LAUFEN
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Kuno Hottenrott |
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Pronation:
Laufschuh-Prototyp: Forscher der Universität Tübingen haben einen Laufschuh entwickelt, der vor Überlastungsschäden an der Achillessehne schützen soll. In einer seit 1997 laufenden Studie wiesen die Forscher bei 35 Prozent der Probanden Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder Degenerative Veränderungen oberhalb der Ferse nach. Stärkeres Abknicken des Knöchels zur Seite (Überpronation) sei der Grund für die Schmerzen an der Achillessehne. (Focus, Kurt-Martin Mayer, S. 186, 29.05.2000) Wieviele Laufschuhe braucht der Mensch? Prof. Dr.Kuno Hottenrott Die richtige Abrolltechnik beim Laufen www.kuno-hottenrott.de Dr. Kuno Hottenrott
Der Schuh macht das Rennen
Hohe Absätze sind schlecht, egal wie breit sie sind
Der Einfluss einer Adaptation an einen Laufschuh auf den Abrollvorgang bei Läufern mit und ohne chronische Achillessehnenbeschwerden Grau S, Baur H, Hirschmüller A, Röcker K, Dickhuth HH, Mayer F Abt. Sportmedizin, Medizinische Klinik, Universität Tübingen In der Vergangenheit konnte nachgewiesen werden, dass mit Hilfe plantarer Druckverteilungsmessungen und Bestimmung der Ganglinie zwischen dem Abrollvorgang von gesunden Läufern und Läufern mit Achillessehnenbeschwerden unterschieden werden kann. Unklar ist allerdings, ob dieser Unterschied durch Adaptation an externe Interventionen beeinflussbar ist. Ziel dieser Untersuchung war demnach zu prüfen, ob sich das Abrollmuster der Patienten nach Adaptation an einen neuen Laufschuh ebenfalls von dem einer gesunden Vergleichsgruppe unterscheidet. Bei 11 gesunden Läufern (KO) und 10 Läufern mit chronischen Achillessehnenbeschwerden (ADY) wurde der örtliche Verlauf der Ganglinie (G) sowie dessen zeitliches Maximu (Vmed) in der Auftreffphase ohne Adaptation (AKUT) und nach einer zweiwöchigen Adaptation (ADAP, mind. 50 km Laufstrecke) an einen neuen Laufschuh auf dem Laufband (12km/h) erfasst. Differenziert wurde zusätzlich zwischen der Erfassung der Messgrößen barfuß (BA) und im Schuh (S). Die statistische Analyse erfolgte mittels mehrfaktorieller ANOVA mit Messwertwiederholung (a=0,05). Statistisch signifikante Unterschiede für G zeigten sich bei ADY zwischen AKUT und ADAP in BA (p<0,05). Für Vmed konnten keine Unterschiede für BA und S in ADY festgestellt werden. KO zeigte keine Einflüsse der Adaptation für G und Vmed bezüglich BA und S. Aus den Ergebnissen wird gefolgert, dass bei Patienten mit Achillessehnenbeschwerden durch eine Adaptation an einen Schuh Unterschiede der plantaren Druckverteilung nachweisbar sind. Dies könnte Hinweise dafür liefern, dass über eine Optimierung der Schuh- und Einlagenversorgung eine gezielte Beeinflussung aus therapeutischer Sicht möglich ist.
37. Deutscher Kongress für
Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport - Die Analyse des Laufmusters von gesunden Läufern und Läufern mit chronischen Achillessehnenbeschwerden im Feldtest Baur H, Hirschmüller A, Grau S, Niess A, Dickhuth HH, Mayer F Abteilung Sportmedizin, Medizinische Klinik, Universität Tübingen Untersuchungen der Laufbewegung werden in der Regel auf dem Laufband im Labor durchgeführt. Fraglich ist dabei, wie genau die reale Bewegung erfasst wird. Ziel der vorliegenden Studie war deshalb, mittels eines Feldtests die Untersuchung des muskulären Aktivierungsmusters (EMG) und der plantaren Druckverteilung von gesunden Läufern (CO) im Vergleich zu Läufern mit chronischen Achillessehnenbeschwerden (ADY) sowohl barfuß, als auch im Schuh zu evaluieren. Mögliche Unterschiede des Bewegungsmusters zwischen CO (n=8) und ADY (n=8) wurden im Test-Re-Test-Verfahren bei 12 km·h-1 untersucht (ANOVA mit Messwertwiederholung). Die Auswertung der plantaren Druckverteilung erfolgte mittels Quantifizierung der Ganglinie (Abweichung von der Fußlängsachse [G], maximale mediale Geschwindigkeit [Vmed] sowie deren Zeitpunkt [TVmed]). Als Maß der muskulären Aktivität dienten EMG-Zeitgrößen (Beginn [Tini], Aktivierungsdauer [Tges], Zeitpunkt der maximalen Aktivierung [Tmax]) sowie die Amplituden in der Voraktivierung [Apre], der Weightacceptance [Awa] und der Push-off-Phase [Apo] der Unterschenkelmuskulatur. Bezüglich der Druckmessgrößen ergaben sich keine Unterschiede zwischen CO und ADY (p>0.05). Lediglich bei G wurde, verglichen mit barfuß, ein reduzierter Wert im Schuh festgestellt (p<0,05). Bei Tini und Tmax war kein Unterschied zwischen CO und ADY zu beobachten, dagegen zeigte ADY in der Streckschlinge beim Barfußlaufen eine kürzere Dauer [Tges] als CO (p<0,05). Bezüglich der Amplituden ergab sich bei Apre bei den Patienten eine schwächere Voraktivierung des m. peroneus im Schuh (p<0,05). Die Streckschlinge wies bei CO und im Vergleich von barfuß zu Schuh eine statistisch signifikant stärkere Awa und Apo auf als bei ADY. Läufer mit chronischen Achillessehnenbeschwerden unterscheiden sich im Feld bezüglich des zeitlichen Aktivierungsmusters nicht von gesunden Läufern. Die geringere Aktivierungshöhe der Patienten weist auf eine mögliche Schonhaltung und damit eine verminderte Sprunggelenksstabilisation und einen reduzierten Abdruck durch das Beschwerdebild hin. Kann der Laufschuh die Wirbelsäule vor Stoßbelastungen
schützen? Vorfußlaufen- ein Denkanstoß! Nun, bevor es aber Schuhe mit weichen Dämpfungssystemen gab, waren Läufer
gezwungen mit der natürlichen Technik des Vorfußlaufens die Stoßbelastungen
abzufangen. Gibt es Hier liegt also das wahre Problem: Die mangelnde Vorbereitung auf
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NEU-ISENBURG (sko). Wenn Sie zu Ihrem nächsten Spaziergang oder Waldlauf
starten, sollten Sie sich überlegen, die Schuhe zu Haus zu lassen. Denn
Barfußjogger haben ein geringeres Verletzungsrisiko und verbrauchen weniger
Energie.
