SPORTVERLETZUNGEN
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BCAA Kreatin Carnitin Fette Fettsäuren Verletzungen im Sport.von Lars Peterson, Per Renström Preis: EUR 34,76 Gebundene Ausgabe 488 Seiten - Dt. Ärzte-Vlg., Köln Erscheinungsdatum: 1998 Auflage: 2., völlig neubearb. Aufl. Hier bestellen!
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Jugendalter.
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Verletzt... was tun? Hilfe zur Selbsthilfe bei
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Sportmassage für Aktive. Voraussetzungen.
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Sporttraumatologie.
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Wohlbefinden für den |
| Sport - Physiotherapie. Doris Eitner, Werner Kuprian, Lutz Meissner Preis: EUR 25,46 Hier bestellen! Gebundene Ausgabe (1990) Kurzbeschreibung Die Erfahrungen langjährig praktizierender Krankengymnasten, die sich in Klinik und freier Praxis schwerpunktmäßig mit sportmedizinischen Problemen beschäftigen, sind in diesem Band verarbeitet. Das Grundprinzip, die Betonung der aktiven, krankengymnastischen Methoden, das heißt die Umsetzung in praktische Handlungskonzepte, wird umfassend dargestellt. |
Verletzungsmuster im Handball bei der Männer-Weltmeisterschaft 2001
Langevoort G, Junge A, Ah
Medizin- und Arzt-Kommission der Internationalen Handball Federation
Ziel:
Im Handball spielt die
Verletzungsproblematik eine große Rolle. Zur Entwicklung einer effektiven
Präventionsstrategie ist die genaue Kenntnis der Verletzungsmuster und der
Zeitpunkte des Auftretens im Spiel von großer Bedeutung. Daher wurde gemeinsam
mit dem IOC eine Studie über Verletzungen im Handball bei internationalen
Veranstaltungen initiiert. Eine erste Pilotstudie wurde bereits im Rahmen des
olympischen Handballturniers in Sydney durchgeführt.
Methodik:
Im Rahmen der Handball-Weltmeisterschaft
der Männer im Januar 2001 in Frankreich wurde an alle betreuenden
Mannschaftsärzte zu Beginn des Turniers ein Fragebogen verteilt, auf dem
Angaben über eine im Spiel aufgetretene Verletzung (u.a. Zeitpunkt, Art,
Lokalisation, Schwere und nähere Umstände, Folgen für die weitere
Belastbarkeit etc.) abgefragt wurden. Die Fragebögen wurden jeweils nach dem
nächsten Spiel der betreffenden Mannschaft eingesammelt.
Ergebnisse: Insgesamt wurden
80 Spiele ausgetragen. Die Rücklaufquote ausgefüllter Fragebögen betrug 78 %.
Die Verletzungsinzidenz betrug 110 Verletzungen pro 1000 Spielstunden und
liegt somit etwas höher als im Fußball. 42 % der Verletzungen führten NICHT zu
einem Ausfall im Training oder Spiel. 7 Spieler fehlten nach der Verletzung 1
Tag, weitere 15 bis zu einer Woche, 3 fehlten 2 Wochen und 2 Spieler länger
ls 4 Wochen. Überwiegend konnten
die Verletzungen somit als leicht eingestuft werden. Die
Verletzungslokalisation betraf überwiegend die unteren Extremitäten (n=48), am
häufigsten das Knie (n=15) und die Unterschenkel (n=12), gefolgt.vom Kopf
(n=9), ferner Rücken, Ellbogen, Oberschenkel und Fußgelenk (je n=7). Die
Verletzungsart betraf überwiegend Contusionen (n=55), Verstauchungen (n=7),
Überdehnungen (n=6), ferner insgesamt 11 mal schwere Verletzungen wie
Frakturen, Dislokationen und Rupturen. 80 % der Verletzungen entstanden durch
Gegnerkontakt, 37 % bei einem als „Foul“ eingeschätzten Kontakt, wobei nur 13
% durch die Schiedsrichter geahndet wurden. Die Verletzungen traten
überwiegend in der zweiten Halbzeit auf (n=54).
37. Deutscher Kongress für
Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda
BADEN-BADEN (evs). Eine rasche Therapie von Patienten mit Zerrungen und
Muskelfaserrissen ist der beste Garant für einen Heilerfolg. Intensivmethoden,
die bei Spitzensportlern hervorragende Erfolge bringen, sind oft auch in der
Praxis bei verletzten Hobby-Sportlern anwendbar.
Grundsätzlich müssen Ursachen und Symptome von Zerrungen oder Muskelrissen
differenziert werden, um jeweils adäquat therapieren zu können.
Wie Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Mannschaftsarzt des FC Bayern
München und der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft, bei einem Symposium des
Unternehmens Heel bei der Medizinischen Woche in Baden-Baden erläutert hat,
ist das Leitsymptom einer Zerrung ein schrittweiser, krampfartiger Schmerz.
Bei einem Faserriß hingegen trete ein stichähnlicher akuter Schmerz auf. Ein
Muskelriß hat einen spondylogenen Ursprung in einer Wurzelreizung. Im
Versorgungsgebiet des gereizten Nervs steigt die Muskelspannung, die
Elastizität des Muskels sinkt, die Verletzungsanfälligkeit nimmt zu. Nach
einem Muskelriß kommt es sofort zu einer entzündlichen Gewebereaktion, oft
auch mit Schwellung und Blutungen verbunden. Das betroffene Muskelbündel hat
sofort einen höheren Tonus, sagte der Sportmediziner. "Schlüssel zum Erfolg ist die manuelle Diagnostik, die jeder apparativen
Diagnostik überlegen ist", betonte Müller-Wohlfahrt. "Man muß in den Muskel
hineinfühlen, um die verletzte Stelle genau aufzuspüren. Diese Technik beruht
auf einer langen Erfahrung." Müller-Wohlfahrt behandelt Sportler mit einer Injektion in den verletzten
Muskel sowie in den Epiduralraum des dem verletzten Muskel zugeordneten Nervs. Bei der Infiltrationstherapie wird eine Mischung aus dem homöopathischen
Komplexpräparat Traumeel® und physiologischer Aminosäurelösung über fünf bis
sieben Nadeln injiziert. Die Nadeln werden unter örtlicher Betäubung in das
Muskelbündel mit dem Faserriß eingebracht. Das Präparat fördert die Heilung des entzündlichen Prozesses. Durch diese
Therapie sind die Spitzensportler in der Regel 14 Tage nach einem Muskelriß
wieder belastbar. Kortison oder Schmerzmittel werden grundsätzlich nicht
verwendet. Auch bei der Behandlung von "normalen" Patienten in der Praxis sind diese
Methoden anwendbar. "Wichtigster Faktor ist die Zeit", erklärte Müller Wohlfahrt in einem
Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". "Man muß so schnell wie möglich behandeln". Um das entzündliche Geschehen zu beeinflussen, kann das homöopathische
Präparat nicht nur intramuskulär injiziert, sondern auch intravenös und oral
appliziert werden. Ärzte Zeitung, 16.11.2001
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Verletzungen im Sport. von Lars Peterson, Per Renström Preis: DM 67,98 EUR 34,76 Gebundene Ausgabe 488 Seiten - Dt. Ärzte-Vlg., Köln Erscheinungsdatum: 1998 Auflage: 2., völlig neubearb. Aufl. Hier bestellen! |
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Therapielexikon der Sportmedizin. Behandlung von Verletzungen des
Bewegungsapparats von Stephan Maibaum, Markus Braun, Bernd Jagomast, Karel Kucera Preis: DM 79,90 EUR 40,85 Gebundene Ausgabe - 250 Seiten Erscheinungsdatum: Januar 2001 Hier bestellen! |
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Kompendium der Sportverletzungen. von Wolfgang Menke Preis: DM 35,97 EUR 18,39 Taschenbuch - 168 Seiten Erscheinungsdatum: 2000 Hier bestellen! |
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Sportverletzungen
und Überlastungsschäden. Prävention, Therapie, Rehabilitation. von Per Renström Gebundene Ausgabe - 670 Seiten - Dt. Ärzte-Vlg. Erscheinungsdatum: 1996 Hier bestellen! |
Verletzungen und Beschwerden im Laufsport: Prävention und Therapie
Zusammenfassung
Die Zunahme an Laufsportlern hat in den vergangenen Jahren zu einem
Anstieg von typischen, belastungsabhängigen Beschwerden des Stütz- und
Bewegungsapparats geführt. Derzeit wird eine Verletzungsrate bei Läufern von
circa 30 Prozent angenommen. Art und äußere Umstände während der Belastung
führen zu laufspezifischen Verletzungen. Epidemiologischen Untersuchungen
zufolge sind insbesondere die Achillessehne, die Knieregion, die untere LWS, die
Plantaraponeurose oder die vordere Schienbeinkante betroffen. In der Diagnostik
dominiert die klinische Untersuchung in Kombination mit einer differenzierten
sportartspezifischen Anamnese. Die zusätzliche Anwendung bilddiagnostischer
Verfahren ist häufig sinnvoll. Therapeutisch und präventiv stehen konservative
Maßnahmen im Vordergrund. Vielfach haben sich physiotherapeutische Maßnahmen
bewährt, die durch ein funktionelles, propriozeptiv orientiertes Training, die
Optimierung der Schuh- und Einlagenversorgung, eine Anpassung der
Trainingsmodalitäten und je nach Indikation eine lokale oder systemische
analgetisch-antiphlogistische Therapie unterstützt werden.
