GELENK- UND WIRBELSÄULENSCHÄDEN IM SPORT
KNIE und Knorpel

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Verletzungen im Sport.
von Lars Peterson, Per Renström
Preis: EUR 34,76
Gebundene Ausgabe
488 Seiten - Dt. Ärzte-Vlg., Köln
Erscheinungsdatum: 1998
Auflage: 2., völlig neubearb. Aufl.
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Power für die Gelenke.
Arthrose: Schmerzfrei durch Biostoffe.

von Michaela Döll
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      Therapielexikon der Sportmedizin. Behandlung von Verletzungen des Bewegungsapparats
von Stephan Maibaum, Markus Braun,
Bernd Jagomast, Karel Kucera
Preis:  EUR 40,85
Gebundene Ausgabe
- 250 Seiten
Erscheinungsdatum: Januar 2001
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Internet-Selbsthilfegruppe von Arthrose-Betroffenen mit über 20.000 Mitgliedern. Das Selbsthilfeforum bietet - von Betroffenen für Betroffene - Erfahrungen aus erster Hand. Eine Grundlage für unseren Erfahrungsaustausch spielt dabei das von uns gepflegte Arthrose-Therapie-Verzeichnis mit mehr als 130 Arthrose-Therapien.
Bei unseren Recherchen im Internet zum Thema rheumatische Erkrankungen, Selbsthilfe und Behinderung fanden wir auch Einträge in Ihrer Website. Wir sind uns deshalb sicher, dass auch Ihnen das Wohl der Arthrosekranken am Herzen liegt.
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Sportverletzungen des Kniegelenks     Schäden durch Sport    Sportverletzungen

Das Knie ist bei Sportverletzungen das am häufigsten betroffene Gelenk. Es kann sowohl durch einen direkten Schlag bei Kontaktsportarten wie Fussball, Handball, Eishockey wie auch ohne Einwirkung des Gegners bei Ski- und Snowboardsport, Volleyball, Tanzen durch eine Verdrehung verletzt werden. Neben akuten Verletzungen kommen chronische Schäden vor, die durch eine Überbeanspruchung entstehen.

Freizeitsport / In Studie wurde untersucht, wann ein Marathonlauf zu Veränderungen im
Kniegelenk führen kann      Marathon - Teilnehmer sollten gesunde Knie haben 

München (wst). Der Marathonlauf wird zunehmend zum Volkssport, und immer öfter stellt sich damit auch die Frage, inwieweit ein Mensch seinem Kniegelenk eine solche Belastung zumuten kann.  Eindeutig darauf zu antworten ist schwer, da bisher vorliegende Studien zu widersprüchlichen Resultaten gelangt sind. Sowohl
akute als chronische Effekte betreffend, wird demnach - Menschen mit noch nicht vorgeschädigten Knien vorausgesetzt - exzessives Laufen von harmlos bis gonarthrosefördernd eingestuft, hat Dr. Karl-Heinz Kristen vom Donauspital in Wien auf dem 15. Jahreskongreß der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin in München erklärt. Kristen und seine Arbeitsgruppe haben nun 20 erfolgreiche Teilnehmer des Wiener Stadtmarathons im Alter zwischen 26 und 48 Jahren kernspintomographisch zwei bis sechs Wochen vor und nach dem Ereignis untersucht, inwieweit schon ein Extremlauf zu suspekten Veränderungen im Kniegelenk führen kann.  Wie Kristen sagte, waren sämtliche Freizeitsportler vor dem Lauf zwar ohne subjektive Kniebeschwerden. Im MRT-Vorbefund waren jedoch bei sechs Läufern Meniskusläsionen, bei fünf Läufern Knorpelschäden und bei weiteren fünf Läufern sogar ein Knochenmarködem im Sinne einer subchondralen Streßreaktion entdeckt worden. Die Bänder waren im MRT bei allen Patienten unauffällig. Die gesunden Kniegelenke waren auch nach dem Lauf noch völlig intakt. Weder vorbestehende Meniskusläsionen noch Knorpelläsionen ließen Verschlechterungstendenzen im MRT erkennen. Aber bei drei der fünf Läufer mit den Knochenmarködemen hatte sich der Zustand nach dem Lauf deutlich verschlechtert. Kristen riet, Patienten mit solchen Vorschäden sollte deshalb auch bei klinischer Beschwerdefreiheit von Marathon- und anderen Extremläufen abgeraten werden.   Ärzte Zeitung, 22.08.2000  


Schäden durch Sport

Radeln unter Wasser - und der Kreuzbandriß heilt doppelt so schnell
Der Muskelwiderstand ist dabei im Vergleich zur Standard-Rehabilitation geringer
NÜRNBERG (bag). Durch Fahrradfahren unter Wasser können Patienten mit einem Kreuzbandriß fast doppelt so schnell ihr verletztes Bein wieder normal bewegen wie Patienten, die mit Standardmethoden therapiert wurden. Nur sechs Wochen dauert es, bis Patienten, die unter Wasser radeln, das Bein wieder ganz strecken und sieben Wochen, bis sie es wieder ganz beugen können.  Dies hat Dr. Martin von Kathen von der Orthopädischen Universitätsklinik in Bochum berichtet. Der Ansatz, mit dem Rad unter Wasser die Patienten zu therapieren, habe sich aus dem erfolgreich  praktizierien Training auf dem Standfahrrad und dem Aquajogging ergeben, sagte von Kathen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Durch die Führung über die Radpedale sei es für die Patienten  offenbar leichter, das Bein schneller zu strecken. Den Kühlungseffekt im Wasser sowie den Auftrieb und   das damit verbundene Gefühl der Schwerelosigkeit nannte von Kathen als Hauptgründe für das  positive Ergebnis. Außerdem verspürten die Patienten keine akuten Schmerzen. Bei der Standardtherapie sei der Widerstand durch die Versteifung und Verkürzung der Muskeln und Sehnen aufgrund der Immobilisierung im Anschluß an die Operation offenbar größer. "Auch wir haben nach den Wochenenden ohne Training mit dem Unterwasserfahrrad leichte Rückschritte festgestellt", sagte von Kathen. Für ihn ist dafür die Schonhaltung, die der Patient automatisch einnimmt, die Ursache.  Die Patienten radelten drei bis fünf Mal pro Woche auf einem nicht rostenden Gerät, das auf die Bedürfnisse des Patienten einstellbar ist. Neben der schnelleren Mobilisation gelang es bei den Unterwasser-Fahrradfahrern auch, den Kniegelenkerguß im Behandlungszeitraum zu beseitigen,  während bei der Kontrollgruppe am Ende der Therapie eine Seitendifferenz von einem halben Zentimeter bestand.


A. Rohlmann 1 , H.-J. Wilke 2 , H. Mellerowicz 1 , F. Graichen 1 , G. Bergmann 1
Belastungen der Wirbelsäule im Sport
1 Orthopädische Klinik der Freien Universität Berlin 2 Institut für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik, Universität Ulm
Zeitschrift für Sportmedizin 4/2001 
Zusammenfassung
Die Wirbelsäule wird in verschiedenen Sportarten sehr unterschiedlich belastet. Degenerative Veränderungen können infolge von Leistungssport entstehen, wie auch durch Überbelastungen im Freizeit- und Breitensport. Eine direkte vollständige
Messung der Belastung ist bisher aber
noch nicht möglich, obwohl verschiedene Ansätze und Methoden zur Belastungsermittlung bisher beschrieben wurden. Die umfangreichsten Messergebnisse liegen für den intradiskalen Druck (Belastung der Bandscheiben)
und für die Belastung
von Implantaten zur Stabilisierung der Wirbelsäule vor. Die mit diesen  Methoden ermittelten Belastungen bei unterschiedlichen Bewegungsabläufen  werden ausführlicher dargestellt. Um die Werte miteinander vergleichen zu können, wurden sie auf die Belastung beim Stehen bezogen. Geringe Wirbelsäulenbelastungen wurden gemessen bei Übungen im
Liegen, im Vierfüßlerstand sowie bei jenen Ausnahmefällen, wo im Bereich
des Oberkörpers überwiegend eine Zugkraft
wirkt, wie z.B. beim
Hängen mit den Händen an der Sprossenwand. Die ventrale Flexion des Oberkörpers, das Anheben
und Tragen von Gewichten sowie Übungen,
bei denen die Oberkörpermasse stark beschleunigt bzw. abgebremst wird, wie beispielsweise Joggen, Seilspringen und Trampolinspringen, führen dagegen zu hohen Wirbelsäulenbelastungen
Sportarten mit hohen
  Wirbelsäulenbelastungen sollten von Leuten mit starken Wirbelsäulenbeschwerden und nach Wirbelsäulenoperation möglichst nicht  oder, nach einer ausreichenden muskulären Stabilisierung, nur sukzessive  ausgeübt werden.

Belastungswerte bezogen auf den Wert für das Stehen (100%).
Leichtes Springen auf dem Trampolin verursachte einen maximalen intradiskalen Druck von 240%, während für das hohe Springen der entsprechende Wert auf  380% anstieg. 
Der höchste intradiskale (Belastung der Bandscheiben) Druck hatte einen Wert von 460% und wurde für das Anheben
eines
Getränkekastens von 19,8 kg Gewicht gemessen. 
Das
Halten des Kastens in Brusthöhe nahe am Körper verursachte einen Druck von 220%, während das Halten des Getränkekastens in einem Abstand von 60 cm vom Brustkorb den Wert auf 360% ansteigen ließ .
Beim Gehen schwankte der intradiskale Druck zwischen 80% und 130%. Die Gehgeschwindigkeit hatte nur einen geringen Einfluss auf den Druck in der Bandscheibe. Der Maximalwert für die Fixateurbelastung betrug beim Gehen etwa 128% bezogen auf den Wert für das Stehen. 
Die Gehgeschwindigkeit
hatte auch auf die Implantatbelastung nur einen geringen Einfluss (22). 
Jogging mit Tennisschuhen verursachte
einen maximalen intradiskalen Druck von 170%, während Jogging mit 8 km/h die Belastung der Fixateure im Vergleich zum Gehen um etwa 10% erhöhte. 
Die gesamte Studie


37. Deutscher Kongress für Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda
Arthrose und Sport

Stürz H

Orthopädische Universitätsklinik der J. Liebig-Universität, Gießen
Sportmedizin beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Bewegung und Bewegungsmangel auf den gesunden und kranken Organismus jeder Altersstufe.Vor diesem Hintergrund kommt der Arthrose zweierlei Bedeutung zu. Sie ist einerseits die Folge körperlicher und sportlicher Aktivität, andererseits kann sie diese aber verhindern und damit den speziellen gesundheitlichen Schaden am Gelenk zum allgemeinen Gesundheitsrisiko für den Betroffenen machen. Unter Arthrose versteht man gemeinhin den Verschleiß des Gelenkknorpels und die darauffolgende Zerstörung des Gelenkes durch mechanische Einwirkungen. Diese werden quantitativ als Überbeanspruchung und qualitativ als Fehlbeanspruchung verstanden. Verletzungen und Erkrankungen der Gelenke münden ebenfalls in das funktionelle Versagen und es gibt die primäre Minderbelastbarkeit der Gelenke durch genetische Vorgaben. Sport kann die Entstehung der Arthrose durch sportartspezifische Verletzungen sowie durch Über- und Fehlbeanspruchungen fördern. Andererseits lebt das Gelenk von der Bewegung und der gezielt eingesetzte Sport kann im Rahmen der Bewegungstherapie zum Gelenkschutz und zur Arthroseprävention eingesetzt werden. Im Leistungssport nehmen Gelenkschäden dem Sportler die Konkurrenzfähigkeit. In der präventiven Bewegungstherapie kann die Arthrose genauso die Rehabilitationsfähigkeit limitieren, etwa bei Herz Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, Übergewicht oder Gefäßerkrankungen und dadurch dem Betroffenen eine wesentliche gesundheitsfördernde Therapiemaßnahme vorenthalten. Die Erkenntnis, dass Bewegungsmangel ebenso nachteilig für die Gelenkfunktion sein kann wie Sport im Übermaß hat die Bedeutung der Bewegungs- und Sporttherapie im Bewusstsein sportmedizinisch tätiger Ärzte verankert. Auch bei erheblichen Gelenkschäden, etwa an Kniegelenken, Hüften oder an der Wirbelsäule lassen sich Bewegungsformen und körperliche Aktivitäten anbieten, die von großem gesundheitlichen Nutzen sind. Daher ist ein „Sportverbot“ mit er Begründung einer Arthrose an Hüften oder Kniegelenken heute kaum mehr vertretbar und eher nachteilig als hilfreich. Wichtige Aufgabe des Sportmediziners ist es, die geeignete Art und Dosis körperlicher Betätigung bei einer Arthroseerkrankung festzulegen und den zweifelsfrei erwiesenen Nutzen der Bewegung für die Gesundheit seiner Patienten einzusetzen.
 

von Jason Theodosakis,
Brenda Adderly, Barry Fox



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Kurzbeschreibung
Dieses Buch birgt eine revolutionäre Neuigkeit im Bereich der Therapie von Arthrose: Anstatt mit immer stärkeren Medikamenten die Schmerzen zu unterdrücken und im schlimmsten Fall die zerstörten Gelenke operativ durch künstliche zu ersetzen, wird in den USA mit großem Erfolg und ohne Nebenwirkungen die tatsächliche Ursache bekämpft. Glucosamine und Chondroitinsulfat sind chemische Substanzen, die im Knorpel selbst vorkommen. Sie können die körpereigenen Stoffe ersetzen, den Zerfall der Knorpelmasse stoppen und zur vollständigen Regeneration führen. Begleitend durchläuft der Arthrose-Patient einen individuellen 9-Stufen-Plan, der in Absprache mit dem behandelnden Arzt die Therapie wirkungsvoll unterstützt. Dieser Band dient Arzt und Patient zur ausführlichen und kompetenten Information.