Zola Budd-Pieterse, ein Athlet aus Südafrika, ist ein Beispiel dafür, das
Joggen ohne Schuhe nicht ganz schlecht sein kann. Der Läufer startete seine
Wettkämpfe ohne Schuhe und gewann. Der australische Physiotherapeut Michael
Waburton ging der Sache auf den Grund und verglich den Energieverbrauch sowie
die Verletzungsmuster der beiden Laufarten (Sportscience 5(3), sportsci.org/jour/0103/mw.htm). Waburton stellte dazu einige Studien zusammen, in denen das Barfußjoggen
untersucht wurde. Er kam zu dem Ergebnis: Wer ohne Schuhe läuft, hat eine
bessere Wahrnehmung der Fußstellung in Relation zum Boden. Dadurch sei das
Risiko für eine Verstauchung geringer als bei Füßen, die in Laufschuhen
stecken. Auch chronische Verletzungen wie Entzündungen der Plantarsehne seien
bei Barfußläufern seltener. Zudem erhöhe das Tragen von Schuhen den Energieverbrauch: Barfußläufer
verbrauchen vier Prozent weniger Sauerstoff als die schuhtragenden
Sportsfreunde. Um Muskel und Bändern an die neue Laufart zu gewöhnen,
empfiehlt Waburton täglich 30 Minuten zunächst barfuß zu gehen, später dann zu
joggen. Ärzte
Zeitung, 08.05.2002
Zu stabile Schuhe und weiche Böden belasten beim Joggen
Achillessehnen
Zu hohe Dämpfkissen in den Schuhen verstärken die Pronation und belasten die
Fersen
TÜBINGEN (jzi). Jogging ist gesund, doch es birgt auch
gesundheitliche Risiken. So klagten bis Anfang der 90er Jahre Läufer vor allem
über Kniebeschwerden, mit der Folge, daß spezielles Schuhwerk entwickelt wurde.
Und tatsächlich ging die Zahl der Kniebeschwerden deutlich zurück - doch dafür
haben seitdem immer mehr Athleten Achillessehnen-Schmerzen.
Das ist das Ergebnis einer Studie der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen mit
3500 Läufer-Patienten. "Ein Drittel waren Läufer, die mindestens 20 Kilometer
die Woche liefen", sagte der Biomechaniker Stefan Grau zur "Ärzte Zeitung". "Die
Hälfte derjenigen, die das Laufen aufgeben mußten, hatte Probleme mit der
Achillessehne." Besonders häufig betroffen waren Sportler, die auf unebenen und
weichen Böden wie Schotter- und Waldwegen trainierten. In einer Untersuchung der
Laufstile stellte sich zudem heraus, daß die erkrankten Läufer ihre Füße mehr
über den Mittelfuß abrollten und dadurch die Belastung auf der Achillessehne
verstärkten. Eine Fehlbelastung, die ihre Ursache ausgerechnet darin hat, daß
die Laufschuhe mit immer besseren Dämpfungen ausgerüstet wurden, um die Gelenke
zu schützen. "Wenn jedoch die Kissen zu hoch sind", warnt Grau, "nehmen am Fuß
die Geschwindigkeit und die Hebelkräfte der seitwärts gerichteten Abrollbewegung
zu und die Achillessehne wird stark belastet."
Die Tübinger Wissenschaftler haben deshalb neue Schuhe entwickelt, mit denen die
Läufer wieder lernen, die Füße von außen nach innen abzurollen. Das neue Modell
kommt voraussichtlich Ende 2003 auf den Markt.
Ärzte Zeitung, 13.11.2002
Ein Laufschuh als Trainingsgerät für die Gelenke
DÜSSELDORF (ine). Die ersten Schritte sind noch etwas wackelig. Hat
man das Gleichgewicht gefunden, fühlt es sich ein bißchen so an, als würde man
barfuß im Sand laufen. Die ungewöhnlichen Schuhe kann man bei der Medica am
Stand des Sportartikel-Herstellers "Swiss Masai" ausprobieren.
"Der Schuh ist ein Trainingsgerät", erklärt dort der Riesenslalom-Profi Mike von
Grüningen der "Medica aktuell". "Das balancierende Gehen entlastet die Gelenke
und entspannt den Rücken." Möglich macht dies die sogenannte Masai Barfuß
Technologie (MBT). Die Sohlenkonstruktion erzeugt durch ihre ungewohnte Biegung
eine Instabilität. So muß sich der Fuß seinen Untergrund erst ertasten. Das
Gangbild ändert sich, die Becken- und Wirbelsäulenhaltung wird muskulär
stabilisert und der Rückstrom des Blutes aus den Beinvenen wird forciert. Medica
aktuell, 23.11.2002
Weitere Infos unter www.swissmasai.com
Knieschmerzen - Achillessehenenschmerzen Laufen und Laufschuh -- Der Artikel mit Detailbildern und folgenden Infos: Hier
Pronation in der Sportschuhforschung
Die Erforschung des Sportschuhs ist seit 20 Jahren von großem Interesse
für die Sportpraxis und die Wissenschaft. Ziel der wissenschaftlichen Studien
war und ist Wissen über Veränderungen in der Konstruktion und im Aufbau von
Sportschuhen zu erlangen, die zur Prävention von sportspezifischen
Beschwerden und Verletzungen führen sollen. In den Vordergrund der
Untersuchungen wurde vor allem die Reduktion zu starker Pronation gestellt,
da diese für die Entstehung von Beschwerden im Laufsport verantwortlich
gemacht wurde. Es zeigt sich, dass in der Vergangenheit zahlreiche Messgrößen
für die Videoanalyse entwickelt, unterschiedliche Schuhdesigns getestet und
"Belastungen" bestimmt wurden, jedoch in der Regel kein eindeutiger
Zusammenhang zur Pronationsbewegung festgestellt werden konnte. Gründe
hierfür können in der ausschließlich mechanischen Beschreibung der Bewegung
liegen, da neuromuskuläre Steuerungsprozesse nicht mit einbezogen wurden.