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DAS Standardwerk zum Thema
(Sport-) Tapen Taping- Seminar. von Hans Jürgen Montag, Peter D. Asmussen Preis: EUR 34,80 Taschenbuch - 203 Seiten Erscheinungsdatum: 1998 Auflage: 4. Aufl. Hier bestellen! |
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Sportbiologie.
von Jürgen Weineck Preis: EUR 39,80 Gebundene Ausgabe - 842 Seiten - Spitta, Nürnberg Erscheinungsdatum: 2000 Auflage: 7. überarb. u. erw. Aufl. Hier bestellen! |
Verletzungen und Beschwerden im Laufsport haben in den vergangenen Jahren
deutlich zugenommen.
Derzeit wird von einer Inzidenz von circa 30 Prozent
ausgegangen. Die Symptome bestehen häufig über einen längeren Zeitraum, der
mehrere Wochen bis Monate umfassen kann (13).
30 bis 50 Prozent aller Beschwerden sind im Bereich des Kniegelenks lokalisiert
(7, 21, 48). Dabei wird differenziert zwischen dem femoropatellaren
Schmerzsyndrom, dem Iliotibial-Band-Syndrome sowie der Tendinitis und
Ansatztendinosen der Patellarsehne (10, 13, 15). Mehrere Arbeiten zeigen die
steigende Bedeutung von LWS- und Achillessehnenbeschwerden (32, 33). Als
lauftypisch gelten zudem die Periostitis der Schienbeinkante, die Entzündung der
Plantaraponeurose und Stressfrakturen im Bereich der Tibia, Fibula und der
Metatarsalia (10, 48).
Aktuelle Publikationen weisen auf eine Veränderung des Beschwerdeprofils hin
(33). Während Kniebeschwerden zurückgehen, nehmen Beschwerden des lumbosakralen
Übergangs und im Bereich der Achillessehne zu (13, 15, 22, 27, 33). Allerdings
muss hier der Leistungsstand mitberücksichtigt werden. Vermehrte
Achillessehnenbeschwerden werden bei leistungsorientierten Läufern beobachtet,
wohingegen bei Freizeitläufern nach wie vor Knie- und LWS-Beschwerden im
Vordergrund stehen (Grafik 1).
Beschwerden auslösende Faktoren
Als Beschwerden auslösende Ursachen werden eine ungenügende Schockabsorption auf
hartem Untergrund, Achsfehlstellungen sowie Trainingsfehler angenommen (7, 9,
30, 43). Die Forderung einer Reduktion der Aufprallkräfte durch
Dämpfungselemente in den Schuhen und die Empfehlung von Laufbelastungen auf
„weichen“ Untergründen war die Folge. Nicht zuletzt durch die Beratung von
Medizinern gewannen damit unebene und unruhige Laufuntergründe an Beliebtheit.
Allerdings könnte dadurch die steigende Anzahl an Achillessehnenbeschwerden auf
längere Hebelarme durch einen hohen Abstand zwischen Ferse und Boden im Schuh
und die unruhigen Laufuntergründe zurückzuführen sein. Die grundsätzliche
Empfehlung auf weichen Untergründen mit extrem gedämpften Schuhen zu laufen,
wird daher derzeit kritisch gesehen.
Weitere Ursachen sind Defizite der LWS- und hüftübergreifenden Muskulatur,
weshalb eine entsprechende funktionelle Kräftigung als sinnvoll und notwendig
erachtet wird (40, 44). Zudem werden Fehler in der Trainingssteuerung und
-dosierung genannt (4, 29, 30, 35). Als sicher nachgewiesen gilt derzeit
lediglich die Abhängigkeit vom Trainingsumfang ab einer Laufstrecke von 32
km/Woche (29, 30, 49). Eine Korrelation zur Laufgeschwindigkeit ließ sich
dagegen nicht finden (30, 49). Ebenfalls konnte bisher kein grundsätzlicher
Einfluss von Bergläufen, verschiedenen Untergründen und Tempoläufen nachgewiesen
werden (20, 22, 30, 49). Der Vorerfahrung bei einem Trainingsalter unter drei
Jahren (4, 20, 22) und Vorverletzungen werden eine wichtige Bedeutung
beigemessen (29, 30, 31, 49).
Als Beschwerden auslösend wird außerdem die Überpronation beziehungsweise eine
veränderte Funktion des subtalaren Gelenks mit konsekutiver Innenrotation der
Tibia angeführt (6, 19). Die Mehrheit der Läufer entwickelt allerdings bei einer
ausgedehnten Pronation beziehungsweise einer hohen Pronationsgeschwindigkeit
keine Beschwerden, wogegen bei manchen Läufern bereits eine geringe Pronation
beschwerdeauslösend wirkt (19). Bei der Quantifizierung können allerdings sowohl
2-D-Videomessungen als auch hochauflösende 3-D-Messungen die Bewegungen des
Fußes im Schuh und den Einfluss von Gewebeverschiebungen auf die Beschreibung
von Segmentbewegungen kaum erfassen (16). Aktuell ergibt sich durch den Einsatz
von plantaren Druckverteilungssystemen ein Ansatz für eine zuverlässige und
valide Bestimmung der Verhältnisse am Interface zwischen Fuß und Umgebung, da
hierbei die Dynamik während der Abrollbewegung berücksichtigt wird (Grafik 2).
Interessant ist zudem die Bedeutung des sensorischen Inputs und dessen Einfluss
auf die Muskulatur. Neuere Ergebnisse deuten darauf hin, dass hierüber
Einsichten in biomechanisch begründete Entstehungsmechanismen von Beschwerden
gewonnen werden können.
LWS-Beschwerden
Die Bedeutung von LWS-Beschwerden im Laufsport hat deutlich zugenommen. Sie wird
allerdings oft unterschätzt, und die Prävention wird vernachlässigt (44). Meist
handelt es sich um funktionelle Störungen der LWS, des lumbo-sakralen Übergangs
und des Iliosakralgelenks (ISG) durch die Belastung selbst, seltener um
strukturelle Störungen (10, 44). Möglich ist zudem das Auftreten als
Begleitsymptomatik bei Beschwerden der unteren Extremität, da Ausweichbewegungen
zu Veränderungen des Bewegungsablaufs führen können (44). Als Hauptursache wird
ein insuffizientes oder dysbalanciertes Muskelkorsett ohne ausreichende
Kompensationsmöglichkeit der Impactkräfte angenommen. Neben der klinischen
Untersuchung ist eine Basisdiagnostik unter Einbeziehung bildgebender Verfahren
(Nativ-Röntgen und gegebenenfalls CT/NMR) zum Ausschluss struktureller
Veränderungen erforderlich.
Die Therapie ist eine Domäne der funktionell orientierten Physiotherapie. Der
Großteil der Patienten ist dabei manuellen Behandlungstechniken in Kombination
mit einem funktionellen Stabilisationstraining zugänglich (44). Als günstig
erwiesen hat sich eine orale antiphlogistische Behandlung, um eine schmerzfreie,
koordinativ orientierte Bewegungsschulung zu ermöglichen. Präventiv sollte auf
die Notwendigkeit einer funktionellen Kräftigung beziehungsweise Verbesserung
der Dehnfähigkeit der LWS- und hüftübergreifenden Muskulatur hingewiesen werden.
Weit verbreitet ist die Ansicht, dass Achsenfehlstellungen und
Beinlängendifferenzen zu Laufbeschwerden führen. Die statische Evaluation zur
Beurteilung ist aus wissenschaftlicher Sicht als unzureichend valide
einzustufen, da dynamische Kompensationsmechanismen nicht erfasst werden. Nicht
selten können deshalb zusätzliche Beschwerden bei einer Korrektur statisch
erfasster Achsen- oder Längenabweichungen ausgelöst werden (40).
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Femoropatellares Schmerzsyndrom
Die Mehrzahl belastungsabhängiger Kniebeschwerden (runner’s knee) bezieht sich
auf das femoropatellare Gleitlager (13). Der pathophysiologische Mechanismus der
Beschwerdeentstehung ist bisher ungeklärt (13). Die Kombination aus einem
einseitig verstärkten Zug der lateralen oder medialen Quadricepsanteile, einer
veränderten Statik und der Belastung während des Laufens (zum Beispiel vermehrte
Innenrotation der Tibia bei hoher Pronationsgeschwindigkeit [19]) kann
vermutlich entzündliche Reaktionen auslösen (13, 15). Weiterhin kann eine
verminderte Stabilisationsfähigkeit der Muskulatur ursächlich hierzu beitragen
(12).
Die Beschwerdesymptomatik wird vom Patienten meist ventral, proximal unter der
Kniescheibe angegeben und tritt bei oder nach länger bestehender
Flexionsstellung unter Belastung auf. In der klinischen Diagnostik haben sich
Kompressionsbelastungen der Patella in ihrem Gleitlager bei unterschiedlichen
Positionen und Anspannungsgraden der Quadricepsmuskulatur bewährt (10, 13).
In der Therapie werden unterschiedliche Konzepte verfolgt. Am häufigsten
verbreitet ist die Auffassung, dass über eine funktionelle Kräftigung des
Quadriceps eine Balancierung des Zugs auf die Patella zu erreichen ist (13, 46).
Somit wird als Basis von Rehabilitation und Prävention ein
propriozeptiv-funktionell orientiertes Krafttraining (Zugapparat, Trampolin,
Wackelbrett, Kreisel) empfohlen. Ein zusätzliches Muskelaufbautraining der
Extensoren aber auch der ischiokruralen Muskulatur unter gleichzeitiger
Verbesserung der Dehnfähigkeit (vor allem ischiokrural, Triceps surae und
Tractus iliotibialis [12]) ist sinnvoll, bei alleiniger Anwendung allerdings oft
nicht ausreichend. Hingewiesen werden muss zudem auf die notwendige Verbesserung
der muskulären Stabilisationsfähigkeit des Beckens (45). Aus biomechanischer
Sicht wird eine Umlenkung der auf das femoropatellare Gleitlager einwirkenden
Kräfte angestrebt. Neben der Korrektur über eine Einlagenversorgung
beziehungsweise Änderung des Schuhwerks werden auch hier durch eine Veränderung
des propriozeptiven Inputs mittels spezieller Tape-Techniken erstaunliche
Erfolge erzielt (13, 34). Orale Antiphlogistika kommen in der akuten
Schmerzphase oder als Unterstützung der Physiotherapie infrage. Die operative
Therapie bleibt äußerst therapieresistenten Fällen vorbehalten, da die
Aussichten auf einen möglichen Erfolg mit einer Reintegration in den Laufsport
durch kleinere Eingriffe, wie beispielsweise einem lateralen Release, umstritten
sind (18, 36).