Glucosamin stoppt Kniearthrose 
In einer prospektiven Doppelblindstudie erhielten 121 Patienten mit primärer Gonarthrose 3 mal tgl. 1500 mg Glucosaminsulfat. Unter Glucosamingabe war kein Knorpelverlust nachweisbar. Es zeigte sich , dass Glucosaminsulfat vor fortschreitender Geleknarthrose schützt und die Beschwerdesymptomatik verbessert.
Reginster JY et al., Lancet 357 (2001) 251-256


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Die Belastbarkeit der Wirbelsäule aus funktionellanatomischer und sportmedizinischer Sicht

Tittel K

Universität Leipzig

Die im Verlauf der letzten zwei bis drei Generationen kontinuierlich gestiegene fernere Lebenserwartung im mitteleuropäischen Bereich - sie beläuft sich gegenwärtig bei 70-Jährigen auf über 10 Jahre, bei 80-Jährigen noch auf 5 (männlich) bzw. 7 (weiblich) Jahre - sowie die sich damit verändernde Bevölkerungsstruktur haben dazu geführt, dass mehr als ein Drittel der Einwohner

unseres Landes über dem Pensionsalter lebt. Morbidität und Mortalität haben sich mehr und mehr in die Lebensspanne zwischen 75 und 90 Jahren verlagert. Das “Altern“ des Menschen als eine Funktion in Zeit und Raum und als ein universelles Merkmal unseres vom persönlichen Verhalten sowie von Umwelteinflüssen geprägten Lebens hat in der Hinwendung der Medizin zu den Altersbereichen ihrer Patienten und deren Krankheitsgeschehen in den letzten 20 Jahren einen spürbaren Wandel ausgelöst. Was hat dazu beigetragen ? Die immer noch zu beobachtende körperliche Unterforderung größerer Teile der Bevölkerung (und hierbei besonders der Älteren) findet ihren Niederschlagunter anderem in dem fortschreitenden, messbaren Verlust an Skelettmuskel- Masse (ab 35. bis 40. Lebensjahr um 3-5 % / Dekade, ab 60. bis 70. Lebensjahr um 8-10 % / Dekade), in einer deutlichen Reduzierung des Muskelfaser-Gesamtquerschnitts und der Muskelfaser-Gesamtzahl (= Verlust an Kraft und damit an Mobilität), in einer Zunahme muskulärer Dysbalancen zwischen Agonisten und Antagonisten sowie in einer gleichzeitigen Abnahme des maximalen Sauerstoff-Aufnahmevermögens (= verminderte Gewebsdurchblutung). Diese funktionellen, biochemischen und strukturellen Maladaptationen an einen bewegungsarmen Lebensstil beschleunigen die involutiven Vorgänge innerhalb der Wirbelsäule. Sie spielen sich vor allem an den Zwischenwirbelscheiben (Verlust an Stoßdämpfer-Funktion), an der Wirbelkörper-Spongiosa (lnaktivitäts-Osteoporose) sowie an den kleinen Intervertebral-Gelenken (osteochondrotische und spondylotische Veränderungen) ab. Sie führen im Erdergebnis zur Insuffizienz und Instabilität der Bewegungssegmente des zentralen Achsenorgans, das den statischen, mechanisch-koordinativen und neuro-koordinativen Anforderungen nur noch in begrenztem Umfang gerecht werden kann. Die mit derartigen degenerativen Prozessen in Zusammenhang stehenden, akut oder chronisch-rezidivierend auftretenden Rückenschmerzen, die in der Regel Ergebnis und Ausdruck eines Missverhältnisses zwischen Belastung und Belastbarkeit sind, führen den Betroffenen in die ärztliche Sprechstunde und lassen ihn häufig zum “Dauerpatienten“

werden. Rückenbeschwerden haben eine multifaktorielle Genese; eine der möglichen Ursachen ist - was wir manchmal vergessen - aufs engste mit unserer Stammesgeschichte verbunden. Der Weg von der stabilen Vierpunkt- zur instabilen ZweipunktUnterstützung mit ständiger Körperschwerpunkt-Verlagerung erfordert zur Aufrichtung und Balance von Rumpf und Kopf viel Haltearbeit, die eine gute Ausdauer-Leistungsfähigkeit voraussetzt. Sie ist jedoch - bezogen auf eine kräftige Muskulatur des Stammes und der unteren Extremitäten - bei vielen, weitgehend untrainierten Personen nicht mehr vorhanden. Das bedeutet, dass unsere, phylogenetisch junge, störanfällige, den Gesetzen der Statik mehr und mehr ausgesetzte Wirbelsäule, die einen optimierten “Kompromiss“ zwischen Stabilität und Flexibilität darstellt, unter Berücksichtigung der kleinen Unterstützungsfläche der Füße und des relativ hochliegenden Körperschwerpunkts einen ständigen “Kampf“ zwischen Schwerkraft und Aufrechterhaltung des Körpers bei den verschiedenen Verrichtungen auszufechten hat. Dies wirft aus funktionell-anatomischer, sportmedizinischer und leistungssportlicher Sicht einige nach wie vor interessante Fragen auf. So beispielsweise zum Zeitpunkt der frühest möglichen, ärztlich vertretbaren Belastung des zentralen Achsenorgans (unter anderem in den kompositorischen Disziplinen), zu unterschiedlichen Belastungsformen der Wirbelsäule im Leistungssport, zur Integration des Achsenorgans in sportliche Ganzkörper-Bewegungsabläufe (Analysen mit Hilfe von Muskelschlingen) sowie zur Gefährdung der Wirbelsäule durch sportartspezifische Verletzungen und Fehlbelastungen. An Hand zahlreicher Beispiele wird im Vortrag dazu Position bezogen. Desweiteren werden Schlussfolgerungen für eine möglichst effektive Gestaltung der Be- und Entlastung der Wirbelsäule abgeleitet.
37. Deutscher Kongress für Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda


Spätschäden am Sprunggelenk bei ehemaligen Hochleistungshoch-, weit- und dreispringern
Schmitt H, Lemke J, Thiele J, Brocai DRC, Parsch D Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg

Problemstellung: Ziel der Studie war es, festzustellen, welche degenerativen Veränderungen an oberen Sprunggelenken bei ehemaligen Spitzensportlern leichtathletischer Sprungdisziplinen mindestens 10 Jahre nach Beendigung der sportlichen Karriere nachzuweisen sind und inwieweit sich Unterschiede zwischen Sprung- und Schwungbein feststellen lassen.
Methode: 69 Athleten der in den Bestenlisten des Deutschen Leichtathletik- Verbandes (DLV) von 1972 – 1986 geführten männlichen Hochspringer (Mindestleistung 2,18m), Weitspringer (Mindestleistung 7,80m) und Dreispringer (Mindestleistung 16,20m) wurden klinisch und radiologisch untersucht. Neben einer sportartspezifischen Erhebung der Trainingsanamnese mit Fragebogen erfolgte die klinische Beurteilung der Beschwerden am Sprunggelenk durch den Freiburger Sprunggelenk-Score und den Score nach Kitaoka, die radiologische Auswertung über den Score nach Bargon, nach Gross und Marti und nach Scranton und MacDermott.
Ergebnisse:
Signifikante Unterschiede zwischen Sprung- und Schwungbein zeigen sich für die Gruppe der Hochspringer in den klinischen Scores (p= 0,001 und p= 0,003). In dieser Gruppe erzielen Athleten, die während ihrer Aktivphase viele Sprünge absolviert haben, schlechtere Score- Werte (p= 0,01). Radiologische Unterschiede zwischen Sprung- und Schwungbein lassen sich in allen Gruppen nicht feststellen. Bei 5 Sprunggelenken des Sprungbeines und 8 Sprunggelenken des Schwungbeines wird eine Arthrose Grad 2 nach Bargon festgestellt. Weitere Korrelationen mit trainingsanamnestischen Daten finden sich nicht.

Schlussfolgerung: Die oberen Sprunggelenke ehemaliger Weit- und Dreispringer zeigen viele Jahre nach Beendigung der Hochleistungsphase nur geringe Verschleißveränderungen ohne Seitendifferenz, bei Hochspringern treten ausgeprägtere Veränderungen am Sprungbein auf, schwerwiegende Arthrosen mit Gelenkspaltverschmälerung treten nur selten auf. Das Arthroserisiko in leichtathletischen Sprungdisziplinen scheint nur gering zu sein.

37. Deutscher Kongress für Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda


Akute und chronische Sportverletzungen des Sprunggelenkes   B. Hintermann Orthopädische Universitätsklinik, Basel

Akute Sportverletzungen des oberen Sprunggelenkes gehören zu den häufigsten Verletzungen überhaupt und dürften 25 bis 40% der in der Praxis behandelten Verletzungen des Bewegungsapparates ausmachen. Am häufigsten liegen Verletzungen des Kapselbandapparates vor. Die genaue Diagnostik wie auch die Behandlung werden heute noch weitgehend kontrovers gehandhabt. Eine sorgfältige klinische Untersuchung ist unerlässlich. Radiologische Stressuntersuchungen sind nicht zuverlässig und deshalb nicht mehr routinemäßig angezeigt. Bei besonders schweren Verletzungen kann zum Ausschluss von Begleitverletzungen eine Kernspintomographie oder auch eine diagnostische Arthroskopie erwogen werden. Bei einer erstmaligen Verletzung hat sich auch beim Sportler eine primär konservativ-funktionelle Behandlung etabliert. Schutz der in Abheilung stehenden Bänder und Verbesserung der koordinativen und propriozeptiven Muskelfunktion sind in jedem Behandlungskonzept vorrangig. Bei schweren Distorsionen des Sprunggelenkes kann es aber auch zu Begleitverletzungen des Knochens und des Knorpels kommen. Während Malleolarfrakturen radiologisch einfach zu diagnostizieren sind, werden Frakturen des Processus lateralis tali (sog. „Snow-board- Injury“), knöcherne Avulsionen des Lig. talonaviculare oder des Lig. bifurcatum wie auch Talusfrakturen allgemein radiologisch häufig erst mittels Computertomographie erkannt. Knorpelverletzungen des Talusrolle hingegen werden am besten im Kenspintomogramm gesehen. All diese Verletzungen sind allgemein als schwerwiegend zu betrachten und bedürfen einer adäquaten, meist operativen Behandlung. Chronische Sportverletzungen des oberen Sprunggelenkes können durch eine ungenügende Ausheilung einer akuten Verletzung resultieren. Wohl am häufigsten ist die chronische Instabilität, die sich auf dem Boden einer ungenügenden Bandheilung entwickelt hat. Kann eine solche mit der Muskelkraft nicht aktiv kompensiert werden, liegt also eine funktionelle Instabilität vor, so wird allgemein zur operativen Stabilisation geraten. Nicht-anatomische Tenodese-Operationen sollten, trotz den vielen positiven Erfahrungsberichten, definitiv abgelehnt werden. Auch wenn die Ergebnisse nach einer anatomischen Rekonstruktion des lateralen Bandapparates viel günstiger erscheinen, sollte die Indikation zur operativen Behandlung nur bei einer residuellen funktionellen Instabilität bei erfolglosen konservativen Massnahmen gestellt werden. Andere chronische Sportverletzungen können ebenfalls infolge ungenügender Ausheilung, oder schon gar nicht primär erkannter Verletzung bestehen und wiederum den Knochen wie auch den Knorpel betreffen. Eine andere Entität stellen chronische Schmerzzustände und verminderte Belastbarkeit des oberen Sprunggelenkes infolge chronische Stressreaktionen, Fehl- und Überlastungen dar. Häufig sind für
eine genaue Diagnosestellung viel Erfahrung gefragt und die Behandlung erst dann erfolgreich, wenn alle zugrunde liegenden Probleme in die Behandlung miteingeschlossen werden.

37. Deutscher Kongress für Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda


Verletzungen und Schäden des Schultergelenkes im Sport

Irlenbusch U          Orthopädische Klinik des Marienstifts Arnstadt

Unter der Vielzahl der Verletzungen und Erkrankungen des Schultergelenkes und Schultergürtels im Sport stehen zwei Gruppen im Vordergrund:

Subakromiale Schmerzsyndrome: In den letzten Jahren erlangte eine funktionelle Betrachtungsweise in der Pathogenese zunehmend an Bedeutung. Danach ist wahrscheinlich ein großer Teil der so genannten „Impingementsyndrome“ entweder auf eine Funktionshypermobilität oder auf eine muskuläre  Dysbalance bzw. Koordinationsstörung zurückzuführen. Die den Gleitraum einengenden mechanischen Faktoren, die bisher vor allem ursächlich angeschuldigt wurden, spielen lediglich eine manifestationsfördernde Rolle, indem sie die Kompensationsbreite des Gelenkes einschränken. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Therapie, insbesondere aber auf die sportartspezifische Prävention. So ist z.B. die so genannte Gleitraumerweiterung beim Instabilitätsimpingement oder dem glenohumeralen Impingement kontraindiziert. Der Schwerpunkt der Therapie hat auf einer Beseitigung der trainingsbedingtenDysbalancen und einer Koordinationsschulung zu liegen. Erst bei Versagen der konservativen Therapie kommen operative Verfahren zum Einsatz. Die prinzipiellen Möglichkeiten werden erläutert. Die Rotatorenmanschettenruptur spielt beim jugendlichen Sportler eine untergeordnete Rolle. Falls sie auftritt, stellt sie eine absolute Operationsindikation dar. Beim älteren Sportler wird die OP- Indikation anhand der üblichen Kriterien gestellt. Arthroskopische und offene Verfahren kommen in Abhängigkeit von Größe, Alter und Beschaffenheit der Defekte zum Einsatz.