Weiterhin können Gründe in der kinematischen Betrachtung mittels
Videoanalysen liegen, da vor allem die Validität (2-D und 3-D Messungen) und
Reliabilität (2-D Messung) der Ergebnisse kritisch betrachtet werden muss.
Zudem wurde dem eigentlichen Zusammenhang zwischen Messgrößen und Beschwerden
oder Verletzungen nur unzureichend nachgegangen, da Studien überwiegend an
gesunden Probanden durchgeführt wurden. Eine Abgrenzung zu einem
pathologischen Abrollvorgang und den daraus ableitbaren Empfehlungen zur
Prävention von Beschwerden war somit gar nicht möglich. Zukünftige
Forschungen sollten sich einerseits mit einer Weiterentwicklung alternativer
Messmethoden (Druckmessung, Kraftmessung) und Messgrößen zur
Charakterisierung der Pronationsbewegung beschäftigen, zusätzlich
neuromuskuläre Aspekte der Bewegung berücksichtigen (mittels
Elektromyographie) sowie Patienten ins Studiendesign integrieren. Für die
praktische Umsetzung bedeutet dies, dass die Pronationsbewegung individuell
betrachtet werden muss und eine Korrektur durch den Schuh nicht in jedem Fall
erfolgen sollte.
Der Artikel mit Detailbildern und folgenden Infos:
Hier
Die Pronationsbewegung
I) Biomechanische Bewegungsmerkmale der Pronationsbewegung
a) Schuhmechanische Faktoren
- Absatzabschrägung:
- Härte der Zwischensohle:
- Fußachse (Varus – Valgus):
- Fersenkappe:
b) Biomechanische Faktoren
- Abrollvorgang:
- Laufgeschwindigkeit:
- Fußform:
c) Biomedizinische Faktoren
Marathon-Effekt auf Hormone & Muskeln
Vielfach wird der gesundheitsfördernde Effekt einer Extrembelastung – wie es ein Marathonlauf darstellt – kontroversiell diskutiert. Zweifelsohne liegt der eigentliche Nutzen einer Teilnahme an einem Marathon in der Motivation für ein langfristiges regelmäßiges Ausdauertraining. Wir haben die Veränderungen von neuroendokrinen Hormonen sowie von Muskelenzymen und Muskelproteinen während eines Marathonlaufs untersucht.
Hintergrund
Das Laufen eines Marathons stellt sowohl in physischer als auch psychischer
Hinsicht eine Belastung entsprechend der klassischen Definition von Stress dar.
Eine entsprechende neuroendokrine Reaktion ist daher zu erwarten. Diese wurde
bereits für das sympathiko-adrenale System sowie für die klassischen
„Adaptationshormone“ CRH-ACTH-Kortisol nachgewiesen. Über die kreislaufwirksamen
Hormone aus dem Myokard – die natriuretischen Peptide ANP and BNP – liegen erst
wenige Beobachtungen vor. Das Ziel unserer Studie war es, die Auswirkung eines
Marathonlaufs auf natriuretische Peptide anhand ihrer zirkulierenden Prohormone
sowie deren Wechselwirkung zu anderen kreislaufaktiven Hormonen zu untersuchen.
Zusätzlich wurden die Veränderungen der Skelett- und Herzmuskelenzyme bestimmt.
Studiendesign
Die Untersuchung wurde an 20 Marathonläufern im Alter von 28 bis 62 Jahren –
darunter 2 Frauen – durchgeführt. Unmittelbar vor dem Start und unmittelbar nach
Erreichen des Zieles wurden venöse Blutproben gewonnen. Daraus wurden einerseits
Fraktionen der natriuretischen Propeptide „atrial natriuretic peptide“ (pANP)
und „brain natriuretic peptide“ (pBNP) mittels kompetitivem Enzymimmunoassay
bestimmt. Zusätzlich wurden die Konzentration der Kortikosteroide Kortisol und
Aldosteron im Plasma untersucht. Außerdem wurde die Plasmakonzentration der
Parameter Gesamt-CK, CK-MB-Masse, Myoglobin und Troponin I bestimmt.
Resultate
Die Daten der Teilnehmer des Laufes werden in Tabelle 1 präsentiert. Bei den
natriuretischen Propeptiden sind die Mittelwerte der Fraktionen pANP1-98,
pANP1-30 und pANP31-67 während des Laufes hochsignifikant angestiegen (p<0,0001;
Abb.). pBNP8-29 ist unter dem Einfluss der Laufbelastung zwar ebenfalls
signifikant angestiegen, jedoch wesentlich geringer als die Fraktionen des ANP.
Wir haben eine signifikante positive Korrelation zwischen dem Lebensalter der
Läufer und dem Anstieg der ANP-Fragmente 1-30 und 31-67 gefunden (p=0,02).
pBNP8-29 ist unter dem Einfluss der Laufbelastung zwar ebenfalls signifikant
angestiegen (p=0,005), jedoch wesentlich geringer als die Fraktionen des ANP.