Tractus-iliotibialis-Scheuersyndrom
Unter dem Tractus-iliotibialis-Scheuersyndrom (ITBS, Iliotibial-Band-Syndrome)
versteht man belastungsabhängige, rezidivierende Schmerzen durch Friktionen
zwischen dem Tractus iliotibialis und der lateralen Femurkondyle. Als Ursache
wird ein Dorsal- beziehungsweise Ventralgleiten des Tractus bei Knieflexion über
30 Grad unter Belastung angenommen (13), das sekundär zu einer entzündlichen
Reaktion zwischen dem Tractus, der darunter liegenden Bursa und dem Periost der
lateralen Femurkondyle führt (11). Erstmals beschrieben wurde das ITBS Mitte der
70er-Jahre durch Colson (8). In der Diagnostik ist differenzialdiagnostisch
zwischen dem klassischen ITBS und einer Ansatztendinose des Tractus an dessen
Insertion am Tuberculum gerdii an der lateralen Tibia zu unterscheiden (25, 47).
Klinisch äußert sich das ITBS in belastungsabhängigen Beschwerden, die zum
Beispiel beim Treppensteigen oder repetitiven Kniebeugen deutlich zunehmen
können. Seltener werden Krepitationen oder Weichteilschwellungen gefunden. Die
Ansatztendinose lässt sich insbesondere durch einen scharfen Druckschmerz distal
des lateralen Kniegelenkspalts erkennen.
Für beide Lokalisationen hat sich vor allem eine physiotherapeutische
Vorgehensweise mit Querfriktionen, Dehnung des Tractus und zusätzlicher
Anwendung von Eis, Ultraschall und Elektrotherapie bewährt. Bei der
Ansatztendinose ist zudem oftmals eine lokale Infiltration zunächst mit
Lokalanästhetika, bei Therapieresistenz auch unter Zusatz von Steroiden
empfehlenswert (10, 39). Orale Antiphlogistika können die Behandlung
unterstützen, führen allerdings selten zu völliger Beschwerdefreiheit. Gute
Erfolge lassen sich über eine Optimierung der Einlagen- und Schuhversorgung
erzielen. Präventiv ist die Dehnung des Tractus bedeutsam.
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Patellaspitzensyndrom
Als Patellaspitzensyndrom wird eine lokale entzündliche Reaktion am Ursprung der
Patellarsehne bezeichnet. Die Symptomatik erstreckt sich von belastungsabhängig
zunehmenden Schmerzen bis zu einem scharfen Druckschmerz medial, zentral oder
lateral der Patellaspitze. Nicht selten wird der Druckschmerz nur in
Streckstellung des Kniegelenks bei entspanntem Quadriceps und Aufschieben der
Patella auf den Daumen des Untersuchers deutlich. Therapeutisch empfiehlt sich
eine konservative Vorgehensweise mit Querfriktionen, Eis, Elektrotherapie und
Ultraschall, unterstützt durch ein neuromuskulär-propriozeptiv orientiertes
Training auf Wackelbrett, Trampolin und Kreisel beziehungsweise der Einsatz von
Thera-Band oder Zugapparat. Ist der Schmerz in der klinischen Untersuchung auf
einen relativ engen Bereich lokalisiert, ist eine lokale Infiltration,
gegebenenfalls auch unter Zusatz von Steroiden – bei streng paratendinöser
Injektion – empfehlenswert. Trotz optimaler Therapie hat es sich in der
Vergangenheit als sinnvoll erwiesen, dem Athleten eine Reduktion des Laufumfangs
und der Laufintensität unter die Schmerzgrenze nahe zu legen.
Periostitis tibiae
Patienten mit Periostitis tibiae (Shin Splints) stellen sich
typischerweise mit stechenden, scharfen Beschwerden an der Ventralkante der
Tibia unter Belastung vor. Meist sind die Beschwerden über einen Bereich von 5
bis 10 cm auslösbar und treten nicht selten beidseits auf. Bei der klinischen
Untersuchung imponiert ein scharfer Druckschmerz bei Überstreichen der
schmerzhaften Areale (10). Differenzialdiagnostisch ist das
Schienbeinkantensyndrom von Stressfrakturen zu unterscheiden, weshalb eine
nativradiologische Bildgebung, zumindest bei Therapieresistenz über zehn Tage
(positive Periostreaktion) angebracht ist. Ursächlich werden auch hier
verschiedene Entstehungsmechanismen diskutiert. Die Beschwerden treten oft nach
einer Veränderung der Trainingsbedingungen (zum Beispiel Übergang Halle –
Tartanbahn im Frühjahr), der Trainingsinstensität beziehungsweise des
Trainingsumfangs oder einer Veränderung der Schuhversorgung auf (13). Bisher ist
allerdings außer für den Faktor Umfangssteigerung auf über 32
Trainingskilometern pro Woche kein eindeutiger Nachweis einer ursächlichen
Wirkung gelungen (30, 48).
In der Therapie hat sich einerseits die Optimierung der Einlagenversorgung nach
plantarer Druckverteilungsmessung beziehungsweise eine Anpassung des Sportschuhs
und andererseits eine physiotherapeutische Behandlung mit Querfriktionen, Eis,
Elektrotherapie und Ultraschall, unterstützt durch eine orale
analgetisch-antiphlogistische Behandlung, bewährt. Erstaunliche Erfolge können
zudem durch die lokale, fraktionierte Anwendung von steroidhaltigen Salben
erreicht werden. Eine vorübergehende Reduktion von Trainingsumfang und
-intensität ist empfehlenswert. Zur Prävention wird häufig eine Verbesserung der
koordinativen Fähigkeiten der unteren Extremität über ein
propriozeptiv-koordinativ orientiertes Training in Kombination mit einer
Kräftigung der Unterschenkelmuskulatur gefordert.
Achillessehnenbeschwerden
Bei Achillessehnenbeschwerden sollte nach der Histologie und der Lokalisation (insertional
und nichtinsertional) unterschieden werden (26, 32). Bei den nichtinsertionalen
Beschwerden handelt es sich oft um akute, belastungsabhängige Entzündungen der
Sehne selbst (Tendinitis) beziehungsweise des mehrschichtigen Begleitgewebes (Peritendinitis)
sowie chronisch degenerative Veränderungen (Tendinose) (2, 26). Die akute
Entzündung äußert sich mit belastungsabhängig zunehmenden Beschwerden und einer
teils nicht unerheblichen Schwellneigung. Die degenerativen Veränderungen (mukoide
Degeneration mit Vermehrung der Grundsubstanz und Ersatz von Kollagengewebe Typ
1 durch minderbelastbares Kollagengewebe Typ 3) führen in der Regel zu
stechenden Beschwerden bei Belastungsbeginn und früh morgens bei den ersten
Schritten (26). Mit Zunahme der Laufbelastung nehmen die Beschwerden in der
Regel ab und werden erst bei hoch intensiver, längerer Belastung erneut stärker.
Klinisch finden sich knötchenartige Veränderungen der Sehne selbst, die bei
Bewegung deutlich tastbar werden. Bei fortschreitender Degeneration werden
vereinzelt Ausdünnungen und Partialrupturen beobachtet.
Bezüglich der insertionalen Lokalisation sind in erster Linie die
Ansatztendinose am Calcaneus und die retrocalcaneare Bursitis zu nennen. Die
Ansatztendinose lässt sich noch weiter in mehr mediale, zentrale oder laterale
Druckschmerzen differenzieren. Die Symptomatik nimmt zu Beginn einer Belastung
ebenfalls geringfügig ab, um dann bei steigender Belastung zuzunehmen. Die
Beschwerden der Bursitis äußern sich durch einen meist massiven lokalen
Druckschmerz.
In der bildgebenden Diagnostik ist vor allem die Sonographie zur Bestimmung der
Ausdehnung, begleitender Flüssigkeitsansammlungen und der Abgrenzung zur
Teilruptur sinnvoll, wobei die Aussagekraft entscheidend vom Krankheitsbild
abhängt (41). Häufig können echoarme Areale im Verlauf der Sehne mit
entsprechender Dickenzunahme verifiziert werden (37, 41). Eine Differenzierung
zwischen einer Partialruptur und degenerativen Veränderungen und die
Unterscheidung einer Tendinitis von einer Paratendinitis scheint nicht
ausreichend zuverlässig möglich (41). Valide und zuverlässig bei degenerativen
Veränderungen ist dagegen die Kernspintomographie (26, 37). Aufgrund der
Kostenintensität dieses Verfahrens beschränkt sich die Indikation meist auf
klinisch und sonographisch unklare Befunde, spezielle Fragestellungen oder die
präoperative Bestimmung des Ausmaßes struktureller Veränderungen.
Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Bei entzündlichen
Veränderungen werden lokale, antiphlogistische Maßnahmen, unterstützt durch die
physikalische Therapie (Ultraschall, Eis) und Physiotherapie (mäßige Dehnung),
angewendet (2). Die lokale Infiltration wird auch heute noch häufig eingesetzt,
wobei auf eine Beschränkung, vor allem bei Zusatz von Steroiden, auf die
Bursitis am Calcaneus hinzuweisen ist (15). Nach Auffassung der Autoren sollte
im Bereich des Begleitgewebes der Sehne nur bei strenger Indikation und
ausschließlicher Verwendung von Lokalanästhetika eine Infiltrationstherapie in
einzelnen, therapieresistenten Ausnahmefällen erwogen werden.