Luxationen und Instabilitäten: Die Indikation zur Operation nach traumatischer Erstluxation wird weiterhin diskutiert. Zunehmend wird aber beim jugendlichen Sportler unterhalb des 25. Lebensjahres die Operation bereits nach erstmaliger Luxation empfohlen. Bei allen anderen Sportlern sollte ein  operative Stabilisierung spätestens nach der ersten Rezidivluxation erfolgen, da mit dem Rezidiv erwiesen ist, dass die Schulter als Folge der Erstluxation instabil wurde. Eine Ausnahme stellen ältere Sportler dar, die zukünftig die Ansprüche an ihr Gelenk bzw. die Belastung herabsetzten wollen. Das Operationsverfahren ist den individuellen Erfordernissen entsprechend zu wählen. Anatomisch rekonstruktive Verfahren stellen heute den Standard dar (Kapsel- und oder Labrumplastik). Die Indikationsstellung hat zu berücksichtigen, ob es sich z.B. um eine unidirektionale oder multidirektionale Instabilität handelt und ob zusätzlich eine allgemeine Laxität, eine Rotatorenmanschettenruptur oder andere Begleitverletzungen vorliegen. Weiterhin ist der Grad der Schädigung des Labrums und der Gelenkkapsel (Bankart-, Perthes-, ALPSA-Läsion usw.) zu beachten. Bei Berücksichtigung der genannten Kriterien erreichen die arthroskopischen Methoden annähernd die Sicherheit offener Operationsverfahren und haben den Vorteil einer rascheren Rehabilitation. Postoperativ hat der Schwerpunkt der Behandlung neben der Wiedererlangung der Beweglichkeit und Kräftigung der Muskulatur auf einer konsequenten Schulung der Koordination und Propriozeption zu liegen. Es kommen krankengymnastische Methoden auf neurophysiologischer Grundlage zum Einsatz, wie dies für das Kniegelenk bereits seit langem gängige Praxis ist.

37. Deutscher Kongress für Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda


Nach Sportverletzungen drohen Früharthrosen

Nur rechtzeitige Therapie wirkt Chronifizierung von Sportverletzungen entgegen / Homöopathische Mittel helfen

BADEN-BADEN (evs). Um sportbedingte Früharthrosen zu vermeiden, sollten Sportverletzungen oder Entzündungen im akuten Stadium auskuriert werden. Freizeitsportler müssen jedes Warnsignal ernst nehmen, um Spätschäden zu vermeiden.
Aus seinen Erfahrungen bei der Betreuung der Skifahrer der Freestyle-Nationalmannschaft gab Dr. Richard Schrader aus Prien Tips zur Behandlung von Freizeit-Sportlern. Eine frühzeitige Behandlung von Sportverletzungen und Entzündungen ist nicht nur zur Linderung der akuten Beschwerden, sondern auch zur Vermeidung von chronischen Gelenkarthrosen indiziert, so Schrader bei einer Veranstaltung während der Medizinischen Woche in Baden-Baden. Ursachen von Spätschäden sind nicht selten übersehene Mikrotraumen oder auch ein Mangel an Mikronährstoffen. Als Therapie der Wahl bei der Behandlung von Sportverletzungen empfahl Schrader Traumeel® als Salbenverband, oral und als Injektion. Bei einer akuten Verletzung wirkt außer der sofortigen Kühlung und einem Traumeel®-Salbenverband vor allem die orale Therapie mit dem Komplex-Mittel (alle 15 Minuten etwa 15 Tropfen) gut antiphlogistisch. Außerdem sollte dem Patienten eine Traumeel®-Lösung in die Nähe der Verletzung injiziert werden. Zusätzliche Behandlungsoptionen sind Lymphdrainagen, Enzym-Therapie, aktive und passive Bewegungstherapie sowie Blutegelbehandlungen.  Die Bewegungstherapie sollte sofort nach Abklingen der Entzündung starten, um einer Versteifung des Gelenks vorzubeugen. Zusätzliche Linderung bringen Arnika (Injeel®) als Injektion sowie Apis-Hommacord®-Injektionen zur Abschwellung, empfahl Schrader. Durch die intensive Behandlung sollen degenerativen Veränderungen der Muskeln, Bänder, Knochen und Gelenkkapseln vermieden werden.  Ist die Verletzung bereits chronisch, lindert eine Therapie mit Zeel®-Ampullen auch die Schmerzen bei fortgeschrittener Arthrose, Rheumatismus, rheumatischen Beschwerden und Myalgien nach Überlastung gut.
Ärzte Zeitung, 03.12.2001


Schon kleine Knorpelrisse gefährden das Gelenk

Ohne rechtzeitige Behandlung füllen sich Knorpelschäden mit minderwertigem Faserknorpel
BERLIN (agr). Extremsportler gehören zu den Risikokandidaten für arthrotische Veränderungen der Gelenke. "Denn nicht die normale Belastung der Gelenke führt zur Arthrose, sondern die ständige Überlastung unseres Bewegungsapparates beschleunigt den Untergang von Knorpel", so Professor Wolfgang Pförringer aus München.

Der Münchner Orthopäde und Sportmediziner setzt auf Protektion: "Treten erste kleine Schäden wie Risse an der Gelenkoberfläche auf, sollten sofort Knorpel-erhaltende Maßnahmen ergriffen werden. Sonst füllt sich die entstandene Lücke bestenfalls mit neu gebildetem Faserknorpel, und das ist etwa so, als ob Sie eine stark befahrene Teerstraße mit Sand ausbessern", sagte er bei einer Veranstaltung des Unternehmen Opfermann in Berlin. Protektion bedeutet für Pförringer aber nicht Bewegungslosigkeit: "Setzen Sie den Patienten nicht einfach aufs Sofa, sondern klären Sie im individuellen Gespräch, welche Bewegungsarten geeignet sind!" Die zwei anderen Säulen der Arthrosebehandlung sind physikalische Maßnahmen wie Krankengymnastik und Bäder sowie die medikamentöse Therapie. Im Initialstadium setzt der Orthopäde in der medikamentösen Therapie auf Glucosaminsulfat (Dona® 200-S), das nach neuen Studien nicht nur symptombezogene, sondern auch strukturmodifizierende Eigenschaften zu haben scheint. Bei fortgeschrittener Arthrose hätten sich Hyaluronsäurederivate (etwa GO-ON®) als hilfreich erwiesen, so Pförringer. Am Ende der Stufentherapie stehen die Endoprothesen, die immer häufiger gebraucht werden. Pförringer wundert dies nicht: "Der Erhalt unseres gesamten Bewegungsapparates war und ist auf vier Lebensjahrzehnte ausgelegt", sagt er, "die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt heute aber 75 Jahre". Ärzte Zeitung, 18.01.2002


Tennisellenbogen: Warten oder behandeln?

AMSTERDAM. Bei Tennisellenbogen (Epicondylitis humeri radialis) raten Forscher lediglich zu Physiotherapie oder gar zu einer ausschließlichen Beobachtung (Lancet 2002; 359: 657). Nynke Smidt et al. von der Freien Universität in Amsterdam haben 185 Patienten mit einem Tennisellenbogen aufgeteilt. Sie erhielten Corticosteroid-Injektionen, Physiotherapie oder wurden ausschließlich beobachtet. Nach sechswöchiger Behandlung stellte sich in 92 Prozent der mit Corticosteroiden behandelten Patienten eine Besserung ein, während Physiotherapie nur in 47. Allerdings war die Rückfallrate bei Corticosteroid-Behandlung hoch: Nach einem Jahr betrug hier die Erfolgsrate 69 Prozent, bei Physiotherapie 91 Prozent und bei keiner Behandlung 83 Prozent. Aufgrund der geringen Fallzahl war der Behandlungserfolg zwischen den beiden letztgenannten Optionen nicht signifikant. (26.02.02) http://www.aerzteblatt.de


Stretching kann Entzündungen der Patellarsehne bei Sportlern verhinder

Belgische Sportwissenschaftler haben 138 Sportstudenten untersucht

Überlastung scheint bei Sportlern nicht die einzige Ursache von Entzündungen der Patellarsehne zu sein. Zu externen Faktoren kommt offenbar noch eine Disposition hinzu. Bedeutend ist vor allem die Elastizität des Musculus quadriceps und des M. biceps femoris.

Belgische Wissenschaftler haben in einer Studie Faktoren untersucht, die eine Entzündung der Patellarsehne auslösen können. Innerhalb von zwei Jahren hatten 19 von 138 Sportstudenten (14 Prozent) dieses Krankheitsbild entwickelt. Alle Studienteilnehmer übten die gleichen Sportarten mit ähnlicher Intensität aus. Dazu gehörten zum Beispiel Schwimmen, Leichtathletik, Fußball, Basketball und Judo. Dadurch, dass sich alle Sportler gleich stark belastet hatten, schlossen die Wissenschaftler externe Ursachen für die Tenditiden bei den 19 Verletzten aus. Die Messung mehrerer Muskelparameter an den Beinen ergab darüber hinaus keine Unterschiede hinsichtlich der Muskelkraft, obwohl diese für die Kniestabilität von großer Bedeutung ist.  Eine verminderte Elastizität des Musculus quadriceps und M. biceps femoris kann der Entwicklung einer Patellarsehnen-Entzündung Vorschub leisten.  Wichtig sind regelmäßige Dehnungsübungen – Stretching – sowohl zur Therapie dieser Patienten als auch zur Vorbeugung der Erkrankung. Sportlern wird häufiges Dehnen der Muskulatur unter Anleitung erfahrener Trainer empfohlen. Ob damit tatsächlich die Inzidenz von Patellarsehnen-Entzündungen bei Sportlern gesenkt werden kann, wird in weiteren Studien untersucht.

Quelle: Ärzte Zeitung, 07.09.2001


Vitaminreiche Vollwertkost hilft Rheuma-Patienten

Patienten Bei einem Großteil der Patienten mit entzündlichen rheumatischen Beschwerden scheinen sich die Beschwerden durch bestimmte Nahrungsmittel zu verschlechtern. Dennoch sind es gerade Rheumatiker, die sich nicht gesundheitsbewusst ernähren. Rheumatikern wird empfohlen, vitaminreiche Vollwertkost mit nur geringem Anteil an tierischen Fetten zu sich zu nehmen. Sie sollte durch Vitamin E und – bei nachgewiesenem Mangel – durch Vitamin D, Zink, Selen und weitere Spurenelemente ergänzt werden. Außerdem sollte Fischöl in einer Dosierung von zwei Gramm täglich für drei Monate der Kost zugefügt werden. Dieses Ernährungskonzept ist sinnvoll, weil pflanzliche Kost plus Fischöl den Anteil ungesättigter Fettsäuren, vor allem Arachidonsäure, in der Nahrung und damit die Freisetzung von entzündungsfördernden Stoffen senkt. Vitamin E wirkt ebenfalls entzündungshemmend, außerdem schmerzlindernd und antioxidativ. Spurenelemente stärken das Immunsystem. Bei den meisten Rheuma-Patienten bessern sich die Beschwerden, wenn sie sich „arachidonsäurearm“ ernähren. Pflanzenwirkstoffe wie Teufelskralle und Weidenrinde lindern „Restbeschwerden“ und sollten unterstützend eingesetzt werden.
Quelle: Dt. Ärzte Zeitung, Nr. 184, 16. Oktober 2000 Ärzte Zeitung, 12.04.2002


Ermutigendes Langzeitresultat mit Chondrozytenimplantation

Autologe Chondrozyten-Transplantate können mehr als zehn Jahre halten / Erfolg des Eingriffs erst nach zwei Jahren sicher

GOTHENBURG (ner). Schmerzhafte Knorpeldefekte im Knie werden zunehmend mit autologen Chondrozyten-Transplantaten (ATC) versorgt. Schwedische Wissenschaftler haben jetzt erstmals Langzeit-Resultate bei 61 Patienten vorgestellt. Sie sind ermutigend.

Wer die ersten zwei Jahre nach ATC gut überstanden hat, der kann davon ausgehen, daß das körpereigene Knorpelimplantat mindestens die nächsten drei bis acht Jahre hält, berichtet Dr. Lars Peterson vom Gothenburg Medical Center in Schweden und seine Mitarbeiter (American Journal of Sports Medicine 30, 2002, 2). Denn fast alle Therapieversager traten in den ersten zwei Jahren nach der Behandlung auf. Nach diesem Zeitpunkt betrug die Überlebensrate der Transplantate nahezu 100 Prozent.

Defekte am femoralen Kondylus sind am besten für ATC geeignet

Bei 51 der 61 Patienten konnte das klinische Resultat fünf bis elf Jahre nach der Operation als gut bis sehr gut eingeschätzt werden, berichteten die Wissenschaftler. Die günstigste Prognose hatten Patienten mit Defekten am femoralen Kondylus. Knorpeldefekte an der Patella-Rückseite hielten am schlechtesten, was Ergebnisse früherer Untersuchungen bestätigt. Immerhin 65 Prozent dieser Patienten hatten gute und sehr gute Langzeitergebnisse, die Versagerrate lag bei 24 Prozent. Auch die Kombination einer vorderen Kreuzbandplastik mit ATC ging mit höheren Versagerquoten (18 Prozent) einher als ohne Kreuzbandplastik. Als Ursachen für unzureichende Resultate nennen die Wissenschaftler unzureichende Füllungen der Defekte mit Knorpeltransplantaten oder unzureichendes Debridement vor der Transplantation. Aber auch zu frühe Belastung des Knies infolge schlechter Compliance der Patienten verhinderte das Einwachsen der Knorpelzellen. Bei elf Patienten konnten arthroskopisch die mechanischen und immunhistochemischen Eigenschaften der Knorpel beurteilt werden. Das Reparaturgewebe bestand meist aus hyalinem Knorpel, der nicht vom umgebenden Knorpel zu unterscheiden war. Die Knorpelsteifigkeit entsprach etwa 90 Prozent der von normalem Knorpel.
Gäbe es zwei Jahre nach Transplantation im Alltag und beim Sport keine Probleme, bräuchten sich Patienten nicht zu schonen, so das Fazit der schwedischen Chirurgen.

