über Androstendion basieren auf wissenschaftlichen
Arbeiten, die 1960 in der DDR angefertigt wurden. Ab 1982 setzte man das
Präparat als Dopingmittel ein. Eine Woche vor den Meisterschaften wurden alle
dem Doping-Komitee bekannten Steroide mit anaboler Wirkung abgesetzt und gegen
Androstendion ausgetauscht, um die anabolikafreie Phase bis zum Test zu
überbrücken. Das Hormon wurde nasal appliziert, da die perorale Wirksamkeit auf
Grund der fehlenden Alkylgruppe an C17 begrenzt ist. Das gilt für fast alle
Prohormone mit Steroidgerüst. Nach Gabe von Androstendion steigt der
Testosteronspiegel kurzfristig an. Dabei wird das natürliche Gleichgewicht von
Testosteron und Epitestosteron jedoch nicht gestört, da das Prohormon schnell
eliminiert wird. Praktisch für die gedopten Athleten: So ließ sich die Leistung
aufrecht erhalten, ohne mit einem positiven Dopingtest aufzufallen.
Androstendion wirkt wesentlich stärker androgen und anabol als DHEA, jedoch
schwächer als Testosteron. Es bewirkt einen negativen Feedback-Mechanismus, der
auch durch Supplementierung ausgelöst werden könnte. Möglicherweise verdrängt es
das stärker androgen und anabol wirkende Testosteron von den Rezeptoren. Die
Rezeptorendichte könnte herunterreguliert werden.
Um den Testosteronspiegel nachhaltig zu beeinflussen, müsste man die Substanz
wegen ihrer sehr kurzen Halbwertszeit mehrmals täglich verabreichen. Die Folge
wäre ein Wirkungsverlust und damit ein Teufelskreis wie bei anderen
dokumentierten Anabolika. Jedoch gibt es kaum wissenschaftliche Studien.
Fazit: Androstendion wirkt weder kraftsteigernd noch fördert es das
Muskelwachstum. Die Nebenwirkungen sind schwerer als vermutet. Bei Patienten,
die das Prohormon erhielten, sanken die HDL-Cholesterolwerte, und sie litten
unter Gynäkomastie, starker Akne, Prostatavergrößerung und Haarausfall.
Kurz nach dem Comeback von Androstendion tauchte mit Androstendiol ein weiterer
Testosteron-Precursor auf dem Markt auf. Auch diese Substanz ist im Plasma
allenfalls in Spuren nachweisbar. Androstendiol entsteht als Zwischenstufe bei
der Umwandlung von DHEA in Testosteron und ist wie Androstendion ein direkter
Vorläufer von Testosteron. Auch zu dieser Substanz fehlen wissenschaftlich
fundierte Daten. Alle postulierten Wirkungen basieren nicht auf seriösen
Arbeiten, sondern sind rein spekulativ.
Prohormone der neueren Generation wie Norandrostendion und Norandrostendiol
werden nicht in Testosteron, sondern in Nortestosteron umgewandelt. Da dieses
keine Methylgruppe an C19 hat, kann es der Körper weder direkt zu Estrogen noch
zu DHT umbauen. Die Konvertierung der Prohormone wird durch die Aktivität der
17b-Hydroxysteroid-Dehydrogenase und 3b-Hydroxysteroid-Dehydrogenase in der
Leber limitiert.
Nortestosteron ist unter Leistungssportlern als Nandrolon bekannt. Dies ist der
Wirkstoff des wohl am besten wissenschaftlich dokumentierten Anabolikums
Deca-Durabolin®, das zur Osteoporose-Behandlung zugelassen ist.
Fazit: Wissenschaftliche Daten zu Resorptionsquoten, Bioverfügbarkeit und
Risiken von Norandrostendion und -diol bei peroraler Verabreichung liegen nicht
vor. Mit Ausnahme von DHEA gibt es kaum Daten über die Nebenwirkungen von
Prohormonen, da diese Stoffe nur von geringem Interesse für die Medizin sind. Um
physiologisch relevante Konzentrationen im Blut zu erreichen, nehmen
Kraftsportler große Mengen ein (1 bis 5 g und mehr pro Tag), was gesundheitlich
bedenklich ist.
Inzwischen werden auch Kombinationen verschiedener Prohormone mit pflanzlichen
Extrakten wie Chrysin und Methoxyisoflavonoiden angeboten. Die neuesten Produkte
aus den USA haben zudem eine verbesserte Galenik. So gibt es zum Beispiel
sublingual zu applizierende Prohormonpräparate mit Liposomentechnik oder
Cyclodextrin als Matrix, die den First-pass-Effekt in der Leber umgehen sollen.