Chronische Veränderungen im Sinne der Tendinose stellen eine Domäne der
Physiotherapie (Querfriktionen, myofasziale Techniken, propriozeptives
Training, exzentrische Kräftigung, Dehnung) und der biomechanisch orientierten
Behandlung (Optimierung der Einlagenversorgung nach plantarer
Druckverteilungsmessung, Beratung über adäquates Schuhwerk) dar. Eine Erhöhung
der Ferse oder eine Weichbettung durch so genannte Heel Pads führt entgegen der
weit verbreiteten Ansicht nicht zu einer Abnahme des Achillessehnenzugs (23,
42). Der längere Einsatz in der Therapie ist deshalb aus aktueller Sicht nicht
zu befürworten (15, 23, 42). Allenfalls bei akuten entzündlichen Reaktionen
scheinen die Pads vorübergehend nützlich, da sie vom Patienten als angenehm
empfunden werden.
Eine lokale oder auch systemisch-antiphlogistische Behandlung bleibt häufig
erfolglos, da eine ausreichende Kumulation des Wirkstoffs am Wirkort nicht
gewährleistet werden kann. Die Begründung der Antiphlogese bei einer
nichtentzündlichen Tendinose bleibt ohnehin zweifelhaft (26). Ist die
konservative Therapie über sechs Monate erfolglos sollte eine chirurgische
Intervention im Sinne eines Debridements mit Nekrosektomie erwogen werden (28,
38).
Plantarfasziitis
Die Plantaraponeurose spannt sich bei Dorsalextension der Zehen vom medialen
Calcaneus bis zu den Grundphalangen der Zehen und unterstützt die Stabilisierung
des Vorfußes während der Abdruckphase (3, 5, 13). Bei Laufsportlern sind scharfe
und stechende Schmerzen am calcanearen Ansatz häufig. Meist ist bei Vorliegen
einer Plantarfasziitis am Ansatz eine Fortführung des Trainings nicht mehr
möglich. Treten die Beschwerden dagegen weiter distal auf, ist durch eine
konservative Behandlung meist schon nach kürzerer Dauer eine Besserung zu
erzielen. Diagnostisch kann neben der klinischen Untersuchung eine
Kernspintomographie (NMR) zum Ausschluss einer
Partialruptur sinnvoll sein. Differenzialdiagnostisch ist die Plantarfasziitis
durch nativradiologische Aufnahmen vom Fersensporn abzugrenzen.
In der Behandlung hat sich die konservative Therapie unter Einbeziehung einer
Einlagenversorgung mit tropfenförmiger Hohllegung des calcanearen Ansatzes,
Querfriktionen, Eis, Ultraschall und eines propriozeptiv-koordinativ
orientierten Trainings bewährt. Gelegentlich ist eine, allerdings sehr
schmerzhafte, Lokalinfiltration des Periosts am calcanearen Ansatz
(Lokalanästhetika, in Einzelfällen Steroidzusatz) angebracht. Die additive orale
Medikation mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wird unterschiedlich
bewertet. Da eine Reihe von Patienten gut anspricht, ist gegen eine adjuvante
Gabe nichts einzuwenden. Eine Reduktion beziehungsweise ein Aussetzen der
Trainingstätigkeit bis zur Schmerzfreiheit ist unerlässlich.
Weitere Krankheitsbilder
Neben den genannten häufig auftretenden Krankheitsbildern gibt es eine Reihe
seltenerer Befunde, die differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen sind. An
erster Stelle sind Stressfrakturen der Tibia, des Calcaneus und der Metatarsalia
zu nennen. Durch Nativröntgenaufnahmen lässt sich in der Regel nach zehn Tagen
eine Periostreaktion nachweisen. Eine Belastungspause bis zur Beschwerdefreiheit
(häufig sechs bis acht Wochen) ist oft unumgänglich. Laufbelastungen im Wasser
unter Einsatz einer Wet-West können alternativ angeboten werden.
Weitere Beschwerden wie Tendinitiden der Peronäalsehnen oder der Sehne des M.
tibialis posterior sowie verschiedene Compartment-Syndrome des Unterschenkels
sind entsprechend der klinischen Untersuchungsbefunde zu berücksichtigen.
Resümee
Die Bedeutung und die Häufigkeit von Beschwerden im Laufsport hat in den
vergangenen Jahren stark zugenommen. Die klassische Differenzierung typischer
Lokalisationen erlaubt meist bereits bei der klinischen Untersuchung eine
Diagnosestellung. Der Einsatz bildgebender Verfahren ist häufig sinnvoll.
Die überwiegende Mehrzahl der Patienten ist einer konservativen Therapie
zugänglich, wobei die Effizienz der Behandlungsmaßnahmen unterschiedlich
bewertet wird (Tabelle). Aus therapeutischer und präventiver Sicht hat sich
besonders die funktionell-koordinativ orientierte Behandlung zur
Wiederherstellung physiologischer Bewegungsabläufe einerseits und einer
Verbesserung der Stabilisierungsfähigkeit andererseits bewährt (24). Zusätzlich
lassen sich positive Effekte durch Trainingsformen im
Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus und exzentrische Kraftbelastungen in Kombination mit
unterschiedlichen Formen der Dehnung erzielen (1, 14). Als sinnvoll erwiesen hat
sich zudem die Optimierung der Statik und der Bewegungsabläufe der unteren
Extremität durch entsprechende Einlagen und eine adäquate Schuhversorgung (6,
17, 23, 50). Unklar ist allerdings, welche Form und welcher Aufbau des Schuhs
der individuellen Situation des Fußes am ehesten gerecht wird. Neuere Konzepte
verfolgen den Ansatz einer funktionellen Unterstützung des Fußes in
Abrollrichtung. Ausschlaggebend scheint weniger die mechanische Beeinflussung
durch stützende Elemente sondern vielmehr die Veränderung der Muskelfunktion
über eine Beeinflussung der Sensomotorik.
Hinsichtlich der Trainingssteuerung und -dosierung ist eine Reduktion vor allem
von Laufintensität und -dauer notwendig, wobei in den seltensten Fällen ein
Sportverbot ausgesprochen werden muss. Alternative Belastungsformen wie
Aquajogging oder Radbelastungen können in aller Regel weiter durchgeführt
werden.
Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis,
das über den Sonderdruck beim Verfasser und über das Internet (www.aerzteblatt.de)
erhältlich ist.
Anschrift für die Autoren:
Priv.-Doz. Dr. med. Frank Mayer
Medizinische Klinik und Poliklinik
Abteilung Sportmedizin
Orthopädische Universitätsklinik
Hölderlinstraße 11
72074 Tübingen
E-Mail: frank.mayer@med.uni-tuebingen.de
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikeldruck.asp?id=27174
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Chronische Achillessehnenbeschwerden im Sport
F. Mayer, H.-H. Dickhuth Medizinische Klinik, Abteilung Rehabilitative und
Präventive Sportmedizin, Universität Freiburg
Standards der Sportmedizin Achillessehne
256 DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 53, Nr. 9 (2002)
Zusammenfassung
Epidemiologische Daten zeigen, dass chronischen
Achillessehnenbeschwerden bei sportlicher Belastung eine zunehmende
Bedeutung beizumessen ist. Grundsätzlich empfiehlt sich dabei die
Differenzierung zwischen einer Tendinose und rezidivierenden
Entzündungsreaktionen sowie zwischen insertionalen und nicht-insertionalen
Beschwerden. Als Ursache werden im Einzelfall unterschiedliche Mechanismen
wie eine vermehrte Belastung bei Skelettfehlstellungen, Trainingsfehler,
inadäquates Schuhwerk sowie externe Einflüsse diskutiert. Allerdings weisen
aktuelle Arbeiten auf eine zunehmende Bedeutung veränderter neuromuskulärer
Steuerungs- und Regulationsmechanismen hin. In der Diagnostik steht die
klinische Untersuchung im Vordergrund. Ergänzend kann insbesondere die
Sonographie und die MRT wertvolle Hinweise liefern. Therapeutisch werden
unterschiedliche Konzepte verfolgt, wobei insbesondere die Physiotherapie,
lokale Behandlungsmaßnahmen und die biomechanisch orientierte Therapie im
Vordergrund stehen.
Definition und Nomenklatur
Bei chronischen Achillessehnenbeschwerden im Sport sollte bezüglich der
Lokalisation und der histologischen Natur differenziert werden (1,5). Der
häufig verwendete Sammelbegriff der "Achillodynie" wird dabei einer exakten
Differenzierung der verschiedenen Beschwerdebilder nicht gerecht.
Unterschieden werden insertionale von nicht-insertionalen
Beschwerdelokalisationen (2,4). Nicht-insertionale Beschwerden äußern sich
über meist belastungsabhängige Entzündungen der Sehne (Tendinitis) oder dem
Begleitgewebe (Peritendinitis) und/oder chronisch degenerative Veränderungen
der Sehne (Tendinose mit meist knötchenartigen Veränderungen). Histologisch
handelt es sich bei Tendinosen häufig um eine mukoide Degeneration mit
Vermehrung der Grundsubstanz und Ersatz von Kollagengewebe Typ I durch
minderbelastbares Kollagengewebe
Typ III (5). Bei fortschreitender Degeneration werden zudem Ausdünnungen und
Patialrupturen der Sehne beobachtet. Bezüglich der insertionalen
Lokalisation sind in erster Linie die Ansatztendinose am Calcaneus und die
retrocalcaneare Bursitis zu nennen.