Dass der Anstieg von ANP größer ist als jener von BNP, spricht gegen eine
linksventrikuläre Belastung. Beide natriuretischen Peptide korrelieren nicht mit
der Laufzeit. Auch die Konzentrationen der Kortikosteroide Kortisol und
Aldosteron im Plasma sind während des Laufes signifikant angestiegen (p<0,0001).
Besonders deutlich hat die Konzentration des Aldosteron im Plasma um das etwa
Fünffache zugenommen: Die Anstiege der beiden Steroidhormone Kortisol und
Aldosteron korrelierten stark (p=0,001). Beide Hormone korrelierten jedoch weder
mit dem Alter, der Laufzeit noch mit Troponin I oder CK-MB.
Die Ausgangswerte der Muskelenzyme (vor dem Lauf) lagen außer erhöhten
CK-Gesamtwerten im Referenzbereich (Tab. 2). Unter dem Einfluss der
Laufbelastung sind bei allen Probanden alle diese Parameter im Plasma
signifikant angestiegen (p<0,0002; Tab. 2). Bei den kardialen Parametern ist bei
7 Läufern Troponin I auf Werte angestiegen, die sonst für das Bestehen
myokardialer Nekrosen sprechen. Myoglobin zeigte nach dem Lauf den
verhältnismäßig höchsten Anstieg auf extrem pathologische Werte. Es bestand
keine Korrelation zwischen dem Alter oder der Laufzeit und dem beschriebenen
Ansteigen der im Plasma bestimmten Muskelproteine.
Diskussion
Ähnlich dem bereits bekannten Anstieg der Katecholamine sowie der klassischen
Adaptationshormone aus der Nebennierenrinde konnten wir einen signifikanten
Anstieg der natriuretischen Peptide aus dem Myokard zeigen. Das Ansteigen der
Plasmakonzentration der kardialen Peptide lässt ihre verstärkte Wirkung während
des Laufens erwarten. Sie würde den peripheren Druck und damit die Durchblutung
des Gewebes mindern und durch verstärkte Natriurese das zirkulierende Volumen
verkleinern; alle diese Wirkungen können bei Belastung nicht als sinnvoll und
fördernd für die Leistungsfähigkeit des Läufers gesehen werden. Unser neuer
Einblick in diese Regulation hat aber gezeigt, dass diese potenziell ungünstigen
Wirkungen von ANP und BNP beim Laufen prompt durch eine gleichzeitige massive
Mehrsekretion von Aldosteron und Kortisol kompensiert werden, die Druck,
Natriumretention und Volumen anhebt. Angesichts dieser offenbaren
Gegenregulation wird man natürlich fragen, welchen physiologischen Sinn dann die
registrierte Mehrsekretion der kardialen Peptide beim Laufen haben könnte:
Sinnvoll weil leistungsfördernd könnte ihr lipolytischer Einfluss auf die
Fettzellen sein, der durch die Freisetzung von Fettsäuren zur Deckung des
Energiebedarfes der Muskulatur beim Laufen beitragen kann.
Unsere Befunde lassen weiters erkennen, dass unter Einfluss der Belastung beim
Marathonlaufen myokardiale Proteine wie CK-Aktivität, Troponin, Myoglobin und
die CK-MB-Masse ebenso wie die myokardialen Peptidhormone im Plasma ansteigen.
Eine mögliche Ursache dieses Anstiegs ist eine Permeabilitätsstörung des
Sarkolemms der Skelett- und Myokardmuskulatur. Diese Prozesse werden als
zirkumskriptes reversibles „Stunning“ des Herz- und Skelettmuskels und passagere
„Cardiac Fatigue“ beschrieben, die keine gesundheitlich nachteiligen Folgen
zeitigen. Alternativ kommt ein erhöhter Druckgradient vor dem rechten Herzen und
im rechten Vorhof während des Laufs als Ursache in Frage. Die eigentlichen
Ursachen dieser Reaktion der Muskelzellen des Skelettes und des Myokards – seien
sie nun hämodynamischer oder biochemischer Art – sind gegenwärtig aber
eigentlich noch unerkannt.
Autor:
A. Niessner, S. Ziegler, J. Slany, E. Billensteiner, W. Woloszczuk, M.M.Müller,
G. Geyer
So harmlos die Aussage auch anmutet, sie wird für Läufer spätestens dann wirklich wichtig, wenn schon nach ein paar Kilometern die Schienbeine stechen und die Achillessehne schmerzt.
"Wir haben herausgefunden, dass ein Sportler den Schuh am liebsten mag, mit dem er sich wie beim Barfußlauf bewegen kann", erläutert der Würzburger Sportorthopäde Markus Walther, der für seine Forschung jetzt mit dem mit 7500 Euro dotierten Michael-Jäger-Preis der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin ausgezeichnet wurde.
"Die Passform ist dabei das Schlüsselkriterium", sagt Walther.
Die Dämpfungseigenschaften eines Schuhs sind demnach gar nicht so wichtig, denn der menschliche Körper ist so konstruiert, dass er den Aufprall des Fußes beim Laufen gut selber abfängt.
Vor allem das Abknicken des Fußgelenks nach innen, die so genannte Pronation, dämpft von Natur aus jeden Schritt.
"Wenn ein Schuh gut passt, sagt der Läufer, der Schuh ist gut gedämpft, egal wie hart die Sohle ist", erklärt Walther.
Rutscht dagegen die Ferse im Schuh, wird der körpereigene Dämpfmechanismus ausgebremst, und es kommt zu Belastungsschäden, die jeder Läufer in Form von Shin Splints (Schienbeinschmerzen) oder Runner's Knee kennt. Ob ein Schuh die Ferse stabilisiert, kann man in der Video-Laufbandanalyse nicht erkennen. Das wisse ganz allein der Läufer, und der solle sich auf dieses Gefühl verlassen, rät Walther.