Über die Wirksamkeit und Nebenwirkungen dieser Präparate liegen keine
wissenschaftlichen Daten vor.
Das größte Problem stellt laut Dr. Nick Evans, Sportmediziner aus Los Angeles,
jedoch die falsche Deklarierung solcher Produkte dar. Sehr häufig enthalten
Prohormonpräparate andere Substanzen als angegeben, zum Beispiel nicht
verkehrsfähige Anabolika oder Anabolika aus der Tiermast. So enthielten 10
Prozent aller Nahrungsergänzungsmittel, die über das Internet bezogen wurden,
nicht deklarierte anabole Steroide. Dieses Ergebnis einer Studie aus dem Jahr
2001 bestätigte kürzlich eine aktuelle Untersuchung. Etliche Produkte, die mit
Androstendiol deklariert waren, enthielten Testosteron und Boldenon, ein in der
Veterinärmedizin verwendetes anaboles Steroid (eingetragenes Warenzeichen
Equipoise).
Zurzeit erregt ein Designersteroid die Gemüter in der Sportszene.
Tetrahydrogestrinon (THG) ähnelt in seiner chemischen Struktur den Anabolika
Gestrinon und Trenbolon. Die Substanz ist nach derzeitigem Wissensstand weder
toxikologisch noch klinisch untersucht. Auch THG wird von einer Firma angeboten,
die überwiegend Nahrungsergänzungsmittel vertreibt.
Das verschreibungspflichtige Anabolikum Dianabol® mit dem Wirkstoff Metandienon,
einem Methyltestosteron-Derivat, wurde bereits 1982 vom Hersteller Ciba Geigy
wegen schwerwiegender Nebenwirkungen mit Todesfolge bei missbräuchlicher
Anwendung weltweit vom Markt genommen. Die Substanz wird jedoch weiterhin von
„Waschküchenchemikern“ produziert und als Nahrungsergänzungsmittel auf dem
Schwarzmarkt über das Internet angeboten.
Laut Dr. Hans Geyer vom Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule in
Köln wurde im Zusammenhang mit einem aktuellen Dopingfall Metandienon in drei
verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln gefunden. Die Produkte stammen aus den
USA, wurden über eine Vertreiberfirma mit Sitz in England über das Internet
angeboten und ohne Zollprobleme mit regulärer Post einer deutschen Adresse
zugestellt. Es handelte sich um Hartgelatinekapseln mit pulvrigem Inhalt.
Mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie und
Hochdruckflüssigkeitschromatographie mit UV-Detektion wurde in allen drei
Produkten ein hoher Metandienon-Wert nachgewiesen. Deklariert wurden die
Präparate mit den nicht international anerkannten Verkehrsbezeichnungen
„AD-4-Complex Nutrients“, „MetX Synergistic Blend“ und „1-T-Matrix“.
Fazit: Bei der vom Vertreiber angegebenen Dosierung werden
Metandienon-Mengen von 25 bis 43 mg pro Tag erreicht. Die therapeutischen
Dosierungsempfehlungen lagen ursprünglich bei 10 bis 15 mg und wurden später
wegen häufiger Nebenwirkungen auf 5 mg täglich herunterkorrigiert. Die
Erhaltungsdosis lag bei 1 bis 2 mg. Als Nebenwirkungen wurden Cholestase,
Gynäkomastie, Hemmung der Spermatogenese, psychische Veränderungen und ein
erhöhtes Herzinfarktrisiko angegeben. Auf Grund der Methylierung in C17 ist der
Stoff, wie alle anderen in C17-Stellung alkylierten Steroide, selbst in
niedrigen Dosierungen potenziell leberschädigend.
http://www.pharmazeutische-zeitung.de 8/2004
Depressionen - Das Hormon DHEA hebt die Stimmung
Forscher haben herausgefunden, dass das Hormon DHEA die Stimmungslage bei
depressiven Patienten verbessern kann. DHEA (Dehydroepiandrosteron) wurde an
insgesamt 46 Männern und Frauen getestet. Allerdings ist über die
Langzeitwirkungen von DHEA noch nichts bekannt.
Untersuchungen in Amerika
Die Forscher des Nationalen Instituts für mentale Gesundheit der USA Rockville/Maryland
behandelten 46 Männer und Frauen. Sie erhielten entweder sechs Wochen lang
täglich 90 mg DHEA oder ein Scheinmedikament (Placebo).