STICHWORT

Knorpeldefekte

Patienten mit Knorpeldefekten im Knie wird in einer ersten arthroskopischen Operation Knorpel (300 bis 500 mg) vom medialen Kondylus des zu behandelnden Knies entnommen. Die Knorpelzellen werden kultiviert und in einem Zweiteingriff zwei bis drei Wochen nach der Zellentnahme reimplantiert. In der schwedischen Studie sind Defekte von mehr als zwölf Quadratzentimetern Größe auf diese Weise versorgt worden. (ner)


Schmerzen im Knie? Da nutzt weniger Sport mehr als Abspecken

Übergewicht und kniebelastende Berufe lösen selten patellares Schmerzsyndrom aus
WIEN (ner). Das patellare Schmerzsyndrom bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird offenbar weniger durch hohes Körpergewicht oder kniebelastende Berufe ausgelöst, als bisher angenommen. Dagegen begünstigen Verletzungen sowie viel Sport in der zweiten und dritten Lebensdekade das Syndrom. Die Therapie ist konservativ.

Dr. Ronald Dorotka von der Universitätsklinik für Orthopädie in Wien und seine Kollegen haben Anamnese und Befund von 133 Soldaten mit Kniebeschwerden mit denen von 115 Soldaten ohne Kniebeschwerden verglichen (Z Orthop 140, 2002, 48). Die Soldaten waren zwischen 18 und 34 Jahre alt, durchschnittlich 21 Jahre. Es stellte sich heraus, daß die Soldaten mit Beschwerden vor ihrem Wehrdienst signifikant seltener kniebelastende Berufe ausgeübt haben als ihre Kameraden ohne Symptome. Eine Korrelation mit Übergewicht konnte nicht hergestellt werden, wobei allerdings die meisten Rekruten Normalgewicht hatten. Trotzdem meinen die österreichischen Orthopäden, daß bei jugendlichen, adipösen Patienten mit vorderem Knieschmerz die Gewichtsabnahme keine "zielführende Therapiestrategie" sei.Gleichzeitig bestätigte die Untersuchung, daß hohe sportliche Aktivität in der zweiten und dritten Lebensdekade patellare Beschwerden auslösen kann. Außerdem berichteten fünfmal mehr Rekruten in der Symptomgruppe über vorangegangene Traumen, meist Kontusionen.Fast nie findet sich in Untersuchungen eine morphologische Ursache. Sind Kniekontusionen oder Patelladysplasien bekannt, kann den Patienten wenigstens eine befriedigende Erklärung für ihre Beschwerden gegeben werden. Das Syndrom verschwindet oft spontan. Die Therapie ist konservativ. Sport sollte abhängig von den Beschwerden vorübergehend reduziert werden. Krankengymnastik, physikalische Therapien wie Ultraschall, Reizstrom, heiße oder kalte Packungen, Bandagen oder Antiphlogistika sind Optionen.Ärzte Zeitung, 02.05.2002


Künstlicher Knorpel für's Knie

HANNOVER (eb). Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nach eigenen Angaben weltweit erstmals einen künstlichen Knorpelersatz im Knie implantiert. Die zwei Patienten, die das Implantat aus Hydrogel - einem wasserspeichernden Kunststoff - erhielten, konnten noch am Abend der Op fast schmerzfrei aufstehen, teilt die MHH mit. Ärzte Zeitung, 04.07.2002


Knie-Arthrose: Neue Therapie im Test

Düsseldorf (dpa) - Neue biologische Wirkstoffe zur Behandlung der Kniegelenks- Arthrose stehen in einer klinischen Studie in Düsseldorf auf dem Prüfstand. In einer Untersuchung bei 420 Patienten will die Orthopädische Klinik der Heinrich-Heine-Uni in Kooperation mit einer Düsseldorfer Gemeinschaftspraxis für Orthopädie einen aus Patientenblut gewonnenen Arthrosehemmstoff testen. «Die bisherigen Erfahrungen mit dem Medikament zeigen, dass die Therapie effizient und äußerst nebenwirkungsarm ist», sagte Studienleiter Axel Baltzer am Donnerstag der dpa in Düsseldorf. In Deutschland leiden nach Expertenschätzung etwa acht Millionen Menschen an Arthrose, wobei größtenteils das Kniegelenk betroffen ist. Rund 200 Orthopäden in Deutschland setzen nach Angaben des Mediziners das Verfahren mit dem neuen Wirkstoff (Interleukin-1- Rezeptorantagonist) bereits seit fünf Jahren ein. Ziel der wissenschaftlichen Studie, für die noch Patienten gesucht werden, sei ein Nachweis für die Wirksamkeit und die Sicherheit des Interleukin- Hemmstoffes. Die so genannte Orthokin-Therapie basiert nach den Worten Baltzers darauf, dass das Protein Interleukin-1 (IL-1) einen wesentlichen Faktor bei der Entwicklung von Arthrose und dem Abbau der Knorpelsubstanz spielt. Als Arthrosetherapie eignet sich nach Angaben der Wissenschaftler deshalb der natürliche «Gegenspieler» Interleukin-1-Rezeptorantagonist (IL-1Ra), der entzündungshemmend, schmerzlindernd und Knorpel schützend wirke. Bisher stehe bei Gelenkverschleiß «die symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln und Kortison im Vordergrund, die insbesondere bei Langzeitbehandlungen beträchtliche Nebenwirkungen verursachen können», erklärte Baltzer, niedergelassener Orthopäde in der Gemeinschaftspraxis für Orthopädie in Düsseldorf. Die Spritzentherapie mit dem natürlichen Hemmstoff greife hingegen direkt in den Krankheitsmechanismus ein und stoppt die Gelenkentzündung. netdoktor 10. Oktober 2003


Verletzungen der Kreuzbänder        
Standards der Sportmedizin   Jahrgang 53, Nr. 4 (2002) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN
P. Hertel  
Martin-Luther-Krankenhaus Berlin

Pathophysiologie
Das vordere Kreuzband ist locker in Beugung und gespannt in Streckung. Innenrotation verstärkt die Spannung. Das hintere Kreuzband ist gespannt in Beugung und locker in Streckung. Beide Kreuzbänder können funktionell (nicht anatomisch) in differente Faserbündel aufgeteilt werden: Das vordere Kreuzband in ein anteromediales und ein posterolaterales, das hintere Kreuzband in ein anterolaterales und ein posteromediales Bündel. Das anteromediale Bündel des vorderen Kreuzbandes und das anterolaterale Bündel des hinteren Kreuzbandes sind die funktionell wichtigeren Strukturen. Vordere Kreuzbandverletzungen sind häufig (ca. 95 %), hintere Kreuzbandverletzungen selten (ca. 5 %). Sie können „isoliert" (mit geringfügigen weiteren Kapselbandverletzungen oder „kombiniert" (mit schweren weiteren Bandverletzungen, Meniskusverletzungen, Knorpelverletzungen) auftreten. Kombinationsverletzungen des vorderen und hinteren Kreuzbandes treten nur zusammen mit einer Seitenbandverletzung auf, meist im Rahmen von Luxationen oder seitlichen Aufklappverletzungen bzw. schweren Rotationsverletzungen.

Unfallmechanismus
(häufigste Ursachen)

Vorderes Kreuzband isoliert: Innenrotation in Strecknähe mit Quadrizepsanspannung, Quadrizepsanspannung in Strecknähe, Überstreckung.

Vorderes Kreuzband kombiniert: Außendrehung in Beugung, Valgus mit Außendrehung, Varus mit Innendrehung, Aufklappung seitlich, Luxation.

Hinteres Kreuzband isoliert: Schienbeinkopfprellung von ventral (Kontusionsnarbe).

Hinteres Kreuzband kombiniert: Hintere und seitliche Rotation in Beugung (posteromedial/posterolateral), seitliche Aufklappung, Luxation.

Diagnostik

• Manuelle Untersuchung
möglichst unfallnah, sorgfältige Palpation von Schmerzpunkten (= gerissene oder teilgerissene periphere Bänder), Aufklappung medial/lateral in Streckung und leichter Beugung. Lachman- Test als wichtigster Test für das vordere Kreuzband, 90 Grad hinterer Schubladentest als wichtigster Test für das hintere Kreuzband, dabei auch auf vermehrte posterolaterale (Beteiligung Außenband /Arcuatum-Komplex) und vermehrte posteromediale Rotation achten. Alle Untersuchungen im strikten Seitenvergleich. Punktion bei prallem Gelenkerguss (serös?, blutig?, Fettaugen?).

• MRT-Diagnostik im Akutstadium in guter Qualität zur Abgrenzung operativ/konservativ sinnvoll (Bone bruises, Impressionsfrakturen, Knorpelflakes, Seitenbandverletzungen, partielle oder komplette Kreuzbandrupturen, Lokalisation der Kapsel-Bandverletzung, Meniskusluxation).

• Knieluxation mit spontaner Reposition bedenken: Pulskontrolle, neurologische Kontrolle.

Arthroskopie als diagnostisches und therapeutisches Verfahren in optimaler personeller und technischer Ausrüstung.


Operationsindikation

Zeitpunkt
Primäroperationen sind eher abzulehnen. Die wichtigste Prämisse für den Operationszeitpunkt ist ein weitestgehend schmerzfreies und gut bewegliches, minimal geschwollenes Kniegelenk. Hier dürfen keine Kompomisse gemacht werden. Dafür bieten sich die ersten Stunden nach dem Unfall oder eine Verzögerung von 2 bis 8 Wochen an.
Indikation vorderes Kreuzband
Günstige Ergebnisse einer konservativen Behandlung sind zu erwarten: Bei geringer Primärinstabilität, bei gut positioniertem Kreuzband (MRT, Arthroskopie - dies sind dann optisch partielle Rupturen, die nicht durch
intensive Stabilitätstestung, Tasthakenmanipulation oder gar Resektion behandelt werden dürfen), bei geringer körperlicher Belastung (wenig Sport, sitzender Beruf). Zweistufige Versorgung ist möglich, z. B. primäreNaht eines luxierten Meniskus oder Refixation eines Außenbandkomplexes und sekundäre Kreuzbandoperation. Begleitende leichte periphere Kapselbandverletzungen werden nicht operativ behandelt. Konservative Primärbehandlung schließt Krankengymnastik, Belastung und Bewegung ein, eine Oberschenkelschiene oder Brace sollte für einige Wochen getragen werden. Die Operationsindikation zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes ergibt sich bei Sportlern, die Stabilität mit Sicherheit frühzeitig brauchen werden, sowie bei allen Patienten mit beginnenden Givingway- Episoden oder subjektiver Instabilität/Unsicherheit, verbunden mit einer messbaren Stabilitätsdifferenz von mindestens 5 mm (KT- 1000-Messung/gehaltene Röntgenaufnahmen/Sonometrie). Patienten mit generell lockeren Bändern sowie Kniefehlstellungen sollten eher rekonstruiert werden, da die Kreuzbandverletzung für diese Patienten stärkere Bedeutung hat.
Indikation hinteres Kreuzband