Mögliche Ursachen chronischer Achillessehnenbeschwerden im Sport
Als Ursache chronischer Achillessehnenbeschwerden im Sport werden
unterschiedliche Erklärungsansätze diskutiert. Wurde in zurückliegenden
Arbeiten häufig eine vermehrte Belastung bei Skelettfehlstellungen,
Trainingsfehler, inadäquates Schuhwerk sowie externe Einflüsse genannt,
führen aktuelle Arbeiten eine zunehmende Bedeutung veränderter
neuromuskulärer Steuerungs- und Regulationsmechanismen an (2,4). Bezüglich
der Trainingsdosierung wird oft ein zu hoher Trainingsumfang und eine
überhöhte Trainingsintensität genannt. Nachgewiesen wurde dabei ein
Zusammenhang zwischen der Beschwerdehäufigkeit und einem Laufumfang von mehr
als 32 km/Wo, nicht jedoch mit der Laufgeschwindigkeit und der
Verletzungshäufigkeit. Unter Berücksichtigung des Gesamtumfanges konnte
ebenso kein grundsätzlicher Einfluss von Bergauf- bzw. -abläufen,
verschiedenen Untergründen und Tempoläufen nachgewiesen werden. Bedeutsam
scheint dagegen die sportliche Vorerfahrung ab einem Trainingsalter von
unter 3 Jahren und Vorverletzungen.
Unter der Annahme einer ungenügenden Schockabsorption auf hartem Untergrund
wurde einer Reduktion der Aufprallkräfte hohe Bedeutung beigemessen.
Aktuelle Daten zeigen, dass dabei trotz optimaler Dämpfung auf eine geringe
Distanz zwischen Fuß und Untergrund und damit kurze Hebelarme mit kleinen
Scherkräften zu achten ist. Aktuelle Sportschuhe gewährleisten bereits
häufig eine bodennahe Belastung unter Erhalt einer optimalen Dämpfung.
Entsprechend differenziert ist auch die Empfehlung sportlicher Belastungen
auf weichem Untergrund zu sehen. Von Bedeutung scheint hierbei, dass der
Boden nicht unruhig ist, um eine vermehrte Stabilisierungsbelastung v.a. des
Rückfußes zu vermeiden. Wissenschaftlich ungeklärt ist derzeit die Bedeutung
der (Über)pronation im subtalaren Gelenk mit konsekutiver Innenrotation der
Tibia. So entwickelt einerseits die Mehrheit der Sportler mit einem hohen
Ausmaß bzw. Geschwindigkeit der Pronation keine Beschwerden, andererseits
kann eine nur gering vermehrte Pronation die Beschwerdeentstehung
begünstigen. Schließlich spielt die Entwicklung muskulärer Defizite und
Kraftrelationen eine Rolle, wobei auch hier auf einen hohen Anteil der
sensomotorischen Kontrolle hingewiesen werden muss.
Klinische Untersuchung
Die Entzündung der Sehne bzw. des Begleitgewebes äußert sich in der
Regel mit belastungsabhängig zunehmenden Beschwerden und einer teils nicht
unerheblichen Schwellneigung. Anlaufschmerzen bei Belastung
und früh morgens bei den ersten Schritten sind sowohl hier, als auch bei
chronisch degenerativen Veränderungen feststellbar (4). Im Gegensatz zu
entzündlichen Reaktionen nehmen degenerative Beschwerdesymptome
oft unter weiterer Belastung zunächst ab, um später bei hoch intensiver,
längerer Belastung erneut aufzutreten. Ansatztendinosen werden neben einer
belastungsabhängigen Zunahme der Schmerzen üblicherweise durch einen
stechenden Druckschmerz direkt am Übergang der Sehne zum Knochen
offensichtlich. Bei einer Reihe von Fällen kann auch hier beobachtet werden,
dass die Symptomatik am Anfang einer Belastung geringfügig abnimmt, um dann
bei steigender Belastung wieder zuzunehmen. Die Beschwerden der Bursitis
äußern sich v.a. durch einen meist massiven lokalen Druckschmerz.
Bildgebende Diagnostik
Im Rahmen der bildgebenden Diagnostik wird bevorzugt die
Ultraschalluntersuchung und die Magnetresonanztomographie eingesetzt (2,4).
Die Sonographie lässt in der Regel Aussagen über Ausdehnung,
Abgrenzung zur Teilruptur und begleitende Flüssigkeitsansammlungen durch
Erfassung echoarmer Areale mit entsprechender Dickenzunahme zu. Dennoch ist
darauf hinzuweisen, dass eine Differenzierung zwischen
einer Partialruptur und lokalen degenerativen Veränderungen bzw. die
Unterscheidung einer Tendinitis von einer Paratendinitis nicht ausreichend
reliabel möglich ist. Unter Berücksichtigung der Kostenintensität des
Verfahrens bietet hierbei die MRT Vorteile. In der Behandlung finden sich
häufig individuell unterschiedliche Reaktionsweisen auf verschiedene
Therapiemaßnahmen. Folge davon ist meist eine Kombinationstherapie mit hohem
Bedarf an Zeit und nicht selten hohen Kosten. Grundsätzlich richtet sich die
Therapie nach der Histologie und der angenommenen Ursache. Bei entzündlicher
Genese kommen vorrangig lokale, antiphlogistische Maßnahmen unterstützt
durch physikalische Therapie (Ultraschall, Eis) und Physiotherapie zur
Anwendung (4). Salbenapplikationen werden zudem weit verbreitet eingesetzt,
wobei nicht immer eine ausreichende Resorption mit einer entsprechenden
pharmakologischen Wirkung erreicht wird. Oft lassen sich jedoch – v.a. bei
steroidhaltigen Salben – aufgrund der oberflächlichen Lage der Achillessehne
gute Erfolge erzielen. Bezüglich lokaler Infiltrationen weisen verschiedene
Untersuchungen bei Applikation in unmittelbarer Sehnennähe auf eine
eingeschränkte Indikation (ausschließlicher Verwendung von Lokalanästhetika
in Einzelfällen) hin (4). Unter Steroidzusatz sollte die Infiltration den
knochennahen Lokalisationen und der retrocalcanearen Bursitis vorbehalten
bleiben. Eine systemisch-antiphlogistische Behandlung ist trotz häufig
erfolgreicher Anwendung aufgrund einer möglicherweise nicht ausreichenden
Wirkstoffkumulation umstritten und bei einer Tendinose zweifelhaft. Eine
Erhöhung bzw. Weichbettung der Ferse durch sogenannte Heel Pads führt trotz
weit verbreiteter Ansicht nicht zu einer Abnahme des Achillessehnenzuges.
Der längere Einsatz ist deshalb nicht zu befürworten. Allenfalls bei
entzündlichen Reaktionen scheinen die Pads als vorübergehende Maßnahme
nützlich, da sie vom Patienten teilweise als angenehm empfunden werden.
Chronisch tendinöse Veränderungen stellen eine Domäne der Physiotherapie
(Querfriktionen, myofasciale Techniken, sensomotorisches Training) und der
biomechanisch orientierten Behandlung dar (3,4). Zusätzlich empfiehlt sich
der Einsatz von Trainingsformen im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus, exzentrische
und reaktive Kraftbelastungen in Therapie und Prävention (Tab. 1)
Kombination mit unterschiedlichen Formen der Dehnung (3). Offensichtlich
kommt einer individuellen Einlagenversorgung nach entsprechender Analyse (plantare
Druckverteilungsmessung) Bedeutung zu.
Vorteilhaft scheint im Sport die Verwendung einer Schalenform, um dem Fuß im
Schuh in Kombination mit der Schnürung ausreichend Halt zu geben.
Wissenschaftlich im prospektiven Längsschnitt nachgewiesen
werden konnte bisher die Wirkung einer Längsgewölbestütze. Im Regelfall
erfordert die Versorgung im Sport allerdings eine Individuallösung.
Bezüglich der Trainingssteuerung ist meist eine vorübergehende Reduktion von
Laufintensität und –dauer notwendig. Alternative Belastungsformen wie
Aquajogging oder Radbelastungen können in aller Regel weiter durchgeführt
werden.
Bleibt eine konservative Vorgehensweise über einen Zeitraum von mindestens 6
Monaten erfolglos, kann schließlich ein chirurgisches Debridement mit
Nekrosektomie in Erwägung gezogen werden. Der Patient
sollte allerdings darauf hingewiesen werden, dass trotz hoher Erfolgsrate
eine Wiederaufnahme sportlicher Belastungen oft erst nach einem Zeitraum von
frühestens 6-9 Monaten sinnvoll und möglich ist.
Tabelle 1: Häufig angewandte Behandlungsmaßnahmen und Möglichkeiten
der Prävention chronischer Achillessehnenbeschwerden im Sport
Häufige Behandlungsmaßnahmen
Physiotherapie (Querfriktionen, PNF, Dehnung)
Physikalische Therapie (Ultraschall, Eis)
Lokale und/oder systemische antiphlogistische Behandlung (bei entzündlicher
Genese)
Lokale Infiltration (v.a. insertional und Bursitis)
Chirurgisches Debridement bei Therapieresistenz
Exzentrische Kräftigung, Reaktivkrafttraining
Koordinativ-propriozeptiv orientiertes Trainingauf Trampolin, Wackelbrett,
Kreisel
Optimierung der Schuh- und Einlagenversorgung
Belastungsreduktion unter die Schmerzgrenze (Aquajogging, Aquafitness)
Prävention
Optimierung der Schuh- und Einlagenversorgung
Optimierung der Trainingssteuerung und -dosierung
Vermeidung muskulärer Dysbalancen durch funktionelle Kräftigung und Dehnung
Koordinativ-propriozeptiv orientiertes Training
Literatur
1. Archambault J, Wiley J, Bray R: Exercise loading of tendons and the
development of injuries. A review of current literature. Sports Med 20
(1995) 77-89.
2. Fredericson M: Common injuries in runners. Diagnosis, rehabilitation and
prevention. Sports Med 21 (1996) 49-72.
3. Fyfe I, Stanish WD: The use of eccentric training and stretching in the
treatment and prevention of tendon injuries. Clin Sports Med 11 (1992)
601-625.
4. Galloway MT, Jokl P, Dayton OW: Achilles tendon overuse injuries. Clin
Sports Med 11 (1992) 771-782.
5. Khan KM, Cook JL, Bonar F, Hartcourt P, Åstrom M: Histopathology of
common tendinopathies. Sports Med 27 (1999) 393-408.
Anschrift für die Autoren:
Priv.-Doz. Dr. Frank Mayer
Med. Klinik, Abt. Rehabilitative und Präventive Sportmedizin
Universität Freiburg
Hugstetter Str. 55
D-79106 Freiburg
Fax: 0049/761/270-7470
e-Mail: mayer@msm1.ukl.uni-freiburg.de
"Das Gesicht ist ein besonders hervorgehobenes, zugleich aber auch sehr empfindliches Körperteil und daher für Verletzungen anfällig", so Dr. Robert Mischkowski von der Klinik für Gesichtschirurgie der Uni Köln. Die meisten Verletzungen seien oberflächlich, etwa Platz- oder Rißwunden, doch auch Knochenbrüche und Schädelfrakturen kämen regelmäßig vor. Eine Untersuchung der Klinik, die über vier Jahre den Anteil der Sportverletzungen im Gesichtsbereich ermittelte, belegt: Sport ist nicht nur gesund, sondern auch gefährlich. "Neben Verkehrsunfällen und Gewalttaten gehört sportliche Betätigung zu den häufigsten Ursachen von Verletzungen im Gesicht", so Mischkowski. Mit 37 Prozent ereigneten sich viele Unfälle beim Fußball. Betroffen sind nicht nur Leistungssportler. "97 Prozent aller Gesichtsknochen- und Kieferbrüche ereignen sich bei der Normalbevölkerung", sagt Mischkowski. Doch Nasenbeinbrüche treten bei Leistungssportlern doppelt so oft auf. "Die chirurgischen Behandlungsmethoden unterscheiden sich bei Profi- und Amateursportlern nicht, aber bei Leistungssportlern müssen besondere Methoden zur schnellen Rehabilitation angewandt werden." Fußballspieler wie Schalke-Kapitän Tomasz Waldoch - er hatte kürzlich einen Nasenbeinbruch - stehen unter Druck, bald wieder einsatzbereit zu sein. Auch Waldoch kickt schon wieder, allerdings ist seine Nase auf dem Spielfeld von einer medizinischen Spezialmaske geschützt.Ärzte Zeitung, 19.04.2002
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Homöopathika wirksam bei Sportverletzungen
Spanische
Wissenschafter legen neue Daten vor, die bei Sportverletzungen die
Wirksamkeit einer homöopathischen Kombinationstherapie bestätigen.
Laut einer neuen Statistik ziehen sich sich alleine in Österreich rund
200.000 Menschen jährlich bei Sportunfällen teils schwere Verletzungen
zu.
Eine neue Studie, die im Fachjournal „Biologische Medizin“
veröffentlicht wurde, stellt einer homöopathischen
Kombinationstherapie ein gutes Zeugnis aus. 158 Freizeit- und
Spitzensportler, die sich teils schwere Verletzungen an Sehnen,
Muskeln und Gelenken zuzogen, wurden von niedergelassenen Ärzten mit
den Homöopathika Traumeel und Zeel behandelt.
Bei mehr als 70 Prozent der Behandelten verschwanden die Symptome
vollständig und ohne Rezidiv. Die meisten Patienten waren bereits nach
vier Therapiesitzungen geheilt. Nebenwirkungen traten keine auf.
Selbst chronische Verletzungen, so die Autoren der Studie, konnten in
der Mehrzahl der Fälle geheilt bzw. in der Symptomatik gebessert
werden.
Im Rahmen dieser Studie wurden die Homöopathika als Injektionen
verabreicht. Für den Heimgebrauch sind die verwendeten Arzneimittel
Traumeel und Zeel in Form von Tabletten und Salben erhältlich. Unter
Ganzheitsmedizinern gelten diese Mittel als gängige Arzneien bei
Verletzungen.
24.5.02
Quelle: Phpd 17/02 vom 30.4.2002 www.medaustria.at
Verletzungen und Energieverbrauch beim Radfahren - Mannschaftsarzt beim Team Telekom.
Positiv ist, wie jeder weiß, der Effekt auf Herz und Gefäße. Positiv ist auch, daß der Wohlstandsspeck beim Radeln schmilzt. Der Effekt ist zwar nicht so groß, wie mancher meint. Daß etwa Radprofis bei großen Bergetappen 12 000 Kilokalorien verbrennen, gehört zu den Mythen. In Wirklichkeit sind es knapp 20 Kilokalorien, die ein Fahrer im Wettkampf pro Kilometer verbrennt, sagte Privatdozent Andreas Schmied, Mannschaftsarzt beim Team Telekom und Sportmediziner der Universität Freiburg, auf einem Symposium des Klinikums Großhadern in München. Wer 2000 Kilokalorien verbrennen will, muß also recht lange und intensiv strampeln: 2000 Kilokalorien bedeuten bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde vier Stunden durchaus schweißtreibendes Radeln. Werden etwa 50 Prozent der 2000 Kilokalorien durch Fettverbrennung verbraucht, verschwinden nur etwas mehr als 100 Gramm Fett von den Hüften.
Aber Radfahren ist, wie gesagt, nicht nur gesund. Zu den wohl häufigsten akuten Schäden zählen Clavicula-Frakturen und Schultereckgelenks-Sprengungen, berichtete Dr. Carsten Temme, Orthopäde in Großhadern und auch Mannschaftsarzt beim Team Telekom. Möglich sind zudem Frakturen des Mittelgesichts, des Schenkelhalses, der Patella, des Olecranon, von Radius und Ulna sowie der Mittelhand (Kahnbein).
Das gefährlichste akute Trauma ist das Schädelhirn-Trauma. So hat etwa das epidurale Hämatom eine Sterblichkeitsrate von 20 bis 25 Prozent, berichtete der Neurochirurg Dr. Hans Jaksche von der Murnauer BG-Unfallklinik. Weitere mögliche Unfall-Folgen: Subarachnoidalblutungen und subdurale Hämatome. Sogar eine isolierte Hirnstammläsion ist möglich, wie eine Kasuistik belegte. Hinzukommt, daß bei schweren Schädelhirn-Traumen recht oft (nach Jaksche in bis zu zehn Prozent) Frakturen der oberen Halswirbelsäule vorkommen. Immerhin können sich Radfahrer schützen - mit einem Helm, betonte Jaksche. Leider ist das nicht die Regel, weder bei Hobby-Sportlern noch bei Profis. Kommen wir nun zu den möglichen chronischen Schäden. Ursache ist oft Überbelastung, etwa durch falsches Training. Ein prominentes Beispiel dafür ist Jan Ullrich, der wohl durch übertriebenes Krafttraining sein Kniegelenk überfordert hat.
Wie stark etwa Radprofis sich belasten, verdeutlichte in München Telekom-Fahrer Rolf Aldag: 40 400 Kilometer ist er 2001 gefahren. Und da er seine Rumpfmuskulatur kaum trainiere, leide er an Rückenschmerzen.
Rückenschmerzen und Kniegelenks-Probleme, meist Reizungen des Quadrizeps-Sehnenansatzes, sind nur zwei Beispiele für chronische Schäden. Möglich sind außerdem Reizungen der Achilles- und Peronäal-Sehnen. Zudem können Kompressions-Syndrome auftreten, etwa des Ulnaris und Medianus, berichtete Privatdozent Manfred Pfahler vom Klinikum Großhadern. Sogar eine Lunatum-Malazie sei, etwa bei Mountain-Bikern, möglich. Wie kann nun solchen Schäden vorgebeugt werden, wie sollten Sportwillige beraten werden, wie Aktive, die bereits Beschwerden haben? Gute spezifische Kenntnisse der Sportart sind bei der Beratung selbstverständlich hilfreich. So kommt es - außer auf richtig dosiertes Training und regelmäßige Gymnastik - auf die korrekte Sitzposition an, berichtete Temme. Die richtige Größe des Fahrradrahmens und des Abstandes zwischen Sattel und Pedalen sind hier zwei zu beachtende Faktoren. Wichtig ist auch die Griffhaltung. Falsch sei etwa das Fahren mit gestreckten Ellenbogen als Folge eines zu großen Abstandes zwischen Sattel und Lenker. Auch die Wahl des Rahmenmaterials sollte beachtet werden. Die heute meist üblichen Rahmen aus Aluminium-Legierungen sind im Vergleich zu den früher meist verwendeten Rahmen aus Stahl-Legierungen steifer und belasten möglicherweise Gelenke und Wirbelsäule stärker. Und zu Beschwerden im Kniegelenk kann es etwa dann kommen, wenn die Füße völlig starr in den Pedalen fixiert seien. Moderne Pedale (sogenannte Klick-Pedale) bieten daher meist die Möglichkeit, die Füße bei ausreichender Fixierung dennoch so zu bewegen, daß die Kniegelenke nicht über längere Zeit in einer starren Position belastet werden.
Radfahren kann, wie ein paar Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, sogar lebensgefährlich sein.So verunglückten im vergangenen Jahr insgesamt 71 622 Radfahrer, 637 davon immerhin tödlich. Pro 100 000 Einwohner verunglückten 87 Radfahrer, davon wurden acht getötet. Zunehmend betroffen sind jüngere Erwachsene im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, also Personen, die oft mit technisch hochwertigen und daher auch meist sehr rasant zu bewegenden Rädern unterwegs sind. Immerhin gab es 2001 im Vergleich zu 2000 einen mit 11 Prozent recht deutlichen Rückgang der Unfälle bei Kindern. Ärzte Zeitung, 01.07.2002
DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 53, Nr. 3
(2002)
Sportorthopädie – Sporttaumatologie
Interdisziplinärer Kongress 15.-16.2.02 in Köln
Kraftsportverletzungen
(M. Ritsch, Rosenheim)
Der Kraftsport unterscheidet viele verschiedene Disziplinen wie
Gewichtheben, Powerlifting, Bodybuilding, Strongman, die Kraftdisziplinen
der Leichtathletik und Krafttraining als Grundlage vieler Sportarten. Ein
langjähriges Krafttraining führt zu vielen positiven Effekten: die
allgemeine Fitness wird erhöht, Knochendichte und Knorpelreservoir nehmen zu
(vor allem beim jungen Sportler) und Sehnen und Bänder adaptieren ebenfalls.
Muss man aber bei Extrembelastungen auch vor Schäden warnen, nach dem Motto
„Cave Leistungssport“? Zu den intrinsischen Risikofaktoren zählen hierbei
sicherlich Alter, Geschlecht und biomechanisch- anatomische Voraussetzungen.
Kraftsportverletzungen nehmen allerdings nur ca. 1-2% aller
Sportverletzungen ein. Zu den typischen Verletzungslokalisationen beim
Gewichtheben zählen Knie und Schulter, beim Bodybuilding sind vor allem
Wirbelsäule, Ellbogen, Schulter und Handgelenk betroffen. Mehr als 2/3
dieser Verletzungen sind Weichteilverletzungen, vor allem Zerrungen und
Insertionstendopathien. Muskelsehnenrupturen betreffen vor allem die obere
Extremität.
Von 600 Kraftsportverletzungen (überwiegend Bodybuilder sowie 132 Powerlifter) betrafen 38% die Schulter, 18% den Ellbogen und je 16% WS und Knie. In 67% war eine operative Therapie notwendig. Auch wenn die Dicke der Supraspinatussehne bei Kraftsportlern deutlich erhöht war, gilt dies nicht als Prädisponierung, da die Werte bei Schultergesunden und Sportlern mit Beschwerden ähnlich hoch waren. Abschließend stellte der Referent einige Übungen vor, die zu Problemen im Schulterbereich führen können und deshalb vermieden werden sollten. Gefahr besteht vor allem, wenn Stange oder Langhantel hinter dem Kopf bewegt werden z.B. beim Nackendrücken, Überzügen oder dem Latissimusziehen. Auch der Bizeps-Curl mit der geraden Stange bei voll supiniertem Handgelenk sollte ganz unterbleiben. Im Rahmen der Vermeidung von Dysbalancen, die eine häufige Ursache von Schulterbeschwerden sind, sollte auf ein Training der inneren Rotatorenmanschette geachtet werden.
Aktuelle Standards
der Kreuzbandchirurgie
(J. Eichhorn, Straubing)
Jahrgang 53, Nr. 3 (2002) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN 89
Lange Zeit galten zu hohes oder zu niedriges Alter wie auch offene
Wachstumsfugen als Kontraindikation für die Kreuzbandoperation. Heute haben
sich die Altersgrenzen deutlich ausgeweitet und unter der Bedingung keine
Interferenzschrauben zu verwenden und den Bohrkanal nicht größer als 12 cm
anzulegen ist auch die Operation bei offenen Wachstumsfugen möglich. Der
Operationszeitpunkt rückt immer näher an den Verletzungszeitpunkt. Wichtig
ist das Aufdecken von Begleitverletzungen. Wenn der Griff auf den lateralen
Gastrognemius schmerzt, sollte ein Kernspin zur Evaluation einer
posterolateralen Begleitverletzung durchgeführt werden. Bei medialer
Instabilität kann das ausgeleierte Band durch „Vertikutieren“ (leichtes
Anreißen des Bandes) aufgefrischt werden. Die Nachbehandlung muss dann etwas
vorsichtiger erfolgen. Bei 86% aller Kreuzbandverletzungen liegen „bone
bruises“ vor. Damit diese ausheilen können, sollte zu Beginn der
Nachbehandlung nur leicht belastet werden. Bone bruises lassen sich auf dem
MRT erkennen und sind besonders häufig bei Carving-Verletzungen. Häufig ist
ein Knorpelschaden 6-10 Jahre nach einer Kreuzbandverletzung. Durch eine
Operation tritt diese Arthrose etwas später auf. Hinsichtlich der
Transplantatwahl bestehen keine eindeutigen Empfehlungen. Vorteil der
Semitendinosussehne ist, dass diese im Sport nicht so sehr belastet wird.
Allerdings kommt es zu einer beeinträchtigten Innenrotation. Auch benötigt
diese Operationsmethode ein eingespieltes Team, während die
Patellarsehnenplastik auch in einer „One-man-show“ durchzuführen ist. Der
letzte Schritt der Operation ist das Anlegen der Spannung, die individuell
und sportartspezifisch erfolgt. Die frühe Phase der Rehabilitation wird
heute lange nicht mehr so aggressiv wie früher durchgeführt, die erste Woche
sollte bei relativer Ruhe dem propriozeptiven Training gelten. Eichhorn
verwendet vor allem den „folded tube“, der eine Reißfestigkeit von > 4000N
aufweist. Einen Schwachpunkt in der Belastbarkeit stellt die Fadenfixierung,
die häufig gelenkfern ist, dar. Eine Lösungsmöglichkeit sieht er in cross
pins, resorbierbaren Stiften, die nach 12-18 Wochen bereits Sportfähigkeit
bieten. Nachteil ist, dass eine gewisse Transplantatlänge erforderlich ist.
Bei Muskelkater tut Sauna gut und
Massage eher nicht
Spezialisten-Tips helfen, den Kater zu vermeiden oder schneller los zu
werden / Ungewohnte Bewegungen verursachen kleine Fibrillen-Risse
BERLIN (ddp). Ein flottes Fußballspiel oder eine Runde über den
Trimm-dich-Pfad kosten Untrainierte viel Kraft. Am nächsten Tag folgt oft
auch noch ein Muskelkater. Was gegen diese unangenehme Begleiterscheinung
getan werden kann, dazu gibt es Tips von Spezialisten.
Jede Bewegung wird zur Qual. Die Muskeln schwellen an, sind steif, kraftlos
und empfindlich - Muskelkater. Wer die Zähne zusammenbeißt und gleich
intensiv weitertrainiert, riskiert eine Verletzung, warnt Professor Wildor
Hollmann von der Sporthochschule Köln.
Stattdessen sei es sinnvoll, an den Folgetagen Belastungen zu meiden. "Ein
leichtes Bewegungstraining schadet aber nicht", rät der Sportmediziner
Professor Dieter Böning aus Berlin. Im Idealfall kann so gar ein Muskelkater
verhindert werden. "Die Bewegung fördert die Durchblutung, und das
erleichtert die Reparaturarbeiten des Körpers", so Hollmann.
Als angenehm wird Wärme empfunden - Sauna mit Muskelkater ist erlaubt. Bei
Massagen ist aber Vorsicht geboten. "Einen verletzten Muskel hart zu kneten,
kann weiteren Schaden verursachen", warnt Böning. Bei einem Selbsttest
stellte er zudem fest: Eine Massage half nicht bei Muskelkater. Das
unmassierte Bein schmerzte ebenso wie das massierte.
Schnell wieder weg ist der Kater auch nicht. "Es dauert mindestens vier bis
sechs Tage", so Hollmann. Anders als einfache Ermüdung, die sofort kommt,
tritt Muskelkater erst 24 bis 36 Stunden nach Belastungsende auf. Er
wird durch kleine Risse in den Muskelfaser-Fibrillen ausgelöst.
Die Verletzungen entstehen bei ungewohnten Bewegungen, bei denen die von
außen auf den Körper wirkende Kraft größer ist, als die aufgewandte. Dazu
zählen vor allem abfangende, bremsende Bewegungen wie sie etwa bei
Ballsportarten nötig sind. Die Schmerzen kommen dadurch, daß Wasser in die
Muskelzellen zieht und diese anschwellen. Wer nach einer Pause wieder mit
Sport anfängt, sollte die Belastung von Training zu Training langsam
steigern, um Muskelkater zu vermeiden. Wird eine belastende Bewegung nicht
mehr als zehnmal gemacht, habe man auch nichts zu befürchten, so Böhning.
Das Wort Muskelkater leitet sich übrigens vom Muskelkatarrh ab.
Ärzte Zeitung, 16.06.2004
"Leitlinien der Orthopädie", herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie und dem Berufsverband der Ärzte für Orthopädie 1999
http://www.dgooc.de/Leitlinien.php?M=5
Dort sind folgende Leitlinien im veröffentlicht:
Erfolg bei chron. Achillessehnenbeschwerden - Exzentrisches Training der Wadenmuskulatur
26 Patienten mit lange bestehenden (Mittelwert 17,1 Monate)
Achillessehnenbeschwerden wurden durchschnittlich 3,8 Jahre nach einem
12wöchigen exzentrischen Training der Wadenmuskulatur beobachtet. 22
Patienten waren mit der Entwicklung der Beschwerden zufrieden und
konnten die sportlichen Aktivitäten wieder in gewünschtem Umfang
durchführen. Die Ultraschalluntersuchung zeigte eine signifikante
Abnahme der Achillessehnendicke von 8,8±3 mm auf 7,6±2,3 mm. Die nicht
trainierte normale Achillessehne der anderen Seite wies keine
Veränderungen auf. Vor dem Training zeigten alle befallenen Sehnen
Strukturunregelmäßigkeiten, die bei 19 Patienten nach dem Training
verschwanden. 6 der 7 Patienten, bei denen auch in den
Nachuntersuchungen noch Unregelmäßigkeiten im Ultraschallbild erkennbar
waren, klagten weiterhin über leichte Schmerzen unter Belastung. Die
Untersuchungen belegen zum einen
die günstigen Auswirkungen eines exzentrischen Trainings der
Wadenmuskulatur, zum anderen zeigen sie die Bedeutung der
Ultraschalluntersuchung in der Verlaufskontrolle von
Achillessehnenbeschwerden.
U.K. (Öhberg L et al.: Eccentric training in patients with chronic
achilles tendinosis: normalised tendon structure and decreased thichness
at follow up. Br B Sports Med 38 (2004) 8-11)
Muskelkater: Ruhepause von einigen Tagen
M. Kjær
Anpassung der Sehnen an körperliche Belastung
Adaptation of tendons to physical exercise
Sports Medicine Research Unit, Bispebjerg Hospital, Kopenhagen, Dänemark
Zusammenfassung
Körperliche Aktivität bewirkt beim Menschen einen erhöhten Metabolismus
und eine verstärkte Durchblutung der Sehnen. Die durch mechanische
Beanspruchung angeregte Durchblutung des Bindegewebes der Sehnen steigt
dabei bis auf das 7-fache. Dies scheint eine ausreichende Anpassung des
Metabolismus der Sehne zu sein, so dass keine deutliche Ischämie im
Sehnengewebe bei mechanischer Belastung resultiert. Demnach ist ein
Zusammenhang zwischen der Durchblutung der Sehne und ihrer Sättigung mit
Sauerstoff bei körperlicher Belastung offensichtlich. Dies ist nicht nur
einfach als Funktion der Durchblutung des Muskels anzusehen; dieser
Zusammenhang stellt vielmehr ein separates regulatorisches System dar.
Mehrere vasodilatatorische Substanzen werden bei Belastung im Bindegewebe
freigesetzt (z. B. Prostaglandine und Bradykinin); die Durchblutung der
Sehnen wird zum Teil durch Cyclooxygenase-2 reguliert. Die Kollagen-Synthese
nimmt zu, zusätzlich erhöht sich die Konzentration von degradierenden
Metalloproteinase- Enzymen im Bindegewebe nach einer mechanischen Belastung
für mehrere Tage. Sportliches Training hat eine chronische Erhöhung der
Kollagen- Umsetzung und eine spätere Netto-Synthese von Kollagen zur Folge.
Dies modifiziert die mechanischen Eigenschaften des Bindegewebes und
verringert dadurch die Belastung der Sehnen. Allerdings zeigt sich diese
Reaktion erst nach einer langen Adaptationsphase. Mehrere Wachstumsfaktoren
finden sich innerhalb der Sehne und in ihrer unmittelbaren Umgebung.
Dieinterstitielle Konzentration dieser Faktoren - z. B. Interleukin-6
(IL-6), Transforming Growth Factor (TGF-b) und Insulin-like Growth Factor
Bindungsproteine (IGF-1 BPs) - ist nach Belastung erhöht. Die Sehnen
reagieren auf körperliche Belastung mit einer Erhöhung von Durchblutung,
Metabolismus und Kollagen-Synthese im Gewebe. Diese Veränderungen tragen zur
Trainingsanpassung bei, wobei die Widerstandsfähigkeit gegen Überlastung
zunimmt und Überlastungsschäden somit vermieden werden können. Sowohl die
Durchblutung als auch der Metabolismus von menschlichem Sehnengewebe werden
in den Sehnen des Menschens durch körperliche Aktivität angeregt. Diese
Prozesse involvieren ein Zusammenspiel von Wachstumsfaktoren und vasoaktiven,
lokalen Substanzen. Mit der Entstehung neuer Messmethoden hat die Forschung
heute die Möglichkeit, in vivo Veränderungen unter körperlicher Belastung zu
analysieren, was bis jetzt nicht möglich war. Dies eröffnet neue
Perspektiven, den Hintergrund von Überlastungsschäden an Sehnen im Sport zu
eruieren.
DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 55, Nr. 6 (2004)
Auch Sehnengewebe reagiert auf Inaktivität
Auch die Sehnen werden durch Inaktivität beeinflusst. Nach
20-tägiger Bettruhe (in 6° Kopftieflage) kam es zu einer deutlichen Abnahme
der Festigkeit der Sehnen (= stiffness, Anstieg der Regressionsgerade von
Muskelkraft und Sehnenlänge) der Knieextensoren (vastus lat.) und einem
Anstieg der Hysterese in diesen Sehnen um 93%. In den Plantarflexoren
(gastrocnemius med.) waren diese Veränderungen signifikant geringer
ausgeprägt. Dies spricht möglicherweise für eine deutlich geringere
Plastizität der Plantarflexoren, denn auch Trainingswirkungen sind hier
deutlich geringer ausgeprägt als bei den Sehnen der Knieextensoren.
U.K. (Kubo K et al: Effects of 20 days of bed rest on the viscoelastic
properties of tendon structures in lower limb muscles. Br J Sports Med 38
(2004) 324-330) Jahrgang 55, Nr. 7/8 (2004) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR
SPORTMEDIZIN
Fasziotomie bei Kompartmentsyndrom
Langzeitergebnisse
Bei 106 Patienten mit belastungsabhängigen Schmerzen im Unterschenkel konnte
in 56 Fällen die Diagnose eines Kompartmentsyndroms anhand eines erhöhten
Gewebedrucks nach Belastung gesichert werden. In allen Fällen wurde eine
Fasziotomie durchgeführt. 87 % dieser Patienten zeigten auch 2 Jahre nach
der Operation eine deutliche Reduktion der Beschwerden. In 18 Fällen wurde
die Fasziotomie aufgrund der typischen Beschwerden durchgeführt, obwohl die
festgelegten Kriterien eines erhöhten Gewebedrucks nicht erreicht wurden.
Auch hier kam es in 12 Fällen zu einer Abnahme der Beschwerden. Die
Ergebnisse sprechen für eine hohe Erfolgsquote der Fasziotomie, wenn ein
belastungsabhängiger erhöhter Gewebsdruck gesichert werden kann, wobei die
Kriterien (Druck unmittelbar nach Belastung > 50 mmHg, oder > 30 mmHg, wenn
Druck vor Belastung >20 mmHg, oder Druck 5 min nach Belastung noch > 30 mmHg)
möglicherweise etwas niedriger angesetzt werden könnten. Die Minimalwerte
sollen in weiteren Untersuchungen festgelegt werden. Die klinische
Symptomatik, bei der eine Gewebedruckmessung durchgeführt werden sollte,
erfordert: Auftreten der Schmerzen noch während Belastung mit Nachlassen
innerhalb der ersten Minuten nach Ende der Belastung, Lokalisation lateral
und der Schmerz muss so groß sein, dass er zum Belastungsende führt.
U.K. (Verleisdonk EJMM et al.: Long term results of fasciotomy of the
anterior compartment in patients with exerciseinduced
pain of the lower leg. Int J Sports Med 25 (2004) 224-229) DEUTSCHE
ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 55, Nr. 6 (2004)
Konservative Therapie bringt rupturierte Achillessehne
auf Trab
Komplikationsrate niedriger als nach Op / Irische Studie
BELFAST (ner). Orthopäden aus Belfast in Irland haben sich vehement für die
konservative Behandlung bei kompletter Achillessehnen-Ruptur ausgesprochen.
Bislang sind konservative Therapien umstritten; üblich ist eher die offene
chirurgische Naht der Sehne.
"Wir sind zutiefst überzeugt, daß unser nicht-chirurgisches
Behandlungsprotokoll die Therapie der Wahl sein sollte", schreiben Dr.
Richard G. H. Wallace und seine Kollegen in "The Journal of Bone and Joint
Surgery" (86-A, 2004, 1198).
Sie argumentieren mit Ergebnissen bei 140 Patienten mit akuter, kompletter
Achillessehnen-Ruptur, deren subjektives und objektives Behandlungsergebnis
mit dem gleichen Score bewertet worden ist wie in einer vorangegangen Studie
nach operativer Versorgung (Clin Orthop 346, 1998, 152).
Die irischen Orthopäden erreichten demnach bei mehr als der Hälfte der
Patienten sehr gute Ergebnisse, während die Chirurgen dies nur bei einem
Drittel schafften. Insgesamt könne man mit dem von Wallace und Kollegen
beschriebenen konservativen Therapieregime bei 98 Prozent der Patienten sehr
gute, gute und befriedigende Resultate erzielen - wenn es richtig gemacht
werde!
Diese Therapie sieht folgendermaßen aus: Innerhalb von 24 Stunden nach der
Ruptur wird ein Unterschenkel-Gips in Spitzfußstellung angelegt, der für
insgesamt vier Wochen verbleibt. In der Zwischenzeit wird eine spezielle
Orthese angepaßt, welche für weitere vier Wochen getragen werden muß. Diese
Orthese kann nachts, zur Körperpflege sowie zu aktiven Bewegungsübungen des
Sprunggelenks im Sitzen abgenommen werden.
Zugleich erfolgt in dieser zweiten Therapiephase ein Gehtraining mit Orthese,
bei dem die Belastung allmählich erhöht wird. Nach der achten
Behandlungswoche wird die Orthese entfernt, die Patienten erhalten weiter
Physiotherapie und gehen allmählich zu ihren Alltagsaktivitäten über.
Die Komplikationsrate und insbesondere die Rate von erneuten Rupturen (drei
Patienten) war erheblich niedriger als nach chirurgischer Versorgung.
Bereits nach durchschnittlich sieben Tagen gingen Wallace' Patienten wieder
ihrer Arbeit nach.
Ärzte Zeitung, 21.01.2005