Nun sind viele Läufer nicht so jung und gesund, wie die 36 Teilnehmer der Würzburger Studie, und die meisten rennen auch nicht auf einem Band, sondern auf Teer. "Wenn ich daran denke, wie viele ältere Männer sich aus Angst vor Herzinfarkt die alten Turnschuhe anziehen und dann die Gelenke kaputt machen, wird mir angst und bange", berichtet Professor Dietmar Luppa vom Institut für Sportmedizin in Leipzig. Es komme nicht nur auf den Schuh, sondern auch auf den Zustand der Gelenke an. Seien die Knorpel kaputt, rette auch der Schuh nicht mehr viel, so Luppa.
Egal, was ein Laufschuh kostet - solange er rutscht, schadet er mehr als das Retro-Modell aus den Achtzigern, das trotz seines Alters perfekt sitzt. Die Sportschuhhersteller beginnen umzudenken und passen Laufschuhe den Fußgegebenheiten an.
So ist zum Beispiel seit längerer Zeit jedes Modell eines englischen Herstellers in verschiedenen Leistenbreiten erhältlich.
Nur Menschen mit Spreizfüßen werden den idealen Schuh nicht finden - für
sie gibt es bislang einfach noch kein Modell, das an Zehen und Ferse passt.
02. August 2003 http://morgenpost.berlin1.de
NEU-ISENBURG (ts).Wer gerne und viel joggt, muß sich immer wieder neue Laufschuhe kaufen, da die alten nicht mehr dämpfen oder verschlissen sind. Und Kollegen, die Sportler medizinisch betreuen, werden immer wieder gefragt, was denn der richtige Laufschuh sei.
Da die Auswahl an Laufschuhen groß ist, hat, wer die Wahl hat, leider auch die Qual. Denn was ist der richtige, der passende Laufschuh? Welcher Schuh führt nicht mit der Zeit zu einem Überlastungssyndrom, etwa an der Achillessehne? Um nur ein Beispiel dafür zu nennen, was Folge einer falschen Schuh-Wahl sein kann. Vor allem Sportler mit Fuß-Fehlstellungen, etwa einem Senk-Spreizfuß, müssen da schon genau überlegen. Weder der teuerste Schuh noch der Schuh, der gerade in ist und am besten gefällt, ist immer und für jeden Läufer der richtige. Der richtige Schuh ist der, in dem sich ein Läufer wohl fühlt, den er als komfortabel empfindet, der paßt. Das ist, kurz und sicher stark vereinfacht, das Fazit biomechanischer Untersuchungen sowie der Befragung von 36 Sportlern mit Hilfe speziell entwickelter Fragebogen. Mit diesen Untersuchungen hat sich der Orthopäde Privatdozent Markus Walther vor zwei Jahren an der Universität Würzburg habilitiert. Und dieses Jahr ist er für seine Arbeit mit dem Michael-Jäger-Preis 2003 geehrt worden. Der mit 7500 Euro dotierte Preis wird gemeinsam von der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin und dem Unternehmen Orthotech ausgelobt. Unterstützt wurde der Orthopäde bei seinen Untersuchungen von dem Sportartikel-Hersteller adidas. Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchungen von Walther ist: Die Dämpfung des Laufschuhs hat keineswegs eine so große Bedeutung wie oft angenommen oder behauptet. "Insbesondere", so Walther, "besteht kein Zusammenhang zwischen Dämpfungseigenschaften und subjektiver Beurteilung der Schuhe". Übrigens: Bereits nach einer Laufleistung von nur 200 Kilometern hat nach Angaben von Walther ein Laufschuh etwa ein Drittel seiner Dämpfungskapazität verloren. 200 Kilometer läuft ein engagierter Freizeit-Sportler in weniger als zwei Wochen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Durch aktive Muskelarbeit dämpfen Läufer selbst die beim Laufen auftretenden Stöße. Es gibt also ein effizientes körpereigenes Dämpfungssystem. Ein komfortabler Schuh muß daher keine besonders gute Dämpfung haben, sollte aber das körpereigene Dämpfungssystem möglichst wenig behindern. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen, so Walther, "deuten klar darauf hin, daß nicht der Schuh mit der besten Dämpfung vom Läufer bevorzu gt wird, sondern derjenige, der die natürlichen Dämpfungsmechanismen am wenigsten irritiert." Und in sämtlichen Befragungen werde von Läufern die Paßform als wichtigstes Kriterium für den Schuhkomfort gesehen. Walther: "Die Paßform hat einen großen Einfluß auf die Rückfußkontrolle, die Pronation und damit die körpereigene Dämpfung und bestimmt entscheidend den Komfort im Schuh." Ärzte Zeitung, 29.09.2003
Vibrierende Einlegesohlen zur Gleichgewichtskontrolle
für ältere Menschen
LONDON. Die Verwendung von vibrierenden Einlegesohlen könnte älteren Menschen
helfen, das körperliche Gleichgewicht zu halten und dadurch die Anzahl von
Knochenbrüchen infolge von Stürzen vermindern, berichten James J. Collins et
al. vom Department of Biomedical Engineering, Center for BioDynamics, Boston
University, Boston, USA im Lancet (2003; 362: 1123–1124).
Die Somatosensorik, erklären die Autoren, werde mit zunehmendem Alter
schlechter. Dies sei assoziiert mit einer Beeinträchtigung des körperlichen
Gleichgewichts. Bei 15 jungen Menschen (Durchschnittsalter 23 Jahre) und
zwölf ältere Menschen (Durchschnittsalter 73 Jahre) untersuchten die
Wissenschaftler, ob eine Stimulation des somatosensorischen Nervensystems
mithilfe von vibrierenden Einlegesohlen die Haltungskontrolle verbessert.
Dazu wurden randomisiert einige Studienteilnehmer während 30 Sekunden
dauernden Testphasen, in denen sie mit geschlossenen Augen ruhig stehen
mussten, mechanisch über Einlagesohlen stimuliert, die Kontrollen erhielten
keine Stimulation.
Ältere Personen, die Einlagesohlen trugen, konnten deutlich besser das
Gleichgewicht halten, und auch jüngere Probanden mit Einlegesohlen schwankten
weniger als die Kontrollen. Das Ausmaß der Haltungskontrolle von jüngeren
Teilnehmern wurde von den Älteren dann erreicht, wenn diese durch
Einlagesohlen somatosensorisch stimuliert wurden. (07.10.2003) DEUTSCHES
ÄRZTEBLATT
Untersuchung WS Standards der Sportmedizin
Schuhe & Einlagen Jahrgang 55, Nr. 3 (2004) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR
SPORTMEDIZIN 81
F. Mayer, S. Müller, A. Hirschmüller, H. Baur
Evidenzbasierte Konzepte der Schuh- und Einlagenversorgung
im Laufsport –
Grundlagen für die ärztliche Beratung
Medizinische Klinik, Abteilung Rehabilitative und Präventive
Sportmedizin, Universitätsklinik Freiburg
Standards der Sportmedizin Untersuchung WS Schuhe & Einlagen
82 DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 55, Nr. 3 (2004)
Zusammenfassung
Die Optimierung der Schuh- und Einlagenversorgung im Sport ist als
Interventionsmöglichkeit in der Behandlung laufsportspezifischer Beschwerden
anerkannt. Der präventive Einsatz ist dagegen derzeit wissenschaftlich nicht
belegt. Als sinnvolle Empfehlung ist ein geringer Abstand zwischen Ferse und
Boden bei hoher Rückfußstabilität und einem flachen Dämpfungssystem
zu nennen. Günstig erscheint zudem ein Neutralschuh mit hoher Flexibilität
im Vorfuß. Empfehlenswert ist ferner, mehrere Modelle gleichzeitig
einzusetzen. Eine Einschränkung der Pronation ist nicht grundsätzlich zu
befürworten. Als Begründung der nachweisbaren therapeutischen Wirkung ist
eine mechanische Betrachtungsweise nur zum Teil ausreichend. Aktuelle Daten
deuten auf eine hohe Bedeutung sensomotorischer Einflussgrößen hin.
Einleitung
Aktuelle epidemiologische Daten zeigen eine Zunahme des Anteils von
Laufsportlern an der Gesamtbevölkerung auf rund 12.5% bis 25%. Darüber
hinaus wird derzeit davon ausgegangen, dass rund 3 Mio. leistungsorientiert
Laufsport betreiben. Dadurch hat zwar auch die absolute Anzahl an
Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates zugenommen, dennoch ist der
Schweregrad im Vergleich zu anderen Sportarten gering. Angaben über jährlich
auftretende Beschwerden schwanken dabei zwischen 24 und 65 % (4). In aller
Regel sind laufspezifische Beschwerdebilder einer konservativen Therapie gut
zugänglich. Besondere Berücksichtigung finden hierbei die lokale und/oder
systemische medikamentöse Behandlung, die physikalische
bzw. Physiotherapie und die Optimierung der Schuh- und Einlagenversorgung.
Ein präventiver Einsatz dieser Behandlungsformen wird dagegen kontrovers
diskutiert. Der überwiegende Teil der Behandlungsformen basiert auf Empirie.
Zum Großteil liegt dies allerdings nicht an einer fehlenden oder nicht
nachweisbaren Wirksamkeit, sondern meist an einer unzureichenden Qualität
der Untersuchungen, zumindest nach den derzeitig gültigen Kriterien der
evidenz-based medicine (2). Somit fehlt momentan eine ausreichende
Effizienz, um eindeutig festzulegen, welche Behandlungsmethode am
Sinnvollsten ist (2). Als Folge davon werden meist mehrere Verfahren mit
hoher Kosten- und Zeiterfordernis kombiniert angewandt.
Einfluss der Schuh- und Einlagenversorgung
Sowohl in der täglichen Praxis als auch in wissenschaftlichen Untersuchungen
wird Schuhwerk als ein Einflussfaktor für die Auslösung von Beschwerden
angesehen. Deshalb wird der Schuh- und Einlagenversorgung eine
therapeutische, häufig aber auch eine präventive Wirkung zugeschrieben (5).
Allerdings scheint der wissenschaftliche Nachweis hierfür bis dato nicht
abschließend gelungen. Oft wird angenommen, dass eine ungenügende Dämpfung
beschwerdeauslösend wirkt. Bezüglich knöcherner Stressreaktionen des
Unterschenkels ist der positive Einfluss der Dämpfung im Schuh bereits
nachgewiesen, allerdings steht das notwendige Ausmaß nach wie vor zur
Diskussion (1). Bei den aktuell verfügbaren Schuhmodellen ist in aller Regel
von einer ausreichenden Dämpfung auszugehen. Wird eine vermehrte Dämpfung
dagegen über eine Erhöhung des Abstandes zwischen Boden und Ferse erreicht,
können sekundär vermehrte Belastungsreaktionen z.B. der Achillessehne
beobachtet werden. Diskutiert wird ein erhöhter Stabilisationsbedarf,
ähnlich wie bei Läufen auf unebenem Terrain. Folglich ist eine geringe
Bauhöhe mit Stabilität im Rückfuß bei erhaltenem Dämpfungssystem als
sinnvolle Forderung an einen Schuh bzw. eine Einlage zu formulieren. Die
beschwerdeauslösende Rolle der Pronationsbewegung ist aufgrund der aktuellen
Datenlage fraglich. Je nach Autor wird einerseits eine Zunahme lauftypischer
Beschwerden bei erhöhtem Ausmaß der Pronation um bereits wenige Grad
beschrieben. Andererseits ist bekannt, dass rund die Hälfte der Läufer mit
exzessiver Pronation nicht über Beschwerden klagen. Klinische Daten zeigen
zudem, dass Patienten überwiegend stabile Schuhe mit medialen
Pronationsstützen tragen. Häufig lässt sich deshalb bereits durch eine
Reduktion der Pronationseinschränkung eine Beschwerdereduktion erreichen.
Als Ausgangspunkt ist daher eine neutrale Schuhausrichtung gerechtfertigt,
die dann schließlich anhand des Verlaufes spezifiziert werden kann. Weitere
Einflussfaktoren sind das Alter des Schuhs und die Frage nach einer
Adaptation an ein singuläres Modell. Interessanterweise können neue
Laufschuhe verletzungsreduzierend, aber auch als fördernder Einfluss wirken
(4). Entscheidend ist dabei offensichtlich die Fähigkeit des Sportlers, sich
an die jeweilige Situation im Schuh im Sinne einer sensomotorischen
Lernfähigkeit anzupassen. Als konsequente Folgerung daraus lässt sich
ableiten, dass der Einsatz verschiedener, parallel genutzter Schuhe sinnvoll
ist.
Therapie und Prävention
Eine aktuelle Metaanalyse von insgesamt 118 Studien zur präventiven
Wirkung einer Schuh- und Einlagenversorgung fand lediglich 12 kontrollierte,
klinische Untersuchungen mit einer Interventionsdauer zwischen 8 und 20
Wochen (5). Die Analyse von 187 Probanden und 203 Läufern als Kontrollgruppe
ergab dabei keinen nachweisbaren Effekt einer Schuhanpassung. Ähnliche
Ergebnisse fanden sich bezüglich einer präventiven Einlagenwirkung.
Überprüft wurde die präventive Wirksamkeit von Fersenpolster/Fersenkeil,
Neopren- und Polyurethaneinlagen
an einer gepoolten Population von 716 Probanden und 2803 Kontrollpersonen.
Dem entgegen scheint der therapeutische Einfluss einer optimierten Schuh-
und Einlagenversorgung unumstritten. Allerdings gelingt eine differenzierte
Zuordnung isolierter Funktionselemente zu einem Beschwerdebild nur
unzureichend valide. Dennoch zeigen prospektive Daten eine Wirksamkeit – in
aller Regel quantifiziert als Schmerzminderung – in 50-70% der Fälle.
Die Begründung der Wirksamkeit einer Optimierung der Schuh- und
Einlagenversorgung wird kontrovers diskutiert. In der Vergangenheit stand
eine mechanische Betrachtungsweise im Vordergrund, weshalb eine „Ausrichtung
des Skeletts“ als vorherrschendes Ziel formuliert wurde. Fraglich ist dabei,
ob durch Schuhe und Einlagen tatsächlich auf knöcherne Strukturen und
Segmentbewegungen unter dynamischen Bedingungen Einfluss genommen werden
kann. Aktuelle Daten anhand von in den Knochen eingebrachten pins zeigen,
dass unterschiedliche
Sohlenkonstruktionen nur geringe und unsystematische Effekte auf
tibiocalcaneare Bewegungen auslösen. Zudem ergaben sich nur geringe und
unsystematische Effekte durch medial verortete Einlagen- und Schuhelemente
(3). Somit muss derzeit für den Bereich des Sports formuliert werden, dass
evidenzbasierte Studien keine allein mechanische Effizienz unterschiedlicher
Schuhmodelle feststellen. Der Einsatz von Einlagen und Schuhen zur Reduktion
von Verletzungen und Beschwerden ist somit allenfalls nur zum Teil auf der
Basis einer Skelettausrichtung und Achskorrekturen erklärbar (5). Neuere
Arbeiten befassen sich zunehmend mit einer möglichen sensomotorischen
Wirkung im Sinne einer Modulation des afferenten Inputs mit folgender
neuromuskulären Antwort. Erste viel versprechende Ergebnisse zeigen dabei
die Möglichkeit einer zielgerichteten Beeinflussung.
Beratung und Empfehlung
Unter Anbetracht der derzeitigen Datenlage ist zusammenfassend zu
folgern, dass die Bedeutung der Schuhkonstruktion meist überschätzt wird.
Nachgewiesen ist eine Reduktion von knöchernen Stressreaktionen durch
Schockabsorption, wobei das optimale Ausmaß zwar nach wie vor ungeklärt ist,
ein entsprechendes Dämpfungssystem bei geringer Distanz zwischen Ferse und
Boden jedoch obligat bleibt. Einem Laufsportler sollte empfohlen werden,
mehrere Modelle gleichzeitig zu verwenden, um ein möglichst hohes Maß an
sensomotorischer Adaptationsfähigkeit zu erhalten und/oder zu schulen.
Grundsätzlich scheint ein bodennaher, rückfußstabiler, vorfußflexibler und
möglichst neutraler Laufschuh sinnvoll. Die Haltbarkeit hängt dabei
einerseits vom Laufumfang, andererseits vom getragenen Modell ab. Häufig ist
ein Ersatz einmal jährlich notwendig. Bei bereits bestehenden Beschwerden
kann eine Optimierung der Schuh- und Einlagenversorgung sinnvoll sein, ist
allerdings dem Einzelfall anzupassen. Eine grundsätzliche Einschränkung der
Pronation ist dabei nicht sinnvoll. Darüber hinaus ist der Sportler über
eine Zunahme der Beschwerdehäufigkeit ab einem Wochenumfang von mehr als 32
Laufkilometern und die Bedeutung von Vorverletzungen aufzuklären.
Literatur
1 Gillespie WJ, Grant I: Interventions for preventing and treating stress
fractures and stress reactions of bone of the lower limbs in young adults (Cochrane
Review). In: The Cochrane Library, Issue 1 (2004) Chichester, UK: John Wiley
& Sons, Ltd.
2 McLauchlan GJ, Handoll HHG: Interventions for treating acute and chronic
Achilles tendinitis (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 1
(2004) Chichester, UK: John Wiley & Sons, Ltd.
3 Stacoff A, Reinschmidt C, Nigg BM, van den Bogert AJ, Lundberg A, Denoth
J, Stüssi E: Effects of shoe sole construction on skeletal motion during
running. Med Sci Sports Exerc 33 (2001) 311-319.
4 Taunton JE, Ryan MB, Clement DB, McKenzie DC, Lloyd-Smith DR, Zumbo BD: A
prospective study of running injuries: the Vancouver Sun Run „In Training“
clinics. Br J Sports Med 37 (2003) 239-244.
5 Yeung EW, Yeung SS: Interventions for preventing lower limb soft-tissue
injuries in runners (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 1
(2004) Chichester, UK: John Wiley & Sons, Ltd.
Korrespondenzadresse:
Priv.-Doz. Dr. Frank Mayer
Med. Klinik, Abteilung Rehabilitative und
Präventive Sportmedizin
Universität Freiburg
Hugstetter Str. 55
D-79106 Freiburg
Tel.: 0049/761/270-7473
Fax: 0049/761/270-7470
e-Mail: mayer@msm1.ukl.uni-freiburg.de
Sportmediziner entwickeln Schuh zur
Verminderung
von Achillessehnenbeschwerden im Laufsport
Laufen ist ein Volkssport geworden. Umso wichtiger ist der richtige
Laufschuh, abgestimmt auf den jeweiligen Läufer und seinen "Laufstil", um
nachfolgende Beschwerden zu vermeiden. In den letzten Jahren gab es im
Laufschuhbereich einen starken Trend hin zu Stabilitätslaufschuhen. In der
Regel soll die Stabilität durch zwei Härten in der Zwischensohle und mediale
Stabilisatoren im Obermaterial erreicht werden. Untersuchungen der
Sportmedizin des Universitätsklinikums Tübingen zeigen jedoch, dass diese
Art der Stabilisierung häufig nicht funktioniert.
In zwei großen klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Läufer
mit dem neuen Stabilitätsprinzip weniger Beschwerden an der Achillessehne
bekommen als Läufer, die die herkömmliche Technologie verwenden. Der von den
Tübinger Sportmedizinern zusammen mit Nike entwickelte neue Laufschuh
Nike Air Cesium arbeitet daher nach einem anderen Prinzip als
herkömmliche Stabilitätslaufschuhe.
Achillessehnenbeschwerden
Achillessehnenbeschwerden können aus biomechanischer Sicht zwei Ursachen
haben: eine Überpronationsbewegung in der Auftreff- und Standphase (75 % der
Fälle), die zu Beschwerden im Bereich des Begleitgewebes und der Sehne
selber (5-6 cm über dem Ansatz startend) und eine verstärkte
Supinationsbewegung im Abstoß (25 % der Fälle), die zu Beschwerden im
Ansatzbereich der Sehne führt.
Stabilitätslaufschuhe
In den letzten Jahren gab es im Laufschuhbereich einen starken Trend hin zu
Stabilitätslaufschuhen. In der Regel soll die Stabilität (Pronationskontrolle)
durch zwei Härten in der Zwischensohle ("Dual-Density", medial härter) und
mediale Stabilisatoren im Obermaterial erreicht werden. Untersuchungen der
Sportmedizin des Universitätsklinikum Tübingen zeigen jedoch, dass diese Art
der Stabilisierung häufig nicht funktioniert, da der Abrollvorgang ("Überpronation")
vom weichen Obermateri al nicht aufgehalten wird und der härtere mediale
Bereich der Zwischensohle zu spät (oder gar nicht) zum Tragen kommt.
Neuentwicklung für Läufer mit verstärkter Pronationsbewegung
Ziel der Entwicklung des Air Cesium war, Läufern, die eine verstärkte
Pronationsbewegung ("Überpronation") zeigen, zu helfen, ihren Sport trotzdem
ohne Verletzungsrisiko ausüben zu können. Der neue Schuh arbeitet nach einem
anderen Prinzip als herkömmliche Stabilitätslaufschuhe ("Dual-Density"),
indem er die Pronationsbewegung und die Pronationsgeschwindigkeit frühzeitig
(mit Beginn des Fußaufsatzes) kontrolliert bzw. stabilisiert, was
letztendlich zu einem neutraleren Abrollverhalten führt.
Klinische Studien
In zwei großen klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Läufer
mit dem neuen Stabilitätsprinzip des Air Cesium weniger Beschwerden an der
Achillessehne bekommen als Läufer, die die herkömmliche Dual-Density
Technologie verwenden. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass bei Läufern mit
Beschwerden schon nach einer 4-wöchigen Tragezeit des Air Cesium die
Beschwerden deutlich reduziert werden konnten.
Durch einen 3-Grad-Varus Keil in der Zwischensohle, einem Crash-Pad in der
Ferse, einer integrierten Stabilisierung im Obermaterial der Ferse sowie
durch eine zusätzliche Fixierung des Obermaterials im Mittelfuß wird die
Ferse und der Abrollvorgang von Beginn an stabilisiert und somit die
Pronation- und die Pronationsgeschwindigkeit effektiv kontrolliert. So macht
der Air Cesium den Einsatz von Dual-Density überflüssig.
Obermaterial:
o Medialer Zügel (Zuggurtsystem) zur Fixierung der Mittelfußes
o Integrierte Stabilisierung im Fersenbereich zur Fixierung des Fersenbeins
direkt nach dem Auftreffen auf den Boden
Zwischensohle/Außensohle:
o 3-Grad-Varus Keil zur frühzeitigen Stabilisierung des Abrollvorgangs
o Windlass-Mechanismus (WARP) zur Stabilisierung des Abrollvorgangs
("Reduktion der Pronation und der Pronationsgeschwindigkeit") und für einen
effektiveren Abstoß
o Vergrößertes PU-Crashpad zur Stabilisierung des Abrollvorgangs ("Reduktion
der Pronation und der Pronationsgeschwindigkeit") mit dem Aufsetzen auf den
Boden
o Zoom-Air Technologie für eine optimale Dämpfung bei gleichzeitiger
Stabilisierung des Abrollvorgangs
o Waffelsohlenprofil
Leisten:
o QD 23 Leisten mit engem Fersen- und Mittelfußsitz und etwas breiterem
Vorfuß
o Gebogener Leisten (von Nike Free übernommen) für guten Tragekomfort und
perfekte Passform
Ansprechpartner:
Universitätsklinikum Tübingen, Medizinische Klinik, Sportmedizin
Dr. Stefan Grau
Stefan.Grau@med.uni-tuebingen.de
Quelle: Universitätsklinikum Tübingen 28.11.2005 Infos für Ärzte
http://www.journalmed.de