Hintere Kreuzbandverletzungen werden generell zunächst konservativ behandelt, auch bei Leistungssportlern. In der Akutrehabilitation muss jede hintere Schublade vermieden werden. Dies bedeutet weitgehende Ruhigstellung in Streckstellung für 6 - 8 Wochen, viel Quadrizepstraining,
alle Bewegungsübungen in Bauchlage (zur Erzeugung einer vorderen Schublade und Entlastung des hinteren Kreuzbandes), Bewegungslimitierung 0/0/60 Grad. Die Operationsindikation zur Rekonstruktion von hinteren Kreuzbandverletzungen ist abhängig von subjektivem Instabilitätsgefühl, von retropatellaren Belastungsbeschwerden und von der notwendigen körperlichen
Belastung. Achsfehler und Gelenkflächenabweichungen müssen
vor der Rekonstruktion von hinteren Kreuzbandverletzungen korrigiert sein, da möglicherweise allein durch die Achskorrektur die Instabilitätssymptomatik verschwindet. Hintere Kreuzbandinstabilitäten werden erst ab einer Schubladen-Seitendifferenz von 8 mm und mehr operiert. Häufig sind zusätzliche posterolaterale Rekonstruktionen notwendig.
Indikation Komplexverletzung
Frühzeitige Operation mit weitgehender Bandreposition. Naht oder Rekonstruktion. Arterielle Durchblutung überprüfen, neurologischer Status.
Operationsverfahren
Vorderes Kreuzband
Nahtversorgungen haben geringen Wert, da sie vergleichbare Ergebnisse wie eine konservative Behandlung haben. Arthroskopische und minimal offene Rekonstruktions-Verfahren haben gleich gute Ergebnisse und annähernd gleiche Morbidität. Häufigste Transplantate sind in absteigender Reihenfolge Patellasehnendrittel mit Knochenblöcken ("BTB" - bone-tendon- bone), Semitendinosus-/ Gracilissehnen (Hamstrings), Quadrizepssehne.
Folgende Prinzipien tragen zum Erfolg einer Kreuzbandplastik bei: Richtige Indikation, richtiger Zeitpunkt, erfahrener Operateur, Beachtung der anatomischen Ansatzpunkte, intraund postoperative Röntgenkontrolle der Bohrkanäle, ansatznahe stabile Fixation, möglichst wenig oder kein Fremdmaterial (z. B. Pressfit-Technik von Patellasehne oder Hamstring-Sehnen), enger Kontakt Transplantat/Knochen, Vermeidung von Hohlräumen durch Knochentransplantation. Bei diesen Voraussetzungen können mit jeder Technik in ca. 90 % gute und sehr gute Ergebnisse erzielt werden, wobei Spätergebnisse wegen häufig wechselnder Technik für die Hamstring Transplantate nicht vorliegen.
Hinteres Kreuzband
Es gilt dasselbe wie für das vordere Kreuzband. Spezielleneue Gesichtspunkte für die hintere Kreuzbandplastik sind die Parallelrekonstruktion des posteromedialen (zarten) und des anterolateralen (kräftigen) hinteren K reuzbandbündels sowie die "ONLAY"- oder "INLAY"- Technik, bei der das Patellasehnentransplantat zunächst femoral fixiert wird und die tibiale Fixation in Bauchlage durch Extraschnitt mit Aufschraubung oder Einschraubung des Knochenblockes in den dorsalen Tibiakopf durchgeführt wird. Dadurch kann eine sichere anatomische Positionierung erreicht werden.
Komplexverletzung
Gezielte offene Bandreposition und stabile Nahtfixation, ggf. Verstärkungsplastikdurch resorbierbare Nahtkordeln, ggf. primäre Rekonstruktion, ggf. Stabilisierung durch gelenküberbrückenden Fixateur externe.
Spezielle Komplikationen und Gefahren
Sie sollte vorzugsweise adaptiert an Schmerzen, Beweglichkeit und Schwellung durchgeführt werden. Frühbelastung in geschlossener Kette (Fuß aufgesetzt, Kokontraktion aller Oberschenkelmuskeln). Schutz
durch Schienenverbände oder Gelenkschienen für mehrere Wochen, auch hilfsmittelfreie Konzepte sind möglich. Aktive Streckung in offener Kette ("Beincurler") für vorderes Kreuzband sowie aktiv/passive
Beugung in Rückenlage für das hintere Kreuzband sind streng zu vermeiden. Frühzeitig Rad fahren/Schwimmen. Autofahren nach 6-10 Wochen. Kniebelastende Sportarten (Ballsportarten, Kampfsportarten, Ski) nach 6 bis 12 Monaten. Keine Intensivbehandlung (EAP) in den ersten 6 Wochen, ein Übertherapiesyndrom sollte rechtzeitig erkannt werden (Erguss/Schwellung/geringer Bewegungszuwachs bei hoher Therapiefrequenz und hoher Intensität, Besserung durch ein- bis zweiwöchige Therapiepause).
Nachbehandlung
Falsche Indikation, falscher Operationszeitpunkt. Arthroskopie unter unzureichenden Voraussetzungen. Kompartmentsyndrom durch Spülflüssigkeit. Verwechselung von vorderer und hinterer Instabilität  Femorale Fehlplatzierung (typisch für das vordere Kreuzband bei arthroskopischer transtibialer Bohrung), tibiale Fehlplatzierung (Impingement des vorderen Kreuzbandtransplantates, zu weit ventrale Bohrung des hinteren Kreuzbandtransplantates). Transplantatschädigung durch Interferenzschrauben. Fehlende intraoperative Röntgenkontrolle (besonders bei der Durchführung der tibialen Bohrung für das hintere Kreuzband). Transplantatlockerung (Fixationsverlust/idiopathisch). Patellastressfraktur, Patellaspitzensyndrom, Sensibilitätsstörung (Nervus saphenus, Ramus infrapatellaris des Nervus saphenus). Anhaltende Bewegungseinschränkung („Arthrofibrose" durch intercondylären „Zyklops"-Bindegewebstumor, hintere Kapselschrumpfung, Narben im oberen setilichen Recessus). Algodystrophie.
Literatur
1. Becker R, Röpke M, Nebelung W: Klinische Ergebnisse nach arthroskopischer hinterer Kreuzbandplastik. Unfallchirurg 102 (1999) 354-358
2. Burgkart R, Grünzinger W, Hof N, Gradinger R, Feagin JA Hipp E: Conservative treatment of anterior cruciate ligament ruptures. Sportorthop Sporttraumatol 14 (1998) 113-116
3. Groenvedt T, Engebretsen L, Benum P, Strand T: A prospective, randomized study of three operations for acute rupture of the anterior cruciate ligament. J Bone Joint Surg Am 78 (1996) 159-168
4. Hertel P: Technik der offenen Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes mit autologer Patellarsehne. Arthroskopie 10 (1997) 240-245
5. Lobenhoffer P, Tscherne H: Die Ruptur des vorderen Kreuzbandes. Heutiger Behandlungsstand. Unfallchirurg 96 (1993) 150-168
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. P. Hertel
Abteilung Unfallchirurgie
Martin Luther-Krankenhaus
Postfach 330020, 14191 Berlin
E-mail: p.hertel@mlk-berlin.de


"Leitlinien der Orthopädie", herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie und dem Berufsverband der Ärzte für Orthopädie 1999
http://www.dgooc.de/Leitlinien.php?M=5

Dort sind folgende Leitlinien im veröffentlicht:



Sportverletzungen
- was tun?. Prophylaxe und sportphysio- therapeutische Behandlung
(Rehabilitation und Prävention Bd. 32)

von Rolf Haaker
Broschiert
- 409 Seiten
Erscheinungsdatum:
30. Oktober 1998
Auflage: 2., überarb. Aufl. 1998

Preis: EUR 44,95

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Differenziertes Krafttraining.
Schwerpunkt Wirbelsäule.

von Axel Gottlob
EUR 49,95
Sondereinband
- 496 Seiten
Erscheinungsdatum: 2001
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Das kleine ABC der Sportverletzungen. Ursachen - Abhilfe - Vorbeugung.
von Thomas Wessinghage
Preis: EUR 9,65

Sondereinband - 95 Seiten
Erscheinungsdatum: 2001
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Ellenbogenverletzungen. Biomechanik, Diagnose, Therapie.
von C. Josten, H. Lill
Preis: EUR 74,95 

Gebundene Ausgabe

- 128 Seiten
Erscheinungsdatum: 2001
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Sportbiologie.
von Jürgen Weineck
Preis: EUR 39,80
Gebundene Ausgabe
- 842 Seiten
Erscheinungsdatum: 2000
Auflage: 7. überarb.  Aufl.
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DAS Standardwerk zum Thema  (Sport-) Tapen

Taping- Seminar.
von Hans Jürgen Montag, Peter D. Asmussen
Preis: EUR 34,80

Taschenbuch
- 203 Seiten
Erscheinungsdatum: 1998
Auflage: 4. Aufl.
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Kompendium der Sportverletzungen.
von Wolfgang Menke
Preis: EUR 18,39
Taschenbuch
- 168 Seiten
Erscheinungsdatum: 2000
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Sportverletzungen und Überlastungsschäden. Prävention, Therapie, Rehabilitation.
von Per Renström
Gebundene Ausgabe
- 670 Seiten - Dt. Ärzte-Vlg.
Erscheinungsdatum: 1996
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Laufen mit Lydiard.  Arthur Lydiard 
Preis: EUR 17,38
Taschenbuch - 200 Seiten (1987)  
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Sportmedizin und Trainingslehre. 
Jarmo Ahonen, Tiina Lahtinen, Marita Sandström
Preis:  EUR 35,27 
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Prävention und Rehabilitation im Kindes- und  Jugendalter. 
Karl Traenckner, Aloys Berg, Bodo-Knut Jüngst 
Preis: EUR 34,76
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Taschenbuch - 280 Seiten (1997)

Überlastungsschäden
im Sport. 

Ludwig V. Geiger 
Preis:  EUR 16,36
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Taschenbuch -
207 Seiten (1997)

Verletzt... was tun?
Hilfe zur Selbsthilfe bei Sportverletzungen. 
Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, 

Hans 
Jürgen Montag 
Preis: EUR 13,75
Taschenbuch -
168 Seiten (2000)
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Aufbautraining nach Sportverletzungen
Dieter Ehrich, Reinhard Gebel 
Preis: EUR 27,60
Taschenbuch - 319 Seiten (1992)
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Sportverletzungen. 
Horst-Peter Schwerdtner, Norbert Fohler 
Preis:EUR 18,40
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Taschenbuch - 141 Seiten (1994) Spitta, Nürnberg;

 

Sportmassage für Aktive. Voraussetzungen.
Griffe. Anwendung. 

Rosemarie Gabriel 
Preis: EUR 15,28
Taschenbuch - 141 Seiten (1995) Sportverlag,
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Spezielle Sportorthopädie und Sporttraumatologie. 
Wolfgang Menke 
Preis: EUR 15,23
Taschenbuch (2000)  
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Sportmassage. Fitneß und Wohlbefinden für den
ganzen Körper. 

Thomas Meyer 
Preis:  EUR 15,23
Taschenbuch - 127 Seiten (1998) Stiebner, Mchn.; 
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Sport - Physiotherapie. 
Doris Eitner, Werner Kuprian, Lutz Meissner 
Preis: EUR 25,46
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Gebundene Ausgabe (1990) 
Kurzbeschreibung 
Die Erfahrungen langjährig praktizierender Krankengymnasten, die sich in Klinik und freier Praxis schwerpunktmäßig mit
sportmedizinischen Problemen beschäftigen, sind in diesem Band verarbeitet. Das Grundprinzip, die Betonung der aktiven,
krankengymnastischen Methoden, das heißt die Umsetzung in praktische Handlungskonzepte, wird umfassend dargestellt.
 

Fit durch Proteine. Powernahrung für Fitness und Vitalität.
von Klaus Oberbeil
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Wasser und Salz. Urquell des Lebens.
von Barbara Hendel, Peter Ferreira
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Taschenbuch - 232 Seiten
Erscheinungsdatum: Oktober 2001
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Lexikon Nahrungsergänzungsmittel im Trend.
von Hendrik Hannes
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Taschenbuch
- 173 Seiten
Erscheinungsdatum: 1999
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Der Anti- Aging- Plan. Nahrungsergänzungsmittel zur Zellverjüngung.
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Taschenbuch
- 96 Seiten

Preis: EUR 9,90

Erscheinungsdatum: 2000
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Forever young,
Meine 15 besten Fitness-Tipps

von Ulrich Strunz
Taschenbuch - 32 Seiten
Erscheinungsdatum: 2001
Preis: EUR 5,90
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Die Diät. Forever young-
das Erfolgsrezept vom Fitness- Papst
.

Taschenbuch - 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 2002
Preis: 20,00 Euro
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Forever young, Quickies für Kopfarbeiter
von Ulrich Strunz
Taschenbuch
- 62 Seiten
Erscheinungsdatum: 2001
Preis: EUR 7,90
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Handbuch Protein und Aminosäuren
Klaus Arndt, Torsten Albers
Preis: EUR 25,94

Gebundene Ausgabe - 292 Seiten
Erscheinungsdatum: 2001

Der optimale Laufschuh. 
Frank Czioska Preis:
EUR 15,24 
Taschenbuch - 160 Seiten (1999) 
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Natürlich laufen.
von Matthias Marquardt
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Taschenbuch
- 166 Seiten
Erscheinungsdatum: April 2002
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Joschka Fischer

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So einfach ist Laufen.
Das Programm für den
leichten Einstieg.

von Winni Mühlbauer 
Taschenbuch - 255 Seiten
Erscheinungsdatum: 1997
Preis: EUR 9,90
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Sportmedizin. Grundlagen für Arbeit, Training und Präventmedizin.
von Wildor Hollmann, Theodor Hettinger 
Preis:  EUR 101,00
Erscheinungsdatum: 2000
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Muskel-Guide
von Frederic Delavier
Preis:  EUR 19,95
Broschiert
- 123 Seiten
Erscheinungsdatum: 22. März 2000
Auflage: 2., durchgesehene Auflage 2000
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Krafttraining.
von Hans Ehlenz, Manfred Grosser, Elke Zimmermann
Preis: EUR 16,95
Taschenbuch - 203 Seiten
Erscheinungsdatum: 1998
Auflage: 6., erw. Aufl.
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Sport und Primärprävention. 
Wolfgang Schlicht 
Preis:  EUR 29,65
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Taschenbuch (1994) 

Lehrbuch der Sportmedizin. Gernot Badtke  
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Preis:   EUR 50,11  Taschenbuch (1998) 


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Lexikon der Sportmedizin.  
Hollmann
EUR 54,95
Gebundene Ausgabe (1995) 

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H. Wacha, A. Ross
Wertigkeit der MRT bei Binnenschäden des Kniegelenkes – Untersuchung an 366 konsekutiven Patienten
Chirurgie am Hospital zum heiligen Geist, Akademisches Lehrkrankenhaus der JWG-Universität Frankfurt
Zusammenfassung
Das Ziel dieser Untersuchung war es, den Wert der Magnetresonanztomographie (MRT) bei chronischer und akuter Kniesymptomatik festzustellen. 366 Patienten wurden hinsichtlich der Krankengeschichte, der klinischen Untersuchung und MRT in zwei Studienperioden (1996-1997 und 1998-1999) dokumentiert. Die korrekte Diagnose wurde in 30 bis 50 %, eine inkomplette Diagnose in 40-62 % und eine inkorrekte Diagnose in 8-11 % gestellt. Arthroskopische pathologische Veränderungen am medialen Meniskus, am lateralen Meniskus, Kreuzband und Knorpel wurden jeweils durch die MRT in 97,3/90,5 %, 71,7/56 %, 82,9/86,9 % und in 39,2/83,8% bestätigt. 20% der MRTBefunde waren falsch +. Trotzdem waren nur 2 Kniegelenke ohne pathologische Veränderungen. Patienten mit Verletzungen des vorderen Kreuzbandes hatten in 60% mehr als eine Verletzung. 55,5 % der frisch Verletzten wurde innerhalb von 14 Tagen behandelt. Wir schließen aus dieser Studie, dass die MRT die präoperative Diagnose um bis zu 10 % im Vergleich zu früheren Untersuchungen verbessern kann. Davon würden besonders Patienten mit frischen Verdrehungstraumen profitieren, wenn die MRT sofort durchgeführt würde.