Wie das amerikanische Fachblatt "Archives of General Psychiatry" im März 2005
berichtete, hatten sich die depressiven Symptome nur in der DHEA-Gruppe deutlich
gebessert. Nebenwirkungen traten in dieser Zeit der Einnahme von DHEA nicht auf.
In den USA ist DHEA ein frei verkäufliches Nahrungsergänzungsmittel. In
Deutschland können Sie sich DHEA auf ärztliches Rezept über eine Apotheke
importieren lassen oder über den Versandhandel beziehen.
Langzeitwirkungen ungewiss
Allerdings sollten Sie DHEA stets unter ärztlicher Aufsicht einnehmen und auch
keine anderen ärztliche verordneten Medikamente absetzen. Über Langzeitwirkungen
von DHEA ist bislang wenig bekannt. Länger als maximal zwei Monate sollten Sie
DHEA daher nicht anwenden. 23.07.2005
Sind Frauen immer schlapp und läßt ihre Libido nach,
kann auch mal ein Androgenmangel die Ursache sein
Wenn bei Frauen die Libido nachläßt, kann ein Androgenmangel die Ursache sein.
Denn nicht nur Männer, auch Frauen können von einem solchen Mangel betroffen
sein: etwa bei einer Nebennieren-Insuffizienz oder nach einer
Eierstock-Operation.
Von einem Androgenmangel-Syndrom kann man ausgehen, wenn Frauen über
nachlassende Libido berichten und bei ihnen erniedrigte Serumwerte für
Testosteron, DHEA (Dehydroepiandrosteron) oder Androstendion festgestellt
werden. Bei einigen betroffenen Frau kann dann eine Androgentherapie sinnvoll
sein, sagt Dr. Cornelia Jaursch-Hancke von der Deutschen Klinik für Diagnostik
in Wiesbaden.
Symptome sind Müdigkeit und Kraftlosigkeit
Frauen mit Androgenmangel können einen starken Leidensdruck haben, weil ihre
Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist: Typischerweise sind sie schon
morgens müde, spätestens aber ab Mittag matt, sagte Jaursch-Hancke bei dem von
Novo Nordisk unterstützten Rheingauer Endokrinologie-Dialog in Eltville.
Die Kraft reiche mit viel Mühe gerade noch, um den Arbeitstag irgendwie
durchzustehen. Rückzug, Isolation und Partnerprobleme sind die Folge, auch
Depressionen. Außerdem wächst der Körperfettanteil auf Kosten der Muskulatur.
Testosteron ist das wichtigste Androgen, auch bei Frauen. Die Hälfte davon
stammt bei ihnen aus den Nebennierenrinden und den Eierstöcken, der Rest
entsteht aus metabolisiertem DHEA. Ein Androgenmangel kann bei Frauen etwa durch
eine Ovarektomie entstehten. 2004 gab es in Deutschland mehr als 22 300
Operationen an den Eierstöcken.
2004 gab es in Deutschland 22 300 Ops an den Eierstöcken.
Aber ein Mangel entsteht auch durch Hypophyseninsuffizienz mit sekundärer
Nebennierenrinden-Insuffizienz (NNR) oder durch eine primäre NNR (Inzidenz 1 zu
10 000; zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen). Oder wenn Medikamente wie
Glukokortikoide oder Östrogene die NNR oder Ovarien bremsen.
Betroffenen Frauen hilft offenbar DHEA. Hinweise dazu ergab eine randomisierte,
Placebo-kontrollierte Cross-Over-Studie mit 24 Frauen zwischen 29 und 54 Jahren.
14 hatten eine primäre NNR-Insuffizienz, zehn eine sekundäre Insuffizienz wegen
Hypophysenoperation, Hypophysitis oder einem Sheehan-Syndrom, also einer
Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz nach der Geburt. Vier Monate lang bekamen
alle täglich 50 mg DHEA oder Placebo, wie Jaursch-Hancke berichtete.
Ergebnis: Mit Placebo blieben DHEA, DHEAS (DHEA-Sulfat), Androstendion und
Gesamt-Testosteron zu niedrig. Nur mit DHEA stiegen die Werte in normale
Bereiche. Gleichzeitig stieg die sexuelle Zufriedenheit. Depressionen, Ängste
und Zwangsvorstellungen gingen signifikant zurück, die Lebensqualität besserte
sich innerhalb von vier Monaten signifikant.
Inzwischen habe es sich bei Spezialisten durchgesetzt, bei Frauen mit
NNR-Insuffizienz DHEA zu substituieren, sagte die Endokrinologin. Auch sie biete
solchen Patientinnen DHEA an. Ein solcher Therapieversuch sei auch mal nach
einer Ovarektomie gerechtfertigt oder bei medikamentöser Suppression von NNR
oder Ovarien.
Andere Ursachen der reduzierten Lebensqualität müßten aber ausgeschlossen sein.
"Wenn dann noch sexuelle Probleme dazukommen, habe ich nichts gegen einen
limitierten Therapieversuch mit DHEA oder Testosteron." Einen regelhaften
Einsatz im Klimakterium dagegen befürwortet die Expertin nicht, weil die
Androgenwerte nicht dramatisch abstürzten.
In Deutschland gibt es bisher keine für Frauen zugelassenen Präparate; und
Testosterongele und -salben für Männer sind bei Frauen schwer dosierbar: Sie
brauchen viel weniger von dem Hormon. Besser geeignet ist DHEA. Es sollte in der
Apotheke bestellt werden, damit auf die Wirkstoffmenge Verlaß ist, empfiehlt
Jaursch-Hancke.
Denn der Bedarf sei individuell verschieden, er liege zwischen acht und 100 mg
täglich. Bei Bezug von Präparaten über das Internet könne der tatsächliche
Inhalt um bis zu 100 Prozent von der Inhaltsangabe auf dem Produkt abweichen.
Blüht Akne und wachsen Haare, ist die Dosis zu hoch
Als unerwünschter Effekt könne Akne auftreten, im Einzelfall schon bei 25 mg
täglich. Außerdem könne die Körperbehaarung zunehmen. Solche Probleme
verschwinden wieder, sobald die Dosis verringert wird. Langzeitdaten zur
DHEA-Therapie fehlen. Außerdem erfolgt in geringem Umfang auch ein Umbau zu
Östrogenen: "Wenn in der Vorgeschichte eine östrogenabhängige Neoplasie wäre,
würde ich das nicht machen", betont die Endokrinologin.
FAZIT
Androgenmangel kommt auch bei Frauen vor. Gründe können sein: Entfernung der
Eierstöcke, Hypophyseninsuffizienz mit sekundärer Nebennierenrinden (NNR)-Insuffizienz,
oder eine primäre NNR-Insuffizienz. Symptome des Androgenmangels sind
erniedrigte Werte für Testosteron, DHEA oder Androstendion, nachlassende Libido
und eingeschränkte Lebensqualität: Betroffene Frauen sind zu erschöpft für einen
normalen Alltag. Sozialer Rückzug und Depressionen sind die Folge.
Eine Substitution, etwa mit DHEA (Dehydroepiandrosteron), kann mitunter sinnvoll
sein. Andere Ursachen des reduzierten Zustandes sollten vorher jedoch
ausgeschlossen werden.
Ärzte Zeitung, 17.11.2005
Auch bei Frauen gibt’s Androgenmangel
Sind Frauen ständig schlapp und müde und schaffen deshalb ihren Alltag nicht
mehr, kann auch mal ein Androgenmangel die Ursache sein. Vor allem dann, wenn
Betroffene eine Eierstock-Operation hinter sich haben.
Auch eine Insuffizienz der androgenproduzierenden Nebennieren kann einen solchen
Mangel auslösen. Zum Beispiel aufgrund einer Hypophysenstörung nach einer Geburt
(Sheehan-Syndrom), oder wenn die Nebennieren-Funktion gemindert ist, auch etwa
durch Medikamente wie Glukokortikoide.
Dann kann eine Substitution indiziert sein. Endokrinologen wie Dr. Cornelia
Jaursch-Hancke von der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden empfehlen
dann DHEA (Dehydroepiandrosteron). Der Bedarf ist individuell sehr verschieden:
Er kann zwischen acht und 100 mg täglich liegen. Ärzte Zeitung, 01.12.2005
Schützen Hormone vor dem Altern?
Dehydroepiandrosteron (DHEA)
Diskussion zu Hormonersatz und Anti-Aging-Therapien
MÜNCHEN (sto). Cremes, Schönheitsdiäten, Hormontabletten übers Internet - um
Alterserscheinungen vorzubeugen oder zu vertuschen, greifen vor allem Frauen zu
allem möglichen. Zu den wenigen Substitutionstherapien mit belegter positiver
Wirkung auf Leistungsfähigkeit, Hautbild und Körperfunktionen gehört eine
Thyroxinsubstitution bei Hypothyreose, sagt Professor Petra-Maria Schumm-Draeger
vom Krankenhaus München-Bogenhausen.
Bei Frauen ab 50 ist die Überprüfung der Schilddrüsenfunktion wichtig, da ab
diesem Lebensalter die Prävalenz einer autoimmunbedingten
Schilddrüsenentzündung, der häufigsten Ursache einer Hypothyreose, deutlich
zunimmt. Darauf wies Schumm-Draeger bei einer Veranstaltung zu Anti-Aging und
Gesundheit in München hin, zum dem das Forum Frauengesundheit des Bayerischen
Gesundheitsministeriums eingeladen hatte.
Auch bei milder Hypothyreose (TSH erhöht, Hormone im Normbereich) könnten
Leistungsfähigkeit und Körperfunktionen eingeschränkt sein. Dann sei eine
Substitution mit Schilddrüsenhormonen indiziert, die dann auch
erfolgversprechender sei als die in Hochglanz-Magazinen angepriesenen
Anti-Aging-Mittel.
Eine Hormonersatztherapie in Meno- und Postmenopause mit Östrogenen und
Gestagenen sollte nur bei starken Beschwerden in Betracht gezogen werden, so
Schumm-Draeger. Für eine solche Therapie nach dem Gießkannenprinzip, auch um
kardiovaskulären Krankheiten vorzubeugen, gebe es keine gesicherten Daten.
Und was ist mit
Dehydroepiandrosteron (DHEA)? In jüngster Zeit wird über eine
Androgen-Substitution für Frauen diskutiert, etwa bei chronischer Müdigkeit oder
Libidoverlust (wir
berichteten).
Bis heute sei die biologische Rolle von DHEA noch nicht ganz geklärt. In Studien
sei bei Frauen mit Morbus Addison belegt worden, daß DHEA die physische und
psychische Leistungsfähigkeit und die Libido steigere, so Schumm-Draeger. In
Europa sei DHEA für Frauen nicht zugelassen.
Bei zu hoher Dosierung könne es zu Akne oder vermehrtem Körperhaarwuchs kommen.
Wachstumshormone haben nach Angaben von Schumm-Draeger bei Gesunden keine
Anti-Aging-Effekte. Auch Melatonin, das kurzfristig bei Schlafstörungen,
Schichtarbeit oder Interkontinentalflügen sinnvoll sein könne, sei als
Anti-Aging-Medikation ungeeignet.
Ärzte Zeitung, 07.12.2005
US-Studie: Jungbrunnen-Hormone wirken nicht
Nach der Erkenntnis, dass weibliche Sexualhormone nach der Menopause kaum
positive - wenn nicht eher negative - Effekte auf die Gesundheit haben, kommt
nun die nächste Enttäuschung bezüglich "Jungbrunnen-Hormone".
Laut einer Studie von Wissenschaftlern der US-Mayo-Klinik haben weder DHEA (Dehydroepiandrosteron)
noch niedrig dosiertes Testosteron eine Wirkung gegen Altersprobleme.
"DHEA in Elderly Women and DHEA or Testosterone in Elderly Men" von K.
Sreekumaran Nair et al. erschien im "New England Journal of Medicine" (Bd. 355,
S. 1647-1659).
"Keine positiven Effekte"
Die Fachleute hatten zwei Jahre lang 87 älteren Männern mit geringen
Konzentrationen von DHEA und Testosteron im Blut entweder DHEA oder Testosteron
bzw. ein Scheinmedikament verabreicht.
Zusätzlich erhielten von 57 ältere Frauen DHEA oder das Placebo. Gemessen wurden
eventuelle Veränderungen in der körperlichen Leistungsfähigkeit,
Körperfett-Verteilung, Knochendichte, Glukosetoleranz (Diabetes-Neigung) und die
Lebensqualität.
Das Ergebnis: "Weder DHEA noch niedrig dosierte Testosteron-Substitution bei
älteren Menschen (die Probanden waren alle über 60, Anm.) haben einen relevanten
positiven Effekt auf Körperfett-Verteilung, physische Leistungsfähigkeit,
Insulin-Sensitivität oder die Lebensqualität." In den vergangenen Jahren wurden
DHEA und Testosteronersatz immer wieder als "Jungbrunnen" propagiert.
[science.ORF.at/APA, 23.10.06]