Der ganze Artikel hier


Kniearthrose- Gonarthrose:
Blutegel lindert Beschwerden besser als NSAID-Gel

ESSEN. Wer eine alte und im wahrsten Sinne naturnahe Behandlung bei einer häufigen Zivilisationserkrankung einsetzt, kann sich der Aufmerksamkeit der Medien sicher sein. Die Zeitungen haben die ungewöhnliche Behandlung am Essener Knappschaftskrankenhaus bereits des Öfteren aufgegriffen. Jetzt kann die Gruppe um Privatdozent Gustav Dobos von der Abteilung Naturheilkunde und Integrative Medizin seine These erstmals durch eine randomisierte Studie in den Annals of Internal Medicine (2003; 139: 724–730) belegen.
Die Gruppe behandelte 24 Patienten mit Osteoarthritis der Kniegelenks (Ausschluss: Rheuma oder andere systemische Erkrankungen) durch Aufsetzen hungriger Blutegel (Hirudo medicinalis). Wie der lateinische Bezeichnung bereits andeutet, handelt es sich um eine alte Therapie, die früher zur Behandlung von Phlebitiden und Thrombosen eingesetzt wurde, aber in den letzten Jahrzehnten aus der Mode geraten ist. Der Speichel der Blutsauger enthält jedoch nachweislich pharmakologisch aktive Substanzen, darunter das Polypeptid Hirudin, das eine gerinnungshemmende Wirkung hat. Es verhindert, dass das Blut gerinnt, bevor der Egel satt ist. Hirudin wird auch eine antientzündliche Wirkung nachgesagt, welche die Ärzte bei ihren Patienten ausnutzen wollen.
Sie setzten den leidenden Patienten (Schmerzscore über 40 auf einer von fünf Skalen des Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index WOMAC) deshalb vier bis sechs Exemplare des Blutsaugers auf das schmerzende Knie. Dort blieben die Egel, bis sie satt waren und sich von selbst lösten, was nach etwa 70 Minuten der Fall war. Danach ruhten sich die Patienten noch zwölf Stunden aus. Nach drei, sieben, 28 und 91 Tagen wurden ihre Beschwerden mittels WOMAC und anderer Fragebögen erfasst. Die Patienten durften während dieser Zeit Medikamente gegen ihre Beschwerden einnehmen.
Dies traf auch auf die Vergleichsgruppe von 27 Patienten zu, deren Knie nicht mit Egeln besetzt, sondern mit einem Diclofenac-haltigen Gel eingecremt wurden. Diese topische Behandlung zählt nicht zu den besten Therapien der Gonarthrose, aber immerhin waren damit die Bedingungen einer randomisierten Studie erfüllt. In einer früheren Pilotstudie hatten die Autoren keine Vergleichsgruppe (Ann Rheum Dis. 2001; 60: 986) gehabt, was die Aussagekraft der Ergebnisse schmälerte. Dass die aktuelle Studie zwar randomisiert, aber nicht doppelblind war, ist sicherlich eine Schwäche, denn man darf annehmen, dass die Tatsache, sich einer ungewöhnlichen Behandlung unterzogen zu haben, bei vielen Patienten die langfristige Schmerzeinstufung in den Fragebögen beeinflusst hat.
Dennoch: Schon am siebten Tag berichteten die Teilnehmer der Blutegelbehandlung über weniger Beschwerden als die Patienten, die mit Diclofenac behandelt worden waren. Später waren die Ergebnisse in diesem Endpunkt gleich. Doch hinsichtlich der Endpunkte Steifigkeit, Funktion und im Gesamtscore der Arthrosesymptome waren die Ernährer der Blutegel bis zur letzten Untersuchung am Tag 91 im Vorteil.
Die Behandlung ist jedoch keineswegs nebenwirkungsfrei. Der Blutverlust führt sogar zu einem leichten (aber klinisch nicht relevanten) Abfall des Hämoglobins. Etwa 70 Prozent der Patienten bemerkte einen Juckreiz an den Einstichstellen. Bei einem Patienten kam es zu einer Wundheilungsstörung. Theoretisch muss auch mit Infektionen gerechnet werden. Physiologischerweise ist Hirudo medicinalis mit dem Bakterium Aeromonas hydrophila besiedelt. Fallberichte mit Infektionen bis hin zur Sepsis mit diesem Erreger hat es in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie gegeben, wo die Egel zur Behandlung postoperativer Hämatome eingesetzt werden. DEUTSCHES ÄRZTEBLATT (04.11.2003)


Aktives Muskeltraining effektiv bei chronischen Nackenschmerzen

Sowohl Kraft- als auch Ausdauertraining sind laut einer Studie im JAMA effektive Methoden zur Linderung von chronischen Nackenschmerzen – Stretching und Fitnesstraining alleine scheinen nicht ausreichend.

Eine entsprechende Studie von Dr. Jari Ylinen aus Helsinki, Finnland, und Kollegen evaluierten bei 180 im Büro angestellte Frauen randomisiert die Effektivität eines spezifischen Trainings der Nackenmuskulatur. Die Patientinnen waren zwischen 25 und 53 Jahre alt und litten unter unspezifischen, chronischen Nackenschmerzen.
60 Frauen wurden in ein dynamisches Ausdauer- und 60 Frauen in ein isometrisches Nackenmuskulatur-Training eingeschlossen, zusätzlich erfolgten Übungen für die Schultern und die oberen Extremitäten. Die restlichen 60 Frauen dienten als Kontrollgruppe. Allen Teilnehmerinnen wurde empfohlen, 3 mal pro Woche Aerobic- und Dehnungsübungen zu machen.

Nach einem Jahr hatten die Beschwerden und die Behinderungen in beiden aktiven Trainingsgruppen gegenüber der Kontrollgruppe signifikant (p<0.001) abgenommen. Die deutlichste Verbesserung der Beweglichkeit im Nackenbereich wurde durch das isometrische Krafttraining erzielt, so konnte die Flexion um 110%, die Rotation um 76% und die Extension um 69% verbessert werden.

Die Stärkung der Muskulatur im Nackenbereich ist eine effektive Intervention zur Linderung der Beschwerden und Verbesserung der Beweglichkeit bei chronischen Nackenschmerzen. Aerobic und Stretching alleine sind wesentlich weniger effektiv. 20.6.03 www.medaustria.at
Quelle: JAMA; 2003, 289: 2509-2516


Hydrolysat aus Kollagen stärkt Gelenkknorpel

NEU-ISENBURG (eb). Kollagen-Hydrolysat, ein kollagenes Protein, das vom Unternehmen Gelita als Nahrungsergänzungsmittel in Pulverform angeboten wird, hat protektive Wirkungen auf den Gelenkknorpel. Es stimuliert die Kollagen-Synthese in den Knorpelzellen. Empfohlen werden 10 g dreimal täglich für mindestens 120 Tage.
Das haben Wissenschaftler von der Universität Kiel in Experimenten mit bovinen Chondrozyten, die in einem mit Kollagen-Hydrolysat angereichertem Nährmedium gehalten wurden, vor kurzem nachgewiesen. Bereits nach drei Tagen wurde ein dosisabhängiger Anstieg der Kollagensekretion gemessen (Cell Tissue Res 311, 2003, 393). Das Hydrolysat ist zur Prävention und Therapieunterstützung bei degenerativen Gelenkerkrankungen geeignet. Patienten sollten täglich 10g für mindestens drei Monate einnehmen. Wissenschaftler empfehlen eine Langzeiteinnahme.Ärzte Zeitung, 07.08.2003


Sportmedizinkongress 2003 Abstract
Gabriela Kieser,
Zürich /Ch
Ein starker Rücken kennt keinen Schmerz
Die Skelettmuskulatur ist für die Funktionalität des Stütz- und Bewegungsapparats von entscheidender Bedeutung und nimmt eine Schlüsselposition im Stoffwechsel des menschlichen Organismus ein. Ab dem 20. Lebensjahr nimmt die menschliche Skelettmuskulatur und somit die Kraft kontinuierlich ab. Der Kraftverlust von der Maturität bis ins hohe Alter wird mit ca. 30-40 % angegeben. Die Gründe dafür finden sich hauptsächlich in der fehlenden muskulären Belastung. Daneben beeinflussen zu einem geringeren Anteil Alterungsprozesse, Krankheiten, und Ernährung diesen Abbau. Die Folgen sind Veränderungen in der Körperzusammensetzung, Einschränkungen bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben bis hin zum Verlust der Alltagsautonomie und die Begünstigung von Krankheiten wie bspw. Osteoporose, verschiedene Stoffwechselerkrankungen sowie Störungen am Bewegungs- und Halteapparat z.B. der Wirbelsäule. Eine viel versprechende Möglichkeit diese Abwärtsspirale zu bremsen, liegt in dem systematischen Aufbau und Erhalt der Muskulatur durch Krafttraining, dessen Effektivität sowohl im präventiven als auch im therapeutischen Bereich wissenschaftlich vielfach nachgewiesen worden ist. Kieser Training bietet gesundheitsorientiertes Krafttraining. Dies beinhaltet ein Ganzkörpertraining mit dem Schwerpunkt auf die Stärkung der Rückenmuskulatur. Das maschinengestützte Krafttraining mit dem Ziel der Muskelhypertrophie bedeutet anaerobes Training gegen einen progressiven Widerstand über die volle Bewegungsamplitude bis zur lokalen Erschöpfung, bei minimalem Zeitaufwand von maximal dreißig Minuten pro Training, zweimal pro Woche. Heute trainieren über 200'000 Kunden in über 120 Betrieben. Der durchschnittliche Kieser Training-Kunde
ist 44 Jahre alt, weiblich, nicht besonders sportlich und ohne Erfahrungen im Fitnessbereich. Kieser Training verfolgt eine präventiv-therapeutische Zielrichtung: Kräftigung des Rückens und allgemeine Kräftigung.
http://www.sportmedizinkongress2003.de/frame.htm


Sportmedizinkongress 2003 Abstract
Oliver Miltner,
Orthopädische Universitätsklinik Aachen
Die Wirksamkeit unterschiedlicher Therapieverfahren bei Rückenschmerzen
In Deutschland sucht jeder fünfte Patient eine allgemeinmedizinische Praxis und jeder dritte Patient eine orthopädische Fachpraxis wegen Rückenschmerzen auf. Die Altersprävalenz liegt zwischen 35 und 55 Jahren bei einer erwerbstätigen Bevölkerungsgruppe, die einen wesentlichen volkswirtschaftlichen Faktor bezüglich Arbeitsausfällen, Umschulung oder gar Berentung darstellt. Jede fünfte Krankenhausbehandlung und jede dritte Operation wird wegen Rückenschmerzen durchgeführt . 46,5% des gesamten Heilmittelbudgets werden für Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates gerechnet. Davon werden 80% für den Rückenschmerz veranschlagt. Rückenschmerzen, die länger als 6 Wochen andauern werden von der „Quebec Task Force on Spinal Disorders“ als chronische Rückenschmerzen definiert. In der Literatur herrscht Einigkeit über die Bedeutung von allgemeiner körperlicher Aktivität und physischer Leistungsfähigkeit für die Prävention und Behandlung von chronischen Rückenschmerzen. Die in der Literatur vorhandenen Metaanalysen wurden ausgewertet und nach Kräftigungstherapie / Fitnesstraining und aktiver Physiotherapie unterschieden. Aktive Therapie (Kräftigungstherapie / Fitnesstraining / aktiver Physiotherapie) führt zu einer signifikanten Verbesserung der Beschwerden im Vergleich zu passiven Maßnahmen. Zwischen den aktiven Therapieverfahren konnte bisher kein Unterschied in Studien aufgezeigt werden. Prospektiv, randomisierte und kontrollierte Studien mit adäquaten Nachuntersuchungszeiträumen und Vergleichsstudien aller Therapieansätzen sind dringend notwendig um das „beste Therapiekonzept“ zur Behandlung des Rückenschmerzes zu validieren. http://www.sportmedizinkongress2003.de/frame.htm


Sportmedizinkongress 2003 Abstract

Jürgen Krämer,
Orthopädische Universitätsklinik im St. Josef Hospital Bochum
Lumbaler Bandscheibenschaden und Sport – Was schadet, was nicht?
Lumbale Bandscheibenschäden mit den klinischen Symptomen einer Lumbalgie oder Ischialgie treten bevorzugt im Alter zwischen demn 25. und 40. Lebensjahr auf, in einem Lebensabschnitt, der sowohl für den Breiten- als auch Leistungssport bedeutsam ist. Sport spielt bei Bandscheibenschäden eine zwiespältige Rolle: Einerseits beugt man durch geeignete sportliche Aktivität den verschiedenartigen Verschleißerkrankungen, insbesondere der Bandscheibendegeneration vor, andererseits kann man durch ungeeignete Bewegungsabläufe und übertriebene sportliche Bestätigung sogar einen Bandscheibenvorfall erzeugen. Insgesamt überwiegen aber beim Sport die positiven Einwirkungen: Durch Bewegungen aller Art wird die Ernährung des gefäßlosen Zwischenwirbelabschnitts über Diffusionsvorgänge gefördert. Außerdem fangen bei durchtrainierten Sportlern straffe Bänder und kräftige Muskeln die zahlreichen mechanischen Belastungen des täglichen Lebens und der Berufsarbeit besser ab, als bei Patienten ohne Training. Wir haben in einer kontrollierten Studie festgestellt, dass Patienten mit bandscheibenbedingten Beschwerden nach konsequenter Durchführung sog. bandscheibenfreundlicher Sportarten im weiteren Verlauf weniger Rückenbeschwerden haben, als eine Kontrollgruppe ohne diese sportliche Betätigung. Besonders zu beachten ist ein regelmäßig, parallel durchgeführter bandscheibenfreundlicher Sport ,mit Training der wirbelsäulenstabilisierenden Muskeln, bei Durchführung sog. bandscheibenunfreundlicher Sportarten, wie Golf, Tennis und Skiabfahrtslauf. Wer Golf spielt, sollte auch Sport treiben http://www.sportmedizinkongress2003.de/frame.htm


Effizienz der Hyaluronsäure-Therapie auch bei traumatischen Knorpelschäden bestätigt
Während die Wahrscheinlichkeit an einer Arthrose zu erkranken mit steigendem Lebensalter zunimmt, sind von traumatisch bedingten Arthropathien häufiger jüngere Patienten betroffen. Beim Sport, b besonders beim engagierten Breiten- und Leistungssport, gehören mechanische Überbeanspruchungen der Gelenke, die zu Schädigungen des Gelenkknorpels und in der Folge zur typischen Beschwerdesymptomatik mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen können, zum Alltag. Um die Funktion des körpereigenen Gelenkes möglichst lange zu erhalten, ist daher eine frühzeitige Diagnose und Therapie von Knorpelschäden unerlässlich. Im gesunden Gelenk ermöglicht die Synovialflüssigkeit das reibungsfreie Gleiten der Gelenkoberflächen. Durch ihre viskoelastischen Eigenschaften ist sie in der Lage, den Gewichtsdruck abzufedern und durch Stoß oder Belastung ausgelöste akute Druckspitzen zu dämpfen. Diese Eigenschaften werden maßgeblich durch die in der Synovialflüssigkeit enthaltene Hyaluronsäure bestimmt (3). Im arthrotisch oder traumatisch veränderten Gelenk ist der Gehalt und die Kettenlänge der endogenen Hyaluronsäure reduziert, die Synovialflüssigkeit kann den Gelenkknorpel nicht mehr ausreichend schützen. Durch exogen zugeführte Hyaluronsäure (Viskosesupplementation) kann dieser Krankheitsprozess frühzeitig aufgehalten werden (3). Die Wiederannäherung des Gelenkmilieus an physiologische Bedingungen reduziert Schmerzen und verbessert die Beweglichkeit. Die Effizienz der Viskosesupplementation ist abhängig von den rheologischen Eigenschaften und dem Molekulargewicht der verwendeten Hyaluronsäure. Besondere Bedeutung kommt dabei der Verweildauer im Gelenk zu. Diese ist bei Hyaluronsäuren mit höherem Molekulargewicht (ca. 2000 kDa) im Vergleich zu niedermolekularen deutlich verlängert (2). Mit der Markteinführung von Hyalubrix ® im Januar 2003 steht eine fermentativ hergestellte, hochmolekulare (> 1500 kDa) Hyaluronsäure zur Verfügung, die auch bei mechanisch bedingten Arthropathien aller Synovialgelenke zugelassen ist und deren rheologische Eigenschaften denen der Synovialflüssigkeit im gesunden Gelenk sehr ähnlich sind. Im Rahmen einer kürzlich abgeschlossenen Anwendungsbeobachtung an ca. 1500 Patienten wurde Hyalubrix ® auch bei 143 Patienten (9,5%) mit traumatisch bedingten Arthropathien mit Erfolg eingesetzt. Erwartungsgemäß waren diese Patienten deutlich jünger; über 60% waren nicht älter als 50 Jahre, während das Durchschnittsalter im Gesamtkollektiv bei 63,1 Jahren lag. Gleichzeitig waren mit 43,1% deutlich weniger Patienten übergewichtig oder adipös als in der Gesamtgruppe (69,84%). Es zeigte sich zudem, dass auch bei traumatisch bedingten Arthropathien in erster Linie das Kniegelenk (82,5%) betroffen ist. Bei über 95% der Patienten besserte sich die anfängliche Schmerzsymptomatik deutlich. Dies zeigte auch die abschließende Befragung, in der 92% der Ärzte und 89,5% der Patienten die
Wirksamkeit von Hyalubrix® mit sehr gut oder gut beurteilten. Diese Ergebnisse übertreffen sogar die guten Ergebnisse des Gesamtkollektivs. Besonders hervorzuheben ist, dass für die Erzielung dieses Behandlungserfolges bei 81,9% der Patienten drei Injektionen ausreichend waren. Auch die Verträglichkeit des Präparates wurde von mehr als 98% der Ärzte und Patienten mit sehr gut oder gut bewertet; es wurde kein unerwünschtes Ereignis dokumentiert. 90% der Patienten äußerte den Wunsch, bei akutem Anlass erneut mit Hyalubrix® therapiert zu werden. Die aktuellen Daten zeigen, dass gerade bei jüngeren und auch sportlicheren Patienten, die Behandlung mit Hyaluronsäure bei Arthropathien traumatischer Genese effizient, nebenwirkungsarm und von einem deutlichen Benefit für den Patienten begleitet ist und daher in Zukunft ebenso wie in der Behandlung degenerativer Arthopathien, wo sich der Einsatz von Hyaluronsäure bereits etabliert hat, in der orthopädischen und sportmedizinischen Praxis Eingang finden sollte (1). Sina Mölleken
Literatur:
1. Barrett JP, Siviero P: Retrospective study of outcomes in Hyalgan®-treated patients with osteoarthritis of the knee. Clin Drug Invest 22 (2002) 87—97
2. Coleman PJ, Scott D, Mason RM et al.: Role of hyaluronan in buffering interstitial flow across synovium in rabbits. J Physiol 526 (2000) 426—434
3. Peyron JG: A new approch in the treatment of osteoarthritis: viscosupplementation. Osteoarthritis Cartilage 1 (1995) 85—87
VIII DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 54, Nr. 12 (2003)


Marathon schadet Knie und Hüfte offensichtlich nicht
MÜNCHEN (gwa). Knie- und Hüftgelenke bei trainierten Marathonläufern sind offensichtlich gut an Laufbelastungen adaptiert.
Mit Magnetresonanz-Tomographie (MRT) sind in einer Studie jedenfalls keine Gelenkreaktionen wie Ödeme nach einem Marathonlauf festgestellt worden. An der Studie nahmen acht Hobby- und semiprofessionellen Läufern teil, die seit fünf Jahren etwa 5000 Kilometer jährlich liefen.
Dr. Erik Hohmann von der TU München und seine Kollegen untersuchten unter anderem die Hüft- und Kniegelenke der Läufer 48 Stunden vor und 24 bis 48 Stunden nach einem Marathonlauf mit MRT ("American Journal of Sports Medicine" 32, 2004, 55).
Bei keinem Läufer gab es Gelenkreaktionen auf die Laufbelastung. Die Kollegen vermuten, daß Marathonläufer auch durch den Laufstil Belastungen von etwa 2800 Tonnen, die beim Marathonlauf auf die Gelenke wirken, ausgleichen.
Ärzte Zeitung, 06.02.2004


Minimalinvasive Zugangsverfahren zu der Wirbelsäule haben vielerlei Vorteile. Jatros Orthopädie hatte die Gelegenheit, sich mit einem der ersten Anwender des für den endoskopischen Zugang speziell entwickelten MACS-TL-Systems zu unterhalten. Prof. Christian Gäbler von der Universitätsklinik für Unfallchirurgie AKH-Wien stand uns Rede und Antwort. Dort kommt dieses System bei traumatisch verursachten Frakturen von TH4 bis L2 zum Einsatz.    mehr infos Endoskopischer Zugang in der Wirbelsäulenchirurgie


S. Gödde
Rheumatoide Arthritis:
Kondition und Sport

Orthopädische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg

Für die meisten Patienten mit RA ist die regelmäßige Ausübung von Individual- und Mannschaftsportarten aufgrund des Krankheitsverlaufes nicht möglich. Lediglich für eine kleine Gruppe von Patienten mit sehr
moderatem Verlauf kann die Frage von Nutzen und Sicherheit bei der Ausübung von Individualsportarten wie z. B. Skifahren, Tennis oder Mountainbiken oder von Mannschaftssportarten wie Fußball oder Basketball relevant sein. Auch wenn grundsätzlich eine an Krankheitsaktivität und Gelenkverteilung angepasste Ausübung möglich scheint, liegen keine wissenschaftlichen Daten zu möglichen Risiken für eine Aktivierung der RA und Beschleunigung der Gelenkdestruktion vor. Demgegenüber steht eine Vielzahl randomisierter und kontrollierter Studien, aus denen sich klare Empfehlungen für Ausdauer- und Krafttraining bei Patienten mit RA ableiten lassen (Tabelle 1): Evidenzbasierte Empfehlungen für Ausdauertraining Die Intensität des Ausdauertrainings sollte gemäßigt bis forciert sein. Bei der Ausübung können 60 – 85 % der maximalen Herzfrequenz erreicht werden. 3 Übungseinheiten von 30 - 60 Min. Dauer können pro Woche absolviert werden. Die Einheiten sollten in sporttherapeutischen Zentren oder in Gruppen unter Anleitung durch einen professionellen Trainer erfolgen.
Geeignete Sportarten sind Aquajogging, Wandern, Radfahren oder Aerobic-Training. Die Intensität der Übungen sollte dem Trainingszustand kontinuierlich angepasst werden. Evidenzbasierte Empfehlungen für Krafttraining
Die Intensität des Krafttrainings sollte moderat bis forciert sein. Die einzelnen Übungen sollten so konzipiert sein, dass 50 – 80 % der maximalen willkürlichen Kontraktionskraft im Sinne der einmaligen Übungsbestleistung
eingesetzt werden müssen. 2 - 3 Übungseinheiten pro Woche sind zu empfehlen. Es können statische und dynamische Übungen gegen das Körpergewicht bzw. an verschiedenen Geräten mit variablen Widerständen für Zug- und Druckbelastungen erfolgen. Die Intensität der Übungen sollte dem Trainingszustand kontinuierlich angepasst werden. Die Programme können sowohl in Trainingszentren als auch in Eigenregie
mit regelmäßiger Kontrolle durch einen professionellen Trainer durchgeführt.
DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 55, Nr. 5 (2004)


R. Dinser
Sport beim Rheumatiker -
Internistische Sicht

Medizinische Klinik I, Rheumatologie
Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg

Das Risiko von sportlicher Aktivität bei Rheumatikern wird vor dem Hintergrund möglicher Gelenkschäden und Risiko für infektiöse Komplikationen diskutiert. Während bei nicht aktiver Erkrankung intensiver Sport Beweglichkeit und Wohlbefinden verbessert, können vorgeschädigte Gelenke verstärkt beschädigt werden. Bei bereits im Rahmen der entzündlichen rheumatischen Erkrankungen erhöhtem Infektionsrisiko sollten auch kleinere Verletzungen prompt antiseptisch behandelt werden.
Patienten mit entzündlichem Rheuma ohne akuten Krankheitsschub profitieren von sportlicher Betätigung, ohne größeren Schaden zu nehmen. Aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos sollten Sportarten mit geringer Verletzungsgefahr bevorzugt werden. Auch kleinere Verletzungen dürfen nicht bagatellisiert werden. Neben den üblichen eigenverantwortlichen Behandlungen ist bei schlechter Heilungstendenz ein Arzt frühzeitig hinzuzuziehen.
Bei gelenkschädigenden Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis können bereits vorgeschädigte Gelenke bei Belastung verstärkt verschlissen werden, so dass bei der Auswahl der Sportart auch die betroffenen Gelenke berücksichtigt werden müssen. Mehr als gesunde Sportler sollten Rheumatiker durch Sport hervorgerufene Schmerzen als Warnzeichen einer möglichen Gelenk- oder Weichteilschädigung respektieren. Der Schmerz sollte als Warnzeichen vor einer dauerhaften Gelenkschädigung dienen. Die Art der medikamentösen Behandlung hat nur geringen Einfluss auf die Fähigkeit zur Sporttherapie.

DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 55, Nr. 5 (2004)


Frosch-Kleber heilt gerissene Knorpel

Eine klebrige Substanz, die von Drüsen auf dem Rücken einer wenig bekannten Art australischer Frösche abgesondert wird, wurde erfolgreich zur Wiederherstellung von gerissenen Knorpeln in den Knien von Schafen eingesetzt. Der Frosch-Klebstoff wurde von Wissenschaftern der University of Adelaide zur Behandlung von schwierigen Knieverletzungen beim Menschen sowie einer Reihe anderer Anwendungsbereiche entwickelt. Entdeckt wurde der Klebstoff von dem Wissenschafter Mike Tyler. Der ungiftige Klebstoff wird innerhalb von Sekunden hart und klebt sogar im feuchten Lebensraum der Frösche.
Für den Versuch mit den Schafen brachte George Murrell von der University of New South Wales Risse in den Knieknorpel von zehn Schafen an, behandelte die Tiere mit dem Frosch-Klebstoff und stellte die Verbindungsstücke wieder her. Nach zehn Wochen untersuchten Tyler und Murrell die Schafe. Der Klebstoff hatte die Bruchstücke zusammengehalten und Collagen hatte die entstandene Lücke geschlossen. Die Wissenschafter haben nachgewiesen, dass der Klebstoff auch bei Plastik, Holz, Glas, Metall und Teflon funktioniert. Das Team um John Ramshaw von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation hat ein neues Protein als entscheidende Komponente des Klebers identifiziert. Derzeit wird eine gentechnisch hergestellte Variante dieses Proteins entwickelt.
Der Notaden genus lebt neun Monate des Jahres rund einen Meter unter der Erdoberfläche in getrocknetem Schlamm. An die Oberfläche kommt er nur bei starken Regenfällen. Bei dieser Gelegenheit ist er für Insektenstiche anfällig und sondert den Klebstoff ab. Damit werden die Kiefer der Angreifer blockiert, sie bleiben an den Fröschen kleben, die sie später fressen. Die Wissenschafter gehen laut NewScientist davon aus, dass der Frosch-Klebstoff die bestehende Nachfrage nach starken und flexiblen medizinischen Klebern decken könnte. Synthetische Kleber wie Cyanacrylat sind sehr stark, können aber giftig und spröde sein. Biologische Kleber, die auf Fibrin basieren, sind für die Fixierung von stark beanspruchten Körperteilen wie verletzten Knorpel im Meniskusbereich zu schwach. 06.10.2004 Infos für Ärzte http://www.journalmed.de


Knorpel kann paßgenau implantiert werden        Gelenke und Wirbelsäule
Computerprogramm sorgt bei der Knorpeltransplantation für höhere Präzision / Implantatdicke wird optimiert
BERLIN (gvg). Ein Navigationssystem soll Ärzten dabei helfen, bei der autologen Chondrozytentransplantation (ACT) am Knie die Implantate paßgenauer als bisher zu machen. An der Unfallklinik in Tübingen wird die neue Methode, die beim Deutschen Orthopäden-Kongreß in Berlin vorgestellt wurde, seit einigen Monaten erprobt.
Die ACT setzen Orthopäden vor allem zur Behebung großflächiger Knorpeldefekte nach Unfällen ein. Es gibt Verfahren, bei denen das Transplantat mit einer Knochenhaut abgedeckt wird, und solche, bei denen das nicht erforderlich ist.
Das neue Navigationssystem dient der Optimierung der modernsten Form der ACT, der arthroskopischen Implantation einer mit den eigenen Knorpelzellen des Patienten angereicherten Kollagenmatrix. Diese Zellen werden zuvor in einer ersten Arthroskopie aus gesunden Arealen entnommen und zwei bis drei Wochen lang unter Laborbedingungen herangezüchtet.
Im gleichen Schritt wird in Tübingen seit neuestem ein elektronisches Tastsystem genutzt: Der Knorpeldefekt wird mit einem stiftähnlichen, endoskopischen Instrument abgetastet. Aus den damit ermittelten Koordinatenpunkten errechnet ein Computerprogramm die exakte Größe des erforderlichen Kollagenimplantats. Es wird dann zurechtgeschnitten und mit den angezüchteten Knorpelzellen des Patienten angereichert.
"Vorteile bringt das nicht so sehr bei der Breite und Länge, wohl aber bei der Dicke der Implantate", wie Professor Kuno Weise von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen erläuterte. Denn Implantate, die versehentlich zu dick geraten, erhöhten die Gefahr einer späteren Arthrose, so Weise.
Stellt sich erst während des Eingriffs heraus, daß ein Implantat zu dick ist, gibt es kaum noch Spielräume. Weder kann die Knochenhaut unter dem Defekt abgetragen werden, noch eignet sich das frische Implantat zum Abfräsen, wie es bei Patienten mit noch gesundem Knorpel möglich ist. Ärzte Zeitung, 21.10.2004
Sportverletzungen des Kniegelenks     Schäden durch Sport    Sportverletzungen


H. Schmitt, C. Carstens
Jahrgang 55, Nr. 6 (2004) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN
Skoliose und Sport
Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Skoliosen treten bei 2 - 3 % der Bevölkerung auf, gehäuft bei Mädchen.Verschiedene Messmethoden (1, 5) werden zur Beurteilung des Ausmaßes der Krümmung herangezogen. Prinzipiell ist sportliche Aktivität nach den Vorgaben des Arbeitskreises Skoliose der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) zu empfehlen. Ein wissenschaftlicher Nachweis nämlich, der im Hinblick auf das Auftreten einer Skoliose oder eine Verstärkung einer bestehenden Skoliose „wirbelsäulenschädigende“ Sportarten festlegen kann, ist bislang nicht erbracht. Die Skoliose ist eine Fehlstellung der Wirbelsäule mit Seitausbiegung in der Frontalebene, Rotation und Änderung des sagittalen Profils. Ihre Inzidenz beträgt durchschnittlich 2 - 3 %. Mädchen sind etwa viermal so häufig betroffen wie Jungen. In ca. 85 % der Fälle ist die Ursache unklar. Hier spricht man von einer „idiopathischen“ Skoliose, die je nach dem Zeitpunkt der erstmaligen Diagnosestellung in drei Kategorien unterteilt wird: infantil (bis 3. Lebensjahr), juvenil (4. - 9. Lebensjahr), adoleszent (ab 10. Lebensjahr). Je nach Ursache werden die übrigen Formen der Skoliose in ‚neuropathische’, ‚myopathische’, ‚kongenitale’, ‚radiogene’, ‚statische’, ‚posttraumatische’ und ‚Skoliosen bei Systemerkrankungen’ eingeteilt.
Klinische Untersuchung
Bei der klinischen Untersuchung ist auf Schulter- und Beckenstand zu achten, daneben auf eine Asymmetrie der Taillendreiecke. Klassische Zeichen sind zudem Rippenbuckel und/oder Lendenwulst beim Vorbeugen. Die Seitabweichung eines Lotes, das von C7 in Richtung auf die Rima ani gefällt wird, ist als prognostisch ungünstiges Zeichen zu werten.
Diagnostik
Zur Beurteilung des Ausmaßes der Krümmung ist die Anfertigung einer Röntgenaufnahme der Wirbelsäule im Stehen in beiden Ebenen erforderlich. Für die Messung der Krümmung im posterior-anterioren Strahlengang hat sich die Methode nach Cobb (J.R. Cobb, amerikanischer Orthopäde, 1903-1967, Abb.1; 1) durchgesetzt. Hierbei wird zur Bestimmung des Skoliosegrades der Winkel zwischen der Deckplatte des obersten Neutralwirbels und der Grundplatte des untersten Neutralwirbels gemessen. Analog wird im seitlichen Strahlengang der Grad von Kyphose und Lordose bestimmt. Die Rotation kann nach der Methode von Nash und Moe, die sich an der mit zunehmender Rotation nach medial projezierenden Bogenwurzel orientiert, bestimmt werden (5).
Progredienz der Skoliose
In die Überlegungen zur Behandlung der Skoliose und zur Beurteilung der Belastungsfähigkeit der Wirbelsäule muss die Wahrscheinlichkeit der Progredienz mit einbezogen werden. Sie ist abhängig von der Phase der körperlichen Entwicklung (10) und dem bestehenden Ausgangswinkel. Die Progredienz der Verkrümmung ist umso wahrscheinlicher, je jünger das Kind und je stärker die Krümmung zum Zeitpunkt der Erstdiagnose ist. Ab einem Winkel von 20 Grad ist die Wahrscheinlichkeit einer raschen Progredienz je nach Alter deutlich gesteigert. Langzeituntersuchungen konnten zeigen, dass auch nach Wachstumsabschluss je nach Ausgangsbefund und Höhe des Scheitelwirbels bei idiopathischen Skoliosen eine Progredienz zu erwarten ist.
Therapie
Bei Skoliosen zwischen 10 und 20 Grad wird eine krankengymnastische Übungsbehandlung mit Anleitung zu Eigenübungen empfohlen. Ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis der gebräuchlichen Methoden (3, 4, 11) konnte bislang jedoch nicht erbracht werden. Bei idiopathischen Skoliosen zwischen 20 und 40 Grad thorakal oder 20 und 50 Grad lumbal bei mindestens einem Jahr noch zu erwartendem Wachstum ergibt sich die Indikation zur Korsettversorgung. Verschiedene Korsettformen, die eine Progression der Fehlstellung aufhalten sollen, nicht jedoch eine komplette Rückbildung bewirken können,kommen zum Einsatz (z. B. Boston-Brace, Chêneau-Korsett, Vienna-Brace, Cuxhaven- Korsett, Milwaukee-Korsett) und sollten mindestens 18 von 24 Stundenam Tag getragen werden. Das Korsett muss während der Sportausübung nicht getragen werden. Operative Therapiemaßnahmen sind bei Skoliosen über 50 Grad thorakal oder 40 Grad lumbal indiziert, wenn unter Berücksichtigung aller Risikofaktoren eine weitere Progredienz erwartet werden muss. Alter, Ausgangsbefund, Lokalisation und Flexibilität spielen hier eine entscheidende Rolle. Zahlreiche Operationsverfahren sind in den vergangenen Jahren mit dem Ziel der Korrektur und Stabilisierung (Spondylodese = Versteifung) entwickelt worden. In Abhängigkeit der Kurvenform kommen neben ventral komprimierenden und derotierenden Metallimplantaten (CDH, KASS) auch rein dorsale Verfahren (Luque, Cotrel-Dubousset, XIA, USS) zur Anwendung. Folgende Fragen sind bei sportlicher Aktivität und Wirbelsäulenfehlstellungen zu beantworten: 1. Gibt es Sportarten, die eine Wirbelsäulenverkrümmung verursachen können oder solche, die eine Skoliose verstärken können? Auch wenn biomechanische Untersuchungen hierzu nicht vorliegen, wird davon ausgegangen, dass einzelne Sportarten zu erhöhten „Stoßbelastungen“ der Wirbelsäule führen. Untersuchungen an Sportlern konnten in verschiedenen Sportarten allerdings lediglich Seitausbiegungen der Wirbelsäule dokumentieren. Die bei Speerwerfern, Tennisspielern, Turnern, Footballspielern und Tänzern beschriebenen „Skoliosen“ der Wirbelsäule waren nur in seltenen Fällen fixiert und wurden mit einem Winkel < 20 Grad beschrieben. Diese „funktionellen Skoliosen“ sind vor allen Dingen Seitausbiegungen und durch die sportartspezifische Technik mit Mehrbelastung einer oberen Extremität bedingt, sie haben keine Progressionstendenz und sind reversibel. Die einzige Untersuchung, bei der ein gehäuftes Auftreten von Skoliosen > 20 Grad an einem Sportlerkollektiv beschrieben wird, wurde an bulgarischen
Athletinnen der rhythmischen Sportgymnastik durchgeführt, die mit einem nicht sporttreibenden Normalkollektiv verglichen wurden. Die Auswahl des Kontrollkollektives ist jedoch kritisch zu betrachten. Daneben gibt es eine Beobachtung bei Tänzerinnen, bei denen neben Störungen des Östrogenhaushaltes auch Skoliosen beobachtet wurden. Aus Mangel an Beweisen „wirbelsäulenschädigender“ Sportarten durch wissenschaftliche Untersuchungen ist ein prinzipielles Verbot einzelner Sportarten nicht gerechtfertigt und muss im Einzelfall entschieden werden. Insbesondere gibt es keine gesicherten Hinweise dafür, dass bei vorbestehender Skoliose bestimmte Sportarten zu einer Zunahme der Verkrümmung führen.

Empfehlung
Grad der Skoliose Sportempfehlung
10 - 20 Grad - alle Sportarten sind möglich
                     - spezielle Empfehlung nicht erforderlich
                     - aktive Schulsportteilnahme wird empfohlen
21 – 40 Grad - alle Sportarten grundsätzlich möglich (keine Stoßbelastungen der Wirbelsäule)
                      - aktive Schulsportteilnahme wird empfohlen
                      - während der Sportausübung keine Orthese
> 41 Grad - Sport wird empfohlen unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Rücksicht auf eine eventuelle kardiopulmonale Beeinträchtigung oder andere Risikofaktoren genommen wird operierte Patienten - dieselben Empfehlungen wie bei den Skoliosen von 21 - 40 Grad
                       - Generelle Empfehlung ist nicht möglich. Festle gung vom Operateur ein Jahr postoperativ (Art des Instrumentariums, Länge der Spondylodese)
                        - Nicht empfehlenswerte Sportarten: Kontaktsportarten, Bodenturnen, Springreiten, Trampolinspringen, Leistungssport

2. Welcher Sport kann Patienten mit Skoliose empfohlen werden?
Unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkenntnisse hat der Arbeitskreis Skoliose der Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie (DGOT) 1991 Empfehlungen für Patienten mit konservativ und operativbehandelten Skoliosen ausgesprochen (Tab. 1). Prinzipiell wird bei konservativ behandelten Skoliosen eine Schulsportteilnahme empfohlen. Kinder, bei denen eine Skoliose operativ korrigiert wurde, müssen in ihrer Sporttauglichkeit individuell beurteilt werden. Die Sportempfehlung richtet sich hier nach der Länge der Spondylodesestrecke und der Bedeutung des untersten fusionierten Segmentes. Die der Spondylodese angrenzenden Segmente werden biomechanisch verstärkt belastet. Somit besteht eine erhöhte Gefahr des Auftretens degenerativer Veränderungen und von Spondylolysen. Wichtig für die Belastungsfähigkeit der operierten Wirbelsäule ist die Festigkeit der Spondylodese, die vom Operateur ein Jahr postoperativ beurteilt werden sollte. Studien konnten zeigen, dass operierte Kinder Sportarten wählen, die prinzipiell weniger „wirbelsäulenbelastend“ sind.

Literatur

1. Cobb JH: Outline for the Studa of Scoliosis, in: Instructional course lectures. Am Acad Orthop Surg (1948) 5-261.
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Korrespondenzadressen:
Dr. med. Holger Schmitt
Leiter Bereich Sportorthopädie
Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Prof. Dr. med. Claus Carstens
Leiter Sektion für Kinderorthopädie und Wirbelsäulenchirurgie
